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Kirchenbibliothek


Adresse. Postfach 1320, 91413 Neustadt (Aisch)
Telefon. (09161) 2213
Unterhaltsträger. Evangelisch-lutherische Kirchenstiftung Neustadt a. d. Aisch
Funktion. Abgeschlossene historische Spezialbibliothek.
Sammelgebiete. Der Altbestand wird nicht vermehrt.
Benutzungsmöglichkeiten. Benutzung nur nach schriftlicher Anmeldung und Genehmigung. - Leihverkehr: nicht angeschlossen.
Technische Einrichtungen für den Benutzer. Kopiergerät im Dekanatsgebäude.
Hinweise für anreisende Benutzer. Schriftliche Anmeldung beim Evangelischen Pfarramt, Schloßplatz 1, unbedingt erforderlich. - Fußwegnähe vom Bahnhof. - A 3, Ausfahrt Höchstadt, B 470; A 7, Ausfahrt Bad Windsheim, B 470. Parkplatz am Aischufer.

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Grundstock der Bibliothek ist die Klosterbibliothek des ehemaligen Franziskanerklosters St. Wolfgang in Riedfeld. Als im Frühjahr 1525 die letzten fünf Mönche aus Furcht vor den aufständischen Bauern ihr Kloster verließen, brachten sie ihre Bücher in einen Raum über der Sakristei der Stadtkirche von Neustadt. Nur wenige Bücher tragen das Exlibris der Klosterbibliothek, eine eindeutige Zuordnung ist daher schwierig. Der Diakon Friedrich Weigel stellte 1563 erste Nachforschungen nach diesen Büchern an. Zusammen mit dem Archidiakon Caspar Hubmaier ordnete und registrierte er die Bücher und steuerte selbst einige Bände bei. Beide benutzten die ca. 300 Bde privat.

1.2 Neustadt/Aisch wurde 1565 Sitz eines Dekans. Erster Dekan wurde Georg Leutner, vorher Hofprediger des Markgrafen von Ansbach. Er zeigte großes Interesse an der Büchersammlung und erhielt von bekannten Gelehrten, wie z. B. Agricola Norimbergensis, Crispinus Argentoratus und Rodigast Lichtenau, großzügige Spenden für die Bibliothek, darunter Bücher aus dem St. Gumbertuskloster in Ansbach, St. Wunibald in Heidenheim und St. Augustin in Langenzenn. Von Leutner soll auch die erste Bibliotheksordnung stammen. Jeder Pfarrer des Kapitels verpflichtete sich, eines seiner besten Bücher der Bibliothek zu überlassen, jeder neu hinzugekommene sollte künftig ein Buch, 1. Thaler am Werth, der Bibliothek geben. Anfang des 17. Jhs soll der Bestand schon etwa 1000 Bde betragen haben.

1.3 Eine zweite gute Epoche für die Bibliothek war die Zeit des fünften Dekans, Johann Landes. Während seiner Amtszeit (1612-1626) sollen mehr als 1000 Bücher hinzugekommen sein. Im Dreißigjährigen Krieg blieb die Bibliothek wie durch ein Wunder verschont. Verluste waren vor allem im Zeitalter des Pietismus zu beklagen, so etwa während der Amtszeit des Dekans Heinrich A. Stockfleth (1679-1683).

1.4 Größter Förderer und Mehrer der Bibliothek wurde Superintendent Georg Matthäus Schnizzer (1768-1805), Sohn des Syndiakons Johann Matthäus Schnizzer, Enkel des ersten Stadtchronisten und Syndiakons M. Matthias Salomon Schnizzer. Er verwendete jede nur erdenkliche Mühe und Sorgfalt auf die Pflege und den Ausbau der Bibliothek. Aus eigenen Mitteln erwarb er wertvolle Hss., Wiegendrucke und Nachschlagewerke. Von 1782 bis 1787 veröffentlichte er seine Anzeigen von der Kirchenbibliothek, in denen er die von ihm erworbenen Bücher vorstellte und beschrieb. Von seiner Hand stammt auch ein Katalog. Weil er kinderlos blieb, gliederte er auch die Schnizzersche Familienbibliothek in die Kirchenbibliothek ein. Der Raum oberhalb der Sakristei reichte bald für die gewachsenen Bestände nicht mehr, so daß ein Teil der Bücher in den sogenannten Fürstenständen im Chor der Kirche verwahrt wurde, später dann in drei Räumen im Dachgeschoß des Dekanatsgebäudes.

