FABIAN HANDBUCH: HANDBUCH DER HISTORISCHEN BUCHBESTÄNDE IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND EUROPA SUB Logo
 
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  2.Bestandsbeschreibung: 2.1 -2.256
  Universitaetsbibliothek (Heidelberg) 1. Bestandsgeschichte 
  [Universitätsbibliothek 3]: 2. Bestandsbeschreibung: 2.176 - 2.432; 3.Kataloge
  [Universitätsbibliothek 4]: 4.Quellen zur Geschichte der Bibliothek; 5. Veröffentlichungen zu den Beständen  

Universitätsbibliothek Heidelberg

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

2.1 Die Gesamtzahl des vorhandenen historischen Bestandes beträgt ca. 349.000 Titel, hochgerechnet ca. 980.000 Bde. Diese Zahl setzt sich zusammen aus dem Alten Realkatalog oder Zangemeister-Katalog (Hauptbestand, Erwerbungen bis 1962), ausgezählt ca. 153.000 Titel; dem seit 1963 erworbenen Altbestand hochgerechnet bis 1990 (jährlich ca. 175 Titel, enthalten im Neuen Sachkatalog) ca. 5000 Titel; dem Broschürenkatalog (Alter Dissertationen- und Broschürenkatalog), z.T. ausgezählt, z.T. hochgerechnet ca. 183.000 Titel; den Gelehrten- und Klosterbibliotheken, hochgerechnet aufgrund von Teilzählungen ca. 99.000 Titel (davon im Zangemeister-Katalog nicht enthalten: ca. 5000 Titel). Die Graphische Sammlung umfaßt ca. 4000 Karten, Veduten, Porträts u. a. (im Zangemeister-Katalog nicht enthalten: ca. 3000 Titel).

2.2 Es wurden alle Titel mit einer eigenen Signatur in der Haupteintragung gezählt, auch die verschiedenen Auflagen eines Werkes. Keine Berücksichtigung fanden Dubletten und Verweisungen (Nebeneintragungen). Periodika wurden jeweils nur als ein Titel verzeichnet, auch wenn sie als Sonderbände selbständige Monographien enthalten. Zusätzlich zum Altbestand des Zangemeister-Kataloges wurde der Erwerb von Altbestand seit 1963 im Neuen Realkatalog bei einigen Fächern (insbesondere Kunstgeschichte) berücksichtigt. Im 20. Jh erschienene Nachdrucke von alten Werken (vor allem Erstausgaben) vor 1900 mußten in der Regel unberücksichtigt bleiben. Ungenauigkeit liegt auch im Vorhandensein von »Nestern« (Schrifttumssammlungen unter einer einzigen Signatur), deren noch in Gang befindliche Auflösung eine größere Gesamttitelmenge erbringen wird. Die rund 25.000 Nester enthalten vor allem Schriften des 20. Jhs sowie geschätzt ca. 10.000 Titel vor 1900.

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.3 Von den 349.000 insgesamt ermittelten Titeln stammen zwei Drittel (ca. 233.000) aus dem 19. Jh und ein Drittel (ca. 116.000) aus dem 15. bis 18. Jh (Erhebungsbasis: ca. 250.500 ausgezählte, ca. 99.000 hochgerechnete Titel). Im Hauptbestand (Zangemeister-Katalog, ca. 153.000 Titel) befinden sich etwa 1700 Inkunabeln (ein Prozent), ca. 10.600 im 16. Jh gedruckte Titel (7 Prozent), ca. 14.400 (9 Prozent) im 17. Jh, ca. 27.100 (18 Prozent) im 18. Jh und gut 99.000 Titel (65 Prozent) im 19.Jh. 2.4 Deutsch dominiert im Hauptbestand mit ca. 81.600 Titeln (53,3 Prozent) vor Latein mit ca. 36.000 Titeln (23,5 Prozent). Mit Abstand folgen Französisch mit ca. 16.900 Titeln (11 Prozent) und Englisch mit ca. 10.500 Titeln (7 Prozent). Andere Sprachen sind mit ca. 8000 Titeln (5,2 Prozent) vertreten; unter diesen führt Italienisch mit ca. 4500 Titeln (3 Prozent) vor Spanisch mit ca. 1000 Titeln (0,6 Prozent). Von den verbleibenden Sprachen mit ca. 2500 Titeln (1,6 Prozent) haben größere Anteile: Niederländisch, Schwedisch, Portugiesisch und die slavischen Sprachen.

2.5 Während vom 15. bis zum 17. Jh Latein führende Sprache ist mit je ca. 81, 83 und 71 Prozent Anteil (18. Jh 32 Prozent und 19. Jh 7 Prozent), dominiert Deutsch im 18. und 19. Jh mit ca. 51 und 64 Prozent (15. Jh 8 Prozent, 16. Jh 15 Prozent, 17. Jh 21 Prozent). Französisch und Englisch sind im 15. bis 17. Jh mit nur ca. 2,7 und 1,3 Prozent repräsentiert. Französisch tritt im 18. Jh mit ca. 10 Prozent, im 19. Jh mit ca. 13,5 Prozent (17. Jh ca. 3,1 Prozent) hervor; Englisch erst im 19. Jh mit ca. 9,5 Prozent (18. Jh ca. 3,1 Prozent). Der Anteil des Italienischen ist im 18. und 19. Jh mit je ca. 3 Prozent annähernd gleich; andere Sprachen kommen im 18. Jh auf einen Anteil von ca. 1,3 Prozent, im 19. Jh auf ca. 2,5 Prozent. Vom 15. bis zum 17. Jh spielen Italienisch und andere Sprachen eine untergeordnete Rolle (zusammen ca. 1,5 Prozent). Zum Broschürenbestand s.u. 2.426 ff.

Systematische Übersicht

2.6 Zangemeister entwickelte im Zuge der völligen Neuorganisation der Universitätsbibliothek von 1874 bis 1878 den 'Alten Realkatalog', einen Systematischen Katalog in Bandform (Albumkatalog mit verschiebbaren Zetteln). Die Einteilung in 17 Fächer unter Großbuchstaben (A--R) geht auf Friedrich Christoph Schlosser zurück. Als allgemeine Orientierung diente Zangemeister das von dem Altphilologen Friedrich Jacobs entwickelte System, der von 1810 bis 1842 an der Herzoglichen Bibliothek in Gotha tätig war. Zangemeisters Verdienst bestand in der Ausdifferenzierung des auf die Systematik der Wissenschaften ausgerichteten Realkatalogs in 'sehr viele kleine Unterabteilungen', das als dringendes Desiderat schon 1848 von Gervinus aufgewiesen wurde: Die Bücher ständen »zwar roh nach Hauptfächern, aber in diesen wie Kraut und Rüben durcheinander« (in: »Deutsche Zeitung« vom 9. Dezember 1848).

2.7 Doch auch Zangemeisters System bedurfte weiterer Untergliederungen und größerer Ausgewogenheit in den Hauptgruppen. 1929/30 arbeitete S. Runge die Abteilungen J (Jura) und K (Wirtschaftswissenschaften/Kameralistik) um. Insgesamt aber wurde der Katalog immer unübersichtlicher. Die einzuarbeitende Literatur führte zu komplizierten Bruchstrichsignaturen, zum Anwachsen von Sammelbecken (Vermischtes; Verschiedenes; Sammlungen) und in rund 25.000 Fällen zu »Nestern«, in denen zwei oder mehr Titel Aufnahme fanden. 1962 erfolgte der Abbruch des Zangemeister-Katalogs (letzte vereinzelte Einträge bis 1967/68).

2.8 Durchgängiges Ordnungsprinzip innerhalb der Fächer ist die Unterscheidung in Allgemeines (Bibliographien, Zeitschriften, Lexika, Sammelwerke, Hilfswissenschaften, Methodologisches, Wissenschaftsgeschichtliches, philosophische Grundlegungen u.a.) und in Spezielles zu den einzelnen Teilfachgebieten. Der gesamte Zangemeister-Katalog ist bis in seine kleinsten Filiationen hinein auf chronologische Titelreihung hin angelegt, die aber nicht immer eingehalten wurde. Wo möglich, wurden regionale Gliederungsgesichtspunkte angewandt. Geschieden wird schließlich in 'Alte Welt' und 'Mittelalter und Neuzeit'. Alphabetische Bestandserfassung fand Eingang durch das Anlegen von Dichterverzeichnissen (griechische, lateinische und deutsche Autoren) und durch ein Schlagwortregister.

Gesamtübersicht

2.9 Die Auszählung des Zangemeister-Katalogs ergab im einzelnen folgende auf- oder abgerundete Titelmengen bis 1900:
(A) Geographie 6900 Titel;
(B) Geschichte 19.200 Titel (mit: Alte Geschichte; Geschichte des Orients; Alte Ägyptische Geschichte);
(C) Altertum 7500 Titel (mit: Epigraphik; Ägyptische Monumentenkunde; Neuere Kunst);
(D) Klassische Philologie 9300 Titel;
(E) Sprachkunde 4300 Titel;
(F) Literatur- und Kulturgeschichte des Mittelalters und der Neueren Zeit 7000 Titel (mit: Zeitungswesen; Geschichte der Akademien, Universitäten, Ritterakademien; Biographie; Bibliographie; Bibliotheken-Kunde);
(G) Poesie 12.900 Titel (mit: Ästhetik, Poetik, Rhetorik; Stilistik; Theaterwissenschaft; Musikwissenschaft; Volkstümliche literarische Formen; Emblemata und Symbola);
(H) Enzyklopädie und Allgemeine Literatur 1400 Titel;
(J) Rechtswissenschaft 24.000 Titel;
(K) Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften 11.100 Titel;
(L) Mathematische Wissenschaften 2700 Titel (mit: Angewandte mathematische Wissenschaften; das sind Statik und Mechanik; Optik; Astronomie; Mathematische Geographie; Bauwissenschaft; Militaria; Seewesen);
(M) Philosophie 4400 Titel (mit: Griechisch-römische Philosophie; Orientalische Philosophie; Naturphilosophie; Psychologie);
(N) Pädagogik und Didaktik 1700 Titel;
(O) Naturwissenschaften 6700 Titel (mit: Ethnologie, Anthropologie);
(P) Medizin 10.000 Titel;
(Q) Theologie 23.600 Titel (mit: Religionsgeschichte der Juden, Religionsgeschichte der Mohammedaner; Christliche Altertümer und Kunst; Christliche Ethik);
(R) Zeitungen 300 Titel.

Manfred Stange

Enzyklopädien und Allgemeine Literatur (H)

2.10 Der Zangemeister-Katalog verzeichnet 1420 Titel, die überwiegend aus dem 19. Jh stammen (955 Titel); auf das 15. Jh entfallen 6, auf das 16. Jh 50, auf das 17. Jh 96 und auf das 18.Jh 311 Titel. Deutsch ist mit 613 Titeln oder 43 Prozent vertreten (17. Jh 4, 18. Jh 152, 19. Jh 457), Französisch mit 280 Titeln oder 20 Prozent (18. und 19. Jh 271), Latein mit 255 Titeln oder 18 Prozent (alle Jahrhunderte, 19. Jh 225), Englisch mit 112 Titeln oder 8 Prozent (18. und 19. Jh) und sonstige Sprachen mit 142 Titeln oder 11 Prozent (18. und 19. Jh).

2.11 Die Gruppe 'Enzyklopädien und Einleitungen in die Wissenschaftskunde' umfaßt 100 Titel. Vertreten sind die wichtigsten deutschen und mitteleuropäischen (Real-)Enzyklopädien seit Bayle (1696), Chambers (1728), Zedler (1731--1750), Diderot und d'Alembert (1751--1772) bis hin zu den bekannten Konversationslexika des 19. Jhs. Von den grundlegenden Werken zur Wissenschaftsgeschichte ist hier nur ein ganz geringer Teil versammelt (50 Titel: 8 aus dem 16. Jh, 11 aus dem 17., 21 aus dem 18. und 10 aus dem 19. Jh), während der weitaus größere Teil einerseits unter Philosophie (M) -- so Bacons »Novum Organon« (1620) --, andererseits unter 'Allgemeines' in vielen anderen Fächern verzeichnet ist.

2.12 Regional geordnet sind die Akademie- und sonstigen Vereinsschriften (387 Titel). Für Deutschland ergeben sich 79 Titel, für andere Länder 308, mit Schwerpunkt Mittel- und Südeuropa. Sprachlich liegen Französisch und Deutsch gleichauf (30 Prozent). Auch die 482 Zeitschriften wurden unter regionalen Gesichtspunkten (nach Erscheinungsorten) gesammelt, u.a. August und Friedrich Schlegels »Athenäum« (Berlin 1798--1800), oder die »Göttingische(n) gelehrte(n) Anzeigen« (Göttingen 1802 ff.), andererseits Konversations- und Unterhaltungsblätter wie »Die deutsche Eiche: Erste Zeitschrift zur Förderung deutschen Sinnes, deutscher Gesittung« (Heidelberg 1850/51). Aufmerksamkeit verdienen zwei »Die Aller edelste Kunst der Gantzen Welt ...« (Frankfurt 1668--1670) und von Johannes Rust, »Die alleredelste Belustigung: Kunst und Tugendlehren ...« (Nürnberg 1663--1669). Gut vertreten unter den deutschen Städten (insgesamt 270 Titel) sind Berlin und Leipzig, ferner Mannheim und Heidelberg. Außerdeutsche Länder sind mit 213 Titeln repräsentiert; davon entfällt ein Großteil auf Österreich, die Schweiz, Italien und besonders Frankreich. Zwei Drittel der Zeitschriften stammen aus dem 19. Jh.

2.13 222 Titel enthält die Briefsammlung mit den Untergruppen 'Allgemeine Briefsammlungen' und 'Briefsammlungen einzelner Gelehrter' mit Latein als dominierender Spache (79 Prozent). Unter 'Vermischte Schriften Einzelner' und 'Sammlung von Schriften Verschiedener' aus dem 18. und 19. Jh sind 187 vorwiegend deutschsprachige Titel vorhanden. Es folgen unter 'Thesen' 40 Verzeichnisse von wissenschaftlichen Abhandlungen aus französischen Universitätsstädten (19. Jh, vorwiegend rechtswissenschaftliche Fakultät).

Universitäten und Akademien (F)

2.14 Die Abteilung Universitäten und Akademien umfaßt insgesamt 6783 Titel. Der Zangemeister-Bestand beträgt 1230, der Broschürenanteil 5553 Titel. 934 Titel (14 Prozent) stammen aus dem 15. bis 18. Jh (16. Jh 47 Titel, 17. Jh 305, 18. Jh 580) sowie 5779 Titel (86 Prozent) aus dem 19.Jh.

2.15 Die Gruppe 'Allgemeine Literatur' des Zangemeister-Katalogs umfaßt 101 überwiegend deutschsprachige Titel. Reichhaltiger fällt die regionale Sammlung mit 1129 Titeln (davon 229 vor 1800) aus. Deutschland ist mit 670 Titeln vertreten (Zeitschriften 17 Titel, Allgemeines 131 sowie deutsche Länder und Städte 522 Titel). Auf Baden entfallen 216 Titel, über Heidelberg (Universität und Gymnasien) gibt es 196 Titel (zwei Drittel in deutscher, knapp ein Drittel in lateinischer Sprache). Von den europäischen Ländern (192 Titel) weisen Österreich (mit Tschechoslowakei und Ungarn) 47 Titel, England 51, Frankreich 62 und Italien 79 Titel auf. Nennenswert unter den außereuropäischen Ländern (67 Titel) ist Nord-Amerika (60 Titel). Für das 19. Jh sind 869 Titel zu notieren (76 Prozent), für das 16. bis 18. Jh 229 Titel.

2.16 Der Broschürenkatalog Nr. 14 enthält 194 Titel zur Geschichte der Akademien und Universitäten im Allgemeinen. Ca. 85 Prozent gelten dem Thema Universität (Auftrag, Idee, Ursprung; Reform; Einrichtungen; Studenten, Studiengangregelungen; Frauenstudium u.a.). Ca. 10 Prozent behandeln das Thema Akademie. Der Broschürenkatalog Nr. 15 enthält unter 'Geschichte der Universitäten im einzelnen' 4085 Titel. Der wertvollste und umfangreichste Bestand betrifft Gelehrtenporträts und Reden über wissenschaftliche Grundlagenforschung. Unter den nach Universitäts- (und Akademie-) Städten geordneten Titeln ragen heraus: Basel (33 Titel), Berkeley (37), Berlin (166), Bonn (110), Erlangen (217), Freiburg (156), Gießen (106), Göttingen (140), Greifswald (90), Halle-Wittenberg (48; mit Statuten von 1508), Halle (130), Heidelberg (390; 17. Jh einer, 18. Jh 60), Helsingfors/Helsinki (95), Jena (150), Kiel (190), Königsberg (316), Kopenhagen (116), Leipzig (300; 17. und 18.Jh 50), München (120; Akademie 90, Universität 38), Rostock (60), Straßburg (50), Tübingen (92) und Würzburg (92).

2.17 Der Broschürenbestand zur Geschichte der Universitäten im einzelnen umfaßt zu ca. 50 Prozent Reden (Rektoratsberichte, insbesondere zum Rektoratswechsel; Fest- und Jubiläumsreden; Nekrologe; Gedenkreden; Reden an die Studierenden; Öffentliche Probevorlesungen, Antrittsvorlesungen); zu ca. 30 Prozent Verzeichnisse (Vorlesungs-, Personal-, Graduierten- und Mitgliederverzeichnisse; Jahresberichte, -kataloge; Geschichte und Organisation; Register, Bulletins; Statuten, Satzungen); jeweils zu ca. 10 Prozent Berichte, Ordnungen (Fakultätsberichte, -programme; Prüfungsordnungen; Promotionsakten; Habilitationsordnungen; Thesen zur Erlangung der venia docendi oder legendi) sowie Diverses (zu Universitätsjubiläen; Fest-, Einladungs- und Glückwunschschriften).

2.18 Von den 1231 Titeln zur Gelehrtengeschichte (Broschürenkatalog Nr. 21) betreffen ca. 60 Prozent wenig bekannte Schul-Pädagogen. Unter den Fach- und Wissenschaftsgebieten dominieren eindeutig die geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Berühmte Gelehrte, zu denen sich Abhandlungen finden, sind Comenius, die Brüder Grimm, du Bois-Reymond, Hrabanus Maurus, Humboldt, Leibniz, Ranke, Schleiermacher, Treitschke, Winckelmann und Zwingli. Wiederkehrende Textsorten sind: Lebensbeschreibungen, Abhandlungen, Reden, Nekrologe, Gedächtnisreden auf einzelne Schulmänner und Gelehrte; Briefe; bibliographische Verzeichnisse zu einzelnen Gelehrtenwerken; Abhandlungen zur Wissenschaftsgeschichte und -theorie einzelner Fächer; Jubiläumsreden (vornehmlich im Schulbereich). Schließlich sind 70 Titel im Broschürenkatalog Nr. 44 (Dissertationes Karlsruhenses) zu erwähnen, ganz überwiegend aus dem Bereich der Naturwissenschaften (Chemie rund 55 Titel, davon einige Titel über Petrochemie; Biologie, Physik und Geologie).

Biographien (F)

2.19 Mit 2300 Titeln umfaßt die Abteilung Biographie nur einen geringen Teil der in der Universitätsbibliothek vorhandenen biographischen Literatur. Der weitaus größte Teil findet sich im allgemeinen Teil der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen des Zangemeister-Katalogs und breitverstreut im gesamten Broschürenkatalog. Von den 2300 Titeln der Abteilung Biographie stammen 1721 (75 Prozent) aus dem 19. Jh; 579 Titel (25 Prozent) aus dem 15. bis 18. Jh (15. Jh einer, 16. Jh 68, 17. Jh 150 und 18. Jh 360 Titel). Deutsch überwiegt mit 1441 Titeln (62 Prozent), gefolgt von Latein mit 396 (Schwerpunkt im 15. bis 18. Jh).

2.20 Unter 'Biographie/Allgemeiner Teil' sind 168 Titel versammelt, darunter 161 Sammelbiographien. Der Anteil der deutschen Titel (18. und 19. Jh) macht knapp 50 Prozent aus; 32 Prozent (16. bis 19. Jh) entfallen auf Latein. Besonders für genealogische Forschungen interessant ist die Sammlung von insgesamt 720 teils in lateinischer, teils in deutscher Sprache verfaßten Leichenreden und Leichengedichten, ganz überwiegend aus dem 17. Jh (sonst 16., 18. und 19. Jh), alphabetisch geordnet nach den Verstorbenen. Von den frühen Sammlungen von Biographien (16. bis 18. Jh) seien die von Paolo Giovio, Otto Aicher, Theophilus Spizelius, Henning Witte, Johann Burchard Mencke und Friedrich Schlichtegroll erwähnt. Wenig repräsentativ ist die Sammlung von 'Biographien einzelner Stände' mit 173 Titeln (Fürsten 6, Bischöfe einer, Feldherren 8, Gelehrte 28, Sitten der Gelehrten 19, Frauen 28, Portraits 76, Autographen 18 Titel).

2.21 Einzelbiographien machen 75 Prozent des Bestandes aus (1766 Titel). In deutscher Sprache sind 1197 Titel (68 Prozent) geschrieben, davon allein 1078 im 19. Jh; in Latein 206 Titel (12 Prozent) mit Schwerpunkt im 16. bis 18. Jh. Französisch und Englisch folgen mit 156 und 142 Titeln (ca. 8,5 Prozent). Unter regionalem Gesichtspunkt finden sich 193 Titel: Deutschland mit Provinzen 111 Titel; Ausland, vorzugsweise Österreich, Schweiz, Niederlande und Frankreich 82 Titel. Es dominieren Sammelbiographien, häufiger in der Form von Handbüchern und Periodika.

Manfred Stange

Buch- und Bibliothekswesen (F)

2.22 3431 Titel umfaßt der Bestand auf dem Gebiet des Buch- und Bibliothekswesens. Der Hauptbestand von 2884 Titeln ist im Zangemeister-Katalog erfaßt. 551 Titel sind Broschüren. Aus dem 15. Jh sind ein Titel, aus dem 16. Jh 15, aus dem 17. Jh 136, aus dem 18. Jh 437 und aus dem 19. Jh 2846 Titel (82 Prozent) vorhanden. Die 1758 Titel in deutscher Sprache bilden die Mehrzahl (51 Prozent). An zweiter Stelle folgen 631 Titel (18 Prozent) in lateinischer Sprache. Französisch ist mit 453 Titeln (13 Prozent) vertreten; Englisch mit 376 Titeln (11 Prozent) und sonstige Sprachen mit 217 Titeln (7 Prozent). Eine genauere Systematisierung innerhalb der Gebiete Buchwesen (untergliedert in Buchdruck, -handel, Verlagswesen und Buchkunde/Bibliotheken) und Bibliothekenkunde (untergliedert in Allgemeines und Geschichte von Katalogen und Bibliotheken) macht die Benutzung problemlos.

2.23 Innerhalb der Sachgruppe Buchwesen bildet die

Geschichte der Buchdruckerkunst mit 225 Titeln, davon 65 vor 1800, einen Schwerpunkt. Es ist vorwiegend Gutenberg-Literatur und Literatur zur Geschichte einzelner Offizinen vorhanden. Literatur zu Bibliotheken einzelner Länder ist mit 230 Titeln, davon 76 vor 1800, ebenfalls gut vertreten. Einen eigenen Sammlungsschwerpunkt bilden unter 'Alte und seltene Bücher' die Libri promissi, Libri anonymi und Indices librorum prohibitorum und Libri erotici.

2.24 Das umfassendste Gebiet innerhalb der Buch- und Bibliotheksgeschichte ist eine Sammlung von 1024 Titeln (davon 128 Titel vor 1800, zwei lateinische aus dem 16. Jh) zur Bibliotheksgeschichte und vor allem von Bibliothekskatalogen aller Länder (Europa, Amerika, Australien, Afrika). So sind beispielsweise der »Catalogue of the Melbourne public library for 1861« und der »Catalogue of the Public library of Victoria« (1880) vorhanden. Literatur zu Privatbibliotheken umfaßt 393 Titel (davon 119 vor 1800). Vorwiegend sind es Kataloge von Privatbibliotheken, zum einen von anonymen Besitzern, zum anderen von genannten z. B. Victor Collins, »Attempt at a catalogue of the library of the late Prince Louis-Lucien Bonaparte«, 1894; Jacques Manzoni, »Bibliotheca Manzoniana«, Citta di Castello 1892--1894).

2.25 Bei 551 Titeln aus der Broschürensammlung Nr. 12 (Bibliotheken) handelt es sich vor allem um Verzeichnisse zu diversen Bibliothekstypen (Schüler-, Lehrer-, Kloster- und Universitätsbibliotheken). Häufig sind Schriften über geplante Bibliotheksbauten, Inkunabelbeschreibungen, Verwaltungsberichte, Benutzungsordnungen und Kataloge. Gering ist die Zahl der Darstellungen von Bibliothekaren.

