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Freies Deutsches Hochstift Frankfurter Goethe-Museum

Adresse. Großer Hirschgraben 23-25, 6000 Frankfurt/M. [Karte]
Telefon. (069) 28 28 24
Bibliothekssigel. <DA 506>

Unterhaltsträger. Private Trägerschaft
Funktion. Spezialbibliothek, öffentlich zugänglich.
Sammelgebiete. 1. Allgemeines Sammelgebiet: Deutsche Literatur 1750-1850. 2. Besondere Sammelgebiete: Faust-Sammlung, Rekonstruktion der Bibliothek Johann Caspar Goethes, der Bibliothek Hugo von Hofmannsthals.

Benutzungsmöglichkeiten. Präsenzbibliothek (begrenzte Ausleihe möglich). Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10-12 Uhr und 13-16 Uhr. Leihverkehr: nicht angeschlossen.
Technische Einrichtungen für den Benutzer. Kopiergerät (keine Benutzung durch Besucher), Fotostelle.
Hinweise für anreisende Benutzer. Vorherige Anmeldung zweckmäßig. S- und U-Bahn (mehrere Linien) bis Haltestelle Hauptwache oder Theaterplatz. Mehrere Parkhäuser in der Nähe der Hauptwache oder des Schauspielhauses.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Am 10. November 1859, dem 100. Geburtstag Friedrich Schillers, proklamierte in Frankfurt am Main ein halbes Hundert Bürger ein " Freies Deutsches Hochstift für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung". Initiator war der Privatdozent Otto Volger (1822-1897), ein Geologe aus Lüneburg, der wegen seiner Beteiligung an der Revolution von 1848 einige Jahre im Schweizer Exil hatte verbringen müssen. Die Ideale der politisch gescheiterten Bewegung sollten nun in einem " Bundestag des Deutschen Geistes" eine Heimstatt finden. Der Name " Hochstift", angelehnt an eine alte Bezeichnung der Bistümer, verwies mit der Anspielung auf deren frühere kulturelle Funktionen auf ein intendiertes geistiges Zentrum von überregionaler Bedeutung. Mit seinem Programm, die Idee der deutschen Einheit durch das Bewußtsein einer gemeinsamen kulturellen Identität wachzuhalten, folgte das Freie Deutsche Hochstift zeitgenössischen Strömungen. Das Hochstift sollte eine Akademie ohne Beschränkung auf bestimmte Disziplinen sein. Da es, seinen demokratischen Gründungsprinzipien entsprechend, jedermann offenstand, kann es als Vorläufer der Volkshochschulen betrachtet werden.

1.2 Konkrete Orientierung bekam der junge Verein, zunächst eher zufällig, durch Goethes Elternhaus. Das Gebäude hatte seit dem Auszug Catharina Elisabeth Goethes im Jahr 1795 mehrfach den Besitzer gewechselt und war im Inneren umgebaut worden. Otto Volger gelang es 1863, durch den Ankauf weiteren Schaden abzuwenden. Mit dem Erwerb des Hauses am Großen Hirschgraben, das zu einer dem Originalzustand in Goethes Jugendzeit möglichst nahekommenden Gedenkstätte umgestaltet wurde, änderte sich die Zielsetzung des Hochstifts. Der Akademiegedanke, auf der Basis einer privaten Stiftung ohnehin nicht zu verwirklichen, wurde eingeschränkt und 1885, nach dem Ausscheiden Otto Volgers, im Zuge einer Reorganisierung des Instituts aufgegeben. An seine Stelle trat die Konzentration von Sammlungstätigkeit und Forschung auf Literatur und Kunst der Goethezeit. Otto Heuer, der zweite Direktor des Hochstifts, gründete um die Jahrhundertwende das Frankfurter Goethe-Museum und die Bibliothek des Instituts. Er sammelte vor allem Manuskripte und Drucke zum Sturm und Drang sowie Hss. und Werke des jungen Goethe. Seit 1902 gab er das Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts heraus.

1.3 Im Jahre 1925 übernahm Ernst Beutler die Leitung. Er bezog die Romantik in das Sammelgebiet des Instituts ein und erwarb bedeutende Teile der Nachlässe von Clemens Brentano (1778-1842), Bettina und Ludwig Achim von Arnim (1785-1859 und 1781-1831) sowie, nach dem Zweiten Weltkrieg, von Novalis (d. i. Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801). Beutler führte das Jahrbuch in veränderter Form fort, begründete die in unregelmäßiger Folge erscheinende Reihe der Schriften und gab 1948 bis 1960 die Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche Johann Wolfgang Goethes, die sogenannte Artemis-Ausgabe, heraus. Die von Heuer begonnene Museumsarbeit setzte Beutler in großem Stil fort. Ihm gelang der Erwerb von Gemälden Philipp Hackerts (1737-1807), Johann Heinrich Füßlis (1741-1825) und Caspar David Friedrichs (1774-1840). 1932 wurde ein neues Museumsgebäude eröffnet.

