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      Home > Deutschland > Bremen > Deutsches Schiffahrtsmuseum

Bibliothek im Deutschen Schiffahrtsmuseum

Adresse. Hans-Scharoun-Platz 1, 27568 Bremerhaven [Karte]
Telefon. (0471) 4 82 07-22
Telefax. (0471) 4 82 07-55

Unterhaltsträger. Stiftung " Deutsches Schiffahrtsmuseum" (Stiftung privaten Rechts)
Funktion. Präsenzbibliothek für die schiffahrtsgeschichtliche Forschung; öffentlich zugänglich. Sammelgebiet. Deutsche Schiffahrtsgeschichte in ihren internationalen Verflechtungen.

Benutzungsmöglichkeiten. Präsenzbibliothek. Öffnungszeiten Dienstag bis Donnerstag 10-16 Uhr, Freitag 10-14 Uhr, gegebenenfalls nach Vereinbarung. Leihverkehr: nicht angeschlossen. Technische Einrichtungen. Lese- und Kopiergeräte für Mikroformen, Kopiergerät, PC-Terminal für den Benutzer, Reproduktionen im Hause. Hinweise für anreisende Besucher. Anmeldung empfehlenswert. Busverbindung ab Hauptbahnhof (Linien 2, 5, 6) bis Theodor-Heuss-Platz. A 27, Ausfahrt Bremerhaven-Mitte. Die weitere Anfahrt zum Deutschen Schiffahrtsmuseum ist hinreichend ausgeschildert. Ausreichende Parkmöglichkeiten.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Als 1971 die Stiftungsurkunde des Deutschen Schiffahrtmuseums unterzeichnet wurde, war bereits vorgesehen, mit ihm auch eine Forschungsstätte zu begründen, die den Verlust des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Instituts und Museums für Meereskunde in Berlin ausgleichen sollte. Als konstitutiver Bestandteil wurde daher eine entsprechende Spezialbibliothek in die Planung mit aufgenommen. Nachdem das Gebäude 1972 fertiggestellt war, konnte 1975 die Schausammlung eröffnet werden. Schon im folgenden Jahr nahm die Bibliothek zunächst noch für einen eingegrenzten Benutzerkreis ihre Arbeit auf. Vollends für die Öffentlichkeit zugänglich wurde sie 1978.

1.2 Den ersten Fundus bildete der vom ehemaligen Morgensternmuseum, dem stadtgeschichtlichen Museum Bremerhavens, übernommene Bestand, doch wuchs der Umfang, nicht zuletzt durch zahlreiche Spenden und Schenkungen, rasch an. Von 3500 Bdn im Jahre 1976 stiegen die Bestandszahlen, u. a. durch die Schenkung der Bibliothek des Brüsseler Paul Scarceriaux, in drei Jahren auf 16.000. 1985 hatte sich die- se Menge verdoppelt und 1990 überschritt die Zahl der Buchbindereinheiten 50.000. Hierzu verhalf wesentlich die Übernahme der Documenta Maritima Heberlein, der maritimen Sammlung des Schweizers Hermann Heberlein. Im Laufe von fast zwei Jahrzehnten wuchs auch die Zahl der ständig gehaltenen Periodika von 10 im Gründungsjahr auf über 400.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Der Gesamtbestand beträgt ca. 60.000 Bde, davon 441 laufende Periodika. Die Bestandsaufnahme erfolgte anhand der in der Datenverarbeitung erfaßten Titel. Ausgezählt wurden damit ca. 16.000 Titel, wobei wegen des hierin enthaltenen Sonderbestandes der Documenta Maritima Heberlein vorsichtige Korrekturen bei der Hochrechnung auf den Gesamtbestand vorgenommen werden mußten. Danach ergibt sich ein Anteil von Literatur aus der Zeit vor 1900 von 8,5 Prozent (ca. 5000 Titel). Die frühesten stammen aus dem 16. Jh (ca. 15 Titel), darunter Werke von Petrus Apianus und Olaus Magnus. Ca. 70 Titel entstammen dem 17. Jh und 315 dem 18. Jh. Hinzu kommen 4600 Titel des 19. Jhs.

2.2 Der internationale Charakter der Schiffahrt bringt eine Fülle nichtdeutscher Literatur im historischen Bestand mit sich, doch dominiert die deutsche Literatur mit ca. 2900 Titeln. An zweiter Stelle folgt Englisch mit 1050 Titeln, dann Französisch mit ca. 550 Titeln. Der Rest verteilt sich auf andere europäische Gegenwartssprachen, besonders Niederländisch und die skandinavischen Sprachen. Latein ist wegen der lebensweltlich-praktischen Orientierung des Sammelgebietes mit ca. 85 Titeln weniger vertreten als bei einer Bibliothek rein akademischer Prägung. Systematische Übersicht

2.3 Der Systematische Katalog wurde vom ersten Leiter der Bibliothek, Arnold Kludas, für die Bedürfnisse des Sammel- und Forschungsgebietes entworfen und im Laufe der Jahre erweitert und ergänzt. Heute gliedert sich der Gesamtbestand in die Hauptgruppen Allgemeine Literatur; Schiffahrtsgeschichte, chronologisch; Schiff und Schiffbau; Grundlage und Hilfsmittel der Schiffahrt; Zivile und bewaffnete Schiffahrt; Naturwissenschaft; Sozial- und Geisteswissenschaft. Sie differenzieren sich über 3 Ebenen in 75 Gruppen zweiter, 456 Gruppen dritter und je nach der Menge der Titel weiter in 1082 Gruppen vierter Ordnung. Diese Verästelung ermöglicht bereits eine gute Erschließung des Bestandes, wird aber zusätzlich durch ein Schlagwortverzeichnis ergänzt, das auf die Notationen des Systematischen Kataloges verweist.

2.4 Der historische Bestand verteilt sich zu unterschiedlichen Anteilen auf die einzelnen Hauptgruppen. Teilweise systembedingt ist der hohe Anteil an Allgemeiner Literatur mit ca. 1050 Titeln (ca. 21 Prozent), denn hier finden sich die älteren Zeitschriftenbestände und Schiffslisten, aber auch Nachschlagewerke und Atlanten sowie die kartographische Fachliteratur. Aus dieser umfangreichen Gruppe seien genannt: P. Apian, Cosmographiae introductio (Venedig 1535), A. Kircher, Iter extaticum (Rom 1657), W. A. Winschooten, W. à W.s Seeman: behelsende een grondige uitlegging van de Nederlandse Konst, ... voor soo veel de uit de Seevaart sijn entleend (Leiden 1681), J. B. Homann, Atlas Novus (Nürnberg 1746), M. Ozanam, Usage du compas de proportion (Paris 1748), J. H. Dielhelm, Allgemeines hydrographisches Wörterbuch (Frankfurt 1768), J. H. Roeding, Allgemeines Wörterbuch der Marine (Hamburg und Halle 1793), W. Falconer, Universal Dictionary of the Marine (London 1769), M. Lenker, Anleitung zur mathematischen Erdbeschreibung ( Wien 1818), H. Berghaus, Sammlung physisch-hydrographischer Karten nach den Beobachtungen an Bord der königlichen Seehandlungsschiffe ( o. O., ca. 1850).

2.5 Die Hauptgruppe Schiffahrtsgeschichte enthält neben schiffahrtsgeschichtlicher Fachliteratur auch allgemeine historische Quellen, so Reisebeschreibungen und Chroniken oder Urkundenregister. Sie beträgt ca. 700 Titel (14 Prozent) des historischen Bestandes. Vorhanden sind z. B. O. Magnus, Historia de gentibus septentrionalibus (italienisch, Venedig 1565), L. Hulsius, Schiffahrten VI (Nürnberg 1603), Saxo Grammaticus, Historia Danica (dänisch; Kopenhagen 1752), J. I. Berghaus, Geschichte der Schiffahrtskunde (Leipzig 1792) und O. Peschel, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (Stuttgart 1858).

2.6 Mit ca. 450 Titeln (9 Prozent) des historischen Bestandes ist die Hauptgruppe Schiff und Schiffbau die kleinste. Technische Literatur zum Schiffbau, aber auch zu einzelnen Schiffen oder Bautraditionen hat hier ihren Platz. Erwähnenswert sind J. Furttenbach, Architectura navalis (Ulm 1629) und C. van Yk, De Nederlandse scheeps-bouwkonst open gestelt (Amsterdam 1697). Interessant ist auch der historische Bestand zur Frühgeschichte der Schiffsmaschinen, z. B. R. Murray, Rudimentary treatise on marine engines and steam vessels (London 1852), W. Müller, Die Schiffsmaschinen (Braunschweig 1896) sowie frühe Schiffsausrüstungskataloge und Werftmaterialien.

2.7 Die Hauptgruppe " Grundlage und Hilfsmittel der Schiffahrt" (ca. 700 Titel, 14 Prozent) deckt nicht nur die technischen und organisatorischen Voraussetzungen von Schiffahrt, Hafen- und Wasserbau, Reederei-, Rettungs- und Bergungswesen ab, sondern auch den Bereich Navigation einschließlich Astronomie, Zeitmessung, Seezeichenwesen etc. Die Bibliothek verfügt hier u. a. über P. de Sainte Marie Magdelaine, Traite d'horlogiographie (Paris 1680), J. U. Müller, Unbetrüglicher Stunden-Weiser ( o. O. 1712), J. L. Rost, Astronomisches Handbuch (Nürnberg 1718); L. Voch, Anwendung der Feldmeßkunst (Augsburg 1777), J. Atkinson, Epitome of the art of navigation (London 1778), L. H. Röhl, Anleitung zur Steuermannskunst (Greifswald 1778), Handbuch der Schiffahrtskunde, verfaßt von der Hamburger Gesellschaft zur Verbreitung der mathematischen Kenntnisse (Hamburg 1819) und H. J. Klaproth, Lettre à M. le Baron A. de Humboldt, sur l'invention de la bussole (Paris 1834).