Angelika Günzburger

Zeitungswesen (F, R)

2.26 Das Fehlen des Fachs Publizistik an der Universität Heidelberg ist der Hauptgrund für den geringen Bestand von 286 Titeln auf diesem Gebiet. Bei 12 Titeln (17. bis 19. Jh, deutschsprachig) handelt es sich um allgemeine Literatur. Hinzu kommen 274 überwiegend deutsche Zeitungen, die nach Regionen geordnet sind. Auf Süddeutschland entfallen 166 Titel, vor allem aus Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim; auf andere deutsche Regionen 61 Titel; und auf das Ausland 47 Titel. Aus dem 17. Jh stammen 2, dem 18. Jh 17 und dem 19. Jh 255 Titel.

Manfred Stange

Geographie (A)

2.27 Die neuzeitliche wissenschaftliche Geographie begann für die Universität Heidelberg 1899 mit der Berufung Alfred Hettners auf den ersten Heidelberger Lehrstuhl für dieses Fach. So stimmen auch Konzept und Aufbau der Systemgruppe Geographie im Zangemeister-Katalog nicht mit der modernen Struktur des Faches überein. Sowohl der Allgemeinen Geographie wie auch der Länderkunde wurde vor allem in den ersten Jahrzehnten der Katalogführung überwiegend Literatur aus z. T. sehr eng aufgefaßten Bereichen der (heutigen) Anthropogeographie zugeordnet. Diese Titel sind häufig statistisch-topographischer oder historisch-ethnographischer Art. Andererseits gehen vor allem im regionalen Bereich viele Publikationen weit über geographische Inhalte hinaus.

2.28 Die übrige geographische Literatur, soweit sachlich erfaßt, verteilt sich auf andere Systembereiche. Allerdings weisen nur zwei Untergruppen im Namen auf die Geographie hin. Innerhalb der Mathematik ist dies die Gruppe 'Mathematische Geographie, Kartenkunde' (L 2560--2599) mit 51 Titelnennungen, davon zwei lateinische aus dem 17.Jh und 49 Titel aus dem 19. Jh, darunter 42 deutschsprachige. Doch repräsentieren die hier erfaßten Zeitschriften, Reihen und Monographien in der Mehrzahl eher Titel aus dem Bereich der Geodäsie und der Geophysik heutiger Prägung als kartographische Literatur. Die Sachgruppe Naturwissenschaften enthält in der Untergruppe 'Physikalische, geographische und naturwissenschaftliche Topographie' (O 5270--5489) 140 Titel, vor allem zur Ozeanographie, Klimatologie, Hydrogeographie sowie zu naturwissenschaftlich orientierten Expeditionen und Reisen. 4 Titel stammen aus dem 17. Jh, 53 aus dem 18. Jh, darunter 32 in deutscher Sprache. Weitere Titel zur Physischen Geographie heutiger Auffassung sind in anderen Untergruppen zu finden, z. B. einige Werke zur Klimatologie und Klimageographie bei den 170 Titeln zur Meteorologie (O 4900--5069).

2.29 Der Gesamtbestand der im System des Zangemeister-Katalogs der Geographie zugewiesenen Monographien, Zeitschriften, Karten und Atlanten beläuft sich auf 6959 Haupttitelnennungen. Unter diesen ist die deutschsprachige Gruppe mit 4616 Titeln (66 Prozent) am häufigsten vertreten, gefolgt von 988 (14 Prozent) französischen, 563 (8 Prozent) englischen und 478 (7 Prozent) Titeln in lateinischer Sprache. Die restlichen 314 Titel (4,5 Prozent) sind in sonstigen, in der überwiegenden Mehrzahl europäischen Sprachen. Die chronologische Übersicht weist 126 Titel für die Zeit vor 1600 auf, für das 17. Jh 431 Titel, für das 18. Jh 1348 Titel. Mit 5018 Titelnennungen fallen 72 Prozent des hier berücksichtigten Altbestandes ins 19. Jh.

2.30 Die Allgemeine Geographie ist mit insgesamt 946 Titeln vertreten, davon 52 aus dem 16. Jh und 92 aus dem 17. Jh, über die Hälfte davon in Latein. 266 Titel fallen ins 18. Jh, davon 187 deutschsprachige; von den 536 Titeln des 19. Jhs sind 382 (71 Prozent) deutsch, 76 französisch, 44 englisch, der Rest in sonstigen Sprachen. Der Schwerpunkt liegt auf der Anthropogeographie, auch hier mit einer starken ethnographischen Komponente. Die in dieser Gruppe aufgeführten Periodika umfassen die wichtigsten in- und ausländischen Zeitschriften und zeitschriftenähnlichen Gesellschaftsschriften, beginnend mit Büschings »Magazin« (1769). Erdbeschreibungen wurden von den ersten Kosmographien bis zu den umfassenden allgemeinen Länderkunden des 19. Jhs gesammelt (A 215--239). Von den 185 Titeln stammen 30 aus dem 16. Jh, darunter 6 deutsche und 23 lateinische; 40 aus dem 17. Jh, darunter 8 deutsche, 3 französische und 28 lateinische.

2.31 Die Sachgruppe Geographische Statistik umfaßt 88 Titel (davon 15 aus dem 18. Jh) mit statistischen Tabellenwerken und älterer Lehr- und Handbuchliteratur, auch zur Geschichte und Theorie der 'Staatskunde' und allgemeinen Statistik für einen Zeitraum bis etwa 1840. Das hier unter dem Begriff Geographie subsumierte periodische Schrifttum enthält u.a. das »Journal of the Statistical Society of London« (später »Royal Statistical Society«, 1839 ff.), das »Journal de la Société de statistique de Paris« (1860 ff.) und das »Bulletin de l'institut international de statistique« (1886 ff.).

2.32 Über den engeren regionalen Rahmen hinausgehende Reiseliteratur ist mit 266 Titeln vertreten (A 509--742). Davon stammen 36 aus dem 16. und 17. Jh, darunter 19 in Latein; 87 Titel sind aus dem 18. Jh und 143 aus dem 19. Jh. Unter diesen Reisewerken sind 173 (65 Prozent) in deutscher, 47 (17 Prozent) in französischer Sprache.

2.33 Die regionale landeskundliche Literatur über Europa weist 237 Titel auf, darunter 2 in deutscher Sprache aus dem 16. Jh, 44 aus dem 17. Jh (je 15 deutsch und französisch, 11 lateinisch), 63 für das 18. Jh, darunter 49 deutsche, und 128 für das 19. Jh, darunter 110 in deutscher Sprache.

2.34 Zur Landeskunde Deutschlands -- insgesamt und regional in wechselndem politisch-historisch abgestecktem territorialen Rahmen -- finden sich 1531 Werke, darunter 9 im 16. Jh erschienene (8 in Latein), 41 aus dem 17. Jh (21 in Deutsch, 14 in Latein, 6 in Französisch), 278 des 18. Jhs (darunter 216 deutsche und 34 lateinische) sowie 1203 Titel aus dem 19. Jh (1146 in deutscher Sprache). Auch Karten und Kartenwerke für das Deutsche Reich als Gesamtheit ebenso wie Statistiken, Reisebeschreibungen oder z. B. Gesamtbetrachtungen über das deutsche Kolonialreich wurden hier eingeordnet.

2.35 Die regional bezogene Literatur für das übrige Europa

ist mit 2346 Titeln vertreten, darunter 1311 in deutscher Sprache (56 Prozent). Aus dem 16. Jh stammen 35 Titel (darunter 27 lateinische und 7 deutsche). Das 17. Jh ist mit 145 Titeln vertreten (darunter 79 lateinische, 32 französische, 20 deutsche). Auffallend zahlreich sind lateinische Titel bis ins 18. Jh hinein sowie französische Titel (486, 21 Prozent), insbesondere aus dem 18. und 19. Jh.

2.36 Über Asien liegen 673 Titel vor (rund 10 Prozent des Gesamtbestandes), darunter 2 deutsche Inkunabeln und eine lateinische. 15 Titel gehören ins 16. Jh, 67 ins 17. Jh. Auffallend ist der relativ geringe Bestand von nur 89 Titeln aus dem 18. Jh; 74 Prozent entfallen mit 499 Titeln auf das 19. Jh, davon mit 277 Titeln 55,5 Prozent in deutscher, 128 (26 Prozent) in englischer und 77 (15 Prozent) in französischer Sprache. Reiseliteratur ist gut vertreten, insbesondere auch für das Gebiet des Heiligen Landes und der übrigen arabischen Welt (soweit nicht im Komplex Afrika).

2.37 Zu Afrika als Region verzeichnet der Katalog 404 Titel (6 Prozent des Geographie-Bestandes). Ein französischer und 5 lateinische Titel repräsentieren das 16. Jh; erst unter den 11 Titeln aus dem 17. Jh finden sich neben 5 lateinischen auch 3 deutsche, im 18. Jh dann 24 von 37 neben 12 französischen Werken. 87 Prozent (350 Titel) entfallen auf das 19. Jh. Hier überwiegen mit 231 Titeln deutschsprachige Werke, nicht zuletzt wegen der zur Geographie gezählten deutschsprachigen regionalen Reise- und Kolonialliteratur. 53 Titel dieser Gruppe sind englische, 58 französische Werke.

2.38 Sehr ähnlich wie Afrika erscheinen Umfang und Struktur der regionalen Amerikaliteratur. 407 Titel (davon 76 vor 1800) entsprechen 6 Prozent des Fachbestandes; 133 Titel entfallen auf den Bereich USA (33 Prozent). Das Gros dieser Regionalgruppe bilden 330 Titel aus dem 19. Jh, davon 191 in Deutsch, 75 in Englisch, 29 in Französisch und 35 in sonstigen Sprachen, vielfach Spanisch. Mexikoliteratur vor 1800 ist mit je einem deutschen, französischen und lateinischen Titel im 17. und einem französischen im 18. Jh vertreten, 24 weitere Titel, darunter 14 deutschsprachige, fallen ins 19. Jh. Auf Südamerika entfallen 120 Titel.

2.39 Von insgesamt 46 auf Australien bezogenen Werken sind 11 (8 deutsche und 3 französische) bereits im 18. Jh entstanden; die übrigen 35 -- darunter 12 deutsche und 22 englische, neben einem französischen -- stammen aus dem 19. Jh. 41 weitere Titel betreffen die großen Weltmeere und ihre Inselwelt. Die Polarzonen der Erde, Arktis und Antarktis, haben 76 Titel zum Gegenstand.

2.40 Unberücksichtigt bleiben mußten etwa 700 noch nicht erschlossene Titel aus dem Broschürenkatalog (Nr. 34, 'Geographie und Ethnographie'), die im Hauptkatalog nicht verzeichnet sind, sowie alphabetisch erschlossene Programme aus dem Schulschriftenbestand. Karten und Atlanten (A und Sondersammlungen)

2.41 Eine Kartensammlung als geschlossener Komplex existiert nicht. Die außerhalb von Konvoluten und Sammelmappen vorhandenen älteren topographischen, thematischen und sonstigen Einzelkarten sind im alten Alphabetischen Katalog erfaßt und im Zangemeister-Katalog verzeichnet. Soweit die Sachnotation zugleich Standortsignatur ist, sind diese Karten in der vorliegenden Übersicht und Auszählung wie Monographien mitgezählt, antiquarische Erwerbungen nach Einführung des Numerus currens wurden dabei jedoch übergangen.

2.42 Das Auffinden von Einzelkarten aus den Sammelbänden und -mappen bedarf in vielen Fällen einer gewissen Findigkeit. So verbirgt sich hinter dem Titel »Atlas antiquus et modernus« (A 778²) ein dünnes Foliobändchen mit 19 auf Falz aufgezogenen kleinformatigen Karten bzw. aufgeklebten Legenden, zumeist wohl von Martin Hail(l)er aus der Mitte des 17. Jhs. Diese Karten sind einzeln weder im Alphabetischen Katalog noch im Zangemeister-Katalog aufgeführt. Gleiches gilt für die meisten der unter dem Titel »Karten, Sammelband« (A 783², Kartengestell) zusammengefaßten 28 Karten aus dem 17. Jh bis ca. 1830, darunter 17 Homann-Karten. Dieser Sammelband trägt die gleiche Signatur wie eine als »Homann Atlas« bezeichnete Zusammenstellung Homannscher Karten ab 1728.

Heidelberger Karten

2.43 Bei den Heidelberger Karten (im Alphabetischen Katalog und Zangemeister-Katalog oft nur 'Karten') handelt es sich um eine auf Mappen verteilte Zusammenstellung von Karten und Plänen überwiegend aus dem 18. und 19. Jh bis ca. 1870, von denen einige regionalen Bezug haben. Viele dieser Karten sind im Zangemeister-Katalog sachlich verankert. Zu den Heidelberger Karten gibt es ein 1883 datiertes zweibändiges handschriftliches Verzeichnis in der numerischen Folge der 313 Hauptnennungen und der weiteren Unterteilungen. Hier werden auch Bestände der Sammlung genannt, die später herausgelöst und in den Hauptbestand übernommen wurden, u.a. Karten und Pläne von Kriegsschauplätzen sowie militärische Operationskarten von Feldzügen, die in die Fachgruppe Geschichte eingereiht wurden.

Rothesche Kartensammlung

2.44 Ähnliches gilt für die als Geschenk in die Bibliothek gekommene 'Rothesche Kartensammlung', in den Katalogen oft nur 'Rothe'. Diese in Mappen aufbewahrte Sammlung von Karten und Plänen, die überwiegend in den ersten vier Jahrzehnten des 19. Jhs erschienen sind, ist ebenfalls in einem in der Reihenfolge von 220 Hauptnummern und Unternummern angeordneten handschriftlichen Verzeichnis aus dem Jahre 1882 erfaßt (A 760³). Auch hier finden sich einzelne in das Hauptsystem mit Zangemeister-Signaturen übernommene Kartentitel. Der Bestand umfaßt u.a. Karten mit regionalem Bezug.

Pfälzer Karten

2.45 Einen gewissen Schwerpunkt im Bestand der Einzelkarten für den regionalen Bereich der alten Kurpfalz in ihren weitesten Grenzen und für das sonstige Heidelberger Umland bilden diverse Sammlungen von Pfälzer Karten. Dazu gehört die von der Handschriften-Abteilung betreute Sammlung, von der im Alphabetischen Katalog als 'Pfälzische Ansichten' auf die Systemstelle A 2565¹0; HS; 'Pfalz, Ansichten, Pläne, Porträts aus Batts Bibliothek' s.u. 2.338) verwiesen wird. Die zahlreichen alten Karten und Pläne mit Pfälzer Bezug unter den 245 hier in Kurzfassung in numerischer Folge aufgeführten Stücken sind einzeln nicht im Alphabetischen Katalog oder Zangemeister-Katalog verzeichnet. Ebenfalls nur unter dem Sammelbegriff 'Pfalz: Karten des 17. und 18. Jhs' ist eine Sammelmappe mit 26 Blättern zu finden, während die in den Kartenschränken unter der Signatur A 2566² aufbewahrte Sammlung mit 18 Karten aus dem kurpfälzischen Bereich des 17. und 18. Jhs weder als Sammlung noch als Einzelstücke im Alphabetischen Katalog oder Zangemeister-Katalog Aufnahme fand.

2.46 1975 wurde damit begonnen, alle im Bestand aufgespürten alten Einzelkarten zunächst mit Erscheinungsjahren bis ca. 1830 in einem Kreuzkatalog in Zettelform (Katalog der Alten Karten) zu erfassen, und zwar in einem Alphabet der Titel, Zeichner, Stecher, Drucker, Verleger und auch einer regionalen Zuordnung. Diese noch unvollständige Katalogübersicht weist zahlreiche Dubletten nach; sie schließt auch einen Teil der hier genannten Sammlungsbestände ein, bis jetzt ohne das von der Handschriften-Abteilung betreute Material. Sie erfaßt zur Zeit auch noch nicht die alten Einzelkarten und Pläne, die anderen Gruppen zugeordnet sind. Die in der graphischen Sammlung der Handschriften-Abteilung betreuten alten Karten und Pläne sind dort durch eigene Kataloge erschlossen (Kupferstichkatalog).

Weltatlanten

2.47 Unter den alten Weltatlanten der Bibliothek sind ein Mercator-Hondius von 1596 ff., ein »Atlas Minor« von Mercator-Jansson und die Bde 2 bis 12 einer französischen Ausgabe des »Atlas Blaeu« von 1667 erwähnenswert. Der Himmelsatlas »Harmonia« des Cellarius ist in den Ausgaben von 1661 und 1708 vorhanden, ebenso wie ein repräsentativer Bestand an Atlanten des 18. und 19. Jhs.

Udo Högy

Geschichte (B): Mittelalter und Neuzeit

2.48 Unter der Signaturgruppe B des Zangemeister-Katalogs sind 18.362 Titel aus dem Gebiet der Geschichte verzeichnet, einschließlich der 366 unter L bei Mathematik aufgeführten Titel zum Kriegs- und Seewesen. Der Bereich 'Alte Geschichte' wird bei den Altertumswissenschaften behandelt s.u. 2.77 f.).

2.49 Auf den Zeitraum bis 1500 entfallen 53 Titel (0,3 Prozent), bis 1600: 900 (5 Prozent), bis 1700: 2478 (13,5 Prozent), bis 1800: 3710 (20 Prozent) und bis 1900: 11.221 Titel (61 Prozent). Von den 18.362 Titeln sind 10.769 (59 Prozent) in deutscher, 2924 (16 Prozent) in französischer, 2804 (15 Prozent) in lateinischer, 786 (4 Prozent) in englischer und 1079 (6 Prozent) in sonstigen Sprachen verfaßt. Den weitaus größten Teil stellt die deutschsprachige Literatur des 19. Jhs mit 7414 Titeln oder 40 Prozent des gesamten Zählbereichs, gefolgt von 2147 (12 Prozent) deutschsprachigen des 18. Jhs und 2135 (12 Prozent) französischsprachigen des 19. Jhs. Die lateinischen Werke stammen mit 1233 und 811 Titeln überwiegend aus dem 17. und 18. Jh und bilden im davorliegenden Zeitraum mit Abstand die umfangreichste der Sprachgruppen. Von 53 Werken des 15. Jhs sind 28 und von 900 des 16. Jhs 566 lateinisch. Die englische Sprache ist durchgehend gering vertreten, wobei von den 786 Werken 683 auf das 19. Jh entfallen und nur ein einziges auf das 16. Jh. Die Literatur vor 1500 setzt sich ausschließlich aus deutschen und lateinischen Titeln zusammen bei annähernd gleicher Verteilung von 25 zu 28.

2.50 Hinzu kommen 9805 Einheiten sogenannten Kleinschrifttums (Broschürenkatalog Nr. 32: Geschichte) als nicht systematisch gegliederter Bestand; hierunter 101 Titel des 16. Jhs, 558 des 17. Jhs, 1473 des 18. Jhs und 7673 Titel des 19. Jhs. Die weitaus größte Gruppe bilden 5442 deutschsprachige Titel des 19. Jhs; insgesamt sind 6053 Titel in deutscher Sprache verfaßt, 1263 in Englisch, 265 in Französisch, 1884 in Latein und 340 in sonstigen Sprachen. Ein weiterer, chronologisch und sprachlich nicht differenzierter Teil 'Kleinschrifttum' von 1300 Titeln gehört dem Themenbereich Hilfswissenschaften an.

2.51 Die Bestandsbeschreibung wird dadurch beeinträchtigt, daß von 29.467 dem Fach Geschichte zuzurechnenden Titeln (ohne Altertumswissenschaften) insgesamt 11.105 Titel (37,7 Prozent) Kleinschrifttum wegen fehlender fachlicher und formaler

Erschließung unberücksichtigt bleiben müssen. Hinzu kommt, daß Spezialliteratur falsch eingeordnet wurde oder in Formalgruppen wie 'Vermischte historisch-politische Literatur, allgemeine Sammelwerke, Zeitschriften und Bibliographien' versteckt ist. Vor allem aber sind umfangreiche Teilbestände bei anderen Signaturgruppen untergebracht. Regionalgeschichte zählt vielfach zum Bereich Geographie und Statistik (A), Biographien geschichtlicher Gestalten finden sich in der Allgemeinen Geistesgeschichte (F) oder bei der Schönen Literatur (G). Von großer Bedeutung für das Fach Geschichte sind die Akademieschriften, die zum Bereich Enzyklopädie und allgemeine Literatur (H) gehören. Wichtige historische Themen wurden vor allem unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten betrachtet und deshalb bei der Rechts- und Staatswissenschaft (J) angesiedelt, darunter Lehnswesen, Ständefragen, Reichstagsabschiede, Geschichte der Staatenbünde oder Quellengrundlagen wie die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. Die im folgenden beschriebenen Sachgruppen (B, L) enthalten vermutlich weniger als die Hälfte des Gesamtbestandes zur Geschichte.

2.52 Es handelt sich um einen auf Kontinuität angelegten, ausgewogenen Bestand zur europäischen Geschichte mit einigen gezielt gepflegten Schwerpunkten und zeitlich begrenzten Sondersammlungen innerhalb geschlossen erworbener Privatbibliotheken. Die übrigen Kontinente spielen daneben keine Rolle, wie die Zahlen für Asien (313), Amerika (252), Afrika (66) und Australien (3) beweisen.

2.53 Ein grobes Raster von fünf Obergruppen macht die inhaltlichen Proportionen deutlich. Während 3323 Titel oder 18 Prozent des Bestandes dem Themenbereich Universal- und Weltgeschichte einschließlich Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie Geschichtsphilosophie zugerechnet werden, gehören 12.001 Titel (65 Prozent) zur Geschichte Europas; von diesen wiederum 1773 zur allgemeinen deutschen Reichsgeschichte, 4495 zur Geschichte einzelner deutscher Länder und 5733 zur Geschichte der übrigen europäischen Länder. Einen traditionell gut gepflegten Bestand bilden die Hilfswissenschaften mit 2120 Titeln (12 Prozent); in die verbleibenden 5 Prozent teilen sich Vermischtes, Zeitschriften und Sammelwerke mit 284 und die Geschichte der außereuropäischen Länder mit 634 Titeln.

2.54 Bei den Titeln vor 1500 steht die Geschichte Europas mit 31 Titeln im Mittelpunkt, vor der Universal- und Weltgeschichte mit 21 Titeln. Unter den ersteren betreffen allein 23 die deutsche Geschichte einschließlich der deutschen Länder. Die 5 Obergruppen bestehen zu Anteilen von 56 bis 73 Prozent aus Literatur des 19. Jhs.

2.55 In der Gruppe Hilfswissenschaften dominiert die Numismatik mit 688 Titeln. Hiervon stammen 23 Titel aus dem 16. Jh, 74 aus dem 17. Jh, 231 aus dem 18. Jh und 360 Titel aus dem 19. Jh. Die lateinische und deutsche Sprache sind mit 228 und 248 Titeln annähernd gleich stark vertreten, Französisch mit 109, Englisch mit 37 und sonstige Sprachen mit 66. Bis zum Ausgang des 17. Jhs liegen neben 72 lateinischen und 23 deutschen Titeln nur 2 Titel in anderen Sprachen vor. Auch im 18. Jh steht noch das Latein mit 132 von 231 Titeln an erster Stelle.

2.56 Die 'Einleitung in die Geschichte und Philosophie der Geschichte', mit einem starken Bestand von allgemeinen Studieneinführungen, gehört zu den wenigen Gruppen, in denen kein laufender Anstieg der Titelmenge zu beobachten ist; vielmehr sinkt die Zahl von 23 im 16. auf 4 im 17. Jh und erreicht mit 15 im 18. Jh noch nicht wieder die Ausgangshöhe. Ins 19. Jh gehören 68 von insgesamt 110 Titeln der Gruppe. Sprachlich tritt das Deutsche mit 55 Titeln deutlich hervor, gefolgt von Latein (32), Französisch (19), Englisch (3) und sonstigen Sprachen (einer).

2.57 In der Abteilung Kulturgeschichte befinden sich nennenswerte Bestände nur aus dem 19. Jh mit 137 Titeln, während die älteren Werke aus 4 Jhn mit 29 Titeln insgesamt nur 17,5 Prozent ausmachen, darunter 5 Titel vor 1500. 72 Prozent sind in Deutsch verfaßt, das restliche gute Viertel ausnahmsweise zum größeren Teil (19 Titel oder 41 Prozent) in Englisch; 14 in Französisch, 10 in Latein und 3 in sonstigen Sprachen.

2.58 Zur Universal- und Weltgeschichte im eigentlichen Sinn gehören einschließlich der allgemeinen Kriegswirtschaft 2407 Titel. Hierzu zählen auch 366 Titel (15 Prozent der Gruppe) aus dem Bereich Kriegswissenschaft und Seewesen, die unter L (Mathematik) eingeordnet sind.

2.59 Bei der Byzantinischen Geschichte stammen 50 von 94 Titeln aus dem 19. Jh, jeweils 18 aus dem 16. und 17. Jh, 8 aus dem 18. Jh. Als Sprache liegt das Lateinische mit 46 Titeln vor dem Deutschen (32 Titel); es folgen Französisch (13), sonstige Sprachen (2) und Englisch (einer). Bei den lateinischen Werken fällt auf, daß ein ungewöhnlich hoher Anteil von 35 Prozent (16 Titeln) aus dem 19. Jh stammt. Mit derselben Menge vertreten ist das 17. Jh, gefolgt vom 16. mit 19,5 Prozent (9 Titeln) und dem 18. Jh mit 10,9 Prozent (5 Titeln).

