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Universitätsbibliothek Greifswald - Fachbibliothek Theologie

Adresse. Am Rubenowplatz 2-3, 17487 Greifswald [Karte]
Telefon. (03834) 86-1639
Email fb226@uni-greifswald.de
Bibliothekssigel. <9/226>

Unterhaltsträger. Land Mecklenburg-Vorpommern
Funktion. Fachbibliothek.
Sammelgebiete. Evangelische Theologie und Grenzgebiete, Palästinakunde und Judaica; Christliche Kunst und Archäologie.

Benutzungsmöglichkeiten. Präsenzbibliothek. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8-18 Uhr, Freitag 8-16 Uhr.
März, August, September 8:00 - 16:00 Uhr. Während der vorlesungsfreien Zeit bestehen verkürzte Öffnungszeiten, die durch Aushang im Institut gekennzeichnet werden.
Technische Einrichtungen für den Benutzer. Kopiergerät.
Hinweise für anreisende Benutzer. Anmeldung empfehlenswert. Fußwegnähe vom Bahnhof (ca. 5 Minuten). Die Fachbibliothek befindet sich gegenüber des Universitätshauptgebäudes, in unmittelbarer Nähe der Alten Universitätsbibliothek.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Die Bibliothek der Theologischen Fakultät dient der Literaturversorgung der an der Theologischen Fakultät Lehrenden und Studierenden. In die Fachbibliothek inkorporiert sind die Bibliotheken des Gustaf-Dalman-Instituts für biblische Landes- und Altertumskunde (gegr. 1920) und des Victor-Schultze-Instituts für kirchliche Kunst und Archäologie (gegr. 1884).

1.2 Das Institut für biblische Landes- und Altertumskunde trägt den Namen von Gustav Dalman (1855-1941). Er war von 1902 bis 1914 Vorsteher des " Deutschen evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des heiligen Landes" in Jerusalem. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges weilte er zufällig in Deutschland, eine Rückkehr nach Jerusalem blieb ihm verwehrt. Er erhielt zum Oktober 1917 einen Ruf an die Theologische Fakultät der Universität Greifswald, wo er bald den Entschluß faßte, nach dem Vorbild des Deutschen Palästina-Instituts in Jerusalem ein Institut in Greifswald zu schaffen.

1.3 Das Institut existiert als Forschungsstätte für Palästinawissenschaft seit etwa 1920. Anläßlich des 70. Geburtstages von Gustav Dalman erging 1925 ein Aufruf zur Gründung einer Stiftung. Es kam die beachtliche Summe von über 10.000 RM zusammen, die für die Erweiterung der Bibliothek und der Sammlungen des Instituts verwandt wurden. Nach dem Tode Dalmans konnten mit Stiftungsmitteln seine eigenen Sammlungen, Bücher und etwa 2000 Lichtbilder im Werte von 6500 RM erworben werden. Seit 1946 heißt das Institut Gustav-Dalman-Institut für biblische Landes- und Altertumskunde.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Der Gesamtbestand der Bibliothek umfaßt ungefähr 52.000 Bestandseinheiten, davon 5949 historische (etwa 12 Prozent des Gesamtbestandes). In dieser Zahl sind 1188 Titel ohne Jahresangabe enthalten, von denen jedoch die Mehrzahl zum historischen Bestand gehört. Die Zählung erfolgte nach dem systematischen Standortkatalog.

2.2 Aus dem 16. Jh stammen 59 Titel, aus dem 17. Jh 82, aus dem 18. Jh 234 und aus dem 19. Jh 4286.

2.3 Erwartungsgemäß überwiegt die deutsche Sprache mit 4298 Titeln. In lateinischer Sprache sind 568 Titel, in hebräischer oder aramäischer 473, in englischer 262, in französischer 155, in griechischer 34 und in sonstigen Sprachen 159.

2.4 Der bedeutendste Teil des historischen Bestandes findet sich in den Sondersammlungen (s. u. 2.8-2.18): 57 Titel (von 59) aus dem 16. Jh, 57 (von 82) aus dem 17. Jh und 112 (von 234) aus dem 18. Jh. Systematische Übersicht

2.5 Die Bibliothek ist in die Abteilungen Altes Testament, Neues Testament, Religionsgeschichte, Systematische Theologie, Kirchengeschichte, Praktische Theologie und Kirchenrecht gegliedert. Die inkorporierten Bibliotheken sind gesondert aufgestellt.

2.6 Die Abteilung Altes Testament enthält 386 Titel aus dem 19. Jh gegenüber 6 aus dem 17. Jh und 10 aus dem 18. Jh. Ähnlich ist die Situation in der Abteilung Neues Testament. 297 Titel aus dem 19. Jh stehen einem aus dem 17. Jh und 6 aus dem 18. Jh gegenüber. Bei den Werken des 19. Jhs handelt es sich vor allem um die ersten textkritischen Ausgaben des Neuen Testaments sowie um Kommentare.