1.5 Die Napoleonischen Kriegswirren überstand die Bibliothek genau so gut wie den Ersten und Zweiten Weltkrieg. 1927 und 1928 wurden die Bestände von dem im Ruhestand lebenden Pfarrer Johannes Schnizlein neu katalogisiert. Seit 1978 ist der Bibliotheksteil, der im Dekanatsgebäude untergebracht war, im sogenannten Kärnter, neben der Stadtkirche, untergebracht.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Die Bibliothek umfaßt heute neben mittelalterlichen und neuzeitlichen Hss. einen historischen Bestand von ca. 9500 Bdn, darunter 5000 vor 1800 erschienene Bde mit ca. 15.000 Titeln. Die Zahl ist geschätzt. Die Angaben sind vorläufig, da moderne Kataloge fehlen.

2.2 Die Bibliothek besitzt ca. 200 Inkunabeln. 200 Titel sind zwischen 1500 und 1520 erschienen, ca. 250 Titel zwischen 1521 und 1541. Insgesamt stellt das 16. Jh mit ca. 1750 Bdn 35 Prozent, das 17. Jh mit ca. 1540 Bdn 31 Prozent, das 18. Jh mit ca. 1575 Bdn 32 Prozent des Bestandes. Diese Zahlen wurden anhand des Standortkataloges hochgerechnet. Aus dem 19. Jh liegen schätzungsweise 4500 Bde vor. Der Bestand enthält zahlreiche Sammelbände, so daß die Zahl der Titel wohl mindestens dreimal so hoch wie die Bandzahl ist.

2.3 Der Bestand umfaßt vor allem lateinische und deutsche Titel. Die Inkunabeln sind bis auf 4 deutsche Titel in lateinischer Sprache. Auch im 16. Jh hat das Lateinische das Übergewicht, deutsche Titel überwiegen erst im 18. Jh. Vereinzelt finden sich hebräische, griechische, französische, englische, niederländische, niederdeutsche, spanische, tschechische, armenische, italienische, syrische und andere Titel. Systematische Übersicht 2.4 Die systematische Beschreibung ist notwendig summarisch und verallgemeinernd, weil nur der Standortkatalog von 1927 benutzt werden konnte.

2.5 Den Hauptanteil der Bibliothek bilden die Theologie und Kirchengeschichte. Ca. 2750 Bde lassen sich ihr zuordnen. Darunter befinden sich 175 Bde Homiletik und Katechetik, 85 Bde Kirchenordnungen, Agenden und Missalien, 70 Bde Predigtsammlungen, ca. 30 Bde Kirchenväter-Ausgaben, z. T. in der Ausgabe des Erasmus bei Froben in Basel. Stark vertreten sind die Reformatoren und Humanisten: Luther 385 Titel (einschließlich Vorreden); Erasmus 50 Drucke des 16. Jhs, 20 spätere Drucke; Brenz 35 Titel; Joachim Camerarius 29; Andreas Osiander 13; Lucas Osiander 14; Huldreich Zwingli 6; Hugo Grotius 13; Eobanus Hessus 12; Ulrich von Hutten 13; Johannes Hus 7; Ägidius Hunnius 17; Justus Jonas 5.

2.6 Für die übrigen Gebiete, geordnet nach der Anzahl der vorhandenen Bände, wurden die Angaben durch Zählung nach dem Standortkatalog ermittelt: Klassische Philologie 617 Bde; Geschichte 438; Literatur und Bibliothekskunde 355; Philosophie 228; Geographie 156; Musik (einschließlich Gesangbücher) 95; Lexika 67; Poetik und Rhetorik 56; Medizin 52, Physik und Naturgeschichte 39; Judaistik 30; Astronomie 21; Mathematik 13; Numismatik 13; Kunstgeschichte 10; Botanik 4, Heraldik 3.

2.7 Die Bestände des 19. und 20. Jhs sind gesondert aufgestellt. Die ca. 4500 Bde aus dem 19. Jh sind fast alle der Theologie zuzuordnen. Es handelt sich vorwiegend um Predigtsammlungen und Handreichungen für Pfarrer. Sondersammlungen 2.8 Im Jahre 1931 löste Pfarrer i. R. Johannes Schnizlein 64 Exlibris, vorwiegend des 17. und 18. Jhs, aus Büchern der Bibliothek ab, fertigte ein Verzeichnis davon an und bewahrte die Exlibris zusammen in einem Kasten auf.

