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Universitäts- und Stadtbibliothek

Adresse. Universitätsstraße 33, 5000 Köln 41 [Karte]
Telefon. (0221) 470-2214 oder -2260
Telefax. (0221) 470-5166
Bibliothekssigel. <38>

Unterhaltsträger. Land Nordrhein-Westfalen
Funktion. . Universitätsbibliothek, darüber hinaus Regionalbibliothek für Köln und Umgebung.
Sammelgebiete. 1. Allgemeine Sammelgebiete: Alle Wissenschaftsgebiete außer Technik (Medizin s. Zentralbibliothek der Medizin) 2. Besondere Sammelgebiete: Islandica; Thomas a Kempis; Rhenensien, besonders Coloniensien. 3. Sondersammelgebiete der Deutschen Forschungsgemeinschaft: SSG 3,2 Betriebswirtschaft; SSG 3,3 Versicherungswesen; SSG 3,4 Sozialwissenschaften; SSG 7,33 Belgisch-luxemburgischer Kulturkreis.

Benutzungsmöglichkeiten. Ausleihbibliothek (bis auf Präsenzbestand). Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9-21 Uhr, Freitag 9-20 Uhr, Samstag 9-12 Uhr; Ausleihe: Montag bis Freitag 9-13 Uhr, Montag bis Mittwoch 14-16.15 Uhr, Donnerstag 14-18 Uhr; Auskunft: Montag bis Freitag 9-18 Uhr, Samstag 9-12 Uhr; Informationszentrum (spezielle Auskünfte über die zuständigen Fachreferenten): Montag bis Freitag 9-18 Uhr. Leihverkehr: DLV, internat. Leihverkehr.
Technische Einrichtungen für den Benutzer. Kopiergeräte, Fotostelle, Reader-Printer, Mikrofilm- und Mikrofiche-Lesegeräte, CD-ROM zur Selbstbedienung.
Gedruckte Informationen. Bibliotheken in der Universität zu Köln (erscheint jährlich); Merkblätter.
Hinweise für anreisende Benutzer. Straßenbahnverbindungen ab Hauptbahnhof (Linien 9, 12, 16, 18) bis Neumarkt, von dort (Linie 7) bis Haltestelle Universitätsstraße, von dort Fußwegnähe (ca. 5 Minuten). Busverbindung (Linie 136 oder 146) ab Neumarkt bis Haltestelle Hildegardis-Krankenhaus, von dort Fußwegnähe. Parkmöglichkeiten begrenzt.

Inhalt

 Bestandsgeschichte ................................... [1.1]
 Bestandsbeschreibung ................................. [2.1]
 Inkunabeln ........................................... [2.4]
 Syndikatsbibliothek .................................. [2.7]
 Sammlung Wallraf ..................................... [2.12]
 Gymnasialbibliothek .................................. [2.30]
 Stadtbibliothek ...................................... [2.53]
 Rheinische Abteilung ................................. [2.93]
 Bibliothek der Handelshochschule ..................... [2.104]
 Sondersammlungen und Sonderbestände .................. [2.122]
 Ff. Universitaetsbibliothek Koeln:
 Kataloge ............................................. [3.0]
 Moderne allgemeine Kataoge ........................... [3.1]
 Moderne Sonderkataloge ............................... [3.2]
 Historische Kataloge ................................. [3.3]
 Quellen und Darstellungen zur 
 Geschichte der Bibliothek ............................ [4.0]
 Archivalien .......................................... [4.1]
 Darstellungen ........................................ [4.2]
 Veröffentlichungen zu den Beständen .................. [5.0]

1. BESTANDSGESCHICHTE

1.1 Die Bestandsgeschichte zeigt nur die großen Entwicklungslinien auf. Die Bestandsgeschichten der einzelnen Sammlungen erfolgen weiter unten zusammen mit deren Bestandsbeschreibungen. Die heutigen Bestände der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln gehen auf mehrere Wurzeln zurück. Die ältesten Bestände finden sich in der Bibliothek des Rats der Stadt (Syndikatsbibliothek), weiterhin in der Sammlung des Professors und letzten gewählten Rektors der alten Kölner Universität, Ferdinand Franz Wallraf, sowie in der alten Jesuiten- und späteren Gymnasialbibliothek.

1.2 Die Syndikatsbibliothek war 1602 auf Beschluß des Rats der Stadt Köln gegründet worden mit der ausdrücklichen Zielsetzung, daß die meist auf der Frankfurter Messe erworbenen Bücher " zo behoiff des rhaidt" dienen sollten. Einen regelmäßigen, festen Etat (" eyn anzall geldts") wird man voraussetzen dürfen. Die Bibliothek wurde im Rathausturm aufbewahrt.

1.3 Die Sammlung von Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) wurde der Stadt im Jahre 1818 vermacht unter der Auflage, daß die " ... Bücher-Sammlung zu ewigen Tagen bey dieser Stadt ... zum Nutzen der Kunst und der Wissenschaften verbleiben, derselben erhalten und unter keinem erdenklichen Vorwande veräußert, anderswo aufgestellt und derselben entzogen werden soll". Die Art der Entstehung der Sammlung (die neben Büchern vor allem auch Gemälde und Naturalien umfaßte) erklärt auch in gewisser Weise ihre Uneinheitlichkeit. Neben systematischen Anschaffungen für seine akademischen Vorlesungen und Studien (1784 Professur für Botanik und Medizin; 1786 Professur für Naturgeschichte und Ästethik; 1793-1797 Rektorat; nach 1799 Professur für Schöne Wissenschaften) stehen umfangreiche Erwerbungen aus säkularisiertem Klosterbesitz. Die Bücher waren zunächst im Hansasaal des Rathauses aufgestellt und wurden 1858 in die Ratskapelle gebracht.

1.4 Die Jesuiten (seit 1544 in Köln, 1582 durch den Rat der Stadt bestätigt) besaßen infolge der Dreiteilung der Bibliothek und ihrer Verteilung auf die Gymnasien und durch eigene Buchankäufe eine stattliche Sammlung. Diese verbrannte 1621 zum größten Teil. Sofort wurde eine neue Bibliothek angelegt, die durch großzügige Schenkungen örtlicher Buchhändler, Privatpersonen und der Stadt Köln sowie Überlassung umfangreicher Nachlässe (Vorbesitzereinträge) und gezielte Ankäufe raschen Zuwachs erfuhr. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 blieb das bis dahin von Jesuiten geführte Gymnasium Tricoronatum weiter bestehen. Auch die Bibliothek existierte als Ganzes weiter. Doch wurden 1798 die Bestände in die Zentralschule, einer von der französischen Verwaltung geschaffenen höheren Bildungsanstalt, die die drei früher selbständigen Gymnasien umfaßte, einverleibt. Während dieser Zeit sind starke Verluste, vor allem an Hss. und Abbildungswerken, aber auch Zuwächse aus säkularisierten Klöstern und Stiften zu verzeichnen. 1814/15 wurden Schule und Bibliothek vom preußischen Staat übernommen. Die alte Jesuitenbibliothek wurde zentrale Gymnasialbibliothek. Ihr wurde ein fester, wenngleich geringer Etat (300 Thaler pro Jahr) zugewiesen, der jedoch aus Stiftungsmitteln aufgestockt wurde. Im Jahre 1885 wurde die Verwaltung der Gymnasialbibliothek der Stadt Köln übertragen und die Bestände in die Stadtbibliothek überführt.

1.5 Die Stadtbibliothek hatte bis in die siebziger Jahre des 19. Jhs nur ein bescheidenes Dasein geführt. Außer den oben erwähnten Sammlungen (Syndikatsbibliothek und Sammlung Wallraf) verfügte die Stadt nicht über einen nennenswerten Buchbestand. Die Erwerbungspolitik blieb weitgehend auf die Bedürfnisse des Archivs ausgerichtet und beschränkte sich auf den Aufbau einer Handbibliothek für die Arbeit der Archivare sowie auf die Pflege der Rhenensien, besonders der Coloniensien. Auch die Unterbringung der Bücher war über Jahrzehnte hin unzureichend (Ratskapelle, später Freitagsrentkammer im sogenannten Spanischen Bau), was zu Feuchtigkeitsschäden an Büchern und Archivalien führte.

1.6 In den Jahren 1875 bis 1877 wurde ein Neubau am Rathausplatz (Portalsgasse) errichtet und 1877 bezogen, so daß alle Bestände sachgemäß untergebracht werden konnten. 1897 wurde nocls ein neues Gebäude für die inzwischen vereinigten Bibliotheken und das Archiv am Gereonskloster fertiggestellt, bis die Bibliothek im Jahre 1934 in die neugebaute Universität verlegt wurde.

1.7 Nach der organisatorischen Trennung von Archiv und Bibliothek (1880) entwickelte sich die Bibliothek rasch, doch konnten naturgemäß nicht mehr alle Lücken im Bestand retrospektiv geschlossen werden. Dank einer geschickten Öffentlichkeitsarbeit gelang es jedoch dem Oberbibliothekar, sowohl einen großzügigen Erwerbungsetat als auch vermehrt Schenkungen und Nachlässe zu erhalten. Besaß die Stadtbibliothek im Jahre 1863 erst 15.000 Bde und im Jahre 1878 ca. 35.000 Bde, so erhöhte sich die Zahl bis 1903 auf über 170.000. Eine Auszählung anhand der Inventare ( d. h. der Erwerbungslisten), die von 1893 bis 1914 geschlossen und nach Fächern geordnet vorliegen, ergibt, daß etwa die Hälfte dieser Bücher als Geschenk eingingen. Dazu kommt, daß ein reger Tauschverkehr mit anderen (insbesondere rheinischen) Bibliotheken, Vereinen und wissenschaftlichen Gesellschaften stattfand.