2.60 Bei der Gruppe Mittelalterliche Geschichte wirkt sich die Zuordnung bestimmter Themen zur Rechtswissenschaft so sehr aus, daß die Abteilung mit insgesamt 73 Titeln -- einschließlich einiger hierher versprengter Arbeiten zur Allgemeinen Weltgeschichte -- unterrepräsentiert erscheint. Diese setzen sich zusammen aus 54 Titeln des 19., 12 des 18., 4 des 16. und 3 des 17. Jhs. Neben 42 Titeln in deutscher Sprache sind je 14 in Französisch und Latein sowie 3 in Englisch vertreten.

2.61 Die 473 Titel zur Neueren Geschichte im Bereich der Weltgeschichte verteilen sich zu 57 Prozent (268 Titel) auf das 19., 20 Prozent (93) auf das 17., 18,5 Prozent (88) auf das 18. und 5 Prozent (24) auf das 16. Jh. 324 Titel sind in deutscher Sprache, 64 in Französisch, 18 in Englisch und 15 in sonstigen Sprachen erschienen.

2.62 Die Allgemeine Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und des Deutschen Reiches umfaßt 1773 Titel mit 977 (55 Prozent) aus dem 19. Jh, davon 890 oder 91 Prozent in deutscher Sprache (18. Jh 390 Titel, 17. Jh 277, 16. Jh 118). 11 Titel gehören dem Zeitraum bis 1500 an, davon 6 in deutscher und 5 in französischer Sprache. In der ganzen Gruppe ist außer dem Deutschen (1329 Titel) das Lateinische mit 20 Prozent bzw. 361 Titeln zahlreich vertreten; es folgen Französisch mit 54, Englisch mit 15 und sonstige Sprachen mit 14 Titeln. Einen größeren Block bilden 638 Titel (36 Prozent) zur neueren Geschichte bis 1848. Die zweite Hälfte des 19. Jhs ist mit 222 Titeln gleichfalls recht gut vertreten, namentlich durch starke Bestände aus der Bismarckzeit, die aus dem Besitz des badischen Staatsmannes Arthur von Brauer in die Bibliothek kamen.

2.63 Der Schwerpunkt der Bestände liegt auf der Geschichte der deutschen Länder, wobei zu berücksichtigen ist, daß die einschlägige Literatur sich zum großen Teil im Signaturbereich A (Geographie) befindet. Von 4495 Titeln -- das sind 24,5 Prozent des Gesamtbestands -- gehören 2490 ins 19. Jh, 1157 ins 18. Jh, 635 ins 17. Jh, 201 ins 16. Jh und 12 ins 15. Jh. 3656 Titel (81 Prozent) sind in Deutsch verfaßt, 625 in Latein, 184 in Französisch, 17 in sonstigen Sprachen und 13 in Englisch. Das Lateinische hat noch im 18. Jh einen hohen Anteil (216 Titel) und geht erst im 19. Jh zurück (16).

2.64 1898 Titel (42 Prozent) behandeln die Geschichte der süddeutschen Gebiete Bayern, Pfalz und Baden (einschließlich einer Sondergruppe für Heidelberg von 78 Titeln). Eine exakte Zuordnung ist gerade in diesem Bereich problematisch, so daß die Aufgliederung ein bestenfalls näherungsweise zutreffendes Bild ergibt. Bayern umfaßt 720 Titel, davon aus dem 19. Jh 382, aus dem 18. Jh 267, aus dem 17. Jh 52, aus dem 16. Jh 17 Titel und aus dem 15. Jh 2 deutschsprachige Titel. Nach Sprachen gegliedert, ergeben sich 608 deutsche, 101 lateinische, 8 französische und 3 Titel in sonstigen Sprachen; das Englische ist nicht vertreten. Im 18. und 19. Jh fallen neben 581 deutschen Titeln (205 und 376) die übrigen Sprachen nicht ins Gewicht.

2.65 Zur Geschichte der Pfalz sind 578 Titel vorhanden, darunter besonders durch die Sammlung Batt viele Rara. Der große Anteil der Bibliothek des 1839 verstorbenen Weinheimer Gelehrten spiegelt sich auch darin, daß 234 Titeln des 17. Jhs und 206 Titeln des 18. Jhs nur 85 des 19. Jhs gegenüberstehen. 50 Titel stammen aus dem 16. Jh, 3 (alle in Latein) aus dem 15. Jh. Die Hauptsprache ist Deutsch (367 Titel), gefolgt von Latein (174), Französisch (18), sonstigen Sprachen (11) und Englisch (8). Einige wichtige zeitgenössische Werke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich V. sind wegen seiner Erhebung zum König von Böhmen unter 'Österreichisch-Ungarische Monarchie' zu suchen.

2.66 Zu Baden liegen 522 Titel vor, davon aus dem 19. Jh 342, 18. Jh 113, 17. Jh 61, 16. Jh 5 und 15. Jh ein Titel. Deutsch dominiert mit 476 Titeln vor Latein (40), Französisch (2) und sonstigen Sprachen (4). Zur Heidelberger Stadtgeschichte finden sich 78 Titel, davon 46 (59 Prozent) deutschsprachige des 19. Jhs, 68 deutschsprachige insgesamt, 9 lateinische und ein französischer Titel (19. Jh). Die chronologische Verteilung zeigt neben 47 Titeln des 19. Jhs 15 des 18. Jhs, 13 des 17. Jhs, 2 des 16. Jhs und einen (lateinischen) des 15. Jhs.

2.67 Die übrigen deutschen Länder sind mit 2597 Titeln vertreten (58 Prozent), die sich wie folgt verteilen: 19. Jh 634, 18. Jh 556, 17. Jh 275, 16. Jh 127 und 15. Jh 15 Titel. Dabei handelt es sich um 137 deutsche, 5 englische, 153 französische, 301 lateinische und einen sonstigen Titel.

2.68 Die Reihe der europäischen Länder (ohne Deutschland) eröffnen 565 Titel (3 Prozent des gesamten Bestandes) zur Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie; davon sind 329 Titel im 19. Jh, 101 im 18. Jh, 124 im 17. Jh und 11 im 16. Jh erschienen. Von den 440 Titeln in deutscher Sprache stammen 306 aus dem 19. Jh. Unter den übrigen Sprachen ist nur das Lateinische nennenswert vertreten mit 98 Titeln, während sich der Rest auf 11 französische und 16 Titel in sonstigen Sprachen verteilt.

2.69 Zur Geschichte der Schweiz sind 389 Titel vorhanden, davon 307 in deutscher Sprache, von denen 229 aus dem 19. Jh stammen. Bei den übrigen Sprachen nimmt das Französische mit 58 Titeln die erste Stelle ein vor Latein (22) und sonstigen Sprachen (2). Die Werke gehören zu 71 Prozent (277 Titel) dem 19. Jh an. Es folgen in absteigender Reihe das 17. Jh (57 Titel), 18. Jh (48), 16. Jh (6) und das 15. Jh (ein Titel in deutscher Sprache).

2.70 Überproportional starke Bestände finden sich zur Geschichte Frankreichs mit 1674 Titeln (9 Prozent des Gesamtbestandes). Davon gehören allein 438 Titel (26 Prozent) zur Geschichte der Französischen Revolution. Während die Altersstruktur dem üblichen Muster entspricht -- 1104 Titel oder 66 Prozent aus dem 19. Jh, 296 aus dem 18. Jh, 218 aus dem 17. Jh, 55 aus dem 16. Jh und ein Titel des 15. Jhs --, bietet die sprachliche Aufteilung ein anderes Bild: 71 Prozent (1187 Titel) sind in französischer Sprache. Es folgen Deutsch (350 Titel oder 30 Prozent), Latein (105 Titel), Englisch (27) und sonstige Sprachen (5). 74 Prozent (878) der französischen Titel entstammen dem 19. Jh.

2.71 Bescheiden nimmt sich dagegen die Geschichte Großbritanniens mit 627 Titeln aus, nur wenig mehr als ein Drittel der Werke zur Geschichte Frankreichs und 3,5 Prozent des Gesamtbestands. 61 Prozent (421 Titel) stammen aus dem 19. Jh; 92 Titel aus dem 18. Jh, 105 aus dem 17. Jh, 8 aus dem 16. Jh und ein (lateinischer) Titel aus dem 15. Jh. Die sprachliche Aufteilung zeigt einen englischen Anteil von 52 Prozent (328 Titeln); Deutsch zählt 131 Titel, gefolgt von Latein (93), Französisch (67) und 8 Titeln in sonstigen Sprachen.

2.72 Die Geschichte der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs ist mit 527 Titeln vertreten, davon 252 aus dem 19. Jh, 92 aus dem 18. Jh, 141 aus dem 17. Jh, 38 aus dem 16. Jh und 4 Inkunabeln. Es fällt auf, daß diese Gruppe -- ebenso wie die der Schweiz und Großbritanniens -- anstelle der meist üblichen kontinuierlichen Steigerung einen Rückgang des Literaturbestandes im 18. Jh aufweist. Hauptsprache ist Französisch mit 29 Prozent der Titel (153), dicht gefolgt von den sonstigen Sprachen mit 141 und Latein mit 126 Titeln. Auch die deutsche Sprache ist mit 103 Titeln gut vertreten, während Englisch mit 4 Titeln am Ende steht.

2.73 Gut repräsentiert ist die Geschichte Italiens und der Iberischen Halbinsel mit 1017 Titeln oder 5,5 Prozent des Gesamtbestandes. Unter den 684 Titeln des 19. Jhs stehen 349 (51 Prozent) in sonstigen Sprachen an der Spitze. Hiernach folgen Deutsch (169), Französisch (127), Englisch (32) und Latein (7 Titel). Insgesamt sind 473 Titel (47 Prozent) in sonstigen Sprachen vorhanden, 229 in Deutsch, 167 in Französisch, 112 in Latein und 36 in Englisch. Die chronologische Verteilung weist 684 Titel im 19. Jh, 140 im 18. Jh, 118 im 17. Jh, 74 im 16. Jh und einen Titel im 15. Jh auf, wobei sich die ältesten Werke im Bereich der Florentinischen Geschichte finden.

2.74 Die Geschichte der Nordischen Reiche, Rußlands und Südosteuropas einschließlich der Türkei wird wegen des geringen Buchbestandes der Einzelgebiete hier zusammengefaßt: von 934 Titeln stammen aus dem 16. Jh 64 Titel, aus dem 17. Jh 107 und aus dem 18. Jh 163 Titel. 600 Titel (64 Prozent) stammen aus dem 19. Jh. Der Gesamtanteil der deutschen Sprache innerhalb der Gruppe überwiegt mit 474 Titeln vor Latein mit 159, Französisch mit 139, sonstigen Sprachen mit 136 und Englisch mit 26 Titeln.

2.75 Den 12.001 Titeln zur Europäischen Geschichte stehen 634 Titel oder 3,5 Prozent des Gesamtbestandes zur Geschichte der außereuropäischen Kontinente gegenüber, 463 Titel aus dem 19. Jh, 110 aus dem 18. Jh, 44 aus dem 17. Jh und 17 aus dem 16. Jh. 6 Prozent (226 Titel) sind in Deutsch; an zweiter Stelle folgt Englisch (152), anschließend Französisch (129), Latein (69) und sonstige Sprachen (58).

2.76 Die größte Gruppe in diesem Abschnitt -- Asien, mit 313 Titeln -- umfaßt 205 Titel aus dem 19. Jh. 60 Titel stammen aus dem 18., 32 aus dem 17. und 16 aus dem 16. Jh. 114 Titel der Gruppe sind in Deutsch, 63 in Französisch, 59 in Latein, 52 in Englisch und 25 in sonstigen Sprachen. Unter 252 Titeln zur Geschichte Amerikas (Gesamtkontinent) sind weniger englische (87) als deutsche (96 Titel) vorhanden; daneben finden sich 36 Titel in Französisch, 28 in sonstigen Sprachen und 5 in Latein. 208 Titel sind im 19. Jh, 37 im 18. Jh, 6 im 17. Jh und einer im 16. Jh erschienen. Von den 66 Titeln zur afrikanischen Geschichte sind 29 in französischer, 16 in deutscher, 11 in englischer und je 5 in lateinischer und sonstigen Sprachen erschienen. 48 stammen aus dem 19., 13 aus dem 18. und 5 aus dem 16. Jh. Zur Geschichte Australiens, Polynesiens und Melanesiens sind 3 Titel (17. Jh einer, 19. Jh 2) vorhanden, davon 2 in Französisch und einer in Deutsch.

Ursula Perkow

Alte Geschichte (B)

2.77 Unter dem Begriff 'Alte Geschichte' werden Titel zur antiken Universalgeschichte, zur griechischen und zur römischen Geschichte sowie zur Völkerwanderungszeit zusammengefaßt (B 2640--3259). Die Geschichte Ägyptens und des Vorderen Orients werden separat ausgewertet (s. 2.97; 2.99 f.). Im Abschnitt B des Zangemeister-Katalogs ist dabei im wesentlichen die Ereignisgeschichte berücksichtigt, während Titel zum Staats- und Privatleben des Altertums sich unter C s.u. 2.79 ff.) finden.

2.78 Zur Alten Geschichte sind insgesamt 749 Titel

vorhanden, von denen aus dem 16. Jh 50 Titel stammen, aus dem 17. Jh 48, aus dem 18. Jh 77 und aus dem 19. Jh 574 Titel (77 Prozent). Die hier angegebenen Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Zangemeister-Katalog, da im Broschürenkatalog Abhandlungen zur Geschichte nicht näher unterteilt sind (einige Titel evtl. unter Nr. 32: Geschichte). Bis zum 18. Jh dominiert das Lateinische, gefolgt vom Deutschen, im 19. Jh das Deutsche. Im 19. Jh treten als Wissenschaftssprachen das Englische und Französische hinzu. Im Zangemeister-Katalog (B) sind alle wesentlichen Handbücher und die wissenschaftsgeschichtlich relevante Literatur des 19. Jhs verzeichnet. Am reichhaltigsten vertreten sind Werke zur Römischen Geschichte (413 Titel); auf die Griechische Geschichte entfallen 148 Titel.

Hartmut Matthäus

Klassische Altertumswissenschaft allgemein (C)

2.79 Der Oberbegriff Klassische Altertumswissenschaft umfaßt im Zangemeister-Katalog (C 1--2099) die folgenden Bereiche: fachübergreifende allgemeine Werke zur Antike (Bibliographien, Zeitschriften, Lexika, Einführungen, auch Opuscula), Arbeiten zum Staats- und Privatleben Griechenlands und Roms sowie Monographien zu Religion und Mythologie der Alten Welt.

2.80 Die Gesamtzahl der Titel beträgt 1393. Auf Allgemeines entfallen 119 Titel, auf Staats- und Privatleben 735 Titel und auf Religion und Mythologie 539 Titel. Arbeiten des 19. Jhs überwiegen: 1023 Titel (knapp drei Viertel des Bestandes); aus dem 15. Jh liegen 4 Titel vor, aus dem 16. Jh 60, aus dem 17. Jh 155 und aus dem 18. Jh 151 Titel. Es dominieren 596 deutschsprachige Titel des 19. Jhs, während vom 15. bis zum 18. Jh Latein die erste Stelle einnimmt. Französisch (insgesamt 214 Titel), Englisch (insgesamt 81 Titel) und andere Sprachen (insgesamt 49 Titel, vorwiegend Italienisch) spielen gleichfalls erst seit dem 19. Jh eine Rolle. Zumindest die sehr weit gefächerten, alle wichtigen Standardwerke und Handbücher umfassenden Bestände des 19. Jhs können als überdurchschnittlich gelten.

2.81 Die im Fach Geschichte erwähnten Probleme der Systematik gelten auch für die Altertumswissenschaft. So bieten die Katalogteile Staats- und Privatleben eine Mischung von archäologischen, auf den Realien basierenden Arbeiten und rein philologischen sowie althistorischen Werken. Noch heterogener stellt sich die Abteilung Religion und Mythologie dar, denn hier wurden über Griechenland und Rom hinaus auch die übrigen Gebiete der Alten Welt einbezogen, so vor allem Vorderasien und Afrika, auch die germanische und keltische Mythologie. Die Gliederung erfolgt regional, doch finden sich unter den altertumskundlichen Titeln nicht wenige Schriften zu Mittelalter und Neuzeit, darunter viele aus der Ethnologie, darüber hinaus auch einzelne Titel zur Religion und Mythologie der Neuen Welt.

2.82 An Sammlungsschwerpunkten sind zu nennen: Titel übergreifenden Charakters zur Altertumskunde allgemein einschließlich Zeitschriften und Nachschlagewerken; die Bereiche des griechisch-römischen Staatslebens (zahlreiche Abhandlungen zum staatlichen Leben, zu Rechts- und Verfassungsfragen), des Privatlebens und der Sakralaltertümer (Arbeiten zu antiken Kulten und Einzelfragen der Religion) und ein guter Bestand an Arbeiten zur Religion und Mythologie Griechenlands, Roms sowie des Nahen Ostens, ebenso wie eine Reihe von Arbeiten zur allgemeinen Religionsgeschichte.

Klassische Archäologie (C)

2.83 Das Fach Klassische Archäologie gliedert sich im Zangemeister-Katalog in zwei sachliche Hauptabschnitte: 'Monumentenkunde' (C 2100--4137), d. h. Arbeiten über Altertümer einzelner Museen, Orte, Landschaften in regionaler Unterteilung und 'Antike Kunst' (C 4974--6039). Der Gesamtbestand beläuft sich auf 2949 Titel, davon 2375 Titel Monumentenkunde, 574 Titel Antike Kunst. Auf das 16. Jh entfallen 30 Titel, auf das 17. Jh 88 Titel, auf das 18. Jh 225 Titel und auf das 19. Jh 3606 Titel (88 Prozent).

2.84 Bis in das 18. Jh hinein dominiert das Lateinische (insgesamt 163 Titel oder 48 Prozent). Hinzu kommen Titel in italienischer und französischer Sprache (131 Titel, 31 Prozent). Im 19. Jh rückt dann das Deutsche (1180 Titel, 45 Prozent) an die erste Stelle, gefolgt vom Französischen (648 Titel), Englischen (246 Titel), auch Italienischen (ca. 350 Titel). Latein (66 Titel) spielte schon damals in der Klassischen Archäologie keine nennenswerte Rolle mehr. Sonstige Sprachen sind spärlich (ca. 166 Titel) vertreten.

2.85 Die ausgezeichneten Bestände an klassisch-archäologischer Literatur gründen zum einen auf der sehr frühen Einrichtung eines Lehrstuhles für Klassische Archäologie an der Universität Heidelberg (1855), die eine intensive Pflege der Altertumswissenschaften und insbesondere der Archäologie an der Universitätsbibliothek seit der zweiten Hälfte des 19. Jhs zur Folge hatte. Zum anderen zählt das Fach zu den Sondersammelgebieten der Bibliothek, so daß kontinuierliche Lückenergänzungen möglich waren. Die ständige Überprüfung der Angebote auf dem Antiquariatsmarkt hat gezeigt, daß relevante Literatur des 19. Jhs kaum fehlt. Auch die 'vorwissenschaftliche' Periode, d. h. das 16. bis 18. Jh, scheint durch den Bestand recht gut vertreten.

2.86 Bei der Anlage des Zangemeister-Katalogs ging man offenbar von einem universalen Verständnis des Begriffes 'Altertumswissenschaft' aus. Insbesondere in dem großen Abschnitt Monumentenkunde stößt man deshalb neben Titeln zur Klassischen Archäologie auch auf solche, die man nach heutigem Verständnis zur Ur- und Frühgeschichte, der vorderasiatischen Archäologie oder auch der Ethnologie zählen würde. Auch erfolgte die Abtrennung von Fächern wie der Ur- und Frühgeschichte oder der orientalischen Archäologie erst im 20. Jh. Deshalb ist mit einer Mischung von Titelmaterial unterschiedlicher Art zu rechnen.

Monumentenkunde

2.87 Der Bereich Monumentenkunde bildet mit insgesamt 2375 Titeln den weitaus größten Teilbestand in dieser Abteilung: 16. Jh 22 Titel, 17. Jh 55 Titel, 18. Jh 158 Titel und 19. Jh 2140 Titel (90 Prozent). Unter den Oberbegriff Monumentenkunde fallen Museumskataloge aller Art und Werke zur Museumskunde; neben der Archäologie sind auch in geringerem Umfang kunstgeschichtliche Publikationen einbezogen. Hinzu kommen größere Denkmälerpublikationen (Corpora) und sonst nicht unterzubringende Opuscula, insgesamt 614 Titel (19. Jh 579).

2.88 Es folgen Ausgrabungspublikationen und Sammlungen von Monumenten, welche nach geographischen Gesichtspunkten geordnet sind. Zu Afrika und Asien (einschließlich Kleinasien und Zypern, aber ohne Ägypten) liegen 186 Titel vor (19. Jh 177, vor 1800 9 Titel). Hier finden sich neben klassisch archäologischen auch vereinzelte Titel zur punischen und zur vorderasiatischen Archäologie, zur Kunst und Kultur der Hethiter. Über Griechenland liegen 125 Titel vor (19. Jh 120, vor 1800 5), über Dalmatien 13 Titel (19. Jh) und über Italien (einschließlich Sizilien, Sardinien, Korsika, Malta) 442 Titel (19. Jh 328, vor 1800 114). Die hohe Zahl an Publikationen über italienische Fundorte und Denkmäler spiegelt die allgemeine Entwicklung der Archäologie gerade im 18. und 19. Jh wider.

2.89 Die übrigen europäischen Länder sind mit 674 Titeln vertreten (624 im 19. Jh, 50 vor 1800). Hier sind eingeschlossen Monographien zur provinzialrömischen Archäologie, zur Ur- und Frühgeschichte und gelegentlich Arbeiten zur Kunstgeschichte. Hinzu kommen sogar noch einige Titel zu Altertümern und zur Ethnographie Amerikas und Australiens.

Antike Kunst

2.90 Der Bereich der antiken, also im wesentlichen griechischen und römischen Kunst (C 4974--6039) umfaßt insgesamt 574 Titel (466 im 19. Jh, 108 vor 1800), die auch nach heutigem Wissenschaftsverständnis dem Fach Klassische Archäologie zugeordnet würden. An allgemeinen Werken zur antiken Kunst sind 135 Titel vorhanden, davon 19 vor 1800 (hier etwa die Werke Winckelmanns), 116 aus dem 19. Jh.

2.91 Weniger gut vertreten ist die antike Architektur mit 65 Titeln (19. Jh 54, davor 11). Ihr Studium erfuhr erst durch die seit dem Ende des 19. Jhs einsetzenden großen Ausgrabungsunternehmungen in Italien, Griechenland und Kleinasien einen Aufschwung. Gut repräsentiert sind antike Plastik mit 105 Titeln (19. Jh 85, davor 20) und Kleinkunst, d. h. Edelmetallarbeiten, Bronzen, Gemmen (gerade im 18. Jh eines der Lieblingsgebiete von Sammlern und Gelehrten), Glas, Terrakotten, mit 125 Titeln (19. Jh 80, davor 45). Das gleiche gilt für die Vasenmalerei mit 95 Titeln (19. Jh 88, davor 7); hier überrascht die recht hohe Zahl insofern, als der große Aufschwung der Vasenforschung in der Archäologie erst im frühen 20. Jh einsetzte. Zu Malerei und Mosaik sind insgesamt 49 Titel (19. Jh 43) vorhanden. Eine nach Jahrhundert-Schichten und Sprachen schwer aufzuschlüsselnde Zahl von geschätzt 1000 Titeln zu Archäologie und Mythologie befindet sich im Broschürenkatalog unter Nr. 29.

Antike Epigraphik (C)

2.92 Dieses Sachgebiet an der Schnittstelle von Klassischer Philologie und Alter Geschichte ist von der Bibliothek stets besonders gepflegt worden. Die Gesamtzahl der Titel beläuft sich auf 607, davon 13 aus dem 16. Jh, 24 aus dem 17. Jh, 50 aus dem 18. Jh und 520 aus dem 19. Jh (86 Prozent). Ähnlich wie in der Klassischen Philologie allgemein hat die lateinische Sprache bis in das 19. Jh hinein ihren Rang behauptet (vor 1800: 73 Titel, 83 Prozent; 19. Jh: 103 Titel, 20 Prozent). Vor 1800 spielt nur das Italienische eine gewisse Rolle. Im 19. Jh überwiegt Deutsch (179 Titel, 34 Prozent) vor Französisch (123 Titel), sonstigen Sprachen (75 Titel, besonders Italienisch) und Englisch (40 Titel).

2.93 Neben allgemeiner epigraphischer Literatur (Einführungen, Übersichten etc.) sind die großen Inschriftencorpora im Bestand wohl vollständig vertreten; ferner zahlreiche Monographien über die griechischen und lateinischen Inschriften einzelner Regionen und Ortschaften. Dazu kommt eine solide Sammlung papyrologischer Literatur. Vereinzelt sind ferner Titel zu mittelalterlichen und neuzeitlichen Inschriften, zu phönizischen Inschriften, zur Keilschrift, zum Lykischen und Zyprischen vorhanden.