1.4 Im Zweiten Weltkrieg konnten nahezu sämtliche Bestände rechtzeitig ausgelagert werden. Am 22. März 1944 wurden Goethe-Haus und -Museum zerstört. Gegen anfangs erhebliche Widerstände setzte Ernst Beutler die Rekonstruktion durch. 1951 wurde der Neubau eingeweiht, 1954 folgte das Museum. Beutlers Nachfolger Detlev Lüders (1960-1982) und Christoph Perels (seit 1983) haben die Sammlungen weiter ausgebaut und die Aktivitäten des Instituts vorangetrieben. 1962 begann die Neue Folge des 1940 abgebrochenen Jahrbuchs, seit 1975 erscheinen die Historisch-Kritische Ausgabe Sämtlicher Werke und Briefe Clemens Brentanos und die Kritische Ausgabe Sämtlicher Werke Hugo von Hofmannsthals. Im Zusammenhang mit der Hofmannsthal-Edition wurden auch die Sammelgebiete der Handschriftenabteilung und der Bibliothek in das 20. Jh hinein erweitert.

1.5 Der ursprünglich weitgefaßten Zielsetzung entsprechend sollte die Bibliothek erstmals alle in Deutschland erscheinenden Drucke an einem Ort versammeln. Diese Idee einer deutschen Nationalbibliothek konnte erst ab 1913 von der Deutschen Bücherei in Leipzig verwirklicht werden. Da zunächst keine Erwerbsmittel zur Verfügung standen und Aufrufe zu Schenkungen auf geringe Resonanz stießen, ließ sich die erstrebte Vollständigkeit nie auch nur annähernd erreichen.

1.6 Bereits 1863, als Goethes Elternhaus vom Hochstift erworben wurde, gab es Anregungen, die Bibliothek auf die Goetheforschung zu konzentrieren. 1881 wurde der für das Institut utopische Gedanke einer Universalbibliothek endgültig aufgegeben, und es wurde beschlossen, sich auf " die deutsche schöngeistige Literatur des 18. und 19. Jhs zu beschränken". 1885 begann der systematische Ausbau der Sammlung zu einer Spezialbibliothek der deutschen Dichtung von ca. 1750-1850. Schwerpunkte sind Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik und Romantik. Spätere Pläne einer Erweiterung um die Epochen Barock und Realismus blieben aus finanziellen Gründen im Ansatz stecken. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Bibliothek kaum Verluste. Nach Kriegsende wurde die Sammlung auf allen Gebieten weitergeführt und kontinuierlich ausgebaut. 1983 konnte mit Unterstützung der Stiftung Volkswagenwerk eine Restaurierungswerkstatt eingerichtet werden.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

2.1 Die Bestände des Freien Deutschen Hochstifts belaufen sich heute auf ca. 32.000 Autographen, ca. 16.000 graphische Blätter und 400 Gemälde sowie ca. 130.000 Bücher. Die Zahlen wurden im Juli 1987 anhand des Standortkatalogs ermittelt. Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.2 Bei einem Gesamtbestand von 130.000 Titeln umfaßt der katalogisierte Altbestand 24.343 Titel. Davon sind 4 Inkunabeln, 57 Titel stammen aus dem 16. Jh, 319 aus dem 17. Jh, 7193 Titel aus dem 18. Jh und 16.772 Titel aus dem 19. Jh. Der Bestand des 19. Jhs umfaßt vornehmlich die seit ca. 1850 stetig anwachsende germanistische Sekundärliteratur. Der Großteil der Primärliteratur, 5920 Titel, erschien zwischen 1770 und 1810, mit einem ungefähr gleichen Anteil pro Jahrzehnt. Die Bibliothek besitzt 1146 französische, 646 englische und 146 italienische Titel, ungefähr zu gleichen Teilen Originaltitel und Übersetzungen der Werke deutschsprachiger Autoren. Der Anteil der deutschsprachigen Dichtung unter den vor 1750 erschienenen Drucken ist gering. Bei den 370 lateinischen Titeln überwiegen Schriften der Antike in Editionen des 17. und 18. Jhs. Die Anzahl der Drucke in anderen Sprachen ist nicht nennenswert. Systematische Übersicht

