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Geleitwort

Die Einladung, Bestände in bulgarischen Bibliotheken für das Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa zu beschreiben, kam Ende des Jahres 1991 und wurde von uns mit großem Interesse aufgenommen. Wegen Personal- und Etatkürzungen sowie Organisationsschwierigkeiten kam die Arbeit jedoch zum Stillstand. Dank einer erneuten Initiative von Prof. Dr. Bernhard Fabian und der Förderung durch die Volkswagen-Stiftung wurde sie im Jahre 1995 wieder aufgenommen.

Die Geschichte der bulgarischen Bibliotheken spiegelt sich in den einzelnen Beiträgen. Es sind Bibliotheken jüngeren Ursprungs, so daß ausländische historische Bestände nicht in dem gleichen Umfang anzutreffen sind wie in den traditionsreicheren europäischen Bibliotheken. Seinen Aufschwung erfuhr das bulgarische Bibliothekswesen erst im 19. Jahrhundert im Zuge der Nationalen Wiedergeburt Bulgariens. Schulbibliotheken und Lesehallen entstanden parallel mit den Kämpfen um die politische und geistige Befreiung von einem fünfundertjährigen Osmanischen Joch.

Fortschrittliche Bulgaren unternahmen Reisen ins Ausland und knüpften nicht nur Handels- sondern auch Kulturbeziehungen in Europa. Die Heimat Gutenbergs übte eine große Anziehungskraft auf sie aus. In Leipzig wurde 1846 die erste bulgarische Zeitung Balgarski orel [Bulgarischer Adler] gedruckt. Die deutsch-bulgarischen Beziehungen spiegeln sich auch in den Buchbeständen der ersten Kulturinstitutionen, die nach der Befreiung Bulgariens (1878) in dem Bestreben errichtet wurden, den bulgarischen Staat wiederherzustellen und ihn nach europäischem Vorbild neu aufzubauen. Um die Gestaltung und Leitung der Nationalbibliothek in Sofija machten sich bulgarische Gelehrte und Intellektuelle verdient, die ihre Kenntnisse und Erfahrungen an deutschen Universitäten gesammelt hatten, so Penco Slavejkov (1866-1912), Dr. Ivan Dimitrov (1883-1913), Veliko Jordanov (1872-1944), Stilijan Cilinginov (1881-1962), Manjo Stojanov (1903-1986) u. a. Sie trugen viel zur Entwicklung des bulgarischen Bibliothekswesen bei.

Viele junge Bulgaren zogen aus, um an deutschen Universitäten und technischen Hochschulen zu studieren. Sie erwarben außer ihren Lehrbüchern auch ältere gedruckte Literatur zu Geschichte, Philosophie, Wirtschaft und Technik, die sie häufig den bedeutenderen Bibliotheken ihres Heimatlandes schenkten. Bulgarien konnte damit vieles aufholen, was es während der Fremdherrschaft versäumt hatte.

Das Dritte Bulgarische Reich wurde durch Prinzen deutscher Herkunft geschaffen, anfangs als Fürstentum Bulgarien unter Alexander I. Battenberg (1879-1886) und seit 1908 als Königreich unter einer Linie des Hauses Sachsen-Coburg mit Ferdinand I. (1886-1946). Dadurch vertieften sich die deutsch-bulgarischen Beziehungen, die sich nicht zuletzt in den historischen Buchbeständen des Landes manifestieren. Die Analyse dieser Bestände ist allerdings keine leichte Aufgabe, da sie über den gesamten Buchbesitz des Landes verstreut und nur in Ausnahmefällen in geschlossenen Sammlungen nachweisbar sind.

Die bulgarische Nationalbibliothek entsprach der Bitte der Zentralredaktion des Handbuches und übernahm die Koordination der Arbeiten in den beteiligten Bibliotheken. Zu den drei Bibliotheken der Hauptstadt, der Nationalbibliothek, der Zentralbibliothek der bulgarischen Akademie der Wissenschaften und der Universitätsbibliothek, wurde die Volksbibliothek in Plovdiv als größte Regionalbibliothek hinzugenommen. So werden vier Bibliothekstypen vorgestellt, in deren Beständen historisches deutsches Schrifttum am reichhaltigsten vertreten ist.

Wir möchten zweier Bibliothekare gedenken, die die bulgarische Beteiligung an dem Handbuch-Projekt gefördert und unterstützt haben, die aber nicht mehr unter uns sind - Professor Bozidar Rajkov (1939-1995) und Dr. Alexandar Kazandziev (1946-1997). Wir sind den Organisatoren dieses großen Vorhabens verbunden, die uns die Möglichkeit gegeben haben, historischen bulgarischen Kulturbesitz hier zu präsentieren. Unser Dank gilt der Zentralredaktion - Herrn Professor Dr. Bernhard Fabian, Frau Dr. Karen Kloth und Frau Simoné Okaj-Braun, für ihren Rat, ihre Unterstützung und Geduld.
Sofija, Mai 1999

Todorka Nikolova

Bulgarische Nationalbibliothek


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.