1.8 Am 29. Mai 1919 wurde die Universität Köln (wieder) begründet. Die Literaturversorgung wurde von drei verschiedenen Bibliotheken sichergestellt. Die Literaturversorgung der Philosophischen Fakultät wurde von der ehemaligen Stadtbibliothek (mittlerweile Abteilung 1 geheißen) übernommen, die zu diesem Zeitpunkt über etwa 300.000 Bde verfügen konnte, während die Bibliothek der ehemaligen Handelshochschule (als Abteilung 2) weiterhin für die Literaturversorgung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der Rechtswissenschaften sowie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer verantwortlich blieb (mit ca. 80.000 Bdn). Dazu kam (als Abteilung 3) mit 30.000 Bdn die Bibliothek der Akademie für praktische Medizin (s. Eintrag Köln, Zentralbibliothek der Medizin). Die Etatsituation blieb auch in der Weimarer Zeit (im Vergleich zu anderen Universitätsbibliotheken) recht günstig, jedoch kam dies vor allem den traditionell starken Fächern Wirtschaftswissenschaften und Medizin zugute, während die historisch-philologischen Disziplinen weniger starke Förderung erfuhren. Die Stadtbibliothek war, ebenso wie später auch die Universitäts- und Stadtbibliothek, ständig darauf angewiesen, ihre Bestände retrospektiv zu ergänzen. Die Nachlässe und Schenkungen, aber auch die Ankäufe geschlossener Sammlungen werden im Kapitel " Bestandsbeschreibung" chronologisch nach dem Erwerbungszeitpunkt vorgestellt.

2. BESTANDSBESCHREIBUNG

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.1 Insgesamt besitzt die Bibliothek bei einem Gesamtbestand von ca. 2,2 Millionen Bdn ca. 300.000 Bde, die vor 1900 erschienen sind. Die Zahlen wurden durch Hochrechnen mehrerer repräsentativer Katalogabschnitte gewonnen. Neben 2348 Inkunabeln und ca. 250.000 Drucken aus dem 19. Jh (vor allem aus der Stadtbibliothek, der Bibliothek der Handelshochschule und der Gymnasialbibliothek) besitzt die Bibliothek aus der ersten Hälfte des 16. Jhs 3300 Titel und aus der zweiten Hälfte 6000; aus der ersten Hälfte des 17. Jhs 6000, aus der zweiten Hälfte 7800; aus der ersten Hälfte des 18. Jhs 8500, aus der zweiten Hälfte 10.300. Insgesamt sind ca. 42.000 Titel aus dem 16. bis 18. Jh vorhanden.

2.2 Von den 42.000 Titeln des 16. bis 18. Jhs entfallen (wiederum hochgerechnet) 26.000 auf die lateinische, weitere 7200 auf die deutsche, 4900 auf die französische, 2000 auf die italienische, 500 auf die griechische, 400 auf die englische und 300 auf die niederländische Sprache. Hebräische und andere orientalische Sprachen sind, wie auch die slawischen und außereuropäischen Sprachen, nur wenig vertreten, ebenso ist der Anteil an spanischen Drucken gering (nur ca. 150 Titel, meist aus der Sammlung Fastenrath). Die Bücher des 19. Jhs sind überwiegend in Deutsch oder einer modernen Fremdsprache abgefaßt. Systematische Übersicht

2.3 Die Bestandsbeschreibung richtet sich nach der heutigen Aufstellung und nach der Provenienz. Im folgenden werden daher die Bestände in der Reihenfolge des Erwerbungszeitpunktes (der oftmals mit dem Entstehungszeitraum der Sammlung korrespondiert) vorgestellt.

Reinhard Feldmann

Inkunabeln

2.4 Die innerhalb der Sammlung Wallraf (s. u. 2.12 ff.) aufgefundenen Inkunabeln wurden wohl schon von dem damaligen Leiter der Stadtbibliothek, Leonard Ennen (1820-1880), herausgezogen und gesondert aufgestellt. Sie sollten allem Anschein nach in einem gedruckten Katalog beschrieben werden, von dem aber nur die Abteilung 1 ohne Jahresangabe 1865 erschienen ist. Er enthält im Abschnitt A die Einblattdrucke, die jedoch überwiegend an das Historische Archiv der Stadt Köln abgegeben wurden ( s. u. 5, W. Schmitz, Einblattdrucke). Der Abschnitt B berücksichtigt die in Köln gedruckten Inkunabeln (409 bibliographische Einheiten in 304 Bdn). Die Numerierung der (Sammel-)Bände bestimmt noch heute die Aufstellung und dient als Signatur (mit Zusatz " Ennen"). Die übrigen Inkunabeln aus dem Besitz Wallrafs dürften sich in den Gruppen ADbl und ADs befinden, in denen sich ohne ein erkennbares Ordnungsprinzip neben Bänden im Originalzustand zahlreiche Teile aufgelöster Sammelbände (in modernem Pappeinband) und Drucke der Zeit nach 1500 befinden.

2.5 Nach Vereinigung der Gymnasialbibliothek mit der Stadtbibliothek wurden auch deren Inkunabeln herausgezogen und unter Beibehaltung der ursprünglichen Signatur separiert aufgestellt. Es handelt sich um insgesamt ca. 2350 bibliographische Einheiten, davon etwa 475 während des 15. Jhs in Köln gedruckt (dies sind 35 Prozent von ca. 1280 in Voulliémes Bibliographie aufgeführten Kölner Wiegendrucken). Es ist allerdings zu berücksichtigen, daß sich in der Menge eine gewisse Zahl von Mehrfachexemplaren verbirgt, von denen etliche in den zwanziger Jahren des 20. Jhs " als Dubletten veräußert" wurden. Im übrigen enthält der Bestand neben Drucken aus Basel, Straßburg, Nürnberg und anderen oberdeutschen Druckerstädten viele niederländische und oberitalienische Veröffentlichungen. Gelehrte Literatur der Zeit in lateinischer Sprache überwiegt ganz wesentlich gegenüber volkssprachlichen Veröffentlichungen.

2.6 Der Buchproduktion des 15. Jhs entsprechend überwiegen theologische Abhandlungen und Traktate. Die für Lehre und Pastoral des Mittelalters wichtigen Autoren wie Augustinus, Albertus Magnus, Bonaventura und Thomas von Aquin sind stark vertreten. Von umfangreichen Handbüchern sind das Catholicon des Johannes Balbus, das Beichthandbuch des Astesanus de Ast (in mehreren Ausgaben und z. T. mehreren Exemplaren) sowie das Gnotolositos des Arnold de Geilhoven (GW 1512) vorhanden. Von den zahlreichen, z. T. auch kommentierten Bibelausgaben verdient die aufwendig mit Buchschmuck versehene 49-zeilige Bibel aus der Offizin von Johann Mentelin (ca. 1460/61, GW 4203) besondere Erwähnung. Die zahlreichen Veröffentlichungen des Kölner Kartäusers Werner Rolevinck (1425-1502) sind nahezu vollständig vertreten. Unter den liturgischen Drucken haben Breviere und Meßbücher für das Erzbistum Köln naturgemäß einen Schwerpunkt. Volkssprachige Werke werden im geistlichen Bereich durch die beiden niederdeutschen Bibeln von 1478/79 (GW 4307-4308) sowie durch Predigtbücher, Erbauungsliteratur und Pilgerführer repräsentiert. Als Beispiel eines frühen gedruckten Wörterbuches ist der Vocabularius, qui dicitur Teuthonista von 1477 (H 14513) bemerkenswert. Chroniken des ausgehenden Mittelalters sind in der deutschsprachigen Fassung von Hartmann Schedels Weltchronik (H 14510), in der Kölnischen Chronik von 1499 (GW 6688) und in der Histori des beleegs van Nuis des Christian Wierstraat (1497, Cop. 6574) greifbar. Die früheste Veröffentlichung von mittelhochdeutschen Versepen (Wolfram von Eschenbach) durch Johann Mentelin (1477, H 6683-6684) sind in Exemplaren vorhanden, die aus dem Besitz von August Wilhelm von Schlegel (1767-1845) und Eberhard von Groote (1789-1864) stammen. Humanistische Interessen werden in dem lateinischen Plutarch aus der Offizin des Nicolaus Jenson (1478, H 13127) und den Werkausgaben des Aristophanes und des Aristoteles spürbar, die Aldus Manutius in griechischer Kursive 1495-1498 herausbrachte (GW 2333-2334). Die an anderer Stelle beschriebenen Spezialsammlungen von Büllingen (Thomas a Kempis, s. u. 2.115 ff.), Reiners (Dante, s. u. 2.159) und Schmalenbach (Geschichte der kaufmännischen Buchhaltung, s. u. 2.162 ff.) enthalten auch einige Inkunabeln. Erschlossen wird der Bestand durch einen Zettelkatalog, der bibliographische Querverbindungen zu Hain, Copinger, Reichling und Voulliéme bietet und dadurch die im übrigen sehr lakonischen Angaben soweit ergänzt, daß eine einwandfreie Identifizierung in der Regel möglich ist. Es gibt keine Erschließung der individuellen Besonderheiten des jeweiligen Exemplars (z. B. des Einbandes, des Buchschmucks, der Provenienzen).

