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Bibliothek des Übersee-Museums

Adresse. Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen [Karte]
Telefon. (0421) 361-9324 (Bibliothek), -9176 (Vermittlung)
Telefax. (0421) 361-9291
Bibliothekssigel. <Bre 3>

Unterhaltsträger. Freie Hansestadt Bremen
Funktion. . Wissenschaftliche Spezialbibliothek (Museumsbibliothek); öffentlich zugänglich.
Sammelgebiete. Völkerkunde, Naturkunde, Handelskunde.

Benutzungsmöglichkeiten. Präsenzbibliothek. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9-15 Uhr, Freitag 9-13 Uhr und nach Vereinbarung. Leihverkehr: nicht angeschlossen. Technische Einrichtungen für den Benutzer. Kopiergerät, Mikrofiche-Lesegerät.
Hinweise für anreisende Benutzer. Schriftliche oder telefonische Anmeldung erwünscht. Fußwegnähe vom Hauptbahnhof (2 Minuten). Parkmöglichkeiten auf der Bürgerweide und in der City.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Am 15. Januar 1896 wurde das Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde eröffnet, das heutige Übersee-Museum. Es entstand aus den damals schon 100 Jahre alten Sammlungen der Gesellschaft Museum, die seit 1876 den Namen Städtische Sammlungen für Naturgeschichte und Ethnographie trugen. Zum Gründungsbestand gehörten auch die Ausstellungsobjekte der Handelshalle der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung von 1890. In diesen Ausstellungen waren die Importgüter um zahlreiche Exponate ergänzt worden, die die Kultur der Herkunftsländer veranschaulichen sollten eine Konzeption, die wesentlich zur Schaffung eines Museums anregte, das alle diese Sammlungen dauerhaft vereinigte.

1.2 Schon die Gesellschaft Museum verfügte über einen beachtlichen Fundus an naturwissenschaftlichen Monographien und Zeitschriften, der noch heute den historischen Bestand der Bibliothek prägt. Sie war aus der 1776 gegründeten Physikalischen Gesellschaft hervorgegangen, einer Lesegesellschaft, in der aufwendige naturkundliche Werke zur gemeinsamen Lektüre angeschafft wurden. Die Gesellschaft Museum hielt regelmäßig naturkundliche Vorlesungen ab und hatte auch " die Beschaffung einer Bibliothek" als Ziel. Im ausgehenden 19. Jh unterstützten weitere Bremer Vereinigungen die Städtischen Sammlungen durch Stiftungen: der Naturwissenschaftliche Verein, die Geographische Gesellschaft, die Anthropologische Kommission und der Zweigverein Bremen der Deutschen Kolonialgesellschaft.

1.3 Um die Sammlungen des neuen Museums so nutzbringend wie möglich zu präsentieren, wurde schon im Jahre 1898 ein kleines Lesezimmer eingerichtet, das den Besuchern die Gelegenheit bot, sich über ausgestellte Gegenstände näher zu informieren. 1904 benutzten bereits 3418 Personen das Lesezimmer, der Bestand betrug 4570 Bde. Die Verwaltung der Museumsbibliothek war der ethnographischen Abteilung angegliedert. Duplikatezettel wurden schon damals für die Stadtbibliothek angefertigt, die den General-Zettelkatalog führte. In den damaligen Jahresberichten wurde ein reger Tausch mit bekannten Institutionen, Museen und Vereinen registriert. 1910 schenkte die Redaktion der künstlerischen Zeitschrift Güldenkammer eine wertvolle biologische Bibliothek mit 334 Bdn. Durch Kauf und durch zahlreiche Schenkungen Bremer Kaufleute wuchs der Bestand im Jahre 1919 auf 9000 Bde an.

1.4 Der erste Museumsdirektor war Prof. Dr. Hugo Schauinsland (1857-1937). Sein Nachfolger, Prof. Dr. Carl Friedrich Roewer (1881-1963), ab 1933 im Amt, setzte sich für eine Intensivierung der wissenschaftlichen Arbeit ein: Die Museumsbibliothek wurde neu geordnet und erhielt einen höheren Etat, der in erster Linie zum Ankauf von Zeitschriftenserien verwendet wurde. Die Herausgabe eigener Publikationen ermöglichte die Aufnahme von Tauschverbindungen mit ca. 250 Museen und Instituten des In- und Auslandes und trug somit zu einer Erweiterung des Zeitschriftenbestandes bei.

1.5 Dem Beispiel anderer Museen folgend wurden während des Zweiten Weltkrieges die Sammlungen aus Sicherheitsgründen ausgelagert, wobei ca. 200 Kisten mit den Büchern der Bibliothek auf mehrere Orte der näheren Umgebung Bremens verteilt wurden. Nach dem Krieg konnte nichts mehr über den Verbleib der Bücher in Erfahrung gebracht werden, so daß die wertvolle, überwiegend aus dem 18. Jh stammende Büchersammlung verschollen blieb. Aus der Folgezeit bis in die siebziger Jahre ist wenig über die Situation der Bibliothek bekannt; personell wie finanziell war sie schlecht ausgestattet. Der Zuwachs an Büchern und Zeitschriften resultierte vorwiegend aus einem intensiven Tausch mit ca. 450 Institutionen in aller Welt.