2.3 Bei den Inkunabeln handelt es sich um 3 religiöse Schriften in lateinischer Sprache aus dem Besitz Clemens Brentanos, die erst 1977 erworben wurden. Der vierte Titel ist ein lateinischer Traktat zum Hexenwesen. Unter den Drucken des 16., 17. und frühen 18. Jhs finden sich antike Autoren (griechische Werke, fast ausschließlich in lateinischer Übersetzung) sowie Schrifttum aus Bereichen, die nicht oder nur in geringem Umfang zum Sammelgebiet der Bibliothek des Hochstifts zählen: Recht, Geschichte, Naturwissenschaften, Geographie und Reisewerke, Theologie. Ein Großteil dieser Werke stammt aus der Sonderabteilung " Bibliothek Johann Caspar Goethe" (s. u. 2.13). Abteilung Goethe

2.4 Den Kern der Bibliothek bildet mit 1520 Titeln Primär- und 2660 Titeln Sekundärliteratur die Abteilung zu Werk und Leben Goethes. Die selbständig erschienenen Erstdrucke sind fast sämtlich vorhanden, ebenso zahlreiche der in Periodica publizierten. Es finden sich auch die meisten der zu Goethes Lebzeiten veröffentlichten späteren Einzeldrucke und Werkausgaben. Die Anzahl der übersetzten Gesamtausgaben ist, wie auch in anderen Abteilungen, gering. Übersetzungen von Einzelwerken liegen in 17 Sprachen vor, außer in Französisch, Englisch und Italienisch jedoch nur in geringer Anzahl. Unter den motivähnlichen Werken anderer Autoren dominieren mit 135 Titeln die Wertheriaden.

2.5 Nur in dieser Abteilung ist die Sekundärliteratur aus dem 18. Jh mit 209 Titeln von Belang. Um ein Bild von Goethes Bibliothek zu vermitteln, wird angestrebt, die wichtigsten Werke der 5424 Titel umfassenden Sammlung in Weimar auch im Hochstift zur Verfügung zu halten. Die Bibliothek des Hochstifts bietet eine gute Grundlage für dieses Vorhaben, denn die entsprechenden Titel der deutschen Literatur, Philosophie und Kunsttheorie des 18. und frühen 19. Jhs gehören großenteils zum Bestand, ebenso einige fremdsprachige Dichtungen der Neuzeit und antike Autoren. Daneben konnten bislang 320 Werke aus anderen Sachgebieten wie Naturwissenschaften, Theologie, Juridica und Reisebeschreibungen erworben werden. Der Goethe-Abteilung angegliedert ist eine kleine Sammlung von Titeln zur Geschichte des Fürstenhauses Sachsen-Weimar-Eisenach mit Schwerpunkt auf der Person des Großherzogs Carl August (1757-1828). Abteilung Faust

2.6 Der Motivkreis " Faust" umfaßt eine eigene Abteilung mit einem Altbestand von 1530 Titeln. Ihr Grundstock wurde 1889 durch den Erwerb von 700 Bdn der Faustbücherei von Karl Engel gelegt. Der Goethesche Text liegt in Übersetzungen in 16 Sprachen vor, in größerer Anzahl jedoch nur in Englisch, Französisch und Russisch. Da auch Überlieferungen zur historischen Gestalt, Volksbücher und magische Schriften gesammelt werden, ist die Anzahl der Drucke aus dem 16. und 17. Jh in dieser Abteilung deutlich höher als in anderen. Berücksichtigt wird auch die literarische Gestaltung des Stoffes durch andere Autoren vor, gleichzeitig mit und nach Goethe, von Christopher Marlowe (1564-1593) über Friedrich (Maler) Müller (1749-1825), Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) und Heinrich Heine (1797-1856) bis zu Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) und Nikolaus Lenau (1802-1850). Auch zahlreiche weniger bekannte Autoren des 18. bis 20. Jhs sind vertreten. Vorhanden sind ferner Vertonungen, Possen und Parodien sowie motivähnliche Dichtungen. Sonstige Abteilungen

2.7 Je eine Abteilung ist Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller gewidmet mit einem Altbestand von zusammen 2536 Bdn. Es dominiert Schiller (1461 Bde), gefolgt von Lessing (647 Bde); der Bestand bei Wieland und Herder ist nahezu gleich (232 bzw. 196 Bde). Inhaltlich haben diese Abteilungen die gleiche Ausrichtung wie die Abteilung " Goethe", jedoch sind die Bestände weniger vollständig. Übersetzungen sind nicht erwähnenswert, außer bei Schiller, und dort zahlenmäßig wiederum lediglich die französischen, englischen und italienischen. Übertragungen in 14 weitere Sprachen liegen nur in wenigen Titeln vor.

2.8 Die Werke der übrigen Autoren des Sammelzeitraumes sind in 4327 Drucken des 18. Jhs und 5093 Drucken des 19. Jhs vorhanden. Ganz überwiegend handelt es sich um deutschsprachige Schriftsteller. Es fehlt kein Name, durch den die Epoche von 1750 bis 1850 in Deutschland geprägt wurde, die Vollständigkeit der Sammlungen differiert jedoch erheblich. Reichhaltig ist mit 92 Einzeltiteln der Bestand an Schriften Johann Caspar Lavaters (1741-1801). Unter den Romantikern sind, entsprechend den Schwerpunkten der Handschriftenabteilung, Clemens Brentano, Ludwig Achim und Bettina von Arnim sowie Novalis besonders gut repräsentiert. Ferner besitzt die Bibliothek 142 anonym erschienene Romane (120 aus dem 18. Jh) sowie 220 Anthologien. Die meist monographische Sekundärliteratur dieser Abteilung umfaßt 1530 Titel.

2.9 Die Zeitschriftenabteilung besteht aus 292 Titeln meist literarischen oder literaturkritischen Charakters. Der Anteil an Drucken aus dem 18. und 19. Jh ist mit 130 und 139 fast gleich; 9 Titel erstrecken sich auf beide Jhe, 14 überschreiten die Grenze von 1900. Der Anteil an fremdsprachigen Titeln kann vernachlässigt werden.

2.10 Die Abteilung Almanache und Taschenbücher umfaßt 483 Titel (mit über 2000 Bdn), 106 aus dem 18. Jh, 341 Titel aus dem 19. Jh, 29 Titel erschienen im 18. und 19. Jh, 7 Titel sind nicht datiert. Neben den in Deutschland seit 1770 publizierten literarischen Taschenbüchern bildete sich ein breites Spektrum an Almanachen heraus. So sind, obwohl Dichtung in kaum einem der Bde fehlt, die reinen Literaturalmanache in der Minderzahl. Zahlreiche und oft langlebige Reihen richteten sich an das weibliche Publikum. Andere waren für spezifische Gruppen oder einzelne Berufe bestimmt, dienten der Unterhaltung oder verfolgten pädagogische Absichten. Es gab Almanache für fast alles und nahezu jeden: u. a. Ärzte, Apotheker, Eisläufer, Förster, Freimaurer, Mineralogen, Reisende, Schauspieler und Weintrinker, desgleichen für " junge Germanen", " edele Gattinnen und Mütter und solche, die es werden wollen" sowie " wohlgeratene Söhne und Töchter".

2.11 Die Literaturgeschichte wird ergänzt durch einige kleinere Abteilungen geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Die Kunstgeschichte weist 176 überwiegend monographische Titel auf. Die Mehrzahl der 160 Drucke der Theater-Abteilung informiert über die Bühnengeschichte deutscher Städte. Bislang nur in einem chronologisch geordneten Zettelkatalog erfaßt sind 1380 Theaterzettel (390 aus dem 18. Jh) überwiegend von Aufführungen in Frankfurt am Main. Die Musik-Abteilung enthält 250 Notendrucke (Vertonungen von Werken der Autoren des Sammelzeitraums).

2.12 Der Altbestand der Abteilung Francofurtensien umfaßt 865 Titel, mehrheitlich aus dem 18. Jh. Die umfangreichsten Gruppen bilden 139 Hochzeitsgedichte, 107 Leichenpredigten und 161 Dissertationen Frankfurter Juristen, letztere fast ausschließlich in lateinischer Sprache. Sondersammlungen

2.13 Das Hochstift rekonstruiert die Bibliothek des Dr. jur. utr. Johann Caspar Goethe (1710-1782). Sie gibt Aufschluß über die geistigen Anregungen, die Goethe in seinem Elternhaus empfing und ist auch als Beispiel einer bürgerlichen Bibliothek im Frankfurt des 18. Jhs von Interesse. 1795, als Catharina Elisabeth Goethe die Sammlung verkaufte, umfaßte sie ca. 1300 Titel mit schätzungsweise etwa 2100 Bdn. Exakte Zahlen sind nicht zu ermitteln, da der Auktionskatalog mehrfach Konvolute aufführt und die bibliographischen Angaben häufig ungenau sind. Starke Abteilungen sind Iuridica, Theologie, antike Autoren (fast ausschließlich in lateinischer Sprache) und deutsche Dichtung des 18. Jhs. Die vielseitige Sammlung umfaßt auch fremdsprachige Literatur der Neuzeit, Kunstgeschichte, Geographie und Reisewerke, Judaica, Naturwissenschaften und Francofurtensien sowie Lexika und Zeitschriften. In gleichen Ausgaben wiederbeschafft sind bislang 670 Titel (18. Jh 503, 17. Jh 150, 16. Jh 14, 15. Jh 3), das sind knapp zwei Drittel der mit hinlänglicher Sicherheit zu identifizierenden Werke.

2.14 Im Zusammenhang mit der vom Freien Deutschen Hochstift veranstalteten Kritischen Ausgabe Sämtlicher Werke Hugo von Hofmannsthals wurde 1972 die Bibliothek des Dichters erworben, soweit sie den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Es handelt sich um ca. 3200 Bde, davon 452 Titel des 19. Jhs und 20 Titel aus dem 18. Jh mit einem fremdsprachigen Anteil von 125 französischen und 61 englischen Titeln. In der Sammlung befinden sich ca. 300 Geschenk- und Widmungsexemplare des Freundeskreises, u. a. von Richard Beer-Hofmann, Rudolf Borchardt, Carl Jacob Burckhardt, Hans Carossa, Richard Dehmel, Stefan George, Thomas Mann, Max Mell, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Rudolf Alexander Schröder und Karl Wolfskehl sowie Dedikationsexemplare ausländischer Autoren wie Gabriele d'Annunzio, Maurice Maeterlinck, Paul Claudel, André Gide und Paul Valéry. Von besonderem Quellenwert für die Entstehungsgeschichte der Werke Hofmannsthals sind die ca. 350 Bücher mit handschriftlichen Notizen des Autors, von Anstreichungen über Stichworte bis hin zu Skizzen.

2.15 Im Jahre 1972 wurde die Bibliothek Ludwig Toepfer, eine Sammlung kostbarer Drucke des 17. bis 19. Jhs, als Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland auf die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und die Bibliothek des Freien Deutschen Hochstifts verteilt. Bei der Aufteilung wurden die jeweiligen Sammelgebiete berücksichtigt, so daß es sich bei den ca. 1500 Bdn, die dem Hochstift zuerkannt wurden, vorwiegend um Werke der deutschen Klassik und Romantik handelt, die die vorhandenen Bestände wesentlich ergänzen. Der Schwerpunkt liegt mit 408 Titeln im 19. Jh, 159 Titel stammen aus dem 18. Jh, 3 wurden im 17. Jh gedruckt. Der fremdsprachige Anteil ist gering; zu erwähnen sind lediglich die 57 Titel französischer Autoren, die Einfluß auf die deutsche Literatur um 1800 ausübten. Die Sammlung, durchweg vorzüglich erhalten und häufig kostbar gebunden, enthält zahlreiche rare Erstdrucke; sie ist geschlossen aufgestellt.

3. KATALOGE

Alphabetischer Zettelkatalog [nach PI]

Systematischer Zettelkatalog

[nach Hausregeln; identisch mit Standortkatalog]

Die Bestände sind weder im Hessischen Zentralkatalog noch in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nachgewiesen.

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Rumpf, Josefine: Die Bücherei des Frankfurter Goethemuseums. Abdruck aus: Beiträge aus Frankfurter Bibliotheken zum Gutenberg-Jahr 1941, S. 53-78

5. VERÖFFENTLICHUNGEN ZU DEN BESTÄNDEN

Hinweise auf Erwerbungen und Jahresberichte in: Berichte über die Verhandlungen des Freien Deutschen Hochstifts. Frankfurt 1861, 1864, 1865

Berichte des Freien Deutschen Hochstifts 1878/79, 1880/81, 1882/83, 1883/84. Frankfurt 1880, 1881, 1884

Berichte des Freien Deutschen Hochstifts. N. F. Frankfurt 1885-1901 Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts. A. F., 1902-1940. N. F. 1962 ff.

Götting, Franz: Die Bibliothek von Goethes Vater. In: Nassauische Annalen 64 (1953) S. 22-69

Stand: Juni 1991

Doris Hopp


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.