Andreas Degkwitz

Hartmut Matthäus

Religionsgeschichte der Juden und Mohammedaner (Q)

2.94 Werke zur Religionsgeschichte der Juden (246 Titel) sind wegen ihres Bezugs zur alttestamentarischen Theologie im Zangemeister-Katalog unter Q (6860--6907) verzeichnet. Sie reichen bis ins 15. Jh zurück (15. Jh 2, 16. Jh 9, 17. Jh 51, 18. Jh 45 und 19. Jh 139 Titel). Wissenschaftssprache vor dem 19. Jh ist überwiegend Latein, danach das Deutsche.

2.95 Die Gesamtzahl der Titel zur Religionsgeschichte der Mohammedaner beträgt 63 (17. Jh 10, 18. Jh 11 und 19. Jh 52 Titel); die Sprache ist überwiegend Deutsch. Die Titel des 17. und 18. Jhs weisen auf das in Heidelberg früh erwachte Interesse an orientalischer Literatur, Philosophie und Religion. Philosophie und Geschichte des Orients (M, B)

2.96 Zur orientalischen Philosophie d. h. jüdische, arabische, chinesische Philosophie) sind insgesamt 31 Titel vorhanden (M 298--314), aus dem 18. Jh 6 und dem 19. Jh 25 Titel. 2.97 Der Bereich Geschichte des Orients umfaßt im Zangemeister-Katalog (B 9367--9603) 116 Werke über das Mittelalter und die Neuzeit (zum Altertum vgl. Zangemeister-Katalog C). Die überwiegende Zahl der Titel stammt aus dem 19. Jh (98 Titel; vor 1800 20 Titel). Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf Werken zur Geschichte Syriens und des Osmanischen Reiches. Die Erwerbung scheint vielfach gerade im Blick auf die Auseinandersetzungen des Abendlandes mit den orientalischen Staaten (Kreuzzüge, Türkenkriege) erfolgt zu sein.

Ethnologie und Anthropologie (O)

2.98 Ethnologie wurde bei der Anlage des Zangemeister-Kataloges als selbständiges Fach nur im Hinblick auf die Verbindung zur Anthropologie berücksichtigt (O 830--1029). Die Gesamtzahl der Titel beträgt 230 (19. Jh 208 Titel, 90 Prozent). Die überwiegende Sprache ist seit dem 18. Jh Deutsch. Im 19. Jh wächst der Anteil englischer und französischer Literatur. Inhaltlich berücksichtigt werden im wesentlichen Titel zur physischen Anthropologie, zur Ethnologie im heutigen Sinne (64 Titel) und zur Urgeschichte des Menschen. Verstreutes Titelmaterial findet sich im Zangemeister-Katalog unter Volkskunde (M 1530 ff., religiöse Vorstellungen, Aberglauben) sowie in den Abschnitten Religion und Mythologie (C). Hinzu kommt eine nicht näher nach Jahrhunderten und Sachgebieten aufzugliedernde Zahl von kleineren Arbeiten im Broschürenkatalog (Nr. 34: Geographie und Ethnographie) mit insgesamt 700 Titeln.

Hartmut Matthäus

Ägyptologie (B, C, E)

2.99 Für die Bibliothek ist die Ägyptologie zugleich Sondersammelgebiet. Da es sich um ein sogenanntes Kulturkreisfach handelt, umfaßt die Literatur alle Aspekte dieser Kultur, darunter Kunst, Sprache, Religion, Geschichte, Archäologie und Recht. Die Bestandspflege im Sinne des Erwerbs antiquarischer Werke wird in Heidelberg kontinuierlich betrieben; dies gilt insbesondere auch für die Literatur des 19. Jhs (s. auch die beiden Fachkataloge Ägyptologie unter 3.1). Die Gesamtzahl der ägyptologischen Titel (aus den Bereichen B Geschichte, C Monumentenkunde und E Sprache) beträgt 405. Davon stammen 3 Titel aus dem 16. Jh, 11 aus dem 17., 17 aus dem 18. Jh und 374 Titel (gut 92 Prozent) aus dem 19. Jh. Bei der Sprachverteilung ergibt sich folgendes Bild: Führende Wissenschaftssprache ist Französisch mit 160 Titeln (40 Prozent), gefolgt von Deutsch mit 121 Titeln (30 Prozent), Englisch mit 58 Titeln (14 Prozent), Latein mit 50 Titeln (12 Prozent) und sonstigen Sprachen mit 16 Titeln (4 Prozent).

2.100 Der Bestand ist von hoher Qualität. Von besonderer Bedeutung sind die 1809--1822 erschienene »Déscription de l'Egypte« (8 Bde) der Gelehrtenkommission, die in Begleitung der Napoleonischen Truppen Ägypten bereiste und die wissenschaftliche Erfassung der altägyptischen Monumente begründete, sowie die »Monumenti dell'Egitto e della Nubia«, die Ippolito Rosellini 1832--1844 veröffentlichte. Die 3 Bde haben wie die anderen hier genannten Publikationen Imperial-Folio-Format und sind teilweise noch handkoloriert. Ferner sind zu nennen »Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien« (6 Bde, 1849--1856) mit den Ergebnissen der preußischen Ägyptenexpedition in der Mitte des 19. Jhs.

Günter Burkard

Klassische Philologie (D)

2.101 Der Gesamtbestand der Fachgruppe Klassische Philologie beläuft sich auf 19.506 Titel, von denen auf den Zangemeister-Katalog 9345 Titel entfallen, auf den Broschürenkatalog 10.161 Titel. Im 15. Jh sind 124 Titel (davon 2 im Broschürenkatalog) erschienen, im 16. Jh 1551, im 17. Jh 962 (davon 37 im Broschürenkatalog), im 18. Jh 911 (davon 122 im Broschürenkatalog) und im 19. Jh 15.958 Titel (davon 10.000 im Broschürenkatalog).

2.102 Insgesamt dominieren bis in das 19. Jh hinein Titel in lateinischer Sprache (12.991 Titel, 66 Prozent); es folgt als Wissenschaftssprache das Deutsche (5336 Titel, 27 Prozent), während die übrigen europäischen Sprachen (Englisch, Französisch, Griechisch u.a.) nur eine nebengeordnete Rolle spielen (insgesamt nur 1180 Titel, 6 Prozent). Das Verhältnis deutscher zu lateinischen Titeln kennzeichnet einerseits das Überwiegen des Lateinischen vor 1800 (3257 gegenüber 155), andererseits das allmähliche Anwachsen deutschsprachiger Titel im 19. Jh bei gleichzeitiger Behauptung des Lateinischen (5181 deutsche, 9708 lateinische Titel). Nachlässe von Gelehrten sind im Bereich der Klassischen Philologie quantitativ unbedeutend. Die wenigen Titel aus den Nachlässen von Hermann Köchly und Eduard Böhmer s.u. 2.360 f. und 2.386 f.) sind in den Zangemeister-Katalog aufgenommen.

2.103 Die Klassische Philologie zählt zu den am besten vertretenen geisteswissenschaftlichen Fächern der Bibliothek, trotz kriegsbedingter Verluste im Jahre 1945 (darunter Werke des 16. bis 18. Jhs aus der Sammlung von Drucken des Heidelberger Druckers Comelinus). Es handelt sich um einen breit gefächerten, alle wesentlichen Bereiche der griechischen und lateinischen Sprach- und Literaturwissenschaft abdeckenden Bestand. Neben grundlegenden Texteditionen, Kommentaren und Sekundärliteratur umfangreicherer Art (Zangemeister-Katalog) ist eine große Zahl von Dissertationen, Schulprogrammen und Broschüren vorhanden (Broschürenkatalog Nr. 22 und 25--28).

2.104 Die Gliederung der Titel im Zangemeister-Katalog (der Broschürenkatalog weist keine der Zangemeister-Systematik entsprechende Unterteilung auf und bleibt daher außer Betracht) erfolgt nach der grundlegenden Einteilung in allgemeine Sprach- und Literaturgeschichte der Antike sowie griechische und lateinische Autoren, deren Werke jeweils nach sachlichen Gesichtspunkten (Epos, Lyrik, Drama, Geschichtsschreibung, Geographie, Philosophie, Rhetorik etc.) geordnet werden. Stichproben ergaben, daß der Broschürenkatalog im Vergleich zum Zangemeister-Katalog, soweit die Anteile der einzelnen Literaturgattungen betroffen sind, das Bild nicht erheblich verändern dürfte. Er weist hauptsächlich Arbeiten nach, die sehr spezielle Themen behandeln und z.T. miszellenartigen Charakter haben.

2.105 Die griechische und lateinische Sprach- und Literaturwissenschaft umfaßt 2020 Titel (einschließlich einiger weniger Titel zu sonstigen italischen Sprachen). Im Bereich der Sprachwissenschaft dominieren Arbeiten zum Lateinischen (723 Titel gegenüber 414 Titeln zum Griechischen), in der Literaturgeschichte dagegen das Griechische (130 Titel gegenüber 97 Titeln).

2.106 Den größten Anteil am Bestand hat Literatur zu griechischen und lateinischen Autoren, wobei im Zangemeister-Katalog Textausgaben und Sekundärliteratur gemeinsam verzeichnet sind. Griechische (3576 Titel) und lateinische Autoren (3749 Titel) halten sich annähernd die Waage, während die Verteilung auf die einzelnen Literaturgattungen sehr unterschiedlich ist. 2.107 Auf griechische Autoren entfallen 83 Titel aus dem 15. Jh, 288 aus dem 16. Jh, 137 aus dem 17. Jh, 197 aus dem 18. Jh und 2871 aus dem 19. Jh. Bei den griechischen Autoren sind die Schwerpunkte Epos (Homer, Hesiod, aber auch alexandrinische und christliche Epik: 426 Titel), Lyrik (496 Titel), Tragödie und Komödie (Aischylos, Sophokles, Euripides, Aristophanes: 461 Titel), Geschichtsschreibung (Herodot, Thukydides: 562 Titel), Philosophie (Platon, Aristoteles: 708 Titel). Von geringerer Bedeutung sind die Bestände zur griechischen Naturwissenschaft (203 Titel) und Rhetorik (245 Titel); andere Literaturgattungen sind eher sporadisch vertreten. 2.108 Auf lateinische Autoren entfallen 39 Titel aus dem 15. Jh, 926 aus dem 16. Jh, 529 aus dem 17. Jh, 342 Titel aus dem 18. Jh und 1913 aus dem 19. Jh. Bei den lateinischen Autoren stehen zahlenmäßig Werke der Poesie (1008 Titel) im Vordergrund, wobei die Systematik keine Trennung zwischen römischem Theater und römischer Lyrik vornimmt. Hier sind Autoren wie Vergil, Horaz, Ovid, Plautus und Terenz zu finden. Gut repräsentiert sind ferner die römische Geschichtsschreibung (vor allem Caesar, Sallust, Livius, Tacitus, 717 Titel) und Rhetorik (Cicero, 630 Titel). Alle anderen Gattungen sind nur in geringerer Zahl vertreten. Zu den Sammelschwerpunkten der Bibliothek gehörten stets das Mittel- und besonders das Neulateinische: insgesamt sind 1001 Titel vor allem des 16. und 17. Jhs vorhanden. Es handelt sich um einen sehr breit gestreuten Bestand mit Schwerpunkten auf der lateinischen Poesie des Mittelalters und dem Humanismus.

Antike Philosophie (D, M)

2.109 Während Textausgaben und Sekundärliteratur zu einzelnen Philosophen bei der Klassischen Philologie eingeordnet sind (D 2395 ff., 6890 ff., 7685 ff.), zählen übergreifende Werke zur Philosophie und Sekundärliteratur zu den philosophischen Schulen des Altertums dagegen zur Philosophie (M 97 ff.). Diese 173 Titel sind dem Bestand an klassisch-philologischer Literatur noch hinzuzurechnen. Davon gehören 8 dem 15. Jh an, 11 dem 16. Jh, 5 dem 17. Jh, 15 dem 18. Jh und 134 dem 19. Jh. Neben umfassenden Handbüchern und Einführungen stehen Werke zu den Vorsokratikern, zur Akademie, zum Peripatos (dort die meisten Titel des 15. Jhs); dazu einzelne Titel zu Stoa, Epikureern, Alexandrinern und Neuplatonikern.

Andreas Degkwitz

Hartmut Matthäus

Kunstwissenschaft -- Europäische Kunstgeschichte (C, Q)

2.110 Die Abteilung Kunstwissenschaft -- Europäische Kunstgeschichte umfaßt insgesamt 3056 Titel (C 4755--8202; Q 7344--7375). Darin sind eingeschlossen 400 geschätzte Titel des Broschürenbereichs (aus Nr. 29: Antiquitäten, Mythologie, Kunst und Musik). Von den ausgezählten 2656 Titeln gehören dem 19. Jh 2075 Werke an; das 18. Jh ist mit 410, das 17. Jh mit 140, das 16. Jh mit 29 und das 15. Jh mit 2 Titeln vertreten. In deutscher Sprache sind 1697 Werke (64 Prozent) verfaßt (15. bis 19. Jh, Schwerpunkt 19. Jh mit 1567 Werken), in Französisch 418 (16. bis 19. Jh), in Italienisch 248 (16. bis 19. Jh), in Englisch 174 (18. und 19. Jh) und in Latein 119 Werke (15. bis 19. Jh).

2.111 Die im Vergleich zu den traditionsreichen Universitätsfächern nach Umfang zwar bescheidenen, aber qualitativ herausragenden Bestände spiegeln die sehr späte Entwicklung der Kunstgeschichte als Universitätsfach wider. Dabei liegt die Bedeutung der 'Kunstliteratur' des 16. bis 19. Jhs vorrangig in ihrem Quellenwert für die Bedürfnisse aktueller Forschung. Dieser Bestand umfaßt die maßgeblichen Quellenwerke von Vasari bis Johann Joachim Winckelmann, vor allem Vitensammlungen, Schriften zur Kunsttheorie, Künstlerschriften und -biographien, technologische Traktate, Quellen zur Ikonographie und Symbolik. In diesem Bereich und vor allem in der ehemals gut bestückten Abteilung 'Alte Architektur' sind allerdings erhebliche kriegsbedingte Verluste infolge der Auslagerung nach Schloß Menzingen s. a. 1.71) zu beklagen. Ein Neuaufbau speziell der Architekturabteilung wird deshalb seit etwa 1960 gezielt vorgenommen.

2.112 Neben den maßgeblichen illustrierten Vitruv-Ausgaben des 16. bis 19. Jhs (25 lateinische, italienische, französische und deutsche Editionen mit umfangreichen Kommentaren) stehen die Originaldrucke der Architekturtheoretiker der Renaissance und des Barock zur Verfügung, darunter Andrea Palladio (10 Ausgaben), Sebastiano Serlio (4), Giacomo Barozzi da Vignola (12), Vincenzo Scamozzi (6), Andrea Pozzo, Charles Perrault, François Blondel, Daniel Marot, Josef Furttenbach (9), Johann Bernhard Fischer von Erlach, Johann Jakob Schübler (5 Ausgaben). Ferner bilden die 'Klassiker' der Theorie der Gartenkunst einen Sammelschwerpunkt: Zu den Autoren der etwa 50 Werke zählen Salomon de Caus, Josef Furttenbach, Antoine Joseph Dézallier d'Argenville, Carlo Fontana, Christoph Cajetan Lorenz Hirschfeld, Johann Gottfried Grohmann, Hermann von Pückler-Muskau, William Chambers, John C. Loudon, William Gilpin und Humphry Repton.

2.113 Die übrigen klassischen Felder der europäischen Kunst -- Skulptur, Malerei, Graphik, Kunstgewerbe -- sind durch Standardwerke, Realienwerke, Museums- und Sammlungskataloge, Monumentenpublikationen und Zeitschriften umfassend repräsentiert. Wesentliche Bestände sind außerdem verzeichnet in der Abteilung 'Monumentenkunde', die der Klassischen Archäologie zugeordnet ist s. o. 2.87--2.89). Umfangreiche, auch kunsthistorisch relevante Bestände stehen ferner bei Geographie, allgemeine Landeskunde s.o 2.27 ff.),z. B. die komplette Merian-Topographie des Heiligen Römischen Reiches, und in der »Bibliotheca Battiana« (s. u. 2.338 ff.). Die gewachsenen Sammlungen zur Kunsttopographie werden laufend ergänzt und ausgebaut. So wurden z. B. in den letzten zwei Jahrzehnten ca. 100 deutsche, 37 französische, 10 holländische, 42 englische und 32 italienische Einzelwerke antiquarisch beschafft. 2.114 Die bemerkenswerten Altbestände zur Christlichen Archäologie (das Fach gehört noch heute zur Theologischen Fakultät) bilden im Zangemeister-System innerhalb der Theologie eine eigene Rubrik 'Christliche Alterthümer'. Bei einem Bestand von 256 Werken gehören 179 Titel dem 19. Jh an, 77 Titel der Zeit vor 1800. Bis 1800 ist -- von wenigen Ausnahmen abgesehen -- das Latein vorherrschend, im 19. Jh dominiert mit 135 Titeln das Deutsche. Die Antike Kunst wird bei der Klassischen Archäologie (s. o. 2.90 f.) beschrieben.

Hartmut Seeliger

Sprachwissenschaft (E)

2.115 Der erhebliche Bestand an griechischer und lateinischer Sprachwissenschaft von 1046 Titeln ist im Zangemeister-Katalog der Klassischen Philologie (D) zugeordnet und wird dort beschrieben (s. o. 2.101 ff.). Der Bestand an allgemeinen Werken zur Sprachwissenschaft umfaßt 355 Titel. Davon stammen 256 (72 Prozent) aus dem 19. Jh, 42 aus dem 18. Jh, 33 aus dem 17. Jh und 24 aus dem 16. Jh. In deutscher Sprache sind 180 Titel verfaßt (überwiegend 19. Jh), in Latein 83 (79 aus dem 16. bis 18. Jh). Die Gruppe der bibliographischen Werke, Zeitschriften und Schriftensammlungen von Gelehrten umfaßt 96 Titel. Eine weitere Gruppe mit 94 Titeln, darunter viele lateinischsprachige, »Mithridates oder allgemeine Sprachkunde mit dem Vaterunser in beynahe 500 Sprachen und Mundarten«, 1806--1817), eine wertvolle Polyglottensammlung (60 Titel, davon 40 vor 1800) und Untersuchungen zur Sprachgeschichte und Geschichte der Sprachwissenschaft. 165 Titel der Gruppe 'Sprachphilosophisches' (überwiegend 19. Jh und deutschsprachig) verteilen sich auf Allgemeine Grammatik und Ursprache (94), Ursprung (21) und Sprachphysiologie (50 Titel).

2.116 Die Gesamtzahl der Titel zur semitischen Sprachkunde (E 350--1119) beläuft sich auf 736; davon sind 56 im 16. Jh, 109 im 17. Jh, 215 im 18. Jh und 356 Titel im 19. Jh erschienen. Der Bestand, obgleich nicht sehr umfangreich, umfaßt verhältnismäßig viele Werke des 16. bis 18. Jhs und spiegelt damit das in Heidelberg schon frühzeitig erwachte Interesse an den orientalischen Sprachen. Vor 1800 dominiert als Wissenschaftssprache das Lateinische, danach das Deutsche. Englisch und Französisch spielen eine untergeordnete Rolle. An Sammlungsschwerpunkten sind zu nennen: Allgemeines zu semitischen Sprachen (138), Aramäisch (55), Syrisch (61), Hebräisch (326) und Arabisch (129 Titel). Zu den asiatischen Sprachen (außer semitischen) sind 101 Titel vorhanden (E 3279--3383; 3520--3599; 3800--3919), davon 4 aus dem 17. Jh, 9 aus dem 18. Jh und 88 Titel aus dem 19. Jh. Es handelt sich vornehmlich um Arbeiten zum Türkischen, Chinesischen, Japanischen und zu einigen fernöstlichen Sprachen.

2.117 An allgemeiner Literatur zur indogermanischen Sprachwissenschaft (E 1160--1244) liegen 130 Titel vor, überwiegend in deutscher Sprache und aus dem 19. Jh (17. und 18. Jh je 2 Titel). Der Anteil an Zeitschriften, Wörterbüchern und Grammatiken beträgt 59, an Untersuchungen 71.

2.118 Auf indogermanische Sprachen des Orients (E 1255--1521) entfallen 173 Titel (davon 12 vor 1800). Inhaltliche Schwerpunkte sind Indisch (einschließlich einiger Titel zu nicht-indogermanischen indischen Sprachen, Alt- und Neuindisch) mit 104 sowie Altiranisch und Persisch mit 62 Titeln. Der Zahl der aufgelisteten Titel zur orientalischen Sprachenkunde sind noch insgesamt 237 Titel aus der Broschürensammlung (Nr. 23: Grammatik der orientalischen Sprachen) hinzuzufügen. Sie haben z. T. miszellenartigen Charakter und decken inhaltlich den Gesamtbereich der orientalischen Sprachen ab. 7 Titel gehören dem 17. Jh an, 22 dem 18. und 208 dem 19. Jh. Zur neugriechischen Sprache (E 1552--1559) sind insgesamt 33 Titel vorhanden, alle aus dem 19. Jh, vorwiegend in deutscher Sprache. 2.119 Insgesamt 725 Titel liegen zu den Romanischen Sprachen vor; 14 aus dem 16. Jh, 59 aus dem 17. Jh, 81 aus dem 18.Jh und 571 (79 Prozent) aus dem 19. Jh. Deutsch überwiegt mit 275 Titeln (193 aus dem 19. Jh); andere Sprachen sind mit 150 Titeln (52 aus dem 16. bis 18. Jh), Englisch mit 30 und Latein mit 26 Titeln vertreten. An allgemeinem Schrifttum (Zeitschriften, Sammelwerke, Lexika und Grammatiken) sind 56 Titel vorhanden. Beim Schrifttum zu den einzelnen romanischen Sprachen steht erwartungsgemäß Französisch an erster Stelle (384 Titel; 192 in französischer und 146 in deutscher Sprache). Zum Italienischen sind 168 Titel vorhanden (die meisten in der Landessprache). Es folgen Spanisch (58), Rumänisch (22), Portugiesisch und Rätoromanisch (je 16) sowie Provenzalisch (14 Titel).

2.120 Zur Keltischen Sprache sind 76 Titel (E 2160--2273) aus dem 16. bis 19. Jh (69 aus dem 19. Jh) vorhanden: 31 englische, 23 deutsche, 11 französische, 10 lateinische und ein italienischer Titel. Sie verteilen sich auf Allgemeines (Zeitschriften, Lexika, Grammatik, 34 Titel), Irisch (12), Gälisch (6), Walisisch (17) und Bretonisch (7).

2.121 Der Bestand zur germanischen Sprachwissenschaft umfaßt 1083 Titel (E 2500--3025; 3190--3278), überwiegend aus dem 19. Jh (952 Titel, 88 Prozent; 18. Jh 98, 17. Jh 28 und 16. Jh 5 Titel). Hoch ist der Anteil des Deutschen als Wissenschaftssprache mit 78 Prozent des Bestandes; 6 Prozent sind in Englisch, 3,5 Prozent in Latein, 3 Prozent in Französisch und 9,5 Prozent in anderen Sprachen.

2.122 Die allgemeinen und grundlegenden Werke dieses Bestandes (364 Titel) umfassen Wortatlanten, Handbücher und Festschriften (zusammen 43 Titel); Zeitschriften (24); Sprachgeschichte und Geschichte der Sprachwissenschaft (37); Wörterbücher (52 Titel, davon 15. und 16. Jh je ein, 17. Jh 2; 18. Jh 7 und 19. Jh 26 Titel) und Grammatiken (mit 208 Titeln eine reichhaltige Sammlung, darunter auch historische Grammatiken und allgemeine sprachhistorische Werke sowie Sprachlehren).

2.123 Die Etymologie betreffen 73 Titel, die Namenkunde 103, Phonetik, Orthographie und Syntax 88, Stilistik 66, Metrik 38 und Mundarten 134 Titel. Der Bestand an Spezialwörterbüchern (mit einigen Untersuchungen) umfaßt 59 Titel (18. und 19. Jh); davon entfallen auf Fremdwörterbücher 34, Fachsprachenwörterbücher 4 und Synonymenwörterbücher 21 Titel.

2.124 233 Titel behandeln die germanischen Einzelsprachen (in der Regel Lexika und Grammatiken). Zum Gotischen liegen 34 Titel (19. Jh) vor; zum Deutschen 82 Titel, davon 25 zum Althochdeutschen, 36 zum Mittelhochdeutschen, 6 zum Neuhochdeutschen, 16 zum Niederdeutschen und 13 zum Friesischen. Niederländisch ist mit 31 Titeln vertreten, Flämisch mit 8. Zu den nordgermanischen Sprachen sind 124 Titel nachgewiesen (17. und 18. Jh 3), zum Altnordischen (Altisländisch) und Schwedischen je 42, zum Dänischen 34 und zum Norwegischen 3 Titel.

2.125 Zur englischen Sprachwissenschaft liegt ein Bestand von 288 Titeln vor (17. Jh 11, 18. Jh 32 und 19. Jh 245 Titel). In deutscher Sprache sind 135 Titel, in englischer 128, in französischer 9, in lateinischer 12 und in anderen Sprachen 4. Während das Altenglische 29 Titel aufweist, zählt die Sammlung zum Mittel- und Neuenglischen 259 Titel (systematisch gegliedert in Zeitschriften, Lexika u.a.).