Severin Corsten

Kölner Ratsbibliothek (Syndikatsbibliothek)

2.7 Im Jahre 1602 beschloß der Rat der Stadt Köln, durch regelmäßige Bucherwerbung eine Bibliothek zu schaffen, die in dieser Form bis zum Ende der Freien Reichsstadt Köln (1794) existierte. Inhaltlich prägen vor allem katholische Reform und Aufklärung die Bestände. Nach der heutigen Aufstellung sind die 1049 Nummern (in 1817 Bdn, von denen 1434 noch in der Bibliothek vorhanden sind) gegliedert in Juristische Literatur (1-588) und Historische und politische Literatur (589-1049), wobei die Trennung nicht ganz scharf ist. Die Bände tragen überwiegend das Wappen Kölns als Supralibros. Sechs Bücherverzeichnisse geben Auskunft über die Entwicklung der Bibliothek, davon sind drei datiert (1653, 1741, 1824/1825) und drei undatiert (um 1604, um 1620, um 1680; s. u. 3.3).

2.8 Entsprechend der Absicht, eine Handbibliothek für den Rat und die städtische Verwaltung zu schaffen, wurde zunächst vorwiegend juristische Literatur erworben, nämlich Decisionensammlungen, Traktate und Kommentare, Consiliensammlungen und Entscheidungssammlungen. Haupterwerbsort war die Frankfurter Messe. Im Anfang wurde meist ausländische Literatur gesammelt, besonders italienische, die große Wertschätzung genoß. Schon nach 1605 nahm der Anteil der deutschen Autoren beträchtlich zu. Das Verzeichnis aus der Zeit um 1620 nennt insgesamt 337 Bde, davon 38 Canonistae, 158 Legistae et tractatus, 54 Decisiones, 48 Consilia, 12 Consuetudines und 19 Cameralia.

2.9 Nach 1640 ging die Erwerbung der juristischen Literatur zurück, daneben wurden stärker die historischen und politischen Schriften berücksichtigt, wobei allerdings insgesamt die Neuanschaffungen rückläufig waren. In der Folgezeit wurden kaum noch Decisiones und Consilia angeschafft, ebenso wenig Legistae und Tractatus. Das blieb so bis 1790. Der Katalog weist nicht viel mehr juristische Literatur auf als 100 Jahre vorher.

2.10 Die konfessionelle Haltung Kölns als einer Stadt, die sich entschieden zum Katholizismus bekannte, wirkte sich auch auf die juristische Literaturbeschaffung aus. So ist italienische und spanische Literatur häufiger anzutreffen ist als in protestantischen Bibliotheken. Dazu gibt es einen größeren Bestand an Literatur über die Hexenprozesse, die in Köln um 1630 ihren Höhepunkt hatten. Außerhalb des juristischen Schrifttums ist ein größerer Bestand an Jesuitenschriftstellern festzustellen, die im geistigen Leben Kölns damals dominierten, und eine Anzahl protestantischer Bibeln, die vermutlich aus Konfiszierungen stammen.

2.11 Die Literatur des 18. Jhs ist stark geprägt durch staatsrechtliche und historische Interessen. Diese Konzentration mag damit zusammenhängen, daß in der Mitte des 18. Jhs in Köln zwei bedeutende Staatsrechtler, Franz Carl Joseph von Hillesheim († 1803) und Gerhard Ernst von Hamm (1692-1776), an der Universität lehrten, wobei Hamm auch das Amt des städtischen Syndikus bekleidete und damit vermutlich Einfluß auf die Literaturbeschaffung an der Syndikatsbibliothek nehmen konnte. Auch historische Literatur zur Kölner Stadtgeschichte und Dokumente zur Tagespolitik wurden vorwiegend unter diesem Aspekt erworben. Das kanonische Recht ist sehr stark vertreten, ferner kam historische Literatur aus dem Nachlaß des Kölner Kanonikus Albert Seil in die Syndikatsbibliothek. Mit dem Ende der Reichsfreiheit und der alten Stadtverfassung kam die Literaturbeschaffung zum Erliegen. Aus dem 19. Jh findet sich nur eine französische Zeitung.

Wolfgang Schmitz

Sammlung Wallraf

2.12 Im Jahre 1818 setzte der letzte gewählte Rektor der alten Universität, Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), seine Vaterstadt Köln zur Erbin seiner Sammlungen ein. Unter diesen nimmt die Bibliothek mit über 14.000 Druckschriften einen wichtigen Platz ein. Die Hauptarbeit der Sachkatalogisierung leistete von etwa 1824 bis 1827 der städtische Archivbeamte Johann Peter Fuchs. Er gliederte den Bestand (analog zu Michael Denis' Einleitung in die Bücherkunde, 1778) in Philologia (ca. 3000 Titel), Historia (ca. 2500 Titel), Mathesis (ca. 400 Titel), Philosophia (ca. 1100 Titel), Medicina (ca. 450 Titel), Theologia (ca. 1700 Titel), Iurisprudentia (ca. 545 Titel) und Varia (ca. 430 Titel).

2.13 Teile des Bestandes gingen während des 19. Jhs durch Ausleihe verloren. Etliche Dubletten wurden 1858 und 1867 veräußert. Von etwa 1890 bis 1920 wurden die Titel, in manchen Fällen unter Vergabe neuer Standorte, in die alphabetischen Zettelkataloge der Stadtbibliothek eingearbeitet (getrennt nach Erscheinungsjahren vor oder nach 1800).

2.14 Durch die Vielzahl der Studien- und Lehrfächer, die Wallraf an der Universität und ihren Nachfolgeinstituten beschäftigten (Medizin, Botanik, Naturgeschichte, Ästhetik, Rhetorik, Theologie) und durch seine Bemühungen um die Restbestände von Bibliotheken kölnischer und niederrheinischer Klöster während der Französischen Revolution kam schließlich eine nahezu universale Büchersammlung in seinen Besitz. Ihre Beschreibung beruht auf dem handgeschriebenen Katalog.

2.15 Die Abteilung " Philologia" wird durch eine Gruppe " Historia literaria (Literärgeschichte)" eingeleitet. Der Bestand enthält vorwiegend Werke des 18. Jhs zur Literatur- und Wissenschaftsgeschichte sowie einzelne Jahrgänge von Literaturzeitschriften dieser Epoche. Die Gruppe " Bibliographia" beinhaltet Bibliographien und Bibliothekskataloge, die Wallraf als Entscheidungshilfe bei der Auswahl von Werken auf Bücherauktionen dienten. Den im Katalog genannten Titeln sind noch zahlreiche nicht katalogisierte Auktionskataloge des 18. und frühen 19. Jhs hinzuzurechnen.

2.16 In der Untergruppe " Paedagogica und Academica" finden sich Schriften zur Jugenderziehung und -ausbildung vom Ende des 18. und Beginn des 19. Jhs. Nicht im Katalog erwähnt ist die große Sammlung von Dissertationen der Kölner und anderer rheinischer Universitäten vom 16. bis 18. Jh sowie weitere akademische Schriften (Glückwunschgedichte zu Promotionen usw., " Poetica"), die von einem Vorbesitzer meist in thematisch abgestimmte Sammelbände gebracht wurden (30 Bde Gelegenheitsschrifttum). Die Dissertationen sind nur ausnahmsweise in den modernen Katalogen der Universitäts- und Stadtbibliothek nachgewiesen. Für die Sammelbände liegt eine nach Fakultäten geordnete Liste vor; außerdem ist seit 1990 ein gedrucktes Dissertationenverzeichnis in Arbeit.

2.17 Die Abteilung Sprachwissenschaften enthält eine Gruppe Lateinische Sprache. Da Wallraf am Gymnasium Montanum in Köln dieses Fach unterrichtete, ist dies der größte Bestand der Abteilung. Er enthält Werke des 15. bis 19. Jhs. In der folgenden Gruppe Deutsche Sprache befindet sich ein Handapparat für schriftstellerische Tätigkeit (Stilkunde, Wörterbücher, Sprachkunst). Redekunst war ein Unterrichtsfach Wallrafs am Montaner Gymnasium und ist daher durch einen recht guten Bestand vertreten. Es folgen antike und neuere Schriftsteller der lateinischen Sprache, eine Sammlung " Epistolographie" mit Briefen, die als echt oder fingiert erschienen sind, und eine Gruppe " Oratores". Bei der griechisch-römischen Literatur finden sich ausschließlich die bekannten Autoren. Neben Homer, Plautus und Seneca sind vor allem (mit über 30 Ausgaben) Vergil, Horaz und Ovid (auch in Übersetzungen des 18. Jhs) vertreten. Es folgen mittellateinische und frühneuzeitliche Dichtung (Sebastian Brant, Martin Opitz) sowie deutsche und französische Autoren der Aufklärung und Romantik. Über " Aesthetik oder die Theorie des Gesccks in den schönen Künsten und Wissenschaften" hat Wallraf von 1786 bis 1814 Vorlesungen gehalten. Die Literatur aus dieser Zeit ist deshalb in der Abteilung " Aesthetica" gut vertreten. Sie enthält auch Schriften zur Theorie einzelner Künste (Malerei, Bildhauerei) sowie Kataloge von Kunstsammlungen. Als Sammler römischer Altertümer besaß Wallraf eine entsprechend gut ausgebaute Handbibliothek zu diesem Fach. In der Abteilung Altertumskunde sind die antike Numismatik und die Epigraphik besonders umfangreich vertreten. Die Werke entstammen überwiegend dem 18. Jh.

