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Zleby [Zleb]

Schloßbibliothek

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Das Schloß Zleb erwarben die Fürsten von Auersperg durch die Heirat von Johann Adam Joseph von Auersperg (1721-1795) mit Maria Katharina von Schönfeld (1728-1753). Der Kern der Bibliothek geht auf Prinz Vinzenz Karl (1812-1867) zurück. Dieser sammelte vor allem umfangreiche illustrierte Werke zu Geschichte, Kunstgeschichte und den Naturwissenschaften. Er interessierte sich insbesondere für Alte Drucke und Handschriften, Werke über die böhmische Geschichte und das Geschlecht von Auersperg. Bei seiner Heirat mit Wilhelmine von Colloredo-Mannsfeld (1826-1898) kamen als Mitgift 2796 Bde aus der Familienbibliothek der Colloredos aus Opocno [Opocen] in die Bibliothek (s. Eintrag dort). Diese Bücher wurden zunächst in der Prager Residenz der Familie aufbewahrt. 1909 wurden sie in das Schloß Zleb gebracht und in die dortige Bibliothek eingegliedert. Es handelte sich um eine wertvolle Sammlung von Alten und seltenen Drucken.

1.2 Die Erweiterung der Bibliothek wurde von Wilhelmines Sohn Prinz Franz Joseph (1858-1938) und seiner Gemahlin Wilhelmine Kinský (1857-1909) fortgesetzt. Heute ist die Bibliothek im sogenannten Venezianischen Zimmer, im Billard-Zimmer und im blauen Salon des neugotischen Schlosses aus der Mitte des 19. Jhs untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Bibliothek unter die Verwaltung des Nationalmuseums in Prag. Sie befindet sich heute im Besitz des Denkmalamtes für Mittelböhmen [Památkový ústav Stredních Cech] in Prag.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

2.1 Insgesamt umfaßt die Bibliothek 10.123 Bde, davon 51 Hss., eine Inkunabel, 51 Bde des 16. Jhs, mehr als 1000 Bde des 17. Jhs, ca. 5000 Bde des 18. Jhs und ca. 3000 Bde des 19. Jhs. Die Sammlung ist den Räumlichkeiten entsprechend in eine Haupt- und zwei Nebenbibliotheken aufgeteilt. Bei der Inkunabel handelt es sich um Hartmann Schedels Liber chronicarum (Augsburg: Schönsperger 1497; Signatur HCR 14509).

2.2 Die Hauptbibliothek enthält etwa zu 50 Prozent deutschsprachige Werke; der Rest verteilt sich auf französische, englische und italienische Titel, die den Großteil der Alten Drucke ausmachen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt bei der Geschichte der europäischen und außereuropäischen Länder, der Geschichte des Hauses Habsburg, der böhmischen Geschichte und der des Dreißigjährigen Krieges. Beispielsweise liegen vor Johann Gottfried Eichhorns Geschichte der drey letzten Jahrhunderte (Göttingen 1806), Karl Hagens Zur politischen Geschichte Deutschlands (Stuttgart 1842), Carl Albert von Aretins Wallenstein. Beiträge zur näheren Kenntniss seines Charakters, seiner Plä- ne ... (Regensburg 1856). Des weiteren liegen vor historische Biographien und gedruckte Korrespondenz bedeutender Persönlichkeiten sowie Werke der Genealogie und Heraldik. Unter den Alten Drucken entfällt ein hoher Anteil auf Chroniken und Topographien der österreichischen und deutschen Länder, darunter u. a. Adam Henricpetris General Histories der aller namhafftigsten Geschichten, Thaten und Handlungen (Basel 1577) und Emanuel van Meterens Eygentliche und vollkommene Beschreibung des Niderländischen Kriegs (Amsterdam 1627). Zahlreich sind auch Mannsfeldiana.

2.3 Aus dem 17. Jh stammt ein umfangreicher Bestand mit deutscher und lateinischer theologischer Literatur, religiösen Polemiken, Traktaten und zahlreichen Bibelausgaben, darunter Wenceslaus Schwertfers Jesus Christus, der Gekreuzigte (Prag 1663) und von Jacobus Masenius Nova praxis orthodoxae fidei (Wien 1740). Aus dem 18. Jh stammt hauptsächlich juristische Literatur. Großformatige Bände mit Kupferstichen enthalten Darstellungen europäische Galerien, Kopien der Werke von bedeutenden Künstlern oder Architekturdarstellungen. Einen kleineren Teilbestand bilden illustrierte Publikationen naturwissenschaftlichen Inhalts. Aus der ersten Hälfte des 19. Jhs stammen zahlreiche Werke der Schönen Literatur.