Manfred Stange

Hartmut Matthäus

2.126 Die 270 Titel zu den slavischen Sprachen (E

2274--2457) bestehen zum einen aus 158 Werken grundlegenden Charakters, darunter Bibliographien, Zeitschriften, Lexika und Kongreßberichte. Zum anderen verteilt sich der Bestand auf Altkirchenslavisch (9 Titel), Ukrainisch (3), Russisch (31), Serbisch (9), Kroatisch (3), Bulgarisch (4), Slovenisch (2), Slovakisch (2), Tschechisch (18), Polnisch (17) und Serbisch (13). Es handelt sich vorwiegend um Lexika, Wörterbücher und Grammatiken. Von den 270 Gesamttiteln gehören 227 (84 Prozent) dem 19. Jh an, 40 dem 18., 2 dem 17. und einer dem 16. Jh. Deutsch ist mit 161 Titeln (60 Prozent) vertreten, andere (überwiegend slavische) Sprachen mit 73, Latein mit 18, Französisch mit 12 und Englisch mit 6.

Angelika Günzburger

2.127 Auf uralische Sprachen entfallen 33 Titel (mit fast gleichem Anteil am Ungarischen und Finnischen, überwiegend deutschsprachig), auf Armenisch 21 Titel, auf Baltische Sprachen 24 Titel, auf Albanisch 10 deutschsprachige Titel aus dem 19. Jh, auf Georgisch 5 Titel, auf Baskisch 11, auf Zigeunerisch oder Rotwelsch 21, auf Welthilfssprachen 8 Titel (besonders zum Volapük) aus dem 19. Jh, auf afrikanische Sprachen 54 Titel mit Schwerpunkt beim Äthiopischen und Abessinischen und auf amerikanische Sprachen 27 Titel, alle aus dem 19. Jh, überwiegend deutschsprachig.

Hartmut Matthäus

Manfred Stange

Literaturwissenschaft (F, G)

2.128 Der literaturwissenschaftliche Gesamtbestand beläuft sich auf 19.014 Titel (einschließlich der griechischen und römischen Literatur rund 36.500 Titel, das sind gut 10 Prozent des gesamten historischen Buchbestands der Bibliothek). Davon entfallen auf den Zangemeister-Katalog 14.100; auf »Litteratur- und Culturgeschichte des Mittelalters und der Neueren Zeit« 1069 Titel allgemeineren Schrifttums und auf 'Poesie' 13.031 Titel, gegliedert in 'Allgemeines' und 'Poetische Werke' mit Sekundärliteratur. Der Broschürenkatalog (Nr. 11, 13 und 30) enthält 4914 literaturwissenschaftliche Titel.

Allgemeines und Vermischtes

2.129 Zur Gruppe Allgemeines und Vermischtes (F) liegen insgesamt 5309 Titel vor. Die 395 Titel des Zangemeister-Katalogs (F 1--409) umfassen einerseits fachübergreifende Sammelwerke, Handbücher und Zeitschriften; andererseits behandeln sie Literaturepochen, Gattungen, Stoffe und einzelne Länder (so Deutschland und Österreich 64, Schweiz und Europa 63 Titel). Aus dem 19. Jh stammen 283 Titel (71 Prozent), aus dem 16. bis 18. Jh 112 Titel. In deutscher Sprache sind 204 Titel (51 Prozent) verfaßt; in französischer 86, lateinischer 50, englischer 31 und in anderen Sprachen 24. Aus dem Broschürenbereich sind 4914 Titel noch nicht erschlossenen Kleinschrifttums (Dissertationen, Programme u.a.) zu nennen. Im Broschürenkatalog Nr. 11 (Literaturgeschichte) sind 3314 Titel verzeichnet, vorwiegend deutschsprachig und aus dem 19. Jh; in Nr. 13 (Literarische Streitigkeiten) rund 500 Titel; in Nr. 30 (Poesie und Curiosa) rund 1100 Titel.

2.130 Unterschiedliche Sammlungen stellen die insgesamt 394 Titel der Disziplinen Ästhetik, Poetik, Rhetorik und Stilistik (inklusive Metrik) dar (G 1--549). Mit 122 und 84 Titeln ist nur ein Teil des Bestandes zu Ästhetik und Poetik an dieser Systemstelle vertreten (ästhetisches Schrifttum sonst unter Philosophie, Poetologisches unter den einzelnen Dichtern). Geschlossener liegt das rhetorische Schrifttum vor: 139 Titel (15. Jh 4 Titel, 16. Jh 43, 17. Jh 20, 18. Jh 46, 19. Jh 26), davon 75 Titel in Latein und 50 in Deutsch. Unter den frühen Autoren sind Erasmus, Philipp Melanchthon, Bartolomeo Cavalcanti, Audomarus Talaeus, Trapezuntius Georgius und Joachim Camerarius.

2.131 Eine kleine, aber interessante Sammlung bilden die 63 Titel Emblem- und Symbolbücher (G 9500--9528). Aus dem 16. Jh stammen 15 Titel, aus dem 17. Jh 34, aus dem 18. Jh 5 und aus dem 19. Jh 9. Erwartungsgemäß dominiert die lateinische Sprache (41 Titel, 65 Prozent); alle anderen Sprachen, auch Deutsch, folgen mit weitem Abstand. Alciato ist mit mehreren Ausgaben seiner »Emblemata« 1566 ff.) vertreten; ebenso Paolo Giovio, Nikolaus Reusner, Jean Jacques Boissard, Julius W. Zincgref, Jean Baudoin, Cesare Ripa, Joachim Camerarius u.a. Vertreten sind ferner Werke über Devisen-, Wahl- und Sinnsprüche.

2.132 Heterogen und wenig repräsentativ bietet sich die Sammelgruppe über 'volkstümliche literarische Formen' als Teilfach der in Heidelberg nicht gelehrten Volkskunde mit ihren 521 Titeln dar (G 8869--9465), ganz überwiegend dem deutschen Kulturraum gewidmet. Das Gros ist im 19. Jh erschienen (450 Titel, 86 Prozent); beinahe gleichmäßig verteilen sich die anderen 71 Titel auf die zurückliegenden Jahrhunderte. Deutsch ist führende Sprache (385 Titel) vor Latein (45) und den anderen Sprachen (81).

2.133 Die erste Teilsammlung 'Volksüberlieferungen' mit dem eindeutigen Schwerpunkt Sage (gering vertreten: Märchen, Sitten u.a.) enthält 221 historische Titel, von denen 18 auf Allgemeines, 154 auf deutsche Regionen und 49 auf das Ausland entfallen. Ähnlich ist die Verteilung der zweiten Teilsammlung 'Volks- und Kinderlieder (inklusive Rätsel)'. Von 150 Titeln beziehen sich 93 auf Deutschland und 57 auf andere Länder. Erwähnenswert sind 11 Ausgaben von Arnims und Brentanos »Des Knaben Wunderhorn« und die Sammlungen von Oskar L. B. Wolff, Friedrich K. Freiherr von Erlach und Franz W. Freiherr von Dithfurth. 8 Rätselsammlungen gehören zum Bestand.

2.134 Die dritte Teilsammlung 'Sprichwörter und Denksprüche' enthält 150 Titel. Während auf Allgemeines und (mehrsprachige) Sammlungen 21 Titel entfallen, sind für Deutschland 56 Titel zu verzeichnen, darunter Johann Agricolas »Siebenhundert und fünfzig deutsche Sprichwörter« (1559 und 1582). Nur gering vertreten sind England (4), die Niederlande (2), Finnland und die Romania (15). Bemerkenswert sind 49 Titel zum Slavischen und 47 Titel zum Lateinisch-Griechischen, überwiegend aus dem 16. und 17. Jh. Von den vertretenen Autoren sind u.a. erwähnenswert: Erasmus (mit »Adagia«), Franciscus Eweertius, Paolo Manucci, Josephus Langius, G. Aurelianus Gallus, Janus Gruterus und J. Georgius Seyboldus.

Germanische Literaturwissenschaft

2.135 Es wurden 5751 germanistische Titel ausgezählt. Davon entfallen auf den Zangemeister-Katalog 200 Titel allgemeines literatur- und kulturgeschichtliches Schrifttum (F 410--720) und 5551 Titel Werkausgaben und Sekundärliteratur (G 4150--7820; 8550--8869). Trotz dieser relativ hohen Titelzahl läßt sich von einem für dieses Fach eher durchschnittlichen Gesamtbestand sprechen. Der Anteil der deutschen Literaturwissenschaft beträgt 91 Prozent; von den anderen Teildisziplinen ist Nordistik (6 Prozent) gut vertreten, eher durchschnittlich die Niederlandistik und Gotisch. Eindeutiger Sammelschwerpunkt ist das Mittelalter (mittelhochdeutsche Periode) mit 1419 Titeln oder 28 Prozent des im folgenden beschriebenen Zangemeister-Bestandes. Unter der neuhochdeutschen Literatur (ab 1500) sind Humanismus, Reformation und Barock mit ca. 300 Titeln, Aufklärung sowie Sturm und Drang mit zusammen 767 Titeln repräsentiert. Klassik und Romantik kommen auf 1177 Titel, nachromantische Dichtung bis 1900 auf knapp 1000 Titel.

2.136 4682 Titel (84 Prozent) wurden im 19. Jh

veröffentlicht, 694 im 18. Jh, 108 im 17. Jh, 51 im 16. Jh und 6 im 15. Jh. Deutsch ist mit 5118 Titeln (92 Prozent) führende Sprache, gefolgt von Latein (83 Titel); fast gleichen Anteil haben Englisch und Französisch (zusammen 102 Titel); andere Sprachen (insbesondere nordische) 258 Titel.

2.137 Nach der allgemeinen Literatur (G 4150 ff.) mit 71 Titeln (Bibliographien, Zeitschriften, Handbücher, Textsammlungen, vermischte Schriften der germanistischen Gründergeneration -- so von Meyerup, Docen, von der Hagen, Graff, Maßmann, Mone, Weinhold, Brüder Grimm, Lachmann -- folgen Gotisch (25 Titel) und Althochdeutsch (71 Titel; Schwerpunkte: Hildebrandslied, Otfrid, Notker).

2.138 »Mittelhochdeutsch.« Der bemerkenswerte mittelhochdeutsche Bestand von 848 Titeln (G 4378--5274) ist gegliedert in einen allgemeinen Teil (Sammlungen von Textreihen und Ein »Dichtungen de«, 1843 ff., Pfeiffers »Classiker des Deutschen Mittelalters«, 1864 ff.) und in die beiden Groß-Gruppen Poesie (646 Titel) und Prosa (143 Titel).

2.139 Unter Poesie ragt der Sageoteil (219 Titel) hervor. 118 Titel liegen zur Deutschen Heldensage vor mit den Schwerpunkten Nibelungenlied und Klage (65 Titel), Kudrun (18 Titel), Heldenbuch (20, davon 10 Gesamtausgaben). Nur 12 Titel bietet die Gruppe der fränkisch-karolingischen Sagen, während unter den britischen Sagen 93 Titel versammelt sind, wobei die Artusepik im Vordergrund steht, besonders Hartmann von Aue (25) und Wolfram von Eschenbach (36 Titel, darunter auch eine sehr frühe Ausgabe des »Parzival«, Wien 1477). 20 Titel gelten der Verarbeitung antiker Stoffe (besonders durch Heinrich von Veldeke und Konrad von Würzburg), während zu byzantinisch-palästinischen Stoffen (Spielmannsepik) 15 Titel vorliegen. Es folgen Reimchronik (13 Titel), geschichtliche Stoffe (13) und Legenden und sonstige erzählende Dichtung (30 Titel, darunter auch frühmittelhochdeutsche geistliche Dichtung) sowie Erzählungen und Schwänke (23 Titel).

2.140 Die Sachgruppe Lyrische Dichtung (G 4890--4981) ist von beachtlicher Geschlossenheit (194 Titel). Einen besonderen Schwerpunkt bildet die 'Sammlung von Lyrikern und lyrischen Dichtungen' (60 Titel), darunter Bodmers und Breitingers »Sammlung von Minnesingern aus dem schwäbischen Zeitpuncte« (Zürich 1758/59) und Tiecks für die breitere Rezeption des Minnesangs bedeutsame Ausgabe »Minnelieder« (Berlin 1803). Über einzelne Lyriker liegen 117 Titel vor; zu Walther von der Vogelweide allein 50. Hier finden sich auch 4 frühe Ausgaben des Theuerdank.

2.141 Weniger gut repräsentiert ist die Lehrdichtung (zusammen 67 Titel) mit den Teilgruppen Geistliches, Moralisierendes (26 Titel, darunter wieder frühmittelhochdeutsche geistliche Dichtung), ritterliche Sittenlehre (11 Titel, darunter einige Tischzuchten), Satire und Allegorie (9 Titel), Spruchweisheit (10) und Fabeln (11 Titel). Schließlich sind zum Geistlichen Schauspiel 36 Titel zu verzeichnen (G 5060--5084).

2.142 Die Großgruppe Prosa (143 Titel) umfaßt die Gebiete Geistliches (13 Titel, hauptsächlich Predigten), Erzählendes (3), Didaktische Prosa (12 Titel; darunter Kochbücher und die Inkunabel des Albrecht von Eyb »Ob einem manne sey tzu nemen ein eelich weyb oder nit«, Augsburg 1472) und schließlich einen Anhang über Volksbücher mit 42 Titeln (darunter 28 Titel zum Faust-Stoff). Darüber hinaus liegt ein guter Bestand zur niederdeutschen Literatur bis 1500 (73 Titel) vor, zum »Heliand« 32 Titel (alle relevanten Ausgaben und wichtige Sekundärliteratur), zu Mittelniederdeutsch 41 Titel »Reineke Fuchs« 17 Titel, davon 10 Ausgaben; Lyrik 3; Geistliches und Didaktisches 12; Drama 8 Titel).

2.143 Zur mittelalterlichen Nordistik liegen 286 Titel vor (F 701--769, G 8550--8789), die gut zur Hälfte in nordischen Sprachen (besonders Schwedisch), zu 25 Prozent in Deutsch verfaßt sind. An allgemeinem Schrifttum (Zeitschriften, Gesamtdarstellungen, Textsammlungen) sind 47 Titel zu nennen; zur Edda 67 (14 Ausgaben, 15 Übersetzungen, einzelne Lieder 12, Studien 26 Titel), zu Heldenliedern, Balladen u.a. 25, zu Sagas 131 (Allgemeines 11, Textsammlungen 22, einzelne Sagas 98 Titel).

2.144 Überwiegend in holländischer Sprache sind zur niederländischen Literatur des Mittelalters 50 Titel versammelt (G 7670--7774). Davon entfallen auf Allgemeines 10, erzählende Dichtung 17 (Karlssage 7, Artus- und bretonische Sage 3, 'Tiersage', d. h. Reynard de Vos 7), Didaktik 11 und Sonstiges 12 Titel.

2.145 Neuhochdeutsche Literatur. Die aus 4145 Titeln bestehende Neuhochdeutsche Literatur (ab 1500) wird mit den Sammlungen (315 Titel) eingeleitet (G 5275--5534). Der ältere Teil enthält 42 Titel, vorzugsweise aus dem 16. und 17. Jh, darunter Textsammlungen wie »Deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts« (herausgegeben von Goedecke und Tittmann, 1867 ff.) und die »Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts« (W. Müller, 1822 ff.). Der jüngere Teil der Sammlungen umfaßt 273 Titel. Verschiedene poetische Gattungen sind behelfsmäßig subsumiert unter Poesie (107 Titel: Sammlungen und Erläuterungsschriften vermischten Inhalts, besonders zur lyrischen Form), Prosa (26 Titel: Novelle, Anekdote, Prosa-Sammlungen), Poesie und Prosa (11 Titel: Schwänke, Unterhaltungsschriften, Fliegende Blätter, Almanache, Kalender, Taschenbücher, Jahrbücher) sowie Dramatische Sammlungen (29 Titel, davon 13 aus dem 17. Jh).

2.146 Die Reihe der chronologisch geordneten deutschen Dichter (mit Sekundärliteratur) beginnt mit 143 Titeln aus der Zeit des Humanismus und der Reformation (G 5535--5620). 45 Titel, in der Mehrzahl Erstausgaben, stammen aus dem 16. Jh, 7 aus dem 17. und 91 aus dem 19. Jh. In deutscher Sprache sind 129 Titel (90 Prozent) verfaßt, in lateinischer 11, in französischer 2, in sonstigen einer. Von den bekannten Autoren sind gut vertreten: Sebastian Brant (13 Titel), Thomas Murner (10), Ulrich von Hutten (6), Hans Sachs (18), Jörg Wickram (8), Georg Rollenhagen (4) und Johann Fischart (14).

2.147 Die Barocksammlung von insgesamt 154 Titeln (G 5621--5693) bietet 70 Schriften aus dem 17. Jh (mit einer erheblichen Zahl von Erstausgaben), 31 aus dem 18., 53 aus dem 19. Jh. Außer Deutsch spielen andere Sprachen (Latein 14, Französisch 2) so gut wie keine Rolle. Bedeutende Autoren sind vertreten, u.a. Opitz (12 Titel), Moscherosch (9), Logau (6), Simon Dach (4), Harsdörffer (5), Johann Rist (8), Peter Fleming (8), Gryphius (13), Hoffmannswaldau (7), Grimmelshausen (11), Lohenstein (8) und Abraham a Sancta Clara (33). Ergänzender Bestandteil der Barocksammlung ist ein Teil der Gelehrtenbibliothek Tschižewskij s.u. 2.424 f.) mit Originaldrucken von Ausgaben und Emblematawerken sowie Faksimileausgaben und Sekundärliteratur zur Emblematik. Eine weitere Ergänzung stellt die Sammlung von Emblem- und Symbolhandbüchern dar s.o 2.131).

2.148 Zur Epoche der Aufklärung und des Sturm und Drang (G 5694--5899; 6072--6117) liegen 767 Titel vor (überwiegend in Deutsch; 332 aus dem 18. Jh, 435 aus dem 19. Jh). In großer Vollständigkeit sind mit Originalausgaben Gottsched, Bodmer und Breitinger vertreten. Angemessen repräsentiert sind die Anakreontiker und der Göttinger Hainbund: Gellert (23 Titel), Haller (23), Klopstock (29), Lessing (90, 10 Gesamtausgaben, 30 Einzelausgaben, 36 Untersuchungen), Wieland (50, 42 Ausgaben), Claudius (14), Jung-Stilling (14), Lavater (14), Weckherlin (8), Herder (45, 24 Ausgaben), Friedrich Müller (Maler Müller aus der Pfalz, 19), Lenz (10) und Klinger (15 Titel). Insgesamt ist das literarische Bild der Zeit durch einen recht guten Bestand, in vielen Fällen mit Erstausgaben, erfaßt.

2.149 Die Epoche der Klassik und Romantik ist mit 1177 Titeln vertreten (111 aus dem 18. Jh), ganz überwiegend in deutscher Sprache (96 Prozent). Reichhaltig ist das Schrifttum von und über Goethe (G 5900--6064) mit 458 Titeln (39 Prozent); davon stammen 40 Titel aus dem 18. Jh. Schwerpunkt ist die zweite Hälfte des 19. Jhs mit dem mächtigen Einsetzen der Goethe-Philologie. An bibliographischen Werken sind 13 zu notieren, an Gesamtausgaben 6. Dazu treten zahlreiche Teilsammlungen (besonders zur Lyrik). 163 Titel sind einzelne Werke, darunter 64 zum Faust (mit einigen englischen Werkausgaben). Umfangreich ist auch die Abteilung Briefe (51 Titel). Goethes Leben und Teilaspekten seines Werkes gelten 233 Titel.

2.150 Nur durchschnittlich ist der Bestand zu Schiller mit 173 Titeln (6 aus dem 18. Jh). 11 Gesamtausgaben stehen zahlreiche Einzelausgaben samt Sekundärliteratur (besonders zum dramatischen Schaffen) gegenüber. Briefe sind mit 20 Titeln vertreten, Schriften zum Leben und zu Werkaspekten mit 81. Von den anderen Autoren der klassisch-romantischen Epoche (545 Titel) seien hervorgehoben: Kleist (16 Titel), Kotzebue (27, davon 8 aus dem 18. Jh), Matthisson (17), Jean Paul (32, zahlreiche Ausgaben, darunter die sechzigbändige, Berlin 1826 ff.), Seume (12), W. und F. Schlegel (33), Arndt (27), Tieck (19), Fouqué (30), Brentano (20), Arnim (15) und Rahel Varnhagen (4). Die knapp 1000 Titel aus der nachromantischen Zeit bis 1900 repräsentieren insgesamt einen guten Bestand.

2.151 Unter Anonymi verzeichnet der Katalog 145 Titel (davon 108 vor 1800), allesamt in deutscher Sprache und vermischten Inhalts, mit einem erheblichen Anteil allgemein kulturhistorischer Schriften. Zur Mundartdichtung liegen 145 Titel aus dem 19. Jh vor. Auf oberdeutsche Mundarten entfallen 117, auf niederdeutsche 24, auf überregionale Sammlungen 4 Titel. Schwerpunkte bilden Johann Peter Hebel (20 Titel), die Pfalz (mit Franz von Kobell und Karl G. Nadler), der Frankfurter Friedrich Stolze (4) und der Leipziger Edwin Boymann (5). Hinzu kommen 320 Titel neue badische Literatur seit 1806 (davon 35 Anonymi), zum größten Teil Unterhaltungs- und Trivialliteratur. Gut vertreten sind u.a. Otto Graf von Loeben, Aloys W. Schreiber, Joseph Viktor von Scheffel (43 Titel), Heinrich Hansjakob und Adolf Schmitthenner.

Manfred Stange

Romanische Literaturwissenschaft

2.152 Insgesamt sind im Zangemeister-Katalog 2906 Titel zur Romanistik verzeichnet, von denen 169 allgemeine und einführende Werke zur Kultur- und Literaturgeschichte der Romania (F 789--1102) sind und rund 2710 Titel Zeitschriften, Textsammlungen und Werke einzelner Autoren (einschließlich Sekundärliteratur; G 2600--4189). Der literaturwissenschaftliche Altbestand der Romanistik bis 1900, zu dem eine noch nicht näher aufgeschlüsselte Zahl von ca. 500 Titeln aus dem Broschürenbereich (Nr. 11, 13 und 30) hinzukommt, ist für eine Universitätsbibliothek von durchschnittlichem Umfang. Auch innerhalb der einzelnen Literaturbereiche lassen sich keine besonderen Schwerpunkte erkennen. Den weitaus größten Teil des Bestandes machen Werke zur französischen Literatur aus. Vornehmlich wurden Werkausgaben, Textausgaben und Anthologien gesammelt.

2.153 Von den 2906 Titeln des Zangemeister-Kataloges sind 5 im 15. Jh erschienen, 57 im 16. Jh, 107 im 17. Jh, 380 im 18. Jh und 2358 Titel im 19. Jh (80 Prozent). Französisch ist mit 1390 Titeln (48 Prozent) vertreten, Deutsch mit 747 (26 Prozent), sonstige Sprachen -- insbesondere Italienisch und Spanisch -- mit 703 Titeln; ferner Englisch (44) und Latein (22), davon 3 Titel aus dem 15. Jh.

2.154 Zur französischen Literatur gibt es 1689 Titel aus dem 16. bis 19. Jh. Der Anteil des Altfranzösischen beträgt 258 Titel (4 Titel aus dem 18. Jh, sonst 19. Jh). Die altfranzösische Literatur ist untergliedert in Epik (176 Titel), Didaktik und Geistliches (27), Lyrik (35) und Drama (20 Titel). Vorhanden sind u.a. 6 Ausgaben des Rolandsliedes neben 2 deutschen Übersetzungen und einer englischen, 3 Abdrucken verschiedener Hss., 7 Sammlungen von »fabliaux« und »contes«, 3 Ausgaben des Alexiusliedes und 3 Sammlungen altfranzösischer Dramen.

2.155 Die neufranzösische Literatur (Textsammlungen und Autoren chronologisch seit Rabelais) ist mit 1431 Titeln vertreten. Einige alte Ausgaben sind erwähnenswert, wie z. B. François Rabelais' Œuvres (o. O. 1556), Montaignes »Essais« (Paris 1617), Molières »Le malade imaginaire« (1674). Im übrigen ist Molière mit 4 Œvres-Ausgaben und 24 Titeln zu Leben und Werk nennenswert repräsentiert. Unter den 5 vorhandenen »Œuvres complètes« von Racine befindet sich die Ausgabe Mons 1699. Von Montesquieu sind 8 Werkausgaben vorhanden, darunter die in Genf 1764--1765 erschienene. Von Mme de Sta‰l besitzt die Bibliothek die Œuvres-Ausgabe in 17 Bdn (Paris 1820--1827), von François R. Chateaubriand die Ausgabe in 28 Bdn (Paris 1826--1831).

2.156 Die Sammlung zur provençalischen Literatur umfaßt 86 Titel vornehmlich des 19. Jhs und besteht aus Literatur zur Troubadourdichtung, zur provençalischen Epik und zu den Mysterienspielen. Daneben ist auch Literatur zur neuprovençalischen Dichtung (Mistral, Aubanel) vorhanden.