2.9 Holzschnitte und Stiche sind in Sammelmappen zusammengefaßt. Mappe I umfaßt 29 Blätter größten Formats. Dargestellt sind vorwiegend Persönlichkeiten und Regenten (z. B. Pius VI., Friedrich I. von Böhmen-Pfalz, Friedrich II. u. a.). Mappe II enthält Material zum Augsburger Jubelgedächtnis von 1730. Mappe III umfaßt 14 Stiche in Folio von Persönlichkeiten des 18. Jhs, vorwiegend aus Franken, sowie 66 Stiche kleineren Formats, ebenfalls mit Personendarstellungen aus dem 17. und 18. Jh. Mappe IV enthält 28 Holzschnitte und Stiche von Personen des 16. bis 18. Jhs (z. B. Hans Baldung Grien, Luther, Ulrich von Hutten u. a.). Mappe V enthält Vita et Obitus Divae Virginis Euphrosynae (Nürnberg 1693), Icones Statuarum Muliebrium (o. O., o. J.) sowie einen Band mit 95 Bildnissen kaiserlicher Heerführer aus den Jahren 1648 und 1649. Mappe VI enthält 5 Einblattdrucke, darunter 2 Zeugnisse für Ärzte aus dem 16. Jh. Mappe VII enthält 52 Stiche aus Jakob Franks Relatio historica (1596).

3. KATALOGE

3.1 Moderne Kataloge

Standortkatalog [1927/28 gefertigt von Pfarrer i. R. Johannes Schnizlein]

Alphabetischer Verfasserkatalog [in Zettelform, nebst alphabetischem Renner, i. e. alphabetisches Autorenverzeichnis in Buchform mit Angabe der Bandnummern vom selben Verfasser]

Alphabetischer Verfasserkatalog und Stichwortkatalog [in Zettelform, gefertigt vor 1950 von Pfarrer i. R. Johannes Stählin]

Zentrale Nachweise:

Die Bestände sind nicht im Bayerischen Zentralkatalog nachgewiesen.

3.2 Historische Kataloge

Standortkatalog von 1769 [erweitert und ergänzt 1780 und 1786, gefertigt von Georg Matthäus Schnizzer]

Standortkatalog der Schnizzerschen Familienbibliothek [3 Bde, 17. Jh]

4. DARSTELLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER BIBLIOTHEK

4.1 Archivalien

Hschr. Verzeichnisse und Standortkataloge des 17. und 18. Jhs, s. o. 3.2

Im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde werden auch die Gotteshausrechnungen aufbewahrt, aus denen man wahrscheinlich Aufwendungen für die Bibliothek nachweisen kann.

4.2 Darstellungen

Schnizer, Georg Matthäus: Vorläufige Nachricht von der Kirchen-Bibliothek. In: Abhandlungen aus der Kirchen-, Bücher- und Gelehrten-Geschichte. Hrsg. von Joh. Barth. Riederer. Altdorf. Stück 2, 1768, S. 206-217

Schnizer, Georg Matthäus: Die Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. Aisch. Anzeige von den darin befindlichen Handschriften und Büchern, mit vorausgeschickter Geschichte ihrer ersten Entstehung und mit litterarischen Anmerkungen versehen. 6 Hefte. Nürnberg 1782-87

Döllner, Max: Von der Kirchenbibliothek in Neustadt. In: Die Heimat. Neustadt a. d. Aisch 1943, Nr. 14-16

Döllner, Max: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Neustadt/Aisch 1950, S. 673-682

Neustadts bedeutendste kulturelle Erbschaft. In: Nordbayerische Nachrichten vom 24.8.1963

Ohlmann, Reinhold: Die Kirchenbibliothek in Neustadt. In: Landkreis Neustadt a. d. Aisch. München 1972, S. 177-178 [auch geringfügig abgeändert in: Evang.-Luth. Dekanat Neustadt a. d. Aisch. Erlangen 1986, S. 27-29]

Estermann, Alfred; Ohlmann, Reinhold; Schlosser, Michael: Historische Bibliotheken und Archive (in Neustadt a. d. Aisch und Bad Windsheim). In: Landkreis Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim. Heimatbuch für den Landkreis 1982. Neustadt a. d. Aisch 1982, S. 477-483

5. VERÖFFENTLICHUNGEN ZU DEN BESTÄNDEN

Schnizer, Georg Matthäus: Die Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. Aisch, s. o. 4.2

Schnizlein, Johann: Verzeichnis der Wiegendrucke in der Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. Aisch. In: Die Heimat. Neustadt a. d. Aisch 1940, Nr. 14, 26

Schnizlein, Johann: Verzeichnis der Drucke aus den Jahren 1521-41 in der Kirchenbibliothek zu Neustadt a. d. Aisch. In: Die Heimat. Neustadt a. d. Aisch 1941, Nr. 20, 21

Stand: Oktober 1989

Reinhold Ohlmann