2.4 Die erste Nebenbibliothek enthält zu etwa 40 Prozent deutschsprachige Schriften. Einen großen Teil dieses Bestandes bilden lateinische kommentierte Ausgaben antiker Autoren wie Aischylos, Herodotus, Aristophanes, Pindar, die hauptsächlich in Leipzig im 18. Jh erschienen sind. Es finden sich hier auch deutschsprachige Werke zur antiken Geschichte wie Johann Gottfried Eichhorns Antiqua historia (Leipzig 1811-1812), zur Kunstgeschichte u. a. Ein weiterer Bestand umfaßt juristische und medizinische Dissertationen. Aus der ersten Hälfte des 19. Jhs stammen Heiligenviten und andere katholische Literatur, Werke über Wirtschaft, Landwirtschaft und Forstwesen sowie Publikationen zur Lebensmittelindustrie wie Carl August Neumanns Vergleichung der Zuckerfabrikation (Prag 1837). Eine Reihe Schriften behandelt die Innenpolitik Österreich-Ungarns, darunter Franz de Paula Anton von Hartwigs Zwei brennende Fragen in Österreich (Wien 1852). Der Bestand wird ergänzt durch Landkarten, Atlanten und Topographien des 18. und 19. Jhs sowie einige Enzyklopädien und deutsche Zeitschriften.

2.5 Die zweite Nebenbibliothek enthält ebenfalls zu ca. 40 Prozent deutsche Schriften; der Rest sind englische und französische Titel. Die deutschen Bücher betreffen hauptsächlich die Kunst- und Literaturgeschichte sowie die politische Geschichte der europäischen Staaten. Zur Kunst liegen u. a. vor Jacob Heinrich von Hefner-Altecks Eisenwerke oder Ornamentik der Schmiedekunst des Mittelalters und der Renaissance (Frankfurt a. M. 1865) und August Emil Brauns Antike Mamorwerke (Leipzig 1843); zur Geschichte Eduard Dullers Maria Theresia und ihre Zeit (Wiesbaden 1844). Einen großen Anteil hat die Belletristik, vor allem sind vorhanden historische Romane und Ritterromane vom Anfang des 19. Jhs, Reiseliteratur, gedruckte Korrespondenz, Memoiren und Theaterliteratur. Aus der Zeit um 1800 stammt ein Bestand italienischer Theaterliteratur aus Wien. Eine kleinere Gruppe thält katholische theologische Literatur (Gebetbücher u. a.).

3. KATALOGE

3.1 Moderne Kataloge

Gesamtkatalog der Schloßbibliotheken unter der Verwaltung des Nationalmuseums in Prag

[6 Bde; erstellt 1981-1983]

Standortkatalog [erstellt 1961]

3.2 Historische Kataloge

Jelenec, Josef: Katalog Zlebské knihovny [Katalog der Zleber Bibliothek]. 1926 [alphabetisch; in Bandform]

Rim, de: Catalogue [hschr.; erste Hälfte des 19. Jhs]

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

Hendrich, Johann: Die Burg Zleb in Ostböhmen. Ihre Besitzer, Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Prag 1888, S. 45-46

Hendrich, Johann: Ein Album aus den Jahren 1625-1666. Wappenbuch, welches in Burg Zleb gefunden war. In: Politik 28 (20. November 1889) Nr. 321, S. 1-3

Hendrich; Johann: Hrad Zleby ve východních Cechách. Jeho majitelé, deje a památnosti [Die Burg Zleb in Ostböhmen. Ihre Besitzer, Geschichte und Sehenswürdigkeiten]. Cáslav 1890, S. 27-28

Zíbrt, Cenek: Bibliografie ceské historie [Bibliographie der böhmischen Geschichte]. Bd 1. Praha 1900, S. 205, Nr. 3755

Lifka, Bohumír: Zámecké a palácové knihovny v Cechách. Prehled historicko-topografický [Schloß- und Palaisbibliotheken in Böhmen. Eine historisch-topographische Übersicht]. In: Ceský bibliofil [Der tschechische Bibliophile] 6 (1934) S. 48

Lifka, Bohumír: Zámecká knihovna ve Zlebech. Státní zámek a okolí [Die Schloßbibliothek in Zleb. Staatsschloß und Umgebung]. Praha 1953, S. 8-11

Kneidl, Pravoslav: Hradní knihovna ve Zlebech [Die Burgbibliothek in Zleb]. In: Muzeum knihy Zdár nad Sázavou [Das Buchmuseum in Saar]. Praha 1958, S. 154

Kneidl, Pravoslav: Zleby [Zleb]. In: Knihovna Národního musea v Praze [Die Bibliothek des Nationalmuseums in Prag]. Praha 1959, S. 142

Pospíšilová, Marie: Zleby. Schloß und Umgebung. Prag 1987, S. 12, 15

Stand: Februar 1996

Petr Mašek


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.