2.18 Eine Hauptgruppe der Bibliothek Wallraf ist die " Historia". Rein zahlenmäßig ist sie die umfangreichste, und in ihr darf man wie in den Gruppen Philosophie und Theologie teilweise Bestände von aufgelösten Kölner Klosterbibliotheken vermuten, obwohl sich auch hier wie sonst bei Wallraf Zeichen einer planmäßigen Erwerbung zeigen. Die Gruppe Universalgeschichte enthält vor allem Literatur zur Chronologie, Einführungen in die Universalgeschichte und Darstellungen einzelner Zeitabschnitte aus dem 16. bis 18. Jh. Kirchengeschichte ist besonders reich durch die Geschichte einzelner Orden vertreten, worunter der Jesuitenorden zahlenmäßig überwiegt, zu dem auch einige Polemiken vorhanden sind. Die Gruppe " Vitae Sanctorum et Martyrum" enthält ebenso wie die vorhergehende Gruppe eine große Anzahl von Werken des 15. bis 18. Jhs.

2.19 In den Beständen zur Profangeschichte liegt neben der römischen Geschichte und der Geschichte Frankreichs der Schwerpunkt bei der deutschen Geschichte. Die Einteilung der Werke zu einzelnen Territorien folgt den alten Reichskreisen. Es überwiegt Literatur des 16. bis 19. Jhs zum Gebiet des Niederrheinischen Kreises, der die Kurfürstentümer Pfalz, Mainz, Köln und Trier umfaßte. In der Gruppe " Deutschlands vornehmste Städte" stellen die Coloniensien des 15. bis 19. Jhs die Hauptmasse dar. Wallraf hat auf diesem Gebiet sicher alles erworben, was ihm zugänglich war. Dies zeigen Sammelbände mit Edikten der Stadt, handschriftliches Material und zahlreiche Dubletten. Letztere erwarb Wallraf offenbar absichtlich, so z. B. wenn die Exemplare mit Randbemerkungen versehen waren. Es schließt sich eine kleine Sammlung " Historia Belgica" an. Unter den Biographien befinden sich solche zu geistlichen und weltlichen Personen wie Gelehrten. Den Biographien ist eine Untergruppe " Libri romanenses (Romane)" zugeordnet, welche Schöne Literatur des 18. und 19. Jhs enthält. Die kleinen Sammlungen zur " Genealogie, Heraldik, Cosmographie und Geographie" sollen hier nur namentlich erwähnt werden.

2.20 Im Jahre 1779 hielt Wallraf Mathematikvorlesungen am Gymnasium Montanum in Köln. Der Bestand an mathematischer Literatur (Geometrie, Arithmetik) des 16. bis 18. Jhs, der in der Gruppe " Mathesis" verzeichnet ist, dürfte auf dieses Interesse zurückgehen. Hier finden sich auch Lehrbücher dieser Fächer, die für den Unterricht an der alten Kölner Universität vorgesehen waren. Die " Musica" enthalten Werke zur theoretischen Musik, vorwiegend des 18. und 19. Jhs, die Wallraf für seine Ästhetik-Vorlesungen (1786-1814) angeschafft hatte. Es folgen die Gruppen Astronomie, Technologie und Handel, " Architectura" und " Strategica", die jeweils nur einen geringen Umfang haben.

2.21 Die Abteilung " Philosophia" wird mit einigen Werken zur Geschichte der Philosophie eingeleitet; es folgen Ausgaben griechischer und römischer Philosophen. Neben wenigen Werken der mittelalterlichen Philosophie ist die zeitgenössische Literatur reicher vertreten, insbesondere die Aufklärung (z. B. Kant).

2.22 Die Gruppe " Physica" umfaßt Kommentare zur Aristotelischen Physik aus dem 15. Jh und führt über Ausgaben von Newton und Boyle bis zur Literatur des 18. Jhs (besonders Elektrizitätslehre). Eine kleine Gruppe " Magica, Chiromantia" schließt sich unmittelbar an. Die Gruppe " Historia naturalis" gliedert sich in die drei Bereiche der Naturgeschichte (" regnum minerale, regnum vegetabile, regnum animale"). Sie waren die Hauptgegenstände der von Wallraf an der Universität von 1784 und von 1786 bis 1799 gehaltenen Vorlesungen. Neben Einführungen in die Naturgeschichte (16. bis 18. Jh) und zoologischen Werken stellt die Botanik mit Werken vom 16. Jh bis zum Ende des 18. Jhs die größte Sammlung dar, in der Herbare und Floren mit eingeschlossen sind. Auf die Bedeutung der Naturgeschichte für die Land- und Forstwirtschaft und den Gartenbau wies Wallraf in seinen Vorlesungen besonders hin. Es sind daher außer Werken des 16. bis 17. Jhs in der Gruppe " Oeconomica" auch die typischen Bücher des aufgeklärten Merkantilismus vertreten. Als Professor für Mineralogie und Besitzer einer großen Mineralien- und Fossiliensammlung hatte sich Wallraf die einschlägigen Einführungen zur Mineralogie und Geologie vor allem seiner Zeitgenossen angeschafft. Die in der Gruppe " Mineralogia" verzeichnete Sammlung reicht bis 1820. Eine kleine Gruppe " Conchilienkunde" schließt sich an.

2.23 Mit Chemie hatte sich Wallraf seit etwa 1775 auf Anregung seines Lehrers Johann Georg Menn beschäftigt, der ihm aus diesem Gebiet ein Thema für seine Dissertation zum Lic. med. stellte. Die Gruppe " Chemica" enthält Werke des 16. bis beginnenden 19. Jhs, wobei das 18. Jh überwiegt. Darunter befinden sich einige Titel, die Wallraf in seiner Dissertation zitiert.

2.24 Die Gruppen " Historia naturalis", " Oeconomica" und " Mineralogia" wurden um 1900 fast komplett mit neuen Signaturen in die systematische Aufstellung der Universitäts- und Stadtbibliothek eingearbeitet. Auf den Zetteln im alten Katalog sind in der Regel beide Standorte angegeben.

2.25 Die medizinische Literatur (Gruppe " Medicina") bildete den Grundstock von Wallrafs Büchersammlung. Mit dem Erwerb solcher Werke hatte er bereits um 1770 begonnen ( s. u. 5, Rupp, S. 54 f.) und dies während seines Medizinstudiums bis zur Promotion fortgesetzt. Als 1930 abzusehen war, daß die Universität nach Köln-Lindenthal verlegt würde, hat man die medizinischen Werke und einzelne Nummern aus den zugehörigen Gruppen in die Medizinische Abteilung der Universitäts- und Stadtbibliothek umgestellt. Der Bestand wird in der Zentralbibliothek der Medizin aufbewahrt (s. Eintrag dort).

2.26 Die Abteilung " Theologia" ist bei der Katalogisierung der Wallrafschen Bücher offenbar als erste bearbeitet worden. Dies zeigen die noch nicht vorgedruckten Formulare und das wechselnde Papierformat. Der Gruppe vorangestellt ist ein von J. P. Fuchs geschriebenes Verfasserregister und ein Stichwort-Index der Anonyma. In allen Gruppen sind naturgemäß Kölner Drucke des 15. bis 19. Jhs besonders stark vertreten.

2.27 Die insgesamt nicht umfangreiche Gruppe " Biblia" enthält Gesamt- und Teilausgaben der Bibel. Unter der Gruppe " Patres" finden sich Glossatoren und Schriften der Kirchenväter und Bibelkommentare. Von den " Theologischen Schriftstellern" sind besonders die " Scholastici" hervorzuheben. Vereinzelt sind auch Lutherdrucke vorhanden, soweit sie beigebunden waren. Die Gruppe " Polemica" enthält Kontroversliteratur aus der Zeit der Reformation und Gegenreformation, darunter zahlreiche Kölner Drucke. Es schießt sich eine kleine Gruppe Magica an (hier z. B. Friedrich von Spees Cautio criminalis). Von Albertus Magnus bis zu Gebetbüchern des 19. Jhs hat man in die Gruppe " Ascetica" vor allem die aus altem Klosterbesitz stammende reiche Andachts- und Erbauungsliteratur aufgenommen. Der " geistlichen Beredsamkeit" (" Concionatores sacri") hat man die Predigtsammlungen und Ansprachen, getrennt nach Latein (vorwiegend 15. und 16. Jh) und Deutsch (meist 18. und 19. Jh), zugeordnet. Die Gruppe " Liturgica" umfaßt Meßbücher und Festkalender größenteils rheinischer und insbesondere Kölner Herkunft. Die letzte Gruppe " Concilia" enthält eine kleinere Sammlung von Ausgaben der Akten einzelner Konzile und Regionalsynoden.

2.28 Die verhältnismäßig kleine Abteilung " Iurisprudentia" beinhaltet einige Sammelbände zum Zivilrecht mit juristischen Thesen der Kölner Universität aus dem 17. Jh. Des weiteren sind die umfangreichen Gruppen " Ius canonicum" und " Ius publicum" hervorzuheben.

2.29 Die Abteilung " Varia" ist in drei Gruppen unterteilt. Zunächst die Gruppe " Opera in unum corpus collecta"; sie enthält Ausgaben gesammelter Werke von Schriftstellern, die fachlich schwer zuzuordnen waren. Einzelwerke finden sich meist bei den zugehörigen Literaturen. Es folgt die Gruppe " Scripta periodica", die Monatsschriften, Zeitungen, Journale und Taschenbücher überwiegend des 18. Jhs umfaßt, soweit sie allgemeinen Inhalts sind; oft sind nur einzelne Jahrgänge oder Hefte vorhanden. Die Abteilung schließt mit der Gruppe " Miscellanea". Hier stehen z. T. Schriften zur Sozialpolitik, vielfach Anonyma (Armenfürsorge, Waisenfürsorge), aber auch Romane und Schöne Literatur (z. B. von Voltaire).