2.157 Die italienische Literatur ist mit 797 Titeln repräsentiert (15. bis 19. Jh, überwiegend italienisch). Bis zum 15. Jh dominiert Dante. Unter den italienischen Ausgaben der »Divina commedi« ist eine Inkunabel (Venedig 1497), außerdem liegen 2 lateinische, 2 französische und 16 deutsche Ausgaben vor. Boccaccios »De mulieribus claris« (Ulm 1473), sein »Decameron daz ist cento novelle in welsch« (Ulm: Zainer, um 1473) und die »Genealogia deorum« (Venedig 1494) sind als Inkunabeln vorhanden; ebenso Petrarcas »Opera Latina« (Basel 1496). Aus späteren Epochen ist eine Ausgabe des »Adone« von Marino (1679--1680) zu erwähnen; außerdem Manzonis »Opere poetiche con prefatione di Goethe« (Jena 1827) und 8 italienische Ausgaben der »Promessi sposi« desselben Autors, erschienen zwischen 1845 und 1899.

2.158 Zur spanischen Literatur liegen 235 Titel vor (16. bis 19. Jh, zum großen Teil in der Landessprache). Außer Sammlungen von Canzonen, Romanzen, Literatur zum spanischen Theater und zur Prosa sind im wesentlichen die spanischen Klassiker mit ihren Werken nebst Sekundärliteratur vertreten. Von Cervantes' »Don Quijote« sind 14 Ausgaben und Übersetzungen vorhanden, darunter eine spanische Ausgabe (Bruselas 1616), von Lope de Vegas' »Jerusalén conquistada« die Ausgabe von 1609.

2.159 Die portugiesische Literatur ist mit 60 Titeln vertreten (17. bis 19. Jh, davon 55 aus dem 19. Jh); der größere Teil in portugiesischer Sprache. Kaum nennenswert sind die Bestände zur rumänischen, rätoromanischen und lateinamerikanischen Literatur (je 4, 13 und 8 Titel; 19. Jh).

Irmgard Riemschneider

Englische Literaturwissenschaft

2.160 Der Gesamtbestand im Fach Englische Literaturwissenschaft beläuft sich auf 2062 Titel. Darin eingeschlossen sind ca. 500 nicht näher erschlossene Titel aus dem Broschürenbereich (Nr. 11, 13 und 30). Von den 1562 Titeln des Zangemeister-Kataloges (F729--788; G 7830--8549) sind 27 aus dem 17. Jh, 181 aus dem 18. Jh und 1356 (87 Prozent) aus dem 19. Jh. Sie verteilen sich auf 1050 Titel (87 Prozent) in englischer, 441 in deutscher, 37 in französischer, 21 in lateinischer Sprache und 13 in sonstigen Sprachen.

2.161 Zur englischen Literatur- und Kulturgeschichte (Zeitschriften, Monographien, Epochendarstellungen) sind 138 Titel (12 zu Nordamerika und Australien) vorhanden. Das chronologisch angelegte Dichterverzeichnis mit Werkausgaben und Untersuchungen (G 7830--8549) bietet 1424 Titel und beginnt mit Altenglisch, das durch 129 Titel vertreten ist, darunter 50 Textsammlungen (zusätzlich einige Sammlungen unter Geschichte, Quellen; B 7735 ff.); 21 Titel zum Beowulf (13 Ausgaben einschließlich Übersetzungen); 6 Titel zu sonstigen Stoffen; 20 zur geistlichen Legende und 32 zu einzelnen Themen. Über die mittel- und neuenglische Literaturperiode liegen 1259 Titel vor. Davon sind 86 Textsammlungen (vermischte 36, zu Lyrik 29, Epik 2 und Drama 19).

2.162 Gut vertreten unter den Autoren aus der Zeit vor Shakespeare (109 Titel) ist nur Chaucer. Insgesamt 259

Titel sind zu Shakespeare zu verzeichnen, davon 140 in Deutsch (insbesondere Übersetzungen und Sekundärliteratur) und 107 in Englisch. Den Schwerpunkt bilden 68 englische Ausgaben (8 Gesamtausgaben). Hinzu kommen 23 Übersetzungen ins Deutsche. Das übrige Schrifttum verteilt sich auf bibliographische Werke, Zeitschriften, Quellen (25), Biographie (27), Sprache (14) und Untersuchungen (100 Titel). Der Titelbestand zu den Autoren Thomas Heywood bis Richard Sheridan umfaßt 436 Nummern, darunter Thomas Heywood (6 Titel), Milton (21, darunter mehrere Ausgaben des »Paradise Lost«, auch deutsche, französische), Dryden (13), Defoe (9), Addison (7), Pope (7), Swift (15), Fielding (18), Edward Young (9), Sterne (11), Goldsmith (18), W. Landor (9) und Sheridan (7 Titel). Zu den Autoren von der Romantik bis zum ausgehenden 19. Jh wurden 212 Titel gezählt, (in der Regel mit deutschen Übersetzungen und biographischen Untersuchungen): Shelley (18 Titel), Byron (35), W. Scott (32), Coleridge (12), Thomas Moore (20), Keats (10), Dickens (37), E. W. Bulwer (21), Tennyson (32), Thackeray (16), George Eliot (11) und G. P. James (12).

2.163 Der eher durchschnittliche Bestand englischer Literatur wird durch die Cooper-Sammlung aufgewertet, welche die Universitätsbibliothek R. Drescher s.u. 2.420) verdankt und die 75 Werkausgaben in deutscher Sprache, 85 in englischer und 20 in anderen Sprachen enthält sowie 30 Titel Sekundärliteratur. Zur schottischen und zur nordamerikanischen Literatur liegen 26 und 167 Titel vor; zu keltischen Literaturen 14.

Manfred Stange

Slavische und andere Literaturen

2.164 Insgesamt umfaßt der Bestand zur slavischen Literaturwissenschaft 122 Titel, davon 5 Titel aus dem 18. Jh und 117 Titel aus dem 19. Jh. Der Anteil der Titel in deutscher Sprache beträgt 58 Prozent, gefolgt von einem beträchtlichen Anteil in slavischen Sprachen (31 Prozent). Slavistische Literatur wird vorwiegend von der Bibliothek des Slavischen Instituts der Universität (s. Eintrag dort) gesammelt. Der Zangemeister-Katalog (F) verzeichnet Literaturgeschichten und Werke zur Geistesgeschichte. Unter Poetik (G) werden die Titel wie folgt erfaßt: Slavische, Altrussische, Ukrainische, Russische, Polnische, Tschechische (Böhmische), Sorbische, Serbische, Kroatische, Bulgarische, Mazedonische und Slowenische Literatur. Umfassende Bestände zur Slavistik befinden sich auch in der Gelehrtenbibliothek von Dmitrij I. Tschižewskij s.u. 2.424 f.). Nach dem jetzigen Erfassungsstand stammen davon 724 Titel aus der Zeit vor 1900. Eine genaue Spezifizierung ist noch nicht möglich.

2.165 Von geringem Umfang sind die überwiegend im 19. Jh verfaßten Bestände zum Uralischen (31 Titel, einer aus dem 18. Jh), Armenischen (7), Baltischen und Albanischen (je 4).

Angelika Günzburger

Orientalische Literaturen

2.166 Die Wurzeln der Orientalistik an der Universität Heidelberg reichen bis in das 16. Jh zurück (Guillaume Postel, Jakob Christmann u.a.), so daß ein gewachsener Bestand, der auch Titel des 15. bis 18. Jhs enthält, vorliegt. Zur orientalischen Literaturgeschichte allgemein sind 14 Titel (19. Jh) vorhanden. Mit 544 Titeln (15. Jh 10, 16. Jh 24, 27. Jh 11, 18. Jh 42 und 19. Jh 478) liegt ein Schwerpunkt im Bereich der Literaturgeschichte des semitischen Sprachraums, worunter Literatur des Altertums (Assyrisch) wie des Mittelalters und der Neuzeit fällt. Schwerpunkte sind Syrisch (53 Titel), Hebräisch (73 Titel) und besonders Arabisch (373 Titel). Vor 1800 überwiegt das Lateinische, danach das Deutsche.

2.167 Auf die Gruppe Indogermanische Sprachen des Orients entfallen 609 überwiegend deutschsprachige Titel, davon 2 aus dem 16. Jh, 55 aus dem 17. Jh und 15 aus dem 18. Jh. Dazu gehören Persisch (Alt- und Neupersisch), Kurdisch und vor allem Indisch (abweichend von der Definition müssen dabei Werke nicht-indogermanischer Sprachen Indiens einbezogen werden, da die Zangemeister-Systematik hier keine klare Trennung ermöglicht). Zur persischen Literatur (überwiegend Neupersisch) finden sich 164 Titel, zur indischen 444. Neben den Schriften des Veda sind alle wichtigeren indischen Literaturgattungen, vor allem die Epik (Ramayana, Mahabharata, Purana etc.), Lyrik, dramatische Poesie, aber auch Sachtexte in guter Auswahl vertreten. Zur Literatur Chinas, Koreas, der Mongolei, Japans, des malaiischen Sprachraums, Südostasiens, schließlich der Türkei sind insgesamt 99 Titel vorhanden. Nur 4 Titel gehören dem 18. Jh an, die große Zahl dagegen dem 19. Jh. Als Wissenschaftssprache dominiert entsprechend das Deutsche. Schwerpunkte liegen bei der chinesischen (35 Titel) und der türkischen Literatur (39 Titel).

2.168 Zu den im Zangemeister-Katalog systematisierten Titeln zu den orientalischen Literaturen kommen noch 316 miszellenartige und spezielle Titel, die nicht nach Sachgebieten geordnet und im Broschürenkatalog (Nr. 24: Auctores Orientales) nachgewiesen sind. Sie decken den gesamten orientalischen Bereich ab und sind überwiegend in Deutsch geschrieben (184 Titel), daneben 92 in Latein, vor allem Dissertationen.

Hartmut Matthäus

Musikwissenschaft (G)

2.169 Zur Musikwissenschaft sind einschließlich der Flugschriften und Dissertationen 672 Titel (Zangemeister-Katalog 572 Titel; Broschürenkatalog Nr. 29 ca. 100 Titel) vorhanden. Von den ausgezählten 572 Titeln sind knapp 80 Prozent deutschsprachig, wovon wiederum nur 67 Titel (12 Prozent), vor 1800 erschienen sind.

2.170 Im bescheidenem Umfang des Bestandes spiegelt sich das späte Eintreten der Musikwissenschaft in den Fächerkanon der Universität. Bezeichnenderweise sind 'Musikalien' (Musikdrucke, musica practica) im engeren Sinn überhaupt nicht vertreten, und die vor 1800 erschienenen musiktheoretischen Werke (67 Titel, davon 16 lateinisch, 36 deutsch) bilden einen ganz zufälligen, vermutlich der Salemer Bibliothek s.u. 2.317 ff.) zu verdankenden Bestand. Erst das 19. Jh tritt mit wichtigeren, meist deutschsprachigen Zeitschriften, Quellenschriften (vor allem Richard Wagner und die 'neudeutsche Schule') sowie den ersten kritischen Gesamtausgaben (Palestrina, Schütz, Bach, Händel, Mendelssohn, Schumann) hervor.

Hartmut Seeliger

Rechtswissenschaft (J)

2.171 Der Bestand an rechtswissenschaftlicher Literatur mit Erscheinungsjahr vor 1900 umfaßt rund 56.000 Titel. Davon sind 24.018 Titel im Zangemeister-Katalog unter Rechtswissenschaft (J) nachgewiesen, auf die sich die nachfolgende Darstellung konzentriert. Ungefähr 2000 juristische Titel wurden bei der Anlage des Katalogs anderen Systemgruppen zugeordnet. Es handelt sich um folgende Rechtsgebiete: Antikes Recht mit juristischer Papyrologie, altägyptisches Recht, altorientalisches Recht, altgriechisches und etruskisches Recht sowie die gesamte römische Verfassungsgeschichte (unter C: Altertumswissenschaften); Arbeits- und Sozialrecht, Steuerrecht, Gewerberecht, Landwirtschafts-, Forst- und Jagdrecht, Eichrecht, Polizeirecht (unter K: Kameralwissenschaften, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaft); Medizinalrecht, Gerichtsmedizin, Ärztliches Standesrecht, Begräbnis- und Bestattungsrecht, Hygiene- und Umweltrecht (unter P: Medizin); Teile des protestantischen Kirchenrechts (unter Q: Theologie).

2.172 Sachlich nicht untergliedert ist eine weitere Teilmenge von 30.315 Titeln an juristischem Kleinschrifttum aus dem Broschürenkatalog (Nr. 2: Dissertationes Juridicae Heidelbergenses und Nr. 3: Jurisprudenz). Es handelt sich um Hochschulschriften, Broschüren, auch Rechtsgutachten, die lediglich alphabetisch geordnet sind. Da die juristischen Dissertationen bis weit ins 19. Jh lateinisch geschrieben wurden, überwiegt der Titelanteil in Latein mit 18.458 Einheiten (61 Prozent), gefolgt von deutschen Veröffentlichungen (6017 Titel, 20 Prozent), französischen (3112 Titel, 10 Prozent), englischen (1222 Titel, 4 Prozent) und 1506 Titeln in sonstigen Sprachen. Für das 16. Jh sind 878 Titel ausgezählt worden, für das 17.Jh 5663 und für das 18. Jh 10.050 Titel. 13.724 Werke gehören dem 19. Jh an. Schwerpunkte sind Römisches und Gemeines Recht, Verfahrensrecht und Kanonistik.

2.173 Der über 24.000 Titel umfassende rechtswissenschaftliche Haupt-Literaturbestand ist in dem 10 Großgruppen umfassenden Zangemeister-Katalog sachlich erschlossen und systematisch aufgestellt worden. Auf die Gesamtmenge bezogen, überwiegt die deutschsprachige Literatur mit 11.386 Titeln (47 Prozent), gefolgt von den lateinischen Schriften mit 8494 Einheiten (36 Prozent). Der Rest verteilt sich auf das Französische (1983 Titel), das Englische (921) und sonstige Sprachen (1234).

2.174 Neben 305 Inkunabeln entfallen auf das 16. Jh 2608 Titel, davon 2381 in Latein, auf das 17. Jh 3379 (auch hier überwiegt das Lateinische mit 2832 Titeln bei weitem), auf das 18. Jh 4613 Titel (erstmals fast gleichmäßige Verteilung zwischen den lateinischen und den deutschsprachigen Schriften), auf das 19. Jh 13.133 Titel (davon mehr als die Hälfte in Deutsch).

Römisches Recht und Deutsches Privatrecht

2.175 Die Gruppe 'Römisches Recht und Deutsches Privatrecht vor 1900' bildet mit 10.659 Titeln einen qualitativen und quantitativen Schwerpunkt. Sie umfaßt die Literatur zum Römischen und Gemeinen materiellen Recht und Verfahrensrecht unter Berücksichtigung folgender Teilgebiete: Quellen und Abhandlungen zum Römischen Recht, Römische Rechtsgeschichte, Rezeption des Römischen Rechts und Entwicklung des Gemeinen Rechts (mit den Untergruppen: Allgemeiner Teil, Obligationenrecht, Sachenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Gemeines Zivilprozeßrecht, zivilistisches Partikularrecht und ausländisches Privatrecht, Privatrechtsvergleichung).

2.176 Der Zangemeister-Katalog verzeichnet allein 3075 Titel zum Römischen Recht (ohne Gemeines Recht), wobei die glossierten und kommentierten Ausgaben des Corpus iuris civilis zusammen mit den Beständen des Heidelberger Universitätsinstituts für Geschichtliche Rechtswissenschaft (s. Eintrag dort) nahezu vollständig und homogen sind. Die zahlreichen für die Rezeptionsgeschichte bedeutsamen Darstellungen zu den römischen Rechtsquellen enthalten nicht selten Erstausgaben aus dem 15. und 16. Jh. Beispiele sind der Codex-Kommentar des Azo (1482 u. ö.) und die prozeßrechtlichen Werke des Tancredus, »De origine iudiciario libri quatuor« (1564 u. ö.) und das »Speculum iuris« des Guilelmus Duranti (1478 u. ö.). Unter den Kommentatoren ragen zahlenmäßig die Werke des Bartolus de Saxoferrato und des Baldus de Ubaldis heraus, deren rege Gutachtertätigkeit sich ebenfalls im Literaturbestand der Bibliothek niedergeschlagen hat.

2.177 Erwähnenswert sind weiter die im 16. Jh erschienenen exegetischen und systematischen Darstellungen der römischen Rechtsquellen durch die Vertreter des französischen juristischen Humanismus (Ausgangspunkt: Rechtsschule von Bourges), deren Quelleninterpretationen den mos italicus der Bartolisten ablösten. An dieser Stelle ist die reiche Zahl der Digestenkommentare, insbesondere von Budaeus und Alciatus, zu erwähnen, aber auch die sonstigen Corpus-iuris-civilis-Teilbearbeitungen durch Donellus, Balduinus oder Cuiacius, dessen »Observationes et emendationes« (1587 u. ö.) ihn als scharfen Analytiker des Rechtsstoffs auszeichnen. Von Dionysius Gothofredus stammt die erste Gesamtausgabe des Corpus iuris civilis, die im Erstdruck von 1589 (u. ö.) vorhanden ist. Von der zweiten Hälfte des 16. Jhs an überwiegt die kameralistische gemeinrechtliche Literatur; das Prozeßrecht tritt in den Vordergrund.

2.178 Erwähnenswert ist auch der große Anteil der Responsen- und Konsilienliteratur aus dem 16., 17. und 18. Jh. Hier ragen quantitativ die Werke der Vertreter der humanistischen Jurisprudenz (Baldus, Decius, Faber, Jason de Mayno, Zasius) heraus; später dann sind beachtlich die vielen Gutachten- und Urteilssammlungen der Reichskammergerichtsräte z. B. Besold, Reusner, Carpzov, Harpprecht), die schwerpunktmäßig ins 17. Jh gehören.

2.179 Daneben gibt es aber auch umfassende Detailuntersuchungen zu einzelnen Themenkreisen des materiellen und prozessualen Zivilrechts wie Zwangsvollstreckung, Armenrecht, freiwillige Gerichtsbarkeit. Ende des 16. Jhs setzt die partikularrechtliche Literatur ein. Im 17. und 18. Jh prägt die Rechtsquellenlehre des Usus modernus (Anerkennung eines selbständigen gemeinen deutschen Rechts) die privatrechtliche Literatur, umfangreich vertreten durch zahlreiche Lehr- und Handbücher. Unter den bekannten Autoren ist Georg Adam Struve, dessen »Jurisprudentia romano-germanica forensi« (1685) bis ins 18. Jh immer wieder aufgelegt wurde. In vielen Ausgaben sind vorhanden die Werke von J. Schilter und Samuel Stryk sowie H. C. Senckenberg zum Gemeinen Recht. Zum Bestand gehört auch das den usus modernus begründende Werk von Hermann Conring, »De origine iuris germanici« (1649). Die grundlegenden Schriften der naturrechtlich beeinflußten Vertreter des usus modernus, wie Justus Henning Böhmer und Johann Gottlob Heineccius -- um zwei der verbreitetsten Autoren herauszugreifen -- sind reichhaltig vorhanden.

2.180 Im 18. Jh steigt die Zahl der Werke zu den partikularrechtlichen Kodifikationen stark an, wobei neben einer Fülle von Landrechtspublikationen (u.a. auch das Badische Landrecht) der »Codex Maximilianeus Bavaricus civilis« von 1736 (u. ö.) von Wigulaeus Aloysius von Kreittmayr und das von Coccejus, Carmer und Svarez verfaßte »Allgemeine Preußische Landrecht« (1792 u. ö.) besonders zu nennen sind.

2.181 Die privatrechtliche und zivilprozessuale wissenschaftliche Literatur des 19. Jhs weist -- wie Stichproben ergeben haben -- kaum Lücken auf. Auch die Werke zum ausländischen Privatrecht sind in bemerkenswerter Reichhaltigkeit vertreten, soweit sie die deutsche Rechtsentwicklung maßgeblich beeinflußt haben, voran die französische Literatur, die durch die Rezeption des »Code civil« im deutschen Rechtsraum z. B. im badischen Privatrecht des 19. Jhs) bestimmend auf die deutschrechtliche Literatur eingewirkt hat. Schwerpunkte bilden die den verschiedenen zivilistischen Rechtsschulen des 19. Jhs zuzuordnenden Schriften der großen Zivilrechtler wie von Savigny, Puchta, von Keller, Thibaut, Windscheid, von Jhering, von Vangerow, Bähr und Dernburg. Umfassend vorhanden sind auch die Quellenliteratur und das Sekundärschrifttum zur Kodifikation des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Strafrecht und Strafprozeßrecht

2.182 Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Schrifttum zum deutschen und ausländischen Strafrecht und Strafprozeßrecht. Der Zangemeister-Katalog weist hier insgesamt 3603 vor 1900 erschienene Titel aus. Davon ist die Hälfte in deutscher Sprache. Der Rest verteilt sich auf 728 Titel in Latein, 401 in Französisch, 235 in Englisch und 382 Titel in sonstigen Sprachen. Die Gesamtgruppe enthält 17 Inkunabeln; 268 Titel stammen aus dem 16. Jh, 322 aus dem 17. Jh, 337 aus dem 18. Jh und 2659 Titel aus dem 19. Jh. Die strafrechtliche Literatur ist überwiegend durch die Bibliothek des Heidelberger Juristen Karl Joseph Anton Mittermaier im 19. Jh in die Bibliothek gekommen (s. 2.348 ff.). Sie stellt hinsichtlich der deutschen Strafrechts- und Strafprozeßrechtsentwicklung einen nahezu geschlossenen Altbestand dar.

2.183 Vorhanden sind alle Standardwerke (Primär- und Sekundärliteratur) zum Römischen und Germanischen Strafrecht, zur mittelalterlichen Strafrechtsentwicklung sowie zum Gemeinen Strafrecht und Strafprozeßrecht mit Detailabhandlungen zu den Lehren des Allgemeinen und Besonderen Teils des Strafrechts, die ihren Schwerpunkt im 19. Jh erreichen. Erwähnenswert sind u.a. die Fülle von Ausgaben, Übersetzungen und kommentierenden Fassungen der »Constitutio criminalis Carolina« (1533 bei Schöffer in Mainz erstmalig gedruckt), die bis ins 19. Jh reichen.

2.184 Weitere Literaturschwerpunkte finden sich auf den Gebieten der Femegerichtsbarkeit, der Zauberei, der Hexenverfolgungen und der Hexenprozesse. Der Hexenhammer der Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, »Malleus maleficarum«, erstmals in Nürnberg 1494 erschienen, ist in vielen Ausgaben vorhanden. Auch der Themenkreis 'Schuld, Strafe, Kriminologie, Kriminalpsychologie, Resozialisierung Strafgefangener, Jugendkriminalität' ist umfassend vertreten, wobei die maßgeblichen Werke der italienischen Kriminologen Beccaria und Lombroso aus dem 18.Jh in italienischer Sprache und in Übersetzungen nicht fehlen. Speziell über die Todesstrafe gibt es allein 200 Schriften. Im späten 18. und im 19. Jh nimmt die landesrechtliche Literatur zu den strafrechtlichen Kodifizierungsbewegungen zu. Insbesondere Preußen, Bayern, Sachsen sowie Baden und Pfalz nehmen in der Literatur einen breiten Raum ein.

2.185 Im 19. Jh sind die strafrechtlich publizierenden Autoren wie Abegg, Berner, Zachariae, von Wächter und Paul Johann Anselm von Feuerbach, auf den das Bayerische Strafgesetzbuch von 1813 zurückgeht (Entwurf von 1812), mit zahlreichen Schriften vertreten. Umfangreich sind auch die Sammlungen von Kriminalfällen und Kriminalprozessen. In diesem Zusammenhang ist besonders auf die Fülle von Literatur zum Fall 'Kaspar Hauser' zu verweisen. Insbesondere im 19. Jh nimmt die Literatur zum ausländischen Strafrecht und Strafverfahrensrecht stark zu. Es überwiegen die französischen Werke zum Strafrecht, gefolgt von den englischen und italienischen Schriften. Da der englische Strafprozeß maßgeblich die Entwicklung des deutschen Strafverfahrensrechts beeinflußt hat, kommt der englischen strafprozessualen Literatur besondere Bedeutung zu.

Deutsche Rechtsgeschichte

2.186 Eine weitere Gruppe bildet die Literatur zur Deutschen Rechtsgeschichte mit 1054 Titeln. Davon sind 765 Werke in Deutsch, 264 in Latein; der Rest verteilt sich auf die übrigen Sprachen. 4 Titel gehören dem 15. Jh an, 64 dem 16., 67 dem 17. Jh, 216 dem 18. Jh und 703 dem 19. Jh. Besonders gut vertreten sind die Ausgaben und Kommentierungen zu den germanischen Volksrechten, zu den mittelalterlichen Rechtsquellen, zum Lehnsrecht, zu den Stadtrechten, den Weistümern und zur Rechtssprechung einiger Oberhöfe mit Urteilsbüchern und Schöffenspruchsammlungen.

Kirchenrecht

2.187 Das katholische und protestantische Kirchenrecht ist mit 2906 Titeln vertreten. 1642 Titel sind in Latein, 1087 in Deutsch, 111 in Französisch. Der größte Teil der Literatur (1152 Titel) stammt aus dem 18. Jh; ferner 818 Titel aus dem 19. Jh, 557 aus dem 17. Jh, 281 aus dem 16. Jh und 98 aus dem 15. Jh.