1.6 In den Jahren 1976 bis 1978 wurde das Museum wegen Umbaus und Neuaufbaus der Sammlungen für den Publikumsverkehr geschlossen. Gleichzeitig wurde der größte Teil der Bibliothek in verschiedene Gebäude in der Nähe des Museums ausgelagert. Dieses Provisorium dauert noch an. Geplant ist z. Z. eine Unterbringung aller Bestände in einem großen Magazinkomplex gegenüber dem Museum mit Lese- und Katalograum. Seit einigen Jahren ist die Museumsleitung bemüht, die beträchtlichen Bestandslücken durch gezielte Antiquariatsankäufe auszugleichen, wobei der immer noch geringe Etat dem gewünschten Bestandsaufbau Grenzen setzt.

1.7 Im Museum untergebracht, aber noch nicht voll erschlossen sind die Bestände der Geographischen Gesellschaft, gegründet im Jahre 1877 mit ca. 5000 Bdn (ein Geschenk an die Stadt Bremen), sowie die Bücher des Bremer Afrika-Archives mit ca. 6000 Bdn (ehemalige Bibliothek der Deutschen Afrika-Gesellschaft in Bonn, heute Dauerleihgabe an das Museum). Sie konnten nicht in der Systematischen Übersicht ausgewertet werden.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Die Bibliothek umfaßt ca. 12.100 Monographien und 1420 Zeitschriftentitel in rund 40.000 Bdn. Die Bestandsaufnahme erfolgte anhand des Standortkataloges und der Zeitschriftenkartei (s. u. 3). Ausgezählt wurden 3246 Monographien mit Erscheinungsdatum vor 1900 (27 Prozent des Gesamtbestandes). Davon entfallen 4 Titel auf das 17. Jh und 68 Titel auf das 18. Jh, darunter 30 aus der Zoologie und 26 aus der Botanik.

2.2 Der historische Bestand ist zu 61 Prozent deutschsprachig; der fremdsprachige verteilt sich vorwiegend auf englische Titel (44 Prozent), französische (27 Prozent) und lateinische (20 Prozent) sowie einige wenige in sonstigen Fremdsprachen, darunter Niederländisch. Systematische Übersicht

2.3 Der Bestand ist in 7 Hauptabteilungen systematisch gegliedert. Unter " Allgemeines" sind Biographien, Reisebeschreibungen, Wörterbücher und Lexika mit 94 Titeln aus dem 19. Jh und 5 aus dem 18. Jh vertreten (insgesamt 3 Prozent des historischen Bestandes). Unter den Reisebeschreibungen, die sich teilweise auch in der völkerkundlichen Abteilung finden, sind Pierre Sonnerat, Voyage à la Nouvelle Guinée (Paris 1776), James Cook, A Voyage to the Pacific Ocean undertaken ... in the years 1776 ... and 1780 (London 1785, Bd 1 und 3) sowie die deutsche Übersetzung der Erstausgabe (Berlin 1781).

2.4 In der Gruppe der Naturwissenschaften finden sich einführende Werke, Bibliographien, Sammelbände und Werke zur Geschichte der Naturwissenschaften mit 66 Titeln (ca. 2 Prozent des historischen Bestandes). Bei der Biologie sind die Gebiete Evolution, Ökologie, Vivarien- und Meereskunde mit 131 Titeln (4 Prozent) vertreten, durchweg aus dem 19. Jh.

2.5 Die Zoologie macht mit 1426 Titeln (44 Prozent) den größten Teil des historischen Bestandes aus. Davon entfallen 30 Titel auf das 18. Jh. Obwohl ein großer Teil der wertvollen Bücher im Zweiten Weltkrieg verloren ging, zeigt sich noch deutlich der ursprüngliche Schwerpunkt der Bibliothek ( s. o. 1.2). Die Bestände sind in 6 Hauptgruppen gegliedert, wobei 358 Titel auf Sammelbände, Hand- und Lehrbücher sowie auf die Bereiche Morphologie, Anatomie, Cytologie, Genetik, Ontogenie und Physiologie entfallen. Weitere 407 Titel verteilen sich auf Faunistik, praktische Zoologie, Protozoa, Nematoden, Arachnomorpha, Insekten und Lepidoptera. Die übrigen 661 Titel sind den Diptera, Coleoptera, Hymenoptera, Mollusca, den Fischen und (am stärksten vertreten) den Vögeln gewidmet. Die Bibliothek besitzt aus dem 18. Jh zahlreiche Werke zur Meeresbiologie, z. B. George Everhard Rumph, D'Amboinsche Rariteitkamer of eene beschryvinge van allerhande schallvisschen (Amsterdam 1705) und Johann Baptist Bohadsch, Beschreibung einiger minderbekannten Seethiere und ihrer Eigenschaften (Dresden 1776), zur Ornithologie, z. B. Mathurin Jacques Brisson, Ornithologie (Paris 1760), George Edwards, A natural History of Birds (London 1743-1747) sowie zur Insektenkunde, z. B. Etienne-Louis Geoffroy, Histoire abrégée des insectes (Paris 1764), oder Johann Ludwig Christ, Naturgeschichte, Klassifikation und Nomenklatur der Insekten vom Bienen, Wespen und Ameisengeschlecht (Frankfurt 1791).

2.6 Zur Botanik sind 845 Titel (26 Prozent) vorhanden, wobei Nachschlagewerke, Werke zur Morphologie der Pflanzen sowie Monographien einzelner Pflanzengruppen und Floren Europas und Deutschlands am stärksten vertreten sind. Auch hier finden sich mit 26 Titeln einige bemerkenswerte Werke aus dem 18. Jh, so Linnés Systema naturae (Leipzig 1748) oder Joseph Pitton Tournefort, Aquisextiensis ... institutiones rei herbariae (Paris 1719).

2.7 Die 245 Titel zur Geographie (7,5 Prozent des historischen Bestandes) umfassen Entdeckungs- und Forschungsreisen, Reisebilder und -berichte, kolonialpolitische Schriften, Länderkunde und Wirtschaftsgeographie. Als Beispiele seien genannt Karl Ferdinand Appun, Unter den Tropen. Wanderungen durch Venezuela, am Orinoko ... in den Jahren 1849-1868 (Jena 1871) oder Alexander von Humboldt, Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents (Stuttgart 1859-1860).

2.8 Das Gebiet der Völkerkunde enthält neben allgemeinen Einführungswerken und Museumsführern ethnographische Studien, die sich auf die Kontinente Asien, Afrika, Amerika, Südsee und Europa verteilen. Von den insgesamt 406 Titeln (12,5 Prozent) entfallen allein 135 auf Asien (mit den Schwerpunkten China und Japan), 69 auf die Südsee, 61 auf Amerika, 41 auf Afrika und 12 auf Europa, wobei sich bei den frühen Werken die Grenze zu den Reiseberichten nicht immer klar ziehen läßt. Jeweils 4 Titel stammen aus dem 17. und 18. Jh. Die beiden ältesten Werke sind Olfert Dappert, Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Africa (Amsterdam 1670) und Athanasius Kircher, China ... (Amsterdam 1667); doch auch das 18. Jh ist mit Standardwerken vertreten wie Jean Baptiste Du Halde, Ausführliche Beschreibung des Chinesischen Reiches und der grossen Tartarey (Rostock 1747) oder James Bruce, Reisen zur Entdeckung der Quellen des Nils in den Jahren 1768 ... (Leipzig 1790-1791).

2.9 Von den 1424 Zeitschriften geht etwa ein Viertel auf das 19. Jh zurück, darunter das Botanische Jahrbuch (ab 1880), die Geographische Zeitschrift (ab 1855), Petermanns Mitteilungen (ab 1855) und Globus (ab 1864), die ziemlich vollständig vorhanden sind. Einen großen Raum nehmen die naturwissenschaftlichen Zeitschriften mit 744 Titeln (55 Prozent des Gesamtbestandes) ein, während ethnographische Zeitschriften und Zeitschriften gemischten ( d. h. völker- und naturkundlichen) Inhalts zusammen ca. 34 Prozent ausmachen. Bei allen Gruppen dürfte der Anteil der historischen Titel etwa ein Viertel betragen. Erwähnung verdient außerdem eine relativ komplette Sammlung von deutschsprachigen Kolonialzeitschriften, von denen die Artikel der 35 wichtigsten ausgewertet und in einer Datenbank erschlossen sind. Erwähnt seien der Jahresbericht über die Entwicklung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee im Jahre ... (1894-1908/09) und die Nachrichten über Kaiser-Wilhelmsland und den Bismarck-Archipel, hrsg. im Auftrag der Neuguinea-Compagnie zu Berlin (1885-1898).

3. KATALOGE

Alphabetischer Katalog

[in Zettelform; nach PI; seit 1995 Titelaufnahme der Neuzugänge auf EDV nach RAK-WB]

Systematischer Katalog

[in Zettelform; ältere hauseigene, von den Wissenschaftlern entwickelte Systematik]

Standortkatalog

[in Zettelform; als Verwaltungskatalog]

Datenbank der Kolonialzeitschriften

[erschließt sämtliche Artikel der 35 wichtigsten Titel]

Die Bestände sind weder im Norddeutschen Zentralkatalog noch in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nachgewiesen. Der Altbestand ist im Zettelkatalog der Staats- und Universitätsbibliothek verzeichnet.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Wienholt, Arnold: Geschichte des bremischen Museums. Bremen 1799 Jahresberichte des Städtischen Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde 1898 ff. (bis 1919) Abel, Herbert: Vom Raritätenkabinett zum Bremer Überseemuseum. Die Geschichte einer hanseatischen Sammlung aus Übersee anläßlich ihres 75jährigen Bestehens. Bremen 1975

Stand: Oktober 1995

Patricia Salabert


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.