Gunter Quarg

Gymnasialbibliothek und Vorgängereinrichtungen

2.30 Diese Bibliothek geht in ihrem Ursprung vor allem auf die alte Jesuitenbibliothek zurück. Als die Jesuiten 1544 nach Köln kamen (Bestätigung durch den Rat der Stadt erfolgte 1582), führten sie vermutlich nur eine kleine Bibliothek zu Lehr- und Studienzwecken mit sich. Infolge der Aufteilung (Drittelung) des Bestandes der Bibliothek der Artistenfakultät der Universität Köln auf die Gymnasien am Ende des 16. Jhs, durch umfängliche, eigene Buchankäufe und durch reichlich fließende Schenkungen und Legate wuchs die Bibliothek des Jesuitenkollegs schnell an. Sie verbrannte jedoch nahezu vollständig am 4. April 1621. Unverzüglich wurde eine neue Bibliothek angelegt, die ebenfalls schnell einen stattlichen Umfang erreichte. Im Jahre 1725 besaß sie bereits 6200 Werke. Diese stammten häufig aus Schenkungen, wie verschiedene Einträge in den Büchern zeigen.

2.31 Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) existierte die Bibliothek weiter, wenngleich sie nicht mehr sonderlich gepflegt wurde, da die erforderlichen Mittel fehlten und auch Geschenke nicht mehr so reichlich flossen wie in früheren Jahren. Auch das jesuitische Gymnasium, das Tricoronatum, wurde weitergeführt. Im Jahre 1794 wurde das linke Rheinufer von französischen Truppen besetzt und mußte im Frieden von Luneville 1801 an Frankreich abgetreten werden. Sofort danach wurde Johann Bernhard Constantin von Schoenebeck, der seit 1800 " bibliothecaire adjoint" an der Zentralschule war, zum " commissaire special" ernannt. Er wurde beauftragt, alle wichtigen Büchersammlungen Kölns zu " inventarisieren", d. h. ihre Bestände in das ehemalige Jesuitenkolleg, welches mittlerweile in eine Zentralschule umgewandelt worden war, zu schaffen, damit eine neue Bibliothek angelegt werden konnte. Diese sollte aus der Bibliothek der Zentralschule (in welche wiederum die Bibliotheken der aufgehobenen Gymnasien Tricoronatum, Laurentianum und Montanum eingeflossen waren) und den wichtigsten Werken aus den aufgelösten Kloster- und Stiftsbibliotheken bestehen. Auch nach 1804, dem Jahr der Auflösung der Zentralschule und Umwandlung in eine Sekundärschule, blieb diese Bibliothek weiterbestehen, wenngleich viele wertvolle Bände von Sammlern entfernt wurden.

2.32 Nach 1815 bürgerte sich der Name Gymnasialbibliothek ein, da sie der gemeinsamen Literaturversorgung der Kölner Gymnasien diente, obwohl die einzelnen Gymnasien begannen, eigene Büchersammlungen aufzubauen. Eine Analyse anhand der Vorbesitzer im Fach Theologie (Abteilung IV), das nach 1800 im Gegensatz zu den übrigen Fächern, die reichliche Literaturzuwächse erreichten, fast nicht mehr vermehrt wurde, ergibt folgendes Bild: 87 Prozent der Vorbesitzer lassen sich mehr oder weniger exakt feststellen, 13 Prozent sind unbekannt. 37 Prozent entfallen auf die Bibliotheken der Jesuiten (28,5 Prozent) bzw. auf die der Kartäuser (9 Prozent), weitere 38 Prozent auf die der übrigen Ordensbibliotheken. Neben den schon genannten Jesuiten und Kartäusern müssen vor allem folgende Ordens- und Klosterbibliotheken genannt werden: die Bibliothek von Groß St. Martin (1,5 Prozent des Bestandes), die Bibliothek von St. Pantaleon (3,4 Prozent), die Bibliothek der Benediktinerabtei St. Vitus in Mönchengladbach (1,4 Prozent), die Bibliothek der Benediktinerabtei St. Nikolaus in Brauweiler (0,9 Prozent), die Bibliothek des Dominikanerklosters Heilig Kreuz (4,6 Prozent), die Bibliothek der Kreuzbrüder (3,8 Prozent), die Bibliothek der Minoriten (4,5 Prozent, darunter viele Inkunabeln), die Bibliothek der Franziskanerobservanten zu den Oliven (1,4 Prozent), die Bibliothek der Augustiner-Eremiten (2,6 Prozent), die Bibliothek des Birgittenklosters Sion (0,9 Prozent), die Bibliothek der Unbeschuhten Karmeliter (3,4 Prozent), die Bibliothek der Kapuziner (2,2 Prozent), die Bibliothek des Gymnasium Montanum (3,8 Prozent) und die Bibliothek des Gymnasium Laurentianum (2,7 Prozent). Mit 11 Prozent stellen sonstige Vorbesitzer, meist Privatpersonen, einen verschwindend geringen Anteil.

2.33 Die Bibliothek verfügte das ganze 19. Jh hindurch über einen festen, wenngleich bescheidenen Etat (zuletzt 300 Thaler pro Jahr), der jedoch durch Stiftungsmittel und Erlöse aus Dublettenverkäufen nicht unerheblich aufgestockt wurde. Seit 1885 wird die Gymnasialbibliothek von der Stadtbibliothek, seit 1920 von der Universitäts- und Stadtbibliothek verwaltet. Die Beschreibung der Gymnasialbibliothek folgt dem handschriftlichen, systematischen Bandkatalog (Abschrift von 1890), der die Bestände der Bibliothek in 11 Abteilungen verzeichnet ( s. u. 3.3). Bei jeder Abteilung wird zu Anfang eine kurze Charakterisierung des Bestandes in chronologischer und sprachlicher Hinsicht vorangestellt.

2.34 Die Abteilung I: Allgemeine Encyclopädie und Propädeutik enthält rund 700 Titel (10 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 20 Titel, zweite Hälfte 50; erste Hälfte des 17. Jhs 100, zweite Hälfte 50; erste Hälfte des 18. Jhs 60, zweite Hälfte 100; erste Hälfte des 19. Jhs 160, zweite Hälfte 150). Während bei den Titeln des 15. und 16. Jhs die lateinische Sprache vorherrscht und auch im 17. und 18. Jh noch überwiegt (daneben tritt dann das Französische), sind die Werke des 19. Jhs fast ausschließlich in deutscher Sprache abgefaßt.

2.35 Die Abteilung enthält allgemeine Schriften zum Schulwesen, Wissenschaftsgeschichte, Fortschrittsberichte (vor allem zur Philologie, Philosophie und Geschichte) besonders des 18. und 19. Jhs, weiterhin umfängliches Schrifttum zum Schul-, Bildungs-, Universitäts- und Akademiewesen. Eine Auswahl Gelehrtenbiographien (ca. 240 Titel) aus allen Wissensgebieten schließt sich an. Weiterhin ist eine umfangreiche Sammlung (ca. 220 Titel) von Bibliothekskatalogen und Bestandsverzeichnissen in- und ausländischer Bibliotheken vorhanden sowie eine Anzahl von Literaturzeitschriften des 18. Jhs in deutscher (ca. 20 Titel) und französischer Sprache.

2.36 Die Abteilung II: Klassische Philologie umfaßt in der Unterabteilung Allgemeines rund 1150 Titel allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft sowie altertumsrelevante Hilfswissenschaften. Zeitlich überwiegen die Werke um 1700 und aus dem 19. Jh (35 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 140 Titel, zweite Hälfte 200; erste Hälfte des 17. Jhs 300, zweite Hälfte 35; erste Hälfte des 18. Jhs 70, zweite Hälfte des 18. Jhs 30; erste Hälfte des 19. Jhs 120, zweite Hälfte 220 Titel). Sie sind fast ausschließlich in lateinischer Sprache; lediglich bei Werken des 19. Jhs überwiegt das Deutsche. Hier finden sich Grammatiken und allgemeine Sprachlehrbücher, Werke zur Quellenkunde und Literaturgeschichten aller klassischen Sprachen (außer Griechisch und Lateinisch auch Hebräisch) ebenso wie Archäologie (" Antiquitates Graecorum et Romanorum"), Mythologie, antike Rhetorik, Staats- und Verfassungsrecht sowie Militärwesen.

2.37 Die Unterabteilung " Griechische Schriftsteller" umfaßt ca. 1550 Titel mit Schwerpunkten um 1700 und im 19. Jh (10 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 170 Titel, zweite Hälfte 500; erste Hälfte des 17. Jhs 260, zweite Hälfte 60; erste Hälfte des 18. Jhs 60, zweite Hälfte 80; erste Hälfte des 19. Jhs 320, zweite Hälfte 120) ohne erkennbare sachliche Schwerpunkte. Das gilt auch für die Untergruppe " Lateinische Schriftsteller", die ca. 1030 Titel umfaßt (50 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 220 Titel, zweite Hälfte 200; erste Hälfte des 17. Jhs 140, zweite Hälfte 90; erste Hälfte des 18. Jhs 30, zweite Hälfte 50; erste Hälfte des 19. Jhs 160, zweite Hälfte 90).