2.8 Die Gruppe " Zivile und bewaffnete Schiffahrt" (ca. 750 Titel, 15 Prozent) behandelt die nicht-schiffstechnischen Aspekte. Die Titel verteilen sich auf die Themen Segelschiffahrt, maschinengetriebene Frachtschiffahrt, Passagier-, Binnen- und Sportschiffahrt, aber auch Marine, Fischerei etc. bis hin zur Piraterie. Genannt seien Lancelot Voisin, L'amiral de France (Paris 1584), G. J. Honig, Walvisch-vangst ( o. O. 1683), C. G. Zorgdrager, Bloeijende opkomst der aloude en hedendaagsche Groenlandsche visschery (s'Gravenhage 1727), F. Herrmann, Über die Seeräuber im Mittelmeer und ihre Vertilgung (Lübeck 1815) und V. E. Thellung von Courtlary, Darstellung der Marine (Zürich und Leipzig 1818). Durch die Schriften von R. Brommy fehlt auch Material zur ersten deutschen Marine von 1848 nicht.

2.9 Die vorletzte Hauptgruppe Naturwissenschaft umreißt das naturwissenschaftiche Umfeld der Schiffahrtsgeschichte. Mit einem Anteil von ca. 850 Titeln (17 Prozent) liegt hier ein Schwerpunkt des älteren Schrifttums vor. Biologie, Geographie, Mathematik, Meteorologie und Medizin wurden zusammengefaßt, soweit sie nicht direkt in die vorgenannten Gruppen fallen. Als Disziplinen der physikalischen Geographie stehen hier auch Ozeanographie und Hydrographie. Das Schrifttum ist entsprechend umfangreich. Aus der Fülle der Titel seien genannt G. Botero, Le relationi del mare (Venedig 1605), P. Clüver, Introductio in universam geographiam (Amsterdam 1683), N. Bion und J. G. Doppelmayr, Neu-eröffnete mathematische Werck-Schule (Nürnberg 1741), J. Ellis, Essai sur l'histoire naturelle (Den Haag 1756), G. F. Brander, Beschreibung seines planisphaerii astrognostici aequatorialis (Augsburg 1775), M. A. Prestel, Das Thermometer (Emden 1846), J. G. Kohl, Geschichte des Golfstroms (Bremen 1868). Stellvertretend für frühe Expeditionsberichte steht Die deutsche Tiefsee-Expedition auf dem Schiff Valdivia 1898/1899 (Berlin 1899).

2.10 Ca. 500 Titel (10 Prozent) des historischen Bestandes betreffen das soziale und historische Umfeld der Schiffahrt. Dabei finden sowohl alle geschichtlichen Aspekte wie z. B. Wirtschafts-, Verkehrs-, Kultur-, Kunst- und Militärgeschichte, aber auch Archäologie und Heraldik Berücksichtigung. Genannt seien F. Vegetius Renatus, Epitoma rei militaris (italienisch; Venedig 1540), A. Aubery, De la régale (Paris 1678), D. Ufano, Archeley (Frankfurt 1614), H. Ruscellus, Kriegs und Archeley Kunst (Frankfurt 1620), G. F. von Martens, Grundriß des Handelsrechts (Göttingen 1798), Verordnung den Wasserschout und dessen Verpflichtungen ... betreffend (Bremen 1805) sowie Aus Sturm und Not, Selbstschriften-Album des Deutschen Reiches, hrsg. im Auftrag der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (Berlin 1887).

3. KATALOGE

Alphabetischer Katalog

[in Zettelform; nach RAK-WB]

Systematischer Katalog

[in Zettelform; enthält auch systematische Auswertung von Zeitschriften und Sammelbänden]

Neuzugänge seit 1991 werden in der Datenverarbeitungsanlage (BIS-LOK) erfaßt und sind sowohl über den Zettelkatalog als auch im OPAC zugänglich. Es wird beabsichtigt, hier mittelfristig auch den Altbestand zu erfassen. Für den Sonderbestand der Monumenta Maritima Heberlein sind Schlagwörter vergeben.

Die Bestände sind weder im Norddeutschen Zentralkatalog noch in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nachgewiesen.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Kludas, Arnold: Die Bibliothek des Deutschen Schiffahrtsmuseums. In: Deutsche Schiffahrt 5 (1983) Heft 2, S. 29--32

Kludas, Arnold: Die Bibliothek. In: 1975--1985. Zehn Jahre Deutsches Schiffahrtsmuseum. Bremerhaven 1985, S. 25

Kludas, Arnold: Zur Situation in der Bibliothek des DSM. In: Deutsche Schiffahrt 12 (1990) Heft 2,S. 23--27

5. VERÖFFENTLICHUNGEN ZU DEN BESTÄNDEN

May, Jutta: Die Monumenta Maritima Heberlein. Bremerhaven 1995 (Bibliographien des Deutschen Schiffahrtsmuseums 1)

Stand: November 1995

Albrecht Sauer


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.