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Kuks [Kukus]

Schloßbibliothek

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Die ursprüngliche, berühmte Schloßbibliothek des Grafen Franz Anton von Sporck (1662-1738), die angeblich seinerzeit über 50.000 Bde umfaßt haben soll, wurde größtenteils im Jahre 1729 bei ihrer Beschlagnahmung durch die Jesuiten vernichtet. Sporck erhielt später nur einen Bruchteil der Sammlung zurück. Ein Teil der Bibliothek (ca. 600 Bde) von Sporcks Tochter Anna Katharina (1689-1754), verheiratet mit dem Grafen Franz Karl Rudolph Sweerts-Sporck (1688-1757), wurde 1852 aus dem Schloß Lysá nad Labem [Lissa] nach Kukus gebracht. 1932 wurde diese Sammlung durch den Verkauf von Büchern an ein Antiquariat stark vermindert. Kuks [Kukus] 1.1

1.2 Einen weiteren Teil der heutigen Bibliothek in Kukus haben die Barmherzigen Brüder gesammelt, deren Bücher überwiegend aus säkularisierten Jesuiten-Niederlassungen stammen. In der ersten Hälfte des 20. Jhs sorgten Graf Gustav Sweerts-Sporck (1853-1933) und seine Gemahlin Helene Scherenberg-Dähnert (1864) für eine Bestandserweiterung. Helene war mit den deutschen Dichtern Christian Friedrich (1798-1881) und Ernst Scherenberg (1839-1905) verwandt, deren Werke in diesem Teil der Bibliothek zahlreich vertreten sind. Während des Zweiten Weltkrieges wurde eine weitere Büchersammlung der Sporcks nach Kukus gebracht, die von Dr. Ernst Back im Zuge seiner Forschungen über die Familie Sporck gesammelt worden war, sowie eine kleinere Sammlung über die Sporcks von Dr. Jugo Nettl. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Bibliothek unter die Verwaltung des Nationalmuseums in Prag. Heute befindet sie sich im Besitz des Denkmalamtes für Ostböhmen [Památkový ústav Východních Cech] in Pardubice [Pardubitz].

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

2.1 Die heutige Bibliothek umfaßt 8778 Bde, darunter 5 Drucke aus dem 16. Jh, etwa 2500 Drucke des 17. und 18. Jhs sowie ca. 6000 Bde aus dem 19. Jh. Etwa 80 Prozent aller Bücher liegen in deutscher Sprache vor.

2.2 Der größte Teil des Bestandes entfällt auf theologische Literatur, Predigtsammlungen, Gebetbücher, Katechismen, Breviere, Werke der Kirchenväter, Bibeln und bibelkundliche Literatur sowie Schriften zur Kirchengeschichte. Eine weitere große Bestandsgruppe bilden medizinische Schriften aller Art, chemische Werke und Bücher über Heilkräuter aus der Mitte des 18. bis zum Ende des 19. Jhs. Die naturwissenschaftlichen Werke sind in der Regel allgemeinen Charakters und stammen aus der Zeit um 1800. Historische Werke betreffen zumeist die Geschichte einzelner Staaten. Die landwirtschaftliche Literatur konzentriert sich auf Tierzucht, Ackerbau und Lebensmittelindustrie. Hinzu kommen kleinere Bestände mit Sprachlehrbüchern, Lehrbüchern für Mathematik und Physik und Ausgaben der lateinischen Klassiker.

2.3 Besonders zu nennen sind die Werke über die Familie von Sporck und Sweerts und die von Angehörigen dieser Familie verfaßten Schriften. An erster Stelle stehen hier Werke über Graf Franz Anton von Sporck (1662-1738), z. B. Ferdinand van der Roxas, Leben eines herrlichen Bildes wahrer Frömmigkeit in der Person Sr. Excellenz, Herrn F. A. Grafen von Sporck ... (Amsterdam 1715) und Gottwald Caesar von Stillenau, Leben des Herrn Franz Anton Grafen von Sporck ([Prag] 1720). Über seine Tochter liegt u. a. vor W. Regners Anna Catharina Swerts Sporck (Prag 1755).

Standortkatalog [erstellt 1959]

Die Katalogisierung der Bestände mit EDV wurde 1996 begonnen.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Lifka, Bohumír: Historické knihovny v Kuksu [Historische Bibliotheken in Kukus]. In: Kuks. Hospitál a Betlém. Praha 1959, S. 20-25

Stand: November 1996

Petr Mašek


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.