2.38 Die ehemals bestehende Abteilung III: Kunst und Literatur ist gänzlich in die Bestände der Stadtbibliothek umsystematisiert worden und wird dort beschrieben ( s. u. 2.53 ff., besonders 2.69 ff.). Der ursprüngliche Bestand läßt sich anhand eines systematischen Kapselkataloges rekonstruieren ( s. u. 3.3).

2.39 Die Abteilung IV: Theologie ist bei weitem die umfangreichste Abteilung (ca. 12.000 Titel, davon 500 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 2800 Titel, zweite Hälfte 2550; erste Hälfte des 17. Jhs 3700, zweite Hälfte 1300; erste Hälfte des 18. Jhs 650, zweite Hälfte 120; 19. Jh 450). Sie wurde im 18. und 19. Jh kaum noch gepflegt. Große Lücken treten besonders ab Ende des 18. Jhs auf. Der weitaus größte Teil stammt aus dem 16. und dem beginnenden 17. Jh, weist jedoch wenig volkssprachliche Literatur auf. Diese Gruppe enthält vor allem eine umfängliche Sammlung Heiligenviten (150 Titel) und Bibelausgaben (u. a. ca. 20 holländische), einen umfangreichen Bestand an Ausgaben der Kirchenväterschriften ( u. a. Eusebius von Caesarea, Hieronymus, Chrysostomus, Gregor der Große, Albertus Magnus, Bonaventura sowie Thomas von Aquin) und Konziliensammlungen, u. a. zum Tridentinum und zum Kölner Konzil. Gut vertreten sind auch Führer durch das Kirchenjahr, Passions- und Apostelgeschichte, Literatur zur Reliquienverehrung und zum Wallfahrtswesen, Missionsgeschichte und ausländische (vor allem italienische, französische und holländische) Kirchengeschichte, ebenso Literatur zum Jansenismus (ca. 60 Titel) und allgemeines gegenreformatorisches Schrifttum, speziell durch die Magdeburger Centurien veranlaßtes Schrifttum ( u. a. Wilhelm Eisengrein, Cesare Baronio) und Darstellungen der Reformationszeit aus katholischer Sicht. Kölner Kirchengeschichte, Biographien Kölner Erzbischöfe und Würdenträger (vor allem Werke des 19. Jhs), eine Sammlung von zeitgenössischen Schriften zur Mischehenfrage (1838) sowie Editionen päpstlicher Dekrete bilden weitere wichtige Bestandteile.

2.40 Die Ordensgeschichte, vor allem der Benediktiner, der Unbeschuhten Karmeliter und der Jesuiten, ist reich vertreten. Bei der Jesuitenliteratur finden sich neben Werken zur Missionsgeschichte, insbesondere Ostasiens, viele antijesuitische Streitschriften und Polemiken vor allem aus der Aufklärungszeit, aber auch apologetische Schriften der Jesuiten. Hier findet sich nocls eine größere Anzahl von Heiligen- und Märtyrerviten (insgesamt über 500 Titel), besonders zu Dominicus, Franz Xaver, Ignatius von Loyola, Anna, Maria (90 Titel), Theresa und Ursula. Die Untergruppe " Haeresie und Reformatoren" enthält u. a. einen Sammelband mit Lutherschriften, zeitgenössische Schriften zur Augsburger Konfession, Editionen antireformatorischer päpstlicher Bullen und Kontroverstheologie vorwiegend aus katholischer Sicht (Johannes Cochläus, Johann Eck).

2.41 Bei der Systematischen Theologie findet sich außer Schrifttum zur Offenbarung und zum Unfehlbarkeitsdogma u. a. umfangreiche Literatur zur Dogmatik. Neben allgemeiner Literatur sind hier Schriften zum Gottesbeweis, zum Geisterwesen und zum Exorzismus vorhanden, weiterhin Werke zur theologischen Anthropologie und Christologie, Traktate zur unbefleckten Empfängnis sowie eine große Gruppe zur Sakramenten- und Eucharistielehre. Reich vertreten ist auch die Scholastik mit Sentenzenkommentaren aller Richtungen sowie Literatur zum Kölner Kirchenstreit von 1838.

2.42 Bei der Praktischen Theologie liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Pastoraltheologie und der Homiletik (Orationes, Conciones, Homiliae, Postillae). Daneben finden sich Katechetik und Liturgik. Es folgt eine recht umfangreiche Sammlung von Meditationsliteratur, Gebetbüchern, Exercitienliteratur (vor allem marianische) und Mystik. Die Literatur zur Pastoraltheologie und Predigtlehre stammt häufig aus der alten Jesuitenbibliothek.

2.43 Die Abteilung V: Jurisprudentia enthält ca. 780 Titel (80 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 70 Titel, zweite Hälfte 90; erste Hälfte des 17. Jhs 110, zweite Hälfte 140; erste Hälfte des 18. Jhs 130, zweite Hälfte 90; erste Hälfte des 19. Jhs 60, zweite Hälfte 10). Vorjustinianisches Recht ist nur schwach vertreten (ca. 15 Titel). Justinian (50 Titel) und römisches Recht (ca. 140 Titel) stehen neben einer umfänglichen Sammlung von kanonischem (300 Titel) und deutschem Recht (170 Titel).

2.44 Die Abteilung VII: Philosophie und Pädagogik enthält ca. 1020 Titel (30 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 80 Titel, zweite Hälfte 130; erste Hälfte des 17. Jhs 140, zweite Hälfte 160; erste Hälfte des 18. Jhs 180, zweite Hälfte 140, erste Hälfte des 19. Jhs 120, zweite Hälfte 40) in der zu erwartenden sprachlichen Verteilung. Da die Literatur der Aufklärung weitgehend fehlt ( s. u. 2.47), ist auch das Französische nur schwach vertreten. Immerhin findet sich eine Anzahl Werke der französischen Literatur in deutschen Übersetzungen (ca. 60 Titel aus dem 18. Jh).

2.45 Neben wenigen enzyklopädischen Werken ist eine Anzahl (ca. 220 Titel) von allgemeinen Einführungen und systematischen Überblicken über die Philosophie vorhanden. Die umfangreichen Bestände des 17. Jhs stammen meist von Jesuitenautoren. Reich vertreten sind Logik (16. und 17. Jh), Metaphysik (ca. 75 Titel vom 16. Jh bis Mitte des 17. Jhs, danach erst wieder ab Mitte des 18. Jhs), Ontologie, Kosmologie, Naturphilosophie und vor allem Literatur von Vertretern der aristotelischen Scholastik. Auch die Literatur zur " Seelenkunde" (" psychologia rationalis") stammt zu einem Großteil aus der Jesuitenbibliothek. Die Moralphilosophie (ca. 70 Titel) ist reichlicher vertreten als die Religionsphilosophie (15 Titel, ausschließlich vom Anfang des 18. Jhs). Bei der Anthropologie finden sich vermehrt auch Werke in deutscher Sprache.

2.46 Besonders umfangreich (ca. 210 Titel) ist die Literatur zur Pädagogik, sie stammt jedoch fast ausschließlich aus dem 19. Jh. Schwerpunkte sind die " Doctrina educationis" und Geschichte der Pädagogik. Auch die Literatur zur Philosophiegeschichte entstammt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dem 19. Jh und enthält Titel zum deutschen Idealismus, zum Spinozismus, Auseinandersetzungen mit Kant sowie einige Titel zum englischen Empirismus. Eine umfangreiche, auch ältere Literatur umfassende Sammlung zur " philosophia popularis" (allein 11 Titel von Roberto Caraccioli, alle um 1770) schließt sich an.

2.47 Die Sammlung enthält eine große Lücke: Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde mehrere Jahrzehnte überhaupt keine Literatur angeschafft. Somit fehlt die auch von den Jesuiten schon vernachlässigte Aufklärung völlig. Nach 1815 lag der Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Literatur, die auch einen repräsentativen Querschnitt bietet.

Reinhard Feldmann

2.48 Die Abteilung VIII: Mathesis gehört mit ca. 350 Bdn zu den umfangreichsten Gruppen der Naturwissenschaften. Dies ist auf die Bedeutung der Ma- thematik im Gymnasial- und Universitätsunterricht zurückzuführen. Der Bestand reicht daher vom 16. und 17. Jh bis ans Ende des 19. Jhs. Den Einführungen in die reine und angewandte Mathematik folgen die Gruppen " Arithmetica pura et applicata" und " Geometria pura et applicata", auf die sich der größte Teil der Titel verteilt. In den erstgenannten Abteilungen befinden sich insbesondere Lehrbücher der alten Kölner Universität. Der angewandten Geometrie sind Anleitungen zur Vermessungskunst und zum Instrumentenbau zugeordnet. Die Gruppen " Mechanica", " Optica" und " Perspectiva" sind jeweils nur durch wenige Titel vertreten. Die meisten Werke der Gruppe " Astronomia" beschäftigen sich zum einen mit deren Geschichte, zum anderen mit der theoretischen Astronomie (Johannes de Sacrobosco), aber auch mit dem Bau und der Anwendung von astronomischen Instrumenten. Dieser umfassende Bestand verdeutlicht die Wertschätzung dieser Wissenschaft im Unterricht. Die Kölner Universität besaß eine kleine Sternwarte, aus deren Besitz wahrscheinlich ein Teil der vorhandenen Tabellen und Kalendarien stammt. Die Gruppen " Astrologia", " Gnomonica" und " Geographia mathematica" (Geodäsie) bilden den Abschluß der eigentlichen Mathematik. Von ihren beiden Nebengebieten " Architectura" und " Ars militaris" enthält das zweite die meisten Titel.