2.188 Die Editionen und glossierten Ausgaben der mittelalterlichen päpstlichen Konstitutionen bilden einen beachtlichen inhaltlichen Schwerpunkt. Beispielsweise sind die Autoren Johannes Andreae, Bartholomaeus Brixiensis, Bernardus Parmensis, Johannes a Turrecremata, Guido de Baysio, Nicolaus de Tudeschis, Johannes Parisiensis, Henricus de Segusia gen. Hostiensis mit zahlreichen Publikationen vertreten. Auch die späteren kanonistischen Quellenausgaben des Corpus iuris canonici sind durch die Jahrhunderte gepflegt worden, vorhanden also auch die maßgebliche Ausgabe von Justus Henning Böhmer von 1747 (u. ö.) sowie diejenige von Aemilius Ludovicus Richter (1839 u. ö.).

2.189 Nennenswert vertreten sind außerdem die einschlägigen Schriften zum Kirchenprozeßrecht, zur allgemeinen Kirchenrechtsgeschichte, zum kirchlichen Eherecht, Konkordatsrecht, zu Papsttum und Ordensrecht. Die Bestände zum katholischen Kirchenrecht sind von beachtlicher Dichte. Demgegenüber treten die Quellen und Abhandlungen zum protestantischen Landeskirchenrecht quantitativ zurück. Dies hängt auch damit zusammen, daß ein Teil des protestantischen Kirchenrechts bei der Theologie (Q) ausgewiesen ist.

Öffentliches Recht, Staatslehre, Staatsrecht, Verfassungs- und Staatsrechtsgeschichte, Völkerrecht und Politik

2.190 Diese Gruppe umfaßt 4496 Titel. Davon sind 2535 Werke im 19. Jh, 1025 im 18. Jh, 131 im 16. Jh und ein Titel im 15. Jh erschienen. In deutscher Sprache sind 2739 Titel verfaßt, in lateinischer Sprache 991, in Französisch 307 und in Englisch 270 Titel. Der Rest gehört den sonstigen Sprachen an.

2.191 Einen ersten Schwerpunkt bilden die Schriften zur Staatslehre, Staatsphilosophie und Verfassungslehre, gefolgt von der staatsrechtsgeschichtlichen Literatur, die überwiegend nicht der Geschichte, sondern der Rechtswissenschaft zugeordnet wurde. An dieser Stelle findet sich das parlamentarische Schrifttum zum Deutschen Reich und zu den Territorialstaaten. Die reichs- und territorialstaatsrechtliche Sekundärliteratur weist insbesondere im 18. Jh erhebliche Kriegsverluste auf; dennoch sind die Standardlehrbücher von Riegger, Moser, Pütter und Struve vorhanden. Das 19. Jh verzeichnet wieder ein starkes Anwachsen der Bestände. Hier ist insbesondere beachtlich die Materialfülle zum preußischen, bayerischen und badischen Staatsrecht.

2.192 Einen repräsentativen Überblick über die ausländische staatsrechtliche Literatur bilden die Sammlungen von Parlamentaria, Gesetzen und auch von Urteilen des europäischen Auslands (Schwerpunkte: Frankreich, England, Österreich, Schweiz) sowie einiger überseeischer Länder, z. B. der Vereinigten Staaten von Amerika. Insgesamt wurden zum ausländischen Staatsrecht 733 Titel gezählt.

2.193 Die sachlich hier angeschlossene völkerrechtliche und politikwissenschaftliche Literatur mit 694 und 565 Titeln kann wegen der schweren Kriegsschäden nur als durchschnittlich bewertet werden. Die Verluste konzentrieren sich vorwiegend auf die Literatur des 16. und 17. Jhs. Die verwaltungsrechtliche Literatur, die in nennenswertem Umfang erst seit der Mitte des 19. Jhs entstand, ist im wesentlichen bei den Wirtschaftswissenschaften (s. 2.206) ausgewiesen.

2.194 Den Abschluß bilden die immerhin 1285 Titel zählenden allgemeinen Abhandlungen zur Rechtswissenschaft. Diese Gruppe umfaßt Gesamtausgaben von juristischen Schriftstellern, Werke zur Rechtsphilosophie, zur Rechtsmethodik und zur Rechtsquellenlehre. Der Bestand ist inhaltlich wertvoll, aber schwer auffindbar, da an verschiedenen Systemstellen verstreut.

Gisela Weber

Wirtschaftswissenschaften und Kameralia (K)

2.195 In dem ursprünglich weit gefächerten Fach 'Kameralia' wurden insgesamt 20.435 bibliothekarische Einheiten der Zeit vor 1900 gesammelt, von denen 11.075 Titel (54 Prozent) ausgezählt und 9360 Titel (46 Prozent) aus dem Broschürenkatalog (Nr. 43: Politische Ökonomie, Cameralia) hochgerechnet werden konnten. Insbesondere unter den Beständen des 18. Jhs befinden sich Werke, die heute nicht mehr zu den Wirtschaftswissenschaften im engeren Sinn gerechnet werden können, zur Zeit der Erstellung des Zangemeister-Kataloges aber noch für fiskalische Fragen relevant waren.

2.196 Wie schwierig sich die Einordnung der älteren Titel gestaltete, wird am Beispiel des Staatslehrers Christoph Besold (1577--1638) deutlich, von dessen 36 vorhandenen Werken nur ein wirtschaftswissenschaftlicher Titel, nämlich »De aerario publico discursus« (Frankfurt a. M. 1626) den Kameralia zugeordnet wurde, während die anderen wirtschaftswissenschaftlichen Titel unter Jura (J) oder Geschichte (B) systematisiert wurden. Dieses Schwanken zwischen Staatslehre und Geschichte, vor allem bei den Werken der späteren Historischen Schule der Nationalökonomie, ist bei einer Bestandsbewertung des Faches unbedingt zu berücksichtigen.'

2.197 Von den 11.075 Titeln des Zangemeister-Katalogs sind 7312 (66 Prozent) im 19. Jh erschienen, 3283 (30 Prozent) im 18. Jh, 394 im 17. Jh, 84 im 16. Jh und 2 im 15. Jh. Als Wissenschaftssprache dominiert Deutsch mit 7545 Titeln (68 Prozent), davon 4832 aus dem 19. Jh, 2466 aus dem 18. Jh und 247 Titel aus dem 15. bis 17. Jh, gefolgt von Englisch mit 1526 Titeln (14 Prozent), Französisch mit 1357 Titeln (12 Prozent), sonstigen Sprachen (besonders Italienisch) mit 440 Titeln (4 Prozent) und Latein mit 207 Titeln (2 Prozent).

Allgemeine Wirtschaftswissenschaften

2.198 Die Gruppe Allgemeine Wirtschaftswissenschaften (Politische Ökonomie) zählt 1012 Titel, davon 595 in deutscher Sprache, 189 in englischer und 141 in französischer Sprache. Etwa zwei Drittel der Bestände sind aus dem 18. Jh, beispielsweise Johann Jakob Mosers »Schwäbische Nachrichten von Oeconomie-, Cameral-, Policey-, Handlungs-, Manufactur-, Mechanischen- und Bergwerckssachen« (Bde 1--10, Stuttgart 1756--1757). Weitere charakteristische Titel sind Christian Ludwig von Griesheims »Beyträge zur Aufnahme des blühenden Wohlstandes der Staaten« (Leipzig 1766), Johann Hermann Pfingstens »Almanach für Kameralisten und Polizeibeamte auf das Jahr 1785« (Weimar 1785) und Johann Georg Stumpfs »Monatliche oekonomisch kameralistische Reisen durch Staedte, Dörfer und Forste Deutschlands« (1794).

2.199 Erwähnenswert sind die zahlreichen Realwörterbücher für Kameralisten und Ökonomen, Hand- und Lehrbücher zur Staatswissenschaft, zu den 'Künsten' und Fabriken und zum Wirtschaftsrecht. Von Bedeutung sind die frühen Bibliographien von Georg Heinrich Zincke, »Cameralisten-Bibliothek, worinne nebst der Anleitung die Cameral-Wissenschaft zu lehren und zu lernen ein vollständiges Verzeichniss der Bücher und Schriften von der Land- und Stadtoeconomie« (Leipzig 1751), und Johann Heinrich Ludwig Bergius, »Cameralistenbibliothek oder Verzeichniß derjenigen Bücher, Schriften und Abhandlungen, von dem Oeconomie-, Policey-, Finanz- und Cameralwesen handeln« (Nürnberg 1762).

2.200 Aus dem 19. Jh sind neben einer Reihe von Realenzyklopädien der Kameralwissenschaften die Literatur von und um den Heidelberger Nationalökonomen Karl Heinrich Rau (1792--1870) und die Arbeiten zur Historischen Schule im Sinne Schmollers hervorzuheben. Der Themenkomplex 'Soziale Frage' wird in einer Fülle in- und ausländischer Kongreßberichte und einer großen Zahl von Abhandlungen aus den staatswissenschaftlichen Seminaren behandelt. Daneben besitzt die Bibliothek umfangreiche Bibliographien und Monographien zur Geschichte der Politischen Ökonomie (Merkantilismus, Physiokraten, Klassische Volkswirtschaftslehre, Sozialisten, Historische Schule, Kirchliche Volkswirtschaftslehre), gefolgt von den Lehrbüchern und Arbeiten zu speziellen Fragen wie Verbrauch, Reichtum, Einkommen, Armut, Wert, Grenznutzen, Preis, Profit, Kapitalzins, Nachfrage, Bedarf, Lohntheorie, Unternehmergewinn, Unternehmungsformen, Schutzzölle, Subventionen und Absatz.

2.201 Reichlich Literatur findet sich zum älteren Geld- und Münzwesen, z.B. Hocquart de Coubrons »Calculs sur la circulation, relativement aux impôts, à l'augmentation du prix des denreés et à la diminution du taux de l'intérêt de l'argent« (London 1787). Bei den Zeitschriften liegt der Schwerpunkt auf den zahlreichen ausländischen Periodika aus der Mitte des 19. Jhs, in denen insbesondere die sozialen Fragen behandelt werden, gefolgt von einer größeren Anzahl genossenschaftlicher Zeitschriften.

Bank- und Börsenwesen, Finanzwissenschaft, Sparkassen und Versicherungen

2.202 Die Literatur zum Bank- und Börsenwesen, wie auch die in der Systematik folgende Finanzwissenschaft und die an anderer Stelle eingeordnete Literatur zu den Sparkassen und Versicherungen umfaßt mit insgesamt 1025 Titeln beachtenswerte Bestände, die in erster Linie den antiquarischen Bemühungen des Heidelberger Nationalökonomen Emanuel Leser (1849--1914; s.u. 2.398 ff.) zu verdanken sind.

2.203 Sehr gut repräsentiert sind die englischen Ausgaben des 17., 18. und 19. Jhs; aber auch die wichtigsten französischen Werke sind vorhanden. Als Beispiele mögen dienen: Thomas Turners »The case of the Bankers and their Creditors, stated and examined« (London 1675), Stephen Theodore Janssens »A discourse concerning Banks« (London 1697), der anonyme Titel »Le banquier françois, ou la pratique des lettres de change suivant l`usage des principales places de France« (Paris 1724), Pierre Joseph Proudhons »Banque du peuple, suivie du rapport de la commission des délégués du Luxembourg« (Paris 1849). Dazu kommt eine Fülle von Arbeiten zur Bankbetriebslehre und zur Geschichte einzelner Banken, Bankgruppen und den entstehenden Notenbanken. Im Bereich Bankwesen sind insgesamt 113 Titel (17. bis 19. Jh) zu speziellen Fragen nachgewiesen.

2.204 Zur Finanzwissenschaft ist ein bemerkenswerter Bestand von 898 Titeln vorhanden. Aus dem 16. Jh liegen 7 Titel, aus dem 17. Jh 38, aus dem 18. Jh 194 und aus dem 19. Jh 659 Titel vor, u.a. zu Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Krankenkassen, Pensionskassen und Rentenanstalten. Zum Versicherungswesen, das seinen Ursprung im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jhs hat, liegen 17 Titel aus dem 18. Jh und 39 Titel aus dem 19. Jhs vor.

2.205 Die Gruppe Statistik umfaßt 68 Titel, davon 15 aus dem 18. Jh. Die frühen Arbeiten zur Statistik werden hauptsächlich als mathematisch beschreibende Landeskunden verstanden, wobei der 'Reichtum der Nationen' vor allem am Beispiel Englands definiert wird. Fragen der Bevölkerungspolitik, des Handels mit den Kolonien und der ökonomischen und sozialen Zustände werden ausführlich beschrieben, so z.B. in dem Werk von Jacques Accarias de Sérionne, »La richesse de L'Angleterre« (Vienne 1771) oder in der statistischen Abhandlung von Patrick Colquhoun, »A treatise on the Wealth, Power and Resources of the British Empire« (London 1815).

Verwaltungslehre

2.206 Zur Verwaltungslehre sind 327 Titel, davon 9 aus dem 16. Jh, 18 aus dem 17. Jh und 137 aus dem 18. Jh, vorhanden. Abgesehen von den 'Blättern für Polizei und Kultur' (Tübingen 1801 ff.) werden hier hauptsächlich die Gebiete der Kommunal- und Verwaltungsrechtspflege erfaßt, gefolgt von der Geschichte der Polizei und den Polizeiordnungen der einzelnen Städte und Länder.

Bevölkerungs- und Sozialwesen

2.207 Die Systemstelle Bevölkerungs- und Sozialwesen (348 Titel) umfaßt eine Vielzahl von Spezialgebieten im Rahmen der Sozialgeschichte des 18. und 19. Jhs. Den Anfang bilden die Arbeiten von Thomas Robert Malthus, »First essay on population« (London 1798) und »An essay on the principle of population, as it affects the future improvement of Society« (London 1798) und Ewald Friedrich von Herzbergs »Abhandlung über die Bevölkerung der Staaten überhaupt und besonders des Preußischen« (Berlin 1785). Der Literatur von und über Malthus sind mehrere Stellen mit Literatur aus dem 19. Jh zugeordnet. Neben der Theorie der Übervölkerung bilden hier weitere Schwerpunkte die Gruppen Bevölkerungsbewegung, Geburtenrückgang, Landflucht, Wohnungswesen, Mietrecht, Kleinsiedlung und ländliche Siedlung. Die demographischen und bevölkerungspolitischen Fragestellungen, die bereits von den Kameralisten des 17. Jhs eifrig diskutiert wurden (Peuplierung), sind für diesen Zeitraum mit nur einem deutschen und 2 englischen Titeln vertreten.

Wirtschafts-, Gewerbe-, Handels- und Kolonialpolitik

2.208 Im Bereich der Wirtschafts-, Gewerbe-, Handels- und Kolonialpolitik mit 424 Titeln wird hauptsächlich die Literatur des Merkantilismus und der Physiokraten zusammengefaßt. Die Arbeiten zur Hebung des Volksfleißes, der Entwicklung der Manufakturen und der Landwirtschaft dominieren, während die Literatur des 19. Jhs sich mehr konkreten einzelnen Unternehmen zuwendet, z.B. Charles Penfords »Practical remarks upon the principle of rating Railway, Gas and Water Companies« (London 1857).

2.209 Zu den frühen typischen Titeln gehören Johann Rudolf Glaubers »Dess Teutschlandts Wolfart, erster Teil« (Prag 1704), der anonyme Titel »Politische Gedanken: welcher Gestalt Monarchen und Republiken durch eine leichte Methode mächtig und reich werden könne« (o. O. 1717), Philipp Peter Gudens »Polizey der Industrie oder Abhandlung von den Mitteln, den Fleiß der Einwohner zu ermuntern« (Braunschweig 1768), Benjamin Carrards, Gabriel Seigneux de Correvons und Jean Bertrands »Vom Geiste der Gesetzgebung zur Ermunterung des Ackerbaus, der Bevölkerung, der Manufakturen und der Handlung« (Leipzig 1770).

2.210 Einen Schwerpunkt bildet die Landwirtschaftspolitik mit 424 Titeln (davon 92 vor 1800) zu den Zehnten und Grundlasten, zur Güterteilung, Zusammenlegung und Leibeigenschaft, zum Großgrundbesitz und zur Bodenreform, zur Frage des Agrar- oder Bodenkredits und zum Anbau einzelner Produkte. Es dominiert Literatur zur Handels- und Kolonialpolitik des 19. Jhs.

2.211 Der Bestand zur Systemgruppe Verkehrswesen erstreckt sich mit 214 Titeln (195 aus dem 19. Jh; 76 Prozent in Deutsch) im wesentlichen auf Darstellungen zur Geschichte des Verkehrswesens, bringt aber auch Beschreibungen des Verkehrssystems einzelner Länder, der Verkehrswege und der Verkehrsgeographie sowie des finanziellen und sozialen Wandels durch die Verkehrsmittel vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. Bemerkenswert ist ein größerer Bestand zur Gesetzgebung der in- und ausländischen Wasserstraßen, mit umfassender Literatur bis zur Rheinbundakte, z.B. Josef Franz Ockhardts »Geschichtliche Darstellung der früheren und späteren Gesetzgebung über Zölle und Handelsschiffahrt des Rheins« (1818).

2.212 Unter den 20 Titeln zu Maßen und Gewichten ist eine frühe Ordnung aus dem 16.Jh bemerkenswert, »General und Ordnung, wie es hinfüro mit der Traidt, Koll- und Kalchmaß, auch Elen und Gewicht, und dann der Goldschmied und Zingiesserprob, in dem Ertzhertzogtum Osterreich Ob der Enns gehalten werden solle« (Wien 1570).

Handel und Industrie

2.213 Innerhalb der Systemgruppe Handel und Industrie liegt bei insgesamt 397 Titeln (davon 141 vor 1800) ein Schwerpunkt auf der Handelsgeschichte einzelner Länder, insbesondere der Niederlande und Englands und der Verbindung zu den nordamerikanischen Staaten, wie Thomas Tods »Consolatory Thoughts on American Independence, showing the great advantages, that will arise from it to the Manufacturers, etc. of Britain and Ireland« (Edinburgh 1782). Von Bedeutung ist auch eine größere Sammlung zum Sklavenhandel, beginnend mit Matthias Christian Sprengels »Vom Ursprung des Negerhandels« (Halle 1779).

2.214 Der Bestand zur Betriebswirtschaft (hier noch als 'Betriebswissenschaft' bezeichnet) mit 252 Titeln enthält eine Reihe von Lehr- und Handbüchern des 18. und 19. Jhs, die sich aber im wesentlichen auf die praktische kaufmännische Ausbildung beschränken, so das in über 30 Auflagen erschienene »Taschenbuch für Kaufleute« von Louis Rothschild (Leipzig 1851) und C. Emmrichs »Allgemeines Comptoir-Handbuch« (Heidelberg 1852).

Land- und Hauswirtschaft, Forst- und Jagdwirtschaft

2.215 Auf Land- und Hauswirtschaft sowie Forst- und Jagdwissenschaft entfallen zusammen 2186 Titel, im wesentlichen deutsche Titel des 18. Jhs (805) und des 19. Jhs (1003 Titel). Die Bestände der Land- und Hauswirtschaft bilden eine Art Spezialbibliothek zur Geschichte der Landwirtschaft und der Hausväterliteratur des 16. bis 19. Jhs, beginnend mit dem frühen Titel von Joachim Camerarius, »De re rustica opuscula nonnulla« (Nürnberg 1577). Der Bereich geht weit über die eigentliche Land- und Hauswirtschaft hinaus und bezieht auch physikalische und chemische Werke ein, z.B. die »Ökonomisch-Physikalischen Abhandlungen« (Leipzig 1751--1763). Die beginnende landwirtschaftliche Technologie mit ihren sozialen Auswirkungen ist umfassend repräsentiert. Für die Qualität der Bestände aus dem 18. und frühen 19. Jh ist die Bibliothek der Staatswirtschafts Hohen Schule zu Kaiserslautern (1770--1804), die 1804 eingegliedert wurde s.u. 2.330 ff.), von höchster Bedeutung.

2.216 Die Forst- und Jagdwissenschaft verzeichnet im allgemeinen Teil neben der historischen Literatur (z.B. Friedrich Ulrich Stißers »Forst- und Jagdhistorie der Teutschen«, Jena 1737) umfangreiche Bestände an Bibliographien, Biographien, Lehr- und Handbüchern sowie 27 Zeitschriften des 18. und 19. Jhs, beginnend mit Johann Friedrich Stahls »Allgemeines oekonomisches Forstmagazin« (Frankfurt a. M. 1763 ff.). Es folgen die Forstgeographie, -topographie, und -statistik für Deutschland und die anderen Staaten und die forstlichen Hilfswissenschaften, Botanik, Zoologie, Mineralogie und Chemie, die forstliche Bodenkunde, Klimatologie, Forstmathematik und Forstwissenschaft mit einem Anhang über den Torf und das Verkohlen des Holzes. Den Schluß bildet das Forst- und Jagdrecht.

Technologie

2.217 Die Gruppe Technologie (Polytechnik) bringt mit 631 Titeln viel Literatur zur frühen Technik- und Handwerksgeschichte, darunter eine größere Anzahl von technischen Lexika des 18. und 19. Jhs, z.B. H. Zincks »Real-Manufaktur- und Handwerkslexicon« (Leipzig 1745). Aus dem 16. und 17. Jh sind 4 und 15 Titel vorhanden, während im 18. Jh eine Zunahme auf fast 42 Prozent (269 Titel) und im 19. Jh auf gut 54 Prozent (343 Titel) zu verzeichnen ist. Der Bestand umfaßt 442 deutsche Werke sowie 55 französische, 35 englische, 2 lateinische und 6 sonstige Titel.

Soziologie

2.218 In der Abteilung Soziologie (Soziale Frage, Sozialpolitik) sind 663 Titel, ganz überwiegend aus dem 19. Jh, vorhanden. Neben 340 deutschen gibt es 170 französische und 121 englische Titel. Unter den Werken vom Anfang des 19. Jhs dominiert die englische und französische Literatur, die sich gesellschaftspolitisch engagiert und vor allem der sozialen Frage zuwendet. Es folgen die theoretischen Untersuchungen zur Geschichte der Gesellschaft und zu den einzelnen Klassen. Hervorzuheben ist der umfassende Bestand zum frühen Marxismus, Kommunismus, Sozialismus und Anarchismus sowie insbesondere zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Internationalen. Von den Titeln seien genannt: Oscar Testuts »Le livre bleu de l'internationale« (Paris 1871) und Edmond Villetards »Histoire de l'internationale« (Paris 1872).

2.219 Neben der Arbeiterbewegung ist die frühe Literatur zur Frauenfrage (250 Titel) seit der Mitte des 19. Jhs in der Abteilung Soziologie von größerer Bedeutung, u.a. mit Louise Ottos »Das Recht der Frauen auf Erwerb. Blick auf das Frauenleben der Gegenwart« (Hamburg 1866) und mit dem Werk von Otto August (Auguste von Littrow-Bischoff), »Die soziale Bewegung auf dem Gebiete der Frauen« (Hamburg 1868).

Horst Neu-Zuber

Mathematik (L)

2.220 In der systematischen Aufstellung des Zangemeister-Katalogs sind unter 'Mathematische Wissenschaften' 2478 Titel ausgewiesen. Hierzu gehört eine Reihe von Fächern (Astronomie, Bauwissenschaft sowie die angewandten Fächer Statische Wissenschaft, Optische Wissenschaft, Mathematische Geographie und Militaria), die nach heutigem Verständnis nicht zur Mathematik zählen. Es verbleiben somit 1173 mathematische Titel (L 1--1505), von denen 1003 Titel (85,5 Prozent) aus dem 19. Jh stammen, 92 aus dem 18. Jh, 32 aus dem 17. Jh, 44 aus dem 16. Jh und 2 aus dem 15. Jh. Deutsch ist die häufigste Sprache mit 808 Titeln (73 Prozent), gefolgt von Französisch mit 179, Latein mit 86 und Englisch mit 57 Titeln. Weitere 43 Titel entfallen auf sonstige Sprachen.

2.221 Der Bestand gliedert sich in Allgemeines (212 Titel), Arithmetik (209), Euklidische Geometrie (226), Algebra (234), Combinatorische Analysis (75), Analytische und Synthetische Geometrie (140), Allgemeine Analysis (75), Vermischtes (25), Funktionstheorie (100) und Variationsrechnung (11). Lediglich die Arithmetik weist einen größeren Anteil von Titeln vor 1800 auf: 52 aus dem 18. Jh, 26 aus dem 17. Jh, 39 aus dem 16. Jh und einen Titel aus dem 15. Jh. Im 15. und 16. Jh überwiegt die lateinische Sprache, danach die deutsche. In den Teilfächern Combinatorische Analysis, Analytische und Synthetische Geometrie, Funktionstheorie und Variationsrechnung ist erwartungsgemäß fast kein Titel (insgesamt 7) vor 1800 zu finden. Doch überrascht, daß auch unter Algebra und Analysis nur je ein Titel vor 1800 vorhanden ist. Der Aufschwung der Mathematik, der bereits im 18. Jh einsetzte, hat in den Beständen der Bibliothek frühestens im 19. Jh seinen Niederschlag gefunden.

2.222 Von den führenden Mathematikern der Zeit sind mit je 5 bis 6 Titeln Johann Bernoulli, Augustin Louis Cauchy, René Descartes, Leonhard Euler und Karl Friedrich Gauß vertreten. Vom Heidelberger Mathematik-Historiker Moritz Cantor sind ebenfalls 5 Titel vor 1900 nachgewiesen. Unter den frühen Werken ist das »Calendarium« (1476) von Johannes Regiomontanus zu nennen.

Gabriele Dörflinger

Philosophie (M)

2.223 Der Gesamtbestand von 8110 Titeln setzt sich aus 4130 Titeln des Zangemeistersystems und 3980 Titeln des Broschürenbereichs (Nr. 6 und 8) zusammen (Griechisch-römische Philosophie s.o. 2.109; Orientalische Philosophie s.o. 2.96). Weit über die Hälfte dieser Titel gehört dem 19. Jh an (Zangemeister-Katalog 2235 Titel, Broschürenkatalog 2910). Einerseits ist der Bestand reich an zeitgenössischen Ausgaben, z. B. von Proudhon, Cabet, Max Stirner, Bakunin und Ludwig Büchner, andererseits sind wichtige Werke nicht vollständig vertreten, etwa von und über Comte, Feuerbach oder Bruno Bauer. Je 20 Einträge beziehen sich auf Werke von E. von Hartmann, K. Rosenkranz und Trendelenburg. Von den früheren Jahrhunderten weist lediglich das 18. Jh mit insgesamt 1970 Titeln eine beachtliche Größenordnung auf. Das 17. Jh folgt mit 680, das 16. Jh mit 235 Titeln. Vor 1800 dominiert das lateinische Schrifttum, nach 1800 das deutsche, welches bereits im 18. Jh stärker hervortritt. Das Französische ist vor 1800 mit 120 Titeln, im 19. Jh mit 290 Titeln vertreten; Englisch mit 250 Titeln aus dem 19. Jh.

2.224 Durch Einzeldrucke oder Gesammelte Schriften vor 1800 treten Francis Bacon, Jakob Böhme und Francisco Suarez hervor, weniger Giordano Bruno. Auch bei Descartes besteht bezüglich früher Einzeldrucke keine Vollständigkeit. Über 30 Katalogeinträge betreffen Leibniz, Voltaire und Christian Wolff. Von den Wolff-Schülern sind u.a. Georg Friedrich Meier, Georg Bernhard Bilfinger, Friedrich C. Baumeister und Johann August Eberhard vertreten; von den Gegnern Georg Darjes.

2.225 Das Spektrum der philosophischen Schulen reicht von einzelnen Titeln englischer Gegner des Hobbesschen Naturalismus (Ralph Cudworth, Kenelm Digby, Richard Cumberland), englischer Moralphilosophen des 18. Jhs (Adam Ferguson, Richard Price, William Paley u.a.), der Schottischen Schule (James Beattie, Thomas Reid, Dugald Stewart) oder von der englischen Assoziationspsychologie über Graf Buffon, Condorcet und Charles Bonnet bis hin zu den deutschen Popularphilosophen wie Christoph Meiners oder Christian Garve. Eigens erwähnt sei das Manifest des Freidenkertums, John A. Collins' »Discourse of Free-Thinking« (1713).

2.226 Unter den Fachdiziplinen ist im Zangemeister-Bereich am stärksten die theologische und philosophische Ethik vertreten (1150 Titel; Q 7692 ff., M 1866 ff.). Der Schwerpunkt liegt im 18. Jh (430 Titel, davon 43 französische), gefolgt vom 19. Jh (360 Titel) und dem 17. Jh (210 Titel, davon 12 französische). Auf Logik, Metaphysik und Erkenntnistheorie entfallen zusammen 540 Titel. Davon stammen 440 Titel aus dem 18. und 19. Jh und spiegeln neben dem breiten Säkularisierungsprozeß der Aufklärung primär die durch Kant eingeleitete Periode der Vernunftkritik. Die Religionsphilosophie folgt mit 300 Titeln (davon 200 aus dem 19. Jh), die Naturphilosophie s.u. 2.241) mit 220 Titeln, davon 170 aus dem 18. und 19. Jh.

2.227 Speziell der Philosophiegeschichte zugeordnet sind 1110 Titel, darunter 800 Titel aus dem 19. Jh, 310 Titel aus der Zeit vor 1800 (davon 25 französische). Auf die Neuzeit bis zu Kant beziehen sich 480 Titel, auf die Zeit nach Kant 440. Die Psychologie hebt sich mit knapp 500 Titeln ab, davon 325 aus dem 19. Jh und 115 (davon 16 französische) aus dem 18. Jh. Zum Leib-Seele-Problem sind 60 Titel verzeichnet (M 1661 ff.).

Walter Henß

Pädagogik (N)

2.228 Die Gesamtzahl der ausgezählten pädagogischen Titel beträgt rund 7500, davon 1740 aus dem Zangemeister-Katalog und 5811 aus dem Broschürenbereich. Hinzu gerechnet werden müssen ca. 300 weitere Titel, da pädagogische Schriften und Schriften mit pädagogischem Inhalt auch unter Philosophie und Theologie aufgenommen worden sind, sowie die umfangreiche Sammlung von Schulprogrammen. Mit fast 7000 Titeln (93 Prozent) dominiert klar das 19. Jh (15. bis 17. Jh 118 Titel, 18. Jh 655 Titel). Die deutsche Sprache herrscht mit 6557 Titeln (87 Prozent) vor, während in Englisch 401 Titel, in Latein 345 und in Französisch 182 Titel (hauptsächlich 17. und 18. Jh) vorliegen.

Zangemeister-Katalog

2.229 Auf Allgemeines entfallen 142 Titel, davon 51 Zeitschriften (6 aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs), u.a. das »Magazin für Schulen und Erziehung überhaupt« (1767--1772), und das »Archiv für ausübende Erziehungskunst« (1777--1794), 19 Sammelwerke, u.a. Campes »Revisionswerk« (1785--1791) und die »Allgemeine Bibliothek für das Schul- und Erziehungswesen« (1774--1784), sowie 72 Titel 'Geschichtliches'.

2.230 Unter 'Spezielle Pädagogik' sind 292 Titel versammelt. Thematisch dominieren im 15. bis 18. Jh allgemeine Lehrbücher. Seit dem Ende des 18. Jhs werden auch ganz spezielle Themen in verschiedenen Textsorten (Briefe, Vorlesungen, Schulreden, Ratgeber) behandelt, wie z.B. christliche, bürgerliche, ganzheitliche Erziehungsformen; Volksbildung; Mädchenerziehung, Taubstummenpädagogik und Erziehungsfehler.

2.231 Die größte Sachgruppe, Pädagogik und Didaktik, enthält 1306 Titel. Zur Unterrichtsmethodik sind 70 Titel vorhanden. Die Teilgruppe 'Unterrichtsanstalten' umfaßt 442 Titel (57 aus dem 16. bis 18. Jh). Auf Allgemeines entfallen 177 Titel, darunter Anleitungen, Anweisungen, Grundrisse, Schulordnungen, Schrifttum zu den Schultypen Gymnasium, Konfessions-, Arbeits- und Landschulen, Kalender, Handbücher, Jahresberichte, Festschriften, Schulprogramme. Auf 'Schulwesen im einzelnen' entfallen 265 Titel, davon 220 über das deutsche Schulwesen, die sich wiederum verteilen auf Baden (69 Titel), Preußen (60), Bayern (36, darunter auch einige Titel über heute zu Rheinland-Pfalz gehörige Bildungsanstalten wie Frankenthal, Neustadt, Grünstadt, Zweibrücken und Kaiserslautern), Sachsen (20), Württemberg (13) Hessen (9) und Elsaß-Lothringen (4). 45 Titel behandeln das Schulwesen außerdeutscher und außereuropäischer Staaten.

2.232 Über 'Einzelne Lehrgegenstände' liegen 787 Titel vor. Davon sind 200 Titel 'Kollektivwerke, Lehr- und Lesebücher, Unterhaltungsschriften', u.a. Methoden- und Elementarbücher vor 1800, Lesebücher, Bilder- und Familienbücher, Kinderzeitungen, Kalender, Fabelsammlungen und unterhaltende Schriften des 19. Jhs, wie die 27 Bde umfassenden »Unterhaltende(n) Belehrungen zur Förderung der allgemeinen Bildung« (1851 ff.). Auf die einzelnen Lehrgegenstände entfallen 544 Titel: Religions- und Sittenlehre (115); Gymnastik, überwiegend Fechten und Turnen (78); Sprachen, vor allem Deutsch und Englisch (18); Geographie (70, ab dem 16. Jh); Buchstabieren und Lesen (55); Rechnen (51); Naturwissenschaften, vornehmlich Naturgeschichte und Naturlehre (45); Geschichte (37); Schreiben (16); Literaturgeschichte (9); Zeichnen (6); Altertum und Mythologie (3); Musik (2). Zum Schluß folgen Varia (43 Titel: Mnemonik, Prinzenerziehung und Fürstenspiegel).

2.233 Den Grundstock des pädagogischen Schrifttums im Zangemeister-Katalog bildet mit gut 400 Titeln die Gelehrtenbibliothek des Heidelberger Theologen und Pädagogen Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766--1837; s.u. 2.335 ff.). Insbesondere sind in der Sammlung von Schwarz die Schriften der führenden Pädagogen des 18. und beginnenden 19. Jhs (Locke, Basedow, Trapp, Salzmann, Sailer u.a.) sowie anderer Vertreter der Volksaufklärung gut vertreten. Hervorzuheben sind 2 Inkunabeln: Baptista Guarinus, »De modo et ordine docendi ac discendi« (Heidelberg 1488) und Jacob Wimpheling, »Adolescentia« (Straßburg 1500).

Broschürenkatalog

2.234 Die Sammlung 'Pädagogik und Bildungswesen' (Broschürenkatalog Nr. 10) enthält 3273 Titel, vor allem Kleinschrifttum zu den Themenbereichen Methodik der Unterrichtsfächer (ca. 60 Prozent dieses Broschürenbestandes); Lehr- und Stundenpläne; Schultypen; Erziehungsfragen; Schuldisziplin, Schulgesetze, Schulgesundheitspflege; Jahresberichte, Berichte von pädagogischen Vereinen; Lehrproben; Schule und Elternhaus; Schule und Zeitgeist; öffentliche Prüfung; Begabtenverteilung; Schulreden.

2.235 Unter 'Geschichte der Schulen im Allgemeinen' (Nr. 17) sind 2193 Titel verzeichnet. Jahresberichte und Programme machen etwa ein Drittel aus. Den größten Teil bildet das Schrifttum zur Geschichte der Gymnasialschule mit folgenden Schwerpunkten: Jahrbücher und Programme; Verzeichnisse von Programmen; Gelegenheitsschriften und Lehrprogramme; Schulordnungen und Statistiken; Urkunden; Berichte über Einweihungen, Jubiläen, Feste und einzelne schulische Vorgänge wie Schulbesuche; Fest-, Gedächtnis-, Grab-, Abiturs- und Eröffnungsreden; Lebensläufe; Totenschau; Statuten, Verordnungen, Besoldungsverordnungen u.a. Darüber hinaus ist auch Literatur zu den gegen Ende des 19. Jhs entstandenen Technischen Hochschulen (u.a. Aachen, Berlin) vorhanden.

2.236 Zur 'Geschichte der Schulen in Baden' Nr. 18) liegen 345 Titel vor; ca. 75 Prozent davon sind Jahresberichte und Programme. Der Rest beinhaltet im wesentlichen Verzeichnisse und Statuten; Schriften über Schultypen; Berichte über Feiern; Festschriften; Lehrpläne; Anstaltsgeschichte; Schulgebäude; Gedächtnisreden u.a. Gut dokumentiert wird die Schulgeschichte in Baden-Baden, Bruchsal, Donaueschingen, Durlach, Ettlingen, Freiburg, Heidelberg (ca. 70 Titel, davon 22 vor 1800), Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Meersburg, Pforzheim, Schwetzingen, Villingen, Weinheim und Wertheim.

Schulprogramme

2.237 Bemerkenswert ist ein größerer Bestand von Schulprogrammen von ca. 1750 bis 1900 mit Schwerpunkt ab 1850 (dazu s.u. 5, Högy 1988). Es handelt sich um 1373 im Zangemeister-Katalog verzeichnete Titel. Sie betreffen die Regionen Bayern, Berlin, Hamburg, Halle, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Siebenbürgen, Bozen, Krakau und St. Petersburg. Dazu tritt die Sammlung von 5189 Schuljahresberichten preußischer Schulen. Schließlich enthält der Broschürenkatalog Nr. 18 eine Reihe weiterer Schulprogramme (Schwerpunkt Heidelberg und Umgebung).

Naturwissenschaften (O, L)

2.238 Der historische Bestand an naturwissenschaftlichen Schriften umfaßt 6900 Titel aus dem Bereich des Zangemeister-Katalogs. Nach einer Hochrechnung kommen aus dem Broschürenkatalog (Nr. 36--42) noch ca. 17.700 Titel Kleinschrifftum hinzu, die aber sachlich noch nicht erschlossen sind.

Allgemeines Schrifttum

2.239 Etwa 600 allgemeine Titel sind den naturwissenschaftlichen Fächern vorangestellt (O 1--509). Davon stammen ein Titel aus dem 15. Jh, 9 aus dem 16., 15 aus dem 17., 145 aus dem 18. und 430 Titel (72 Prozent) aus dem 19. Jh. Deutsch ist mit 375 Titeln (63 Prozent) führende Sprache; Englisch, Latein und Französisch folgen mit fast identischem Anteil von je 8--9 Prozent, andere Sprachen mit 5 Prozent.

2.240 Neben 30 Bibliographien und Lexika umfaßt der Bestand 219 Zeitschriften, die regional geordnet sind. Aus Deutschland liegen 77 Titel vor, aus Österreich 24 und aus der Schweiz 22, aus anderen Ländern 86 (u.a. Italien 10, Frankreich 20, England 10 und Nordamerika 30 Titel). Von den 22 Sammelwerken (Museumskataloge und Anleitungsschriften für Sammler) sind je 11 im 18. und 19. Jh erschienen. Unter 'Geschichtliches' sind 15 wissenschaftsgeschichtliche Werke verzeichnet.

2.241 Zur philosophischen Begründung der Naturwissenschaften liegen 218 Titel vor, davon je 6 aus dem 16. und 17. Jh und 85 aus dem 18. Jh. Es handelt sich um Einleitungen in einzelne Fächer (auch Medizin), Abhandlungen über die Naturgeschichte, philosophische Überlegungen zur Wechselbeziehung von Natur und Moral oder Theologie und zur Wechselbeziehung von naturwissenschaftlichen Disziplinen untereinander sowie um vermischte Schriften (insbesondere Werkausgaben einzelner Gelehrter; Schwerpunkt 19. Jh). Weitere Bestände zur Naturphilosophie sind in der Gruppe Philosophie zu finden s.o 2.223 ff.).

2.242 Ein Großteil der 72 (davon 31 vor 1800) unter Handbücher und Enzyklopädien eingestellten Titel sind Darstellungen zur Naturgeschichte. Von Bartholomäus Anglicus' »De proprietate rerum« sind 7 Ausgaben (1482--1491) vorhanden. Mit mehreren Werken sind Antoine Le Grand, Carl von Linné, Georges Buffon, Johannes Florentius Martinet, Johann Friedrich Blumenbach und Alexander von Humboldt vertreten.

Manfred Stange

Biologie (Zoologie und Botanik)

2.243 Die Gesamtzahl der Titel vor 1900 beträgt 5678, davon sind im Zangemeister-Katalog 2258 und im Broschürenkatalog 3420 (noch nicht erschlossene) Titel (Nr. 41: Botanik, 1879 Titel; Nr. 42: Zoologie, 1541 Titel) enthalten. Der quantitative Schwerpunkt der zoologischen und botanischen Bestände liegt eindeutig im 19 Jh mit zusammen 4928 Titeln (87 Prozent); auf das 16. bis 18. Jh entfallen 609 Titel. Sprachliche Verteilung: Deutsch 3532 Titel (62 Prozent), Latein 888 Titel (15 Prozent), Französisch 538 Titel, Englisch 389 und andere Sprachen 287 Titel.

2.244 Im Zangemeister-Katalog sind unter Zoologie 1255 Titel (O 518--799, 1030--1569) und unter Botanik 1003 Titel (O 2700--3929) verzeichnet. Schrifttum anderer biologischer Disziplinen, z.B. der Mikrobiologie, ist zumeist an anderen Stellen, etwa bei der Medizin, versteckt und zerstreut und unter Sachbegriffen nicht aufzufinden. Da der Katalog heutigen Anforderungen an die sachliche Darbietung nicht entspricht, die chronologische Ordnung innerhalb der einzelnen Katalogteile meist nicht eingehalten wurde und das Schlagwortregister erst spät und ohne Regeln geführt wurde, kann biologische Literatur oft nur durch Spezialbibliographien und den Alphabetischen Katalog erschlossen werden.

2.245 Die Bibliothek verfügt zwar nicht über geschlossene Sammlungen biologischer Literatur, doch enthält der Bestand viele wertvolle Einzelstücke. Vorhanden sind die Hauptwerke jener Gelehrten, deren Namen auch Geisteswissenschaftlern geläufig waren oder deren Schriften im Unterricht der angrenzenden medizinischen Fächer benötigt wurden, dazu die wichtigsten Bibliographien, Lexika und Handbücher sowie Zeitschriften. Auf lebhaften Schriftentausch sind die vielen von Akademien oder naturforschenden Gesellschaften herausgegebenen Periodika zurückzuführen.

Gustav Ewald

Paläontologie

2.246 Der Hauptteil der paläontologischen Literatur ist im Zangemeister-Katalog in der Gruppe 'Paläontologie im Allgemeinen und fossile Tiere im Besonderen' verzeichnet (O 1570--1715). Dieser Bestand umfaßt 178 Titel, davon 36 aus dem 18. Jh. Neben Gesamtdarstellungen stehen Beschreibungen einzelner Tiergruppen, auch in regionalem und stratigraphischem Zusammenhang. Weitere Titel dieser Art finden sich bei der Gruppe Geologie unter 'Geologische Beschreibungen einzelner Länder' (O 2238 ff.). Arbeiten zur Paläobotanik fehlen hier ganz; sie sind bei der Botanik unter 'Fossile Pflanzen' mit 13 Titeln vertreten.

Mineralogie und Geologie

2.247 Der Bestand an mineralogisch-geologischer Literatur beträgt 1007 Titel, die im Zangemeister-Katalog unter der Bezeichnung 'Mineralogie, Geologie und Geognosie' verzeichnet sind (O 1716--2699). Einbezogen ist die Berg- und Hüttenkunde mit 164 Titeln, überwiegend in deutscher Sprache (16. Jh 2, 17. Jh 7, 18. Jh 82 und 19. Jh 73 Titel). Dazu kommen 1216 Einheiten Kleinschrifttum (Broschürenkatalog Nr. 40: Mineralogie und Geologie). Es handelt sich hier häufig um Hochschulschriften; die Titel sind zeitlich und sprachlich nicht untergliedert.

2.248 Neben dem allgemeinen und Übersichtsschrifttum (Zeitschriften, Bibliographien, Wörterbücher, Schriften zur Geschichte des Faches) mit 59 Titeln ist der Literaturbestand in zwei Hauptgruppen sachlich erschlossen: 'Mineralogie insbesondere' (202 Titel) mit Werken zur Allgemeinen Mineralogie, Kristallographie und Edelsteinkunde; 'Geognosie, Geologie, Petrographie' (201 Titel) mit Werken zur Allgemeinen Geologie, Historischen Geologie und Stratigraphie, Vulkanologie, Petrographie sowie Geophysik. Hier findet sich auch das geomorphologische und bodenkundliche Schrifttum. Von Bedeutung ist der Bestand von 381 Titeln regional-beschreibender Literatur, wobei der süddeutsche Raum im Vordergrund steht. Die Gruppe Berg- und Hüttenkunde umfaßt überwiegend technisch ausgerichtete Schriften sowie Beschreibungen einzelner Bergwerke und Bergwerksbezirke.

Physik

2.249 Die physikalische Literatur umfaßt 929 Titel. Davon sind im Zangemeister-Katalog (O 3990--5489) 806 Titel nachgewiesen (ohne die hier eingeordnete Literatur zur Meteorologie, O 4900--5099, und Physikalischen Geographie, O 5300--5489). 123 Titel umfaßt die Literatur zur Optik, Statik und Mechanik (L 1540--1637; 1716--1799; 1800--1873). Dazu kommen rund 2410 Einheiten von physikalischem Kleinschrifttum (Broschürenkatalog Nr. 38: Physik). Es handelt sich hier überwiegend um Hochschulschriften, die sachlich nicht untergliedert sind. Die 929 im Zangemeister-Katalog aufgeführten Titel verteilen sich auf das 16. Jh mit 9 Titeln, das 17. Jh mit 53, das 18. Jh mit 328 und das 19. Jh mit 539 Titeln.

2.250 Der Hauptbestand wird in 6 Gruppen sachlich erschlossen. Die Gruppe Allgemeines enthält neben dem Übersichtsschrifttum (Zeitschriften, Hand- und Lehrbücher, Bibliographien, Lexika, Geschichtliches) auch spezielle Literatur zum Aufbau der Materie und zur Instrumentenkunde sowie gesammelte Werke einzelner Physiker (294 Titel). In der Gruppe Mathematische Physik (33 Titel) ist das Schrifttum zur Theoretischen Physik und Gravitation mit dazugehörigen philosophischen Werken verzeichnet. Das Schrifttum zu Magnetismus und Elektrizität zählt 182 Titel, zur Wärmelehre 67, zur Optik 93 und zur Physikalischen Mechanik, Hydrographie, Akustik 137 Titel. Dazu kommen aus der Gruppe L weitere 12 optische Titel sowie die Hauptmenge der Titel zur Mechanik (111), die dort unter 'Angewandte Mathematik' als 'Statische Wissenschaften' verzeichnet sind.

Astronomie

2.251 Der Bestand an astronomischer Literatur vor 1900 umfaßt 650 Titel (L 1915--2559). Dazu kommen ca. 600 Titel nicht gegliedertes Kleinschrifttum aus dem Broschürenkatalog (Nr. 36: Astronomie). Bei der chronologischen Verteilung fällt die hohe Zahl von 99 Titeln aus dem 16. Jh auf. Aus dem 15. Jh stammen 24 Titel, aus dem 17. Jh 28, aus dem 18. Jh 20 und dem 19. Jh 479 Titel.

2.252 Neben dem allgemeinen und Übersichtsschrifttum (Zeitschriften, Bibliographien, Schriften zur Geschichte des Faches) mit 117 Titeln wurde der Literaturbestand in 6 Gruppen sachlich erschlossen: Lehrbücher und Sammelwerke (107 Titel) umfassen Schriften zur Himmelsmechanik, Astrophysik, Kosmologie, Planeten- und Kometenkunde; die Gruppe 'Sonnensystem' (165 Titel) enthält Schriften zur Sonne, einzelnen Sternen und Sternsystemen. Zu den Sternkarten zählen 42 Titel. Mit mathematischen und astronomischen Instrumenten befassen sich 43 Titel, darunter Schriften über astronomische Uhren und Observatorien. Die Gruppe mathematische Chronologie, Kalender (50 Titel) enthält Schriften zur Zeitmessung, Kalender verschiedenster Art (Bauern-, Heimat-, Kirchenkalender) sowie Almanache. Den Abschluß bildet die Gruppe Astrologie mit 126 Titeln.

Chemie

2.253 Der Bestand chemischer Literatur zählt 1276 Titel im Zangemeister-Katalog (O 5490--6803). Dazu kommen rund 8775 geschätzte Einheiten von chemischem Kleinschrifttum (Broschürenkatalog Nr. 39: Chemie). Es handelt sich hier überwiegend um Hochschulschriften, die sachlich nicht untergliedert sind.

2.254 Von den 1276 im Zangemeister-Katalog aufgeführten Titeln entfällt die Hauptmenge auf das 18. und 19. Jh. Das 16. Jh ist mit 32 Titeln vertreten, das 17. Jh mit 78, das 18. Jh mit 465 und das 19. Jh mit 701 Titeln. Neben dem allgemeinen und Übersichtsschrifttum (Zeitschriften, Bibliographien, Lexika, Sammelwerke, Lehrbücher, Schriften zu Geschichte des Faches) mit 445 Titeln gibt es eine Gruppe 'Vermischtes', die philosophische Schriften zu Physik und Chemie, Laboratoriumsschriften sowie gesammelte Arbeiten einzelner Verfasser enthält (172 Titel).

2.255 Der Hauptbestand wird in 7 Gruppen sachlich erschlossen. Nur vier von ihnen würde man nach heutigem Verständnis dem Fach Chemie im engeren Sinne zuordnen: Theoretische und physikalische Chemie (58 Titel), Anorganische Chemie (103), Organische Chemie (101) sowie Technische und ökonomische Chemie, Elektrochemie (82 Titel). Die Gruppe Physiologische Chemie (79 Titel) enthält überwiegend Titel biochemischer Natur. In der Gruppe Metallurgische und mineralogische Chemie (56 Titel) finden sich neben Arbeiten über Metall-Legierungen auch Titel zur Radiochemie und Kristallographie. Die Alchemie ist mit 180 Titeln vertreten.

Hermann Krahn




Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.