2.7 Der Bestand zur Systematischen Theologie ist nicht sehr umfangreich: 4 Titel aus dem 17. Jh, 17 aus dem 18. Jh und 271 aus dem 19. Jh. Die Kirchengeschichte ist mit 12 Titeln aus dem 17. Jh, 26 aus dem 18. Jh und 873 aus dem 19. Jh vertreten. Vorwiegend aus historischen Beständen besteht die kleine Abteilung Kirchenrecht, die 2 Titel aus dem 16. Jh, einen aus dem 17. Jh, 25 aus dem 18. Jh und 191 aus dem 19. Jh verzeichnet.

Sondersammlungen

2.8 Der Großteil des historischen Bestandes verteilt sich auf die Bibliotheken der beiden Institute und der ehemaligen Greifswalder Gelehrten Gesellschaft. Im Victor-Schultze-Institut finden sich 5 Titel aus dem 17. Jh, 12 aus dem 18. Jh und 384 aus dem 19. Jh. Erwähnenswert ist das erste grundlegende Werk zur christlichen Archäologie von Antonio Bosio, Roma sotterranea (Rom 1632, auch in der Ausgabe von 1650 vorhanden).

2.9 Die historischen Bestände des Gustaf-Dalman-Instituts umfassen auf dem Gebiet der Palästinawissenschaft einen Titel aus dem 16. Jh, 8 aus dem 17. Jh, 19 aus dem 18. Jh und 401 aus dem 19. Jh. An Judaica sind 51 Titel aus dem 16. Jh, 49 aus dem 17. Jh, 81 aus dem 18. Jh und 899 aus dem 19. Jh verzeichnet.

2.10 Die Abteilung für Palästinawissenschaft ent- hält hebräische Textausgaben des Alten Testaments und Targume aus dem 16. Jh ( u. a. 3 Ausgaben aus Venedig) wie auch aus dem 17. Jh (Leiden) und dem 18. Jh (Halle, Kiel, Leipzig), außerdem zahlreiche Ausgaben aus dem 19. Jh. Die Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments wie auch die Schriften von Flavius Josephus und Philo von Alexandrien sind ausschließlich in Drucken des 19. Jhs vertreten. Bei den Mischna- und Tosephta-Ausgaben ist das 19. Jh reich vertreten, es finden sich aber auch Drucke aus dem 16. und 18. Jh. Die Traktate des Babylonischen Talmuds liegen in verschiedenen Ausgaben aus dem 19. Jh, aber auch aus dem frühen 16. Jh (Venedig) und dem 17. Jh ( u. a. Amsterdam, Leiden) vor.

2.11 Ähnlich ist die Situation bei den Ausgaben des Jerusalemer Talmuds: Neben der editio princeps aus Venedig (1523-1524) finden sich Ausgaben ( z. T. nur einzelner Traktate) aus dem 18. Jh (Konstantinopel) und zahlreiche aus dem 19. Jh. Die Mechilta ist ebenfalls mit einer Reihe früher Drucke aus dem 16. Jh (Konstantinopel, Mantua, 2 Drucke aus Venedig), dem 17. Jh (Prag) und dem 18. Jh (Hamburg, Amsterdam) vertreten.

2.12 Bei den Midraschim sind besonders die Drucke aus dem 16. Jh interessant (Konstantinopel, 4 Drucke aus Venedig, 2 Drucke aus Saloniki). Auch liegen mehrere Ausgaben aus dem 19. Jh vor sowie einzelne aus dem 17. Jh (Frankfurt a. M.) und 18. Jh (Frankfurt a. M., Amsterdam). Die Halacha ist, abgesehen von wenigen Drucken einzelner Traktate aus dem 16. Jh (Venedig), dem 17. Jh (Basel) und dem 18. Jh ( u. a. Saloniki, Jena), vor allem in Ausgaben des 19. Jhs vorhanden. Mittelalterliche Kommentare sind aus dem 16. Jh (Venedig), aus dem 17. Jh (Oxford, Utrecht, Venedig, 3 Drucke aus Amsterdam), aus dem 18. Jh (Oxford, Frankfurt/Oder, 2 Drucke aus Amsterdam) und noch häufiger mit Drucken aus dem 19. Jh vertreten.

2.13 Des weiteren finden sich mittelalterliche jüdische Abhandlungen vornehmlich in Drucken aus dem 19. Jh, vereinzelt auch aus dem 16. Jh (Venedig), dem 17. Jh (Basel) und dem 18. Jh. Nur in Drucken des 19. Jhs vorhanden sind Ausgaben jüdischer Dichtung. Bei den kabbalistischen Schriften sind ältere Ausgaben vorhanden, darunter aus dem 16. Jh einige Erstausgaben. Verschiedene Einzelschriften stammen aus dem 17. Jh (Frankfurt, 3 Drucke aus Amsterdam, 2 aus Venedig) und dem 18. Jh (Venedig, Konstantinopel).

2.14 Eine größere Anzahl an Schriften befaßt sich mit der Darstellung und mit den ältesten Quellen der jüdischen Religion, darunter Erstausgaben aus dem 16. Jh. Hinzu kommen verschiedene Einzelschriften aus dem 17. Jh ( u. a. Krakau, Amsterdam, Venedig) und 18. Jh (Berlin, Amsterdam, Fürth, Krakau, Frankfurt, Hamburg). Die Mehrzahl der Titel dieses Sachgebietes machen die Drucke des 19. Jhs mit den unterschiedlichsten Druckorten aus (Ost- und Mitteleuropa, Jerusalem, New York). Zu den bedeutendsten Stücken der Sammlung zählt der Erstdruck von Spinozas Tractatus Theologico-Politicus (1670), der auch in einer frühen deutschen Übersetzung von S. H. Ewald vorhanden ist (Gera 1787).

2.15 Zur jüdischen Liturgik findet sich reichhaltiges Material aus dem 16. Jh ( u. a. Bologna, Cremona, 2 Drucke aus Venedig), dem 17. Jh (Amsterdam, Prag), dem 18. Jh (Prag, Sulzbach, Livorno, je 2 Drucke aus Amsterdam und Mantua, 3 aus Venedig) und vor allem aus dem 19. Jh. Zur jüdisch-biblischen Exegese finden sich nur vereinzelte Titel aus dem 19. Jh. Bei der jüdischen Belletristik des 19. Jhs liegt ein gewisser Schwerpunkt im osteuropäischen Raum. Vereinzelt sind auch Schriften zur jüdischen Kultur und zu den Anfängen der zionistischen Bewegung aus dem 19. Jh vorhanden.

2.16 Historischer Bestand ist auch bei den Darstellungen der israelitisch-jüdischen Geschichte nur vereinzelt anzutreffen, so aus dem 18. Jh (Leipzig, Jena, Luxemburg), häufiger aus dem 19. Jh. Umfangreichere Bestände aus dem 19. Jh sind zur Frage der Beziehung zwischen Judentum und Christentum und zur Judenmission vorhanden, vereinzelt auch aus dem 17. Jh (Leipzig) und 18. Jh (Helmstedt). In diesen Zusammenhang gehören Übersetzungen des Neuen Testaments ins Hebräische, Arabische und Syrische aus dem 19. Jh. Zum Verhältnis des Neuen Testaments zur rabbinischen Literatur gibt es Zeugnisse aus dem 17. Jh (Leipzig, Stettin) und dem 18. Jh (Stockholm, Leiden, Dresden, Leipzig). Interessant sind jüdische Äußerungen zum Thema Judenmission, vor allem aus dem 19. Jh, aber auch aus dem 17. Jh (2 Drucke aus Altdorf, Nürnberg).

2.17 Der zweite große Komplex umfaßt die Palästinakunde. Hier finden sich zahlreiche Reise- und Landesbeschreibungen Palästinas und der angrenzenden Gebiete aus dem 16. Jh (Magdeburg), dem 17. Jh (Caen, Nürnberg), dem 18. Jh (Erlangen, Kleve, zwei Drucke aus Göttingen, zwei aus Hamburg, Lemberg, Jena, Augsburg, Prag, Kopenhagen) sowie mehr als 100 Titel aus dem 19. Jh. Vereinzelt liegt ältere Literatur zur Botanik des Landes vor, vornehmlich aus dem 19. Jh. Unter den Bildbänden, die meistens aus dem 19. Jh stammen, ist ein Druck aus dem 17. Jh (Ansbach) besonders zu erwähnen.

2.18 Bei der Literatur zur Geschichte des Heiligen Landes und zum dortigen Brauchtum überwiegt das 19. Jh. Bei den Schriften zur Topographie des Landes stehen neben den zahlreicheren Drucken des 19. Jhs auch solche des 17. Jhs ( u. a. Rostock, Wittenberg) und des 18. Jhs (Nürnberg, Helmstedt). Bei den Wörterbüchern und Grammatiken zur hebräischen, aramäischen, jiddischen und syrischen Sprache überwiegt das 19. Jh, aber es sind auch frühere Drucke vorhanden, so aus dem 16. Jh (Pesaro, Basel), dem 17. Jh (Frankfurt, Amsterdam, Kopenhagen) und 18. Jh (Göttingen, Leipzig, Wandsbek, Venedig).

3. KATALOGE

Hauptkataloge für den allgemeinen Theologiebestand:

Alphabetischer Katalog

Systematischer Standortkatalog

Victor-Schultze-Institut:

Alphabetischer Katalog

Systematischer Standortkatalog

Gustaf-Dalman-Institut:

Alphabetischer Katalog

Systematischer Katalog

[Alle Kataloge in Zettelform. Im alphabetischen Hauptkatalog der Bibliothek sind die Sonderbestände nicht oder nur mit neueren, nicht historischen Beständen verzeichnet.]

Ein Nachweis der historischen Bestände der Fachbibliothek Theologie in den Katalogen der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald ist beabsichtigt.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Wolff, Peter: Die historischen Bestände der Bibliothek der Theologischen Fakultät Greifswald. Berlin 1993 (Abschlußarbeit Postgraduales Universitätsstudium Bibliothekswissenschaft Humboldt-Universität zu Berlin) [mschr.]

Stand: September 1995

Peter Wolff


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.