2.49 Die Abteilung IX: Medicina befindet sich ebenso wie die entsprechenden Werke der Sammlung Wallraf seit 1930 in der Medizinischen Abteilung der Universitäts- und Stadtbibliothek, der heutigen Zentralbibliothek der Medizin (siehe Eintrag dort).

2.50 Die Abteilung X: Scientia naturalis umfaßt etwa 450 Bde. Die Titel sind in der Regel annähernd in chronologischer Reihenfolge eingetragen. In der Gruppe " Physica" sind zum Bereich der Naturlehre neben Einführungen des 16. bis 18. Jhs vor allem Werke zur Experimentalphysik sowie in kleinerer Anzahl Ausgaben zu den Einzeldisziplinen (Akustik, Wärmelehre, Elektrizitätslehre) vorhanden. " Geologia" und " Geographia physica" sind nur schwach vertreten. Die folgenden Gruppen " Magia naturalis" und " Magia pneumatologica" sind wegen ihres besonders umfangreichen Bestandes an Literatur zu okkulten Phänomenen (Agrippa von Nettesheim) sowie zur Hexerei und Zauberei aus dem 16. und 17. Jh bemerkenswert. Die Gruppe " Chemia" enthält Einführungen des 18. bis 19. Jhs, einige Titel zur " Metallurgia alchemia" des 16. und 17. Jhs und gesammelte Schriften zur Chemie und Physik verschiedener Verfasser. Zeitschriften und Lexika sind nur in wenigen Werken vertreten, diese jedoch ziemlich lückenlos. Herbarien, Kräuterbücher und Florenbeschreibungen des 16. bis 19. Jhs sind in der Gruppe " Botanica" zusammengefaßt. Daran angeschlossen ist eine Gruppe systematische Botanik ( z. B. Linné), die vorwiegend Bücher des 19. Jhs umfaßt. Die nach Gattungen getrennten Untergruppen der " Zoologia" enthalten nur wenige Titel aus dem 18. und 19. Jh. Darunter ist eine 5 Werke umfassende Abteilung " Physiotheologia" bemerkenswert.

Gunter Quarg

2.51 Die Abteilung XI: Geographie und Geschichte ist mit ca. 2300 Titeln die zweitgrößte und im zeitlichen Aufbau recht ausgewogen mit Schwerpunkten im 16. und 19. Jh (20 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 140 Titel, zweite Hälfte 410; erste Hälfte des 17. Jhs 270, zweite Hälfte des 160; erste Hälfte des 18. Jhs 300, zweite Hälfte 210; erste Hälfte des 19. Jhs 460, zweite Hälfte 330). Sprachlich dominiert erwartungsgemäß das Lateinische, doch finden sich auch ca. 820 deutsche, 80 französische und 30 italienische Titel. Bei der Geographie überwiegen die Werke des 16. und 17. Jhs. Es finden sich zunächst Editionen griechisch-römischer Reise- und Erdbeschreibungen, danach vorwiegend Atlanten, neuzeitliche Reisebeschreibungen des 17. Jhs sowie Itinerare, historische Länderkunden und Städteporträts. Bei den außerdeutschen Werken überwiegen die Beschreibungen Hollands sowie Werke zum Vorderen Orient (30 Titel) und zu Ost- und Zentralasien. Bei der Geschichte sind vor allem die historischen Hilfswissenschaften Chronologie, Numismatik, Genealogie und Heraldik vertreten, daneben allgemeine Übersichten (" Chronica" und " Compendia"), Kulturgeschichte, Rechts- und Verfassungsgeschichte (Reichstagsberichte des 16. und 17. Jhs) sowie Vor- und Frühgeschichte Deutschlands. Besonders reich sind die Geschichte der rheinisch-westfälischen Gebiete (Stadtgeschichten, Chroniken, Biographien einzelner Herrscher), die Geschichte Hollands sowie die Kölner Stadt- und Bistumsgeschichte vertreten, doch sind auch ältere Werke über die übrigen deutschen Provinzen in repräsentativer Auswahl vorhanden. Hervorzuheben ist eine umfängliche zeitgenössische Sammlung zu den Türkenkriegen, außerdem Biographien (" Vitae virorum mulierumque celebrorum") aus dem 19. Jh.

2.52 Der Bestand der Abteilung XIII ( z. Z. akzessionierte Literatur, die vor 1800 erschienen ist) umfaßt 314 Titel (davon 26 aus dem 16. Jh; 29 aus der ersten Hälfte des 17. Jhs, 55 aus der zweiten Hälfte; 68 aus der ersten Hälfte des 18. Jhs und 107 aus der zweiten Hälfte, außerdem 29 aus dem 19. Jh). Sprachlich überwiegt das Lateinische mit 194 Titeln, weitere 102 Titel sind deutsch, 14 französisch. Schwerpunkte sind nicht erkennbar, doch ist eine umfangreiche Sammlung von Gelegenheitsschriften (Hochzeitsgedichte, Leichenpredigten, Trauergedichte, Glückwunschgedichte für Examina) aus dem 17. und 18. Jh hervorzuheben, daneben kanonisches Recht und Staatsrecht, Stadtgeschichte und juristische Dissertationen sowie eine kleine Zahl von theologischen Schriften, u. a. Erbauungsschriften und katholische Kontroversschriften.

Stadtbibliothek (ab 1920 Universitäts- und Stadtbibliothek)

2.53 Da die Stadtbibliothek " wissenschaftliche Amtsbibliothek" und gleichzeitig " öffentliche Sammlung zu wissenschaftlichen Zwecken und zu ernster Belehrung" sein sollte, dabei jedoch beanspruchte, eine " universalwissenschaftliche Büchersammlung" zu sein, wurden alle Wissensgebiete ausgiebig gepflegt. Lediglich die Naturwissenschaften wurden ein wenig vernachlässigt, doch standen dafür die umfänglichen Sammlungen von F. F. Wallraf und (später) die Bibliothek der Akademie für praktische Medizin zur Verfügung. Vor allem für die Literaturversorgung der historischen und regionalkundlichen Fächer wurde mit großer Anstrengung eine umfassende Sammlung aufgebaut.

2.54 Die Bestände der Stadtbibliothek (diese Bezeichnung setzte sich in den sechziger Jahren des 19. Jhs durch) wurden überwiegend in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jhs und den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jhs erworben. In die systematische Aufstellung der Stadtbibliothek wurden viele der älteren Bestände, vor allem aus der Gymnasialbibliothek und der Sammlung Wallraf, sowie der neu erhaltenen Schenkungen eingereiht. Die Art des Zugangs (Geschenke) und der Zweck der Bibliothek (Handbibliothek des Archivs der Stadtbibliothek) erklärt die recht heterogene Zusammensetzung und den hohen Anteil an popularisierender Literatur. Die Sammlung umfaßt insgesamt ca. 63.500 vor 1800 erschienene Titel . Die chronologische Übersicht und die Übersicht nach Sprachen findet sich bei den einzelnen Sachgruppen. Die Beschreibung folgt der systematischen Aufstellung.

2.55 Nicht berücksichtigt sind dabei kleinere und weniger bedeutende Schenkungen oder Erwerbungen sowie einige nicht zu spezifizierende Nachlässe, von denen keine Kataloge oder Übereignungsverzeichnisse mehr vorhanden sind oder die nur in Auswahl übernommen wurden: 1834 Kaplan Christian Ph. Aug. Forst: Ein Katalog ist vorhanden, aber es wurden nur wenige Bände übernommen, die restlichen Bücher gelangten teilweise über die Pfarrei St. Martin in die Priesterseminarsbibliothek (heute Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek). 1864 Eberhard von Groote: Von dieser kleinen Sammlung von Literatur zu alt- und mittelhochdeutschen Themen befinden sich die Hss. im Historischen Archiv der Stadt Köln, vereinzelt in der Bibliothek. 1883 Dr. med. Heinrich Claessen: Von dieser Sammlung wichtiger älterer Werke, insbesondere zur Geschichte (vornehmlich Rhenensien), gelangten Teile über die Sammlung Wallraf in die Bibliothek. 1886 Adolf Rautenstrauch: eine kleine Sammlung von Werken zur französischen und englischen Geschichte. 1885-1899 Gustav von Mevissen: eine bedeutende Sammlung von ca. 50.000 Bdn des Großindustriellen und Reichstagsabgeordneten zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Technikgeschichte, außerdem Eisenbahnliteratur ( s. u. 2.102-2.103, 2.106). 1908 Johannes Fastenrath: eine bedeutende Sammlung von ca. 10.000 Bdn zur deutschen und spanischen Literatur sowie zur spanischen Geschichte, vorwiegend des 19. Jhs. 1941 Elise und Helene Richter: zwei kleine Fachbibliotheken zur Romanistik und Anglistik. 1955 Erich von Rath: eine kleine buchkundliche Fachbibliothek.

2.56 Die Gruppe Allgemeines umfaßt ca. 930 Titel (überwiegend in deutscher Sprache aus dem 19. Jh). Fast die Hälfte entfällt auf Literatur zum Universitäts- und Studentenwesen, auf Literatur über Forschungsinstitute, Akademien und gelehrte Gesellschaften. Weitere Schwerpunkte liegen bei der Paläographie, Schriftkunde und Stenographie (120 Titel), der Geschichte der Wissenschaften (110 Titel, davon 20 aus dem 16. bis 18. Jh) und der allgemeinen Enzyklopädie (100 Titel, davon 20 aus dem 16. bis 18. Jh).

2.57 Für Literatur, die sich der Feinsystematik entzog oder die man für weniger wichtig oder minderwertig hielt, wurde die Formalgruppe Broschüren (B) eingerichtet. Sie enthält ca. 6500 Titel bibliographisch schwer zu ermittelnden Materials, die in der Hauptsache der Stadtbibliothek von Institutionen und Privatleuten geschenkt wurden. Bei den Institutionen sind die Kölnische Zeitung zu nennen, die offensichtlich in der Redaktionsbibliothek nicht mehr benötigte Literatur an die Stadtbibliothek abgab, und diverse Schulbibliotheken sowie Lesegesellschaften und Vereine. Außerdem wurden von Verlegern und Verfassern zahlreiche Rezensionsexemplare abgeliefert. Es finden sich außerdem eine Reihe privater Stifter, u. a. Johannes Fastenrath ( s. u. 2.86), Gustav, Melanie und Mathilde von Mevissen und Hermann Becker ( s. u. 2.121). Zeitlich deckt diese Sammlung, die sich in einem restaurierungsbedürftigen Zustand befindet, die Jahre von ca. 1880 bis in die zwanziger Jahre des 20. Jhs ab. Sprachlich ist fast ausschließlich das Deutsche vertreten, doch finden sich auch einige französische Werke.

2.58 Die Sammlung enthält neben praktischen Ratgebern, populären Biographien (vor allem " Großer Deutscher"), Trivialliteratur, Reiseführern, Erzählungen und Anthologien vor allem Pamphlete zur Sozial- und Außenpolitik, Flugschriften von politischen und gesellschaftlichen Verbänden (darunter viele anonyme " Mahnrufe" und " Warnungen"), Literatur zur Frauenfrage (z. T. aus der Bibliothek einer nicht näher bestimmbaren Frauenlesegesellschaft), Kleinschrifttum zum Ersten Weltkrieg sowie populäre Ratgeberliteratur und Memoiren.

2.59 Die Gruppe Geschichte enthält 6972 Titel (davon 151 Titel aus dem 16. Jh, 288 aus dem 17. Jh, 736 aus dem 18. Jh und 5797 aus dem 19. Jh) in überwiegend deutscher (4119 Titel) und französischer Sprache (1605 Titel), davon 432 Titel allgemeine Literatur: Weltgeschichte und europäische Geschichte in Gesamtdarstellungen, daneben Geschichtsphilosophie und Methodologie, Biographien, Briefeditionen, Zeittafeln und Kompendien. Die Literatur zur alten Geschichte ist mit 306 Titeln relativ gut vertreten. Neben griechischer und römischer Geschichte finden sich Werke zur Geschichte Mesopotamiens, Persiens, des Vorderen Orients und der Völkerwanderungszeit, wogegen die mittelalterliche Geschichte (einige Titel zu den Kreuzzügen und Türkenkriegen) und die Geschichte der Neuzeit (vor allem Werke zu Friedrich dem Großen und seiner Zeit, zum Siebenjährigen Krieg und zum Hubertusburger Frieden) nur gut 220 Titel umfassen (vgl. jedoch 2.65-2.67).

2.60 Bei der Literatur zur Geschichte zwischen 1789 und 1870 (415 Titel) sind zahlreiche zeitgenössische Publikationen zu den Napoleonischen Kriegen, vor allem zum Rußlandfeldzug und zu den Befreiungskriegen, hervorzuheben. Schrifttum in großem Umfang (507 Titel) liegt auch zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vor, besonders zur Schlacht von Sedan in zeitgenössischen popularisierenden Ausgaben. Etwa seit 1895 fallen verstärkt Erinnerungsschilderungen an den Krieg von 1870/71 auf.

2.61 Die Literatur zur Geschichte Italiens (177 Titel, davon 86 deutsche, 35 französische, 45 italienische) ist mit Berichten über die Reichseinigung, Cavour- und Garibaldi-Biographien sowie Geschichte der italienischen Städte und Regionen vertreten, die zur Geschichte Frankreichs (780 Titel, davon ca. 70 Prozent französisch, 25 Prozent deutsch, überwiegend aus dem 19. Jh, aber auch die älteren Standardwerke enthaltend) mit z. T. zeitgenössischen Darstellungen der Regierung Ludwigs XIV. und XVI. sowie Marie Antoinettes. Außerdem findet sich eine große Anzahl zeitgenössischer Schriften zur Französischen Revolution und Biographien ihrer Hauptvertreter. Schriften über Napoleon I., Napoleon III. und Eugenie sowie über die Pariser Kommune schließen sich an, ebenso einige Stadtgeschichten.

2.62 Weniger reichhaltig (156 Titel) ist die Literatur zur spanischen und portugiesischen Geschichte. Hier liegen vor allem Schriften zum Bürgerkrieg von 1833 bis 1839 in z. T. zeitgenössischen Ausgaben vor. Während zur Geschichte der Schweiz (64 Titel) und Großbritanniens (207 Titel, vor allem Biographien und Darstellungen der Glorreichen Revolution) nur wenige Titel vorhanden sind, finden sich bei den Werken zur belgischen und niederländischen Geschichte (252 Titel, davon 45 Titel aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs) beachtenswerte ältere Werke, u. a. zur Utrechter Union von 1579. Die skandinavische Geschichte (132 Titel) umfaßt neben vielen Biographica (vor allem zu Karl XII. und Gustav III.) zahlreiche isländische Originalausgaben, die auf die Sammlung Erkes zurückzuführen sind ( s. u. 2.128).

2.63 Die osteuropäische Geschichte (337 Titel) enthält einige nennenswerte Literatur zum Baltikum und zu den Teilungen Polens, sozialkritische Berichte westlicher Rußlandreisender, Biographien Peters des Großen und Katharinas der Großen sowie Literatur zur griechischen Geschichte des 19. Jhs ( u. a. romantische Griechenlandschilderungen und Literatur zum Unabhängigkeitskampf 1821-1830). Die Literatur zu Asien (127 Titel), Afrika (100 Titel, vor allem aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs zum Kolonialwesen) und Amerika (128 Titel vor allem zu Südamerika) ist nicht sonderlich umfangreich.

2.64 Den umfänglichsten Teilbestand machen die Biographien aus (1644 Titel, davon 1145 deutsche, 302 französische, 103 englische 55 in nordischen Sprachen und 37 japanische). Sie stammen zu ca. 90 Prozent aus dem 19. Jh. Besonders häufig sind Bismarck, Freiherr vom Stein, Moltke und die Brüder Humboldt vertreten, daneben finden sich auch zahlreiche Autobiographien, Memoiren und Erinnerungen, oftmals in populärer Darstellung. Die historischen Hilfswissenschaften wie Archivwesen und Diplomatik (101 Titel), Sphragistik und Heraldik (143 Titel), Genealogie (244 Titel), Chronologie (132 Titel) und Numismatik (263 Titel) schließen sich an.

2.65 Die Literatur zur deutschen Geschichte (2920 Titel, davon 19 aus dem 16. Jh, 125 aus dem 17. Jh, 247 aus dem 18. Jh und 2590 aus dem 19. Jh, fast ausschließlich in deutscher Sprache) enthält neben den Quellenkunden und geschichtsphilosophischen Abhandlungen (zusammen 42 Titel) auch Literatur zur Diplomatik und Chroniken (81 Titel), daneben Primärschrifttum zum deutschen Nationalismus im 19. Jh, zum Städtewesen (223 Titel) und vor allem zur Städteverfassung. Literatur (überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs) zur Ur- und Frühgeschichte Deutschlands, zur Völkerwanderungszeit, zu den römischen Germanenkriegen, zum Limes und zur Varusschlacht (zusammen 110 Titel), außerdem einige Darstellungen des deutschen Mittelalters, diverse Biographien deutscher Kaiser und Würdenträger, vor allem Karls des Großen (zusammen 164 Titel), sowie reformationsgeschichtliche Abhandlungen und Literatur zu den Bauernkriegen schließen sich an.

2.66 Daneben sind Gruppen zeitgenössischer Titel zum Dreißigjährigen Krieg und zum Westfälischen Frieden (50 Titel, z. T. Flugschriften) sowie zur Revolution von 1848/49 und spätere Memoirenliteratur zu dieser Epoche erwähnenswert, desgleichen die recht umfangreiche Literatur zum Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 und zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 (zusammen 519 Titel).

2.67 Die preußisch-brandenburgische Geschichte (471 Titel), vor allem Literatur zur Hohenzollerndynastie, ist umfangreich dokumentiert. Den Schwerpunkt bilden Biographien der preußischen Herrscher, vor allem Friedrichs des Großen (auch Editionen seiner Werke, Geburtstagsreden auf ihn etc.), Königin Luises und Wilhelms I. (auch Trauerreden). Gedenkreden auf Friedrich III. (ca. 20 Titel), Panegyrika auf Wilhelm II., aber auch Ludwig Quiddes Caligula und Gegenschriften schließen sich an.

2.68 Weniger umfangreich, aber doch repräsentativ vertreten sind diejenigen deutschen Länder (ca. 220 Titel), die im 19. Jh preußisch wurden: vor allem Hannover, Hessen-Nassau und Westfalen (zur Rheinprovinz s. u. 2.93 ff.), überdies die nicht-preußischen Länder Nord- und Mitteldeutschlands (vor allem Sachsen-Weimar, Braunschweig und Sachsen-Gotha), