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Fachbibliothek für Mathematik, Statistik und Informatik an der Universität Wien

Adresse. . Strudlhofgasse 4, 1090 Wien [Karte]
Telefon. . (0222) 31 367-4036
Bibliothekssigel. .<UBW-118>

Unterhaltsträger. . Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Universitätsbibliothek Wien
Funktion. Öffentlich zugängliche Fachbibliothek.
Sammelgebiete. . Mathematik, Statistik und Informatik.

Benutzungsmöglichkeiten. . Ausleihbibliothek. - Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9-13 Uhr, Dienstag, Donnerstag auch nachmittags. - Leihverkehr: ÖLV, internat. Leihverkehr über UB Wien.
Technische Einrichtungen für Benutzer. Kopiergerät, Mikrofiche-Lesegerät.
Hinweise für anreisende Benutzer. Straßenbahnlinien 37, 38, 40, 41, 42 bis Station Spitalgasse/Nußdorferstraße bzw. Linie 5 bis Währinger Straße.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Seit der Hochblüte im späten Mittelalter hat die Mathematik an der Universität Wien erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jhs an Bedeutung gewonnen. 1876 genehmigte das Ministerium für Cultus und Unterricht die Gründung eines mathematischen Seminars, und mit dem Studienjahr 1876/1877 übernahmen die Professoren Ludwig Boltzmann (1844-1906) und Emil Weyr (1848-1894) dessen Leitung. Gleichzeitig wurde eine jährliche Dotation von 200 Gulden für den Aufbau einer mathematischen Handbibliothek bewilligt.

1.2 Anfang 1877 wurden der Seminarbibliothek die Bücher des Dozenten Hermann Frombeck (1849-ca. 1876) zugewiesen. Auch später noch haben Nachlässe Wesentliches zur Bestandserweiterung beigetragen. 1886 übersiedelten Seminar und Bibliothek in das neue Universitätsgebäude am Ring. Ein eigenes Lesezimmer wurde eingerichtet und ein verdientes Seminarmitglied als Bibliothekar bestellt. Die Herausgabe der Monatshefte für Mathematik und Physik ab 1890 ermöglichte es, eine Reihe von Zeitschriften im Schriftentausch zu beziehen. Einige dieser Tauschbeziehungen bestehen bis heute. Die Jahre von 1876 bis 1914 waren das goldene Zeitalter der Bibliothek. In dieser Zeit konnte die deutschsprachige mathematische Literatur mit großer Vollständigkeit gesammelt werden, ebenso die wichtigste französische und italienische. Ältere Werke wurden nicht systematisch nachgekauft, allerdings haben Legate (z. B. von Gustav Peschka, 1830-1903, Professor an der Technischen Hochschule), Schenkungen (u. a. durch den Akademischen Verein der Mathematiker und Physiker) und die Abgabe von Dubletten (durch die Universitätsbibliothek und andere Bibliotheken) manche Lücken geschlossen und manches kostbare Werk dem Bestand hinzugefügt. Besonderen Stellenwert hat die Nachlaßbibliothek von Hans Hahn (1879-1934, einer der Initiatoren des Wiener Kreises und einer der bedeutendsten Mathematiker seiner Zeit), die das Spektrum um wichtige Beiträge zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie der Mathematik bereicherte.

1.3 1913 erfolgte der Umzug des mathematischen Seminars in das neue Gebäude der physikalischen Institute, wo sich das mathematische Institut noch heute befindet. Durch das Universitätsorganisationsgesetz von 1975 wurden die Institutsbibliotheken der Universitätsbibliothek angegliedert. So wurde unter Einbeziehung der Bibliothek des Instituts für Statistik und Informatik die Fachbibliothek für Mathematik, Statistik und Informatik als Abteilung der Universitätsbibliothek Wien konstituiert.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Der Gesamtbestand umfaßt ca. 25.000 Titel (inbegriffen sind 456 Zeitschriften). Die Monographien und Zeitschriften aus der Zeit vor 1900 ergeben eine Anzahl von 1165 Titeln. Ein Titel ist aus dem 16. Jh, 24 sind aus dem 18. Jh, 1138 aus dem 19. Jh. Die Zahlen wurden durch Autopsie ermittelt.

2.2 Hinsichtlich der sprachlichen Verteilung überwiegen Deutsch und Französisch mit 783 bzw. 217 Titeln. Hinzu kommen 53 Titel in Italienisch, 38 in Englisch, 33 in Latein und 18 in Altgriechisch. Vertreten sind überdies Niederländisch (7), Tschechisch (6), Spanisch (3), Russisch (3), Dänisch (2), Hebräisch (1), Polnisch (1) und Norwegisch (1).

Systematische Übersicht

2.3 Einen Bestandsschwerpunkt bildet die Analysis mit 279 Titeln. Zu erwähnen sind Schriften von Guillaume de L'Hospital (Traité analytique des sections coniques, Paris 1720), Alexis C. Clairaut (Recherches sur les courbes a double courbure, Paris 1731), Colin Maclaurin (A treatise of fluxions, Edinburgh 1742). Zudem sind mehrere Werke von Leonhard Euler in alten Ausgaben vorhanden, u. a. die deutschen Übersetzungen von Johann Michelsen. Kaum von der Analysis zu trennen sind die meisten Werke aus den Mathematischen Naturwissenschaften (148 Titel). Anzuführen sind hier Isaac Newtons Opuscula mathematica, philosophica et philologica (Lausanne, Genf 1744), Joseph de Fouriers Théorie analytique de la chaleur (Paris 1822) und Ludwig Boltzmanns Vorlesungen über die Principe der Mechanik (Leipzig 1897, 1904).

2.4 Gut vertreten ist die Geometrie mit 233 Titeln und namhaften Autoren, wie Gaspard Monge, Jean Victor Poncelet, August F. Möbius, Christian Staudt und Julius Plücker. Vorhanden sind ferner Ausgaben aller Arbeiten Felix Kleins sowie David Hilberts Grundlagen der Geometrie (Leipzig 1899) im Erstdruck.

2.5 Die Algebra zählt 86 Titel, die Zahlentheorie 43. Hermann Grassmanns Ausdehnungslehre ist in den verschiedenen Versionen vorhanden. Pierre de Fermats Varia opera mathematica (Toulouse 1679) besitzt die Bibliothek als photolithographischen Nachdruck des Jahres 1861 (mithin einer der ältesten Reprints).

2.6 Die 38 Titel zur Wahrscheinlichkeitsrechnung schließen Literatur zu den Anwendungsgebieten Statistik inklusive Versicherungsmathematik (12 Titel) und Ökonomie (2 Titel) ein.

2.7 Unter den philosophischen und grundlagentheoretischen Schriften (37 Titel) befinden sich Christian Wolffs Elementa matheseos universae (Halle 1730) und Gottlob Freges Begriffsschrift (Halle 1879). Bücher maßgebender Autoren des späten 19. Jhs, wie Giuseppe Peano, Louis Couturat und Henri Poincaré, entstammen teilweise der Nachlaßbibliothek Hahn.

2.8 Elementare Lehrbücher und Schulbücher sowie Unterhaltungsmathematik ergeben 38 Titel. Hinzu kommen 29 mathematische Tafelwerke und 7 Nachschlagewerke, z. B. das Mathematische Wörterbuch Georg Simon Klügels (Leipzig 1803-1836).

2.9 97 Titel sind gesammelte Werke und neuere Textausgaben älterer Autoren. Nennenswert sind die Epistolae ad Johannem Kepplerum (Leipzig 1718), Johann I. Bernoullis Opera Omnia (Lausanne, Genf 1742) sowie Ostwald's Klassiker der exakten Wissenschaften. 69 Titel gibt es zur Geschichte der Mathematik, darunter Jean Etienne Montuclas Histoire des Mathématiques (Paris 1758).

2.10 Einen bedeutenden Komplex stellt die Zeitschriftenliteratur dar, die etwa die Hälfte des Gesamtbestandes an Bänden ausmacht. 62 Titel gehören zum historischen Bestand. Das Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik (1868-1942) ist komplett vorhanden.

2.11 Das einzige Buch aus dem 16. Jh ist auch das älteste der Bibliothek, nämlich Hieronymi Cardani ...commentarii, in Hippocratis de aere, aquis et locis opus (Basel: Henric-Petri 1570).

3. KATALOGE

Nominalkatalog

Systematischer Katalog

[beide in Zettelform, nach hausinternen Regeln; seit 1990 Teil des Verbundkatalogs]

Zeitschriftenbestände sind in der Österreichischen Zeitschriftendatenbank nachgewiesen.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Peppenauer, Helga: Geschichte des Studienfaches Mathematik an der Universität Wien von 1848-1900. (Diss. Wien 1953, mschr.)

Stand: Dezember 1993

Hans-Dominik Schwabl

Elvira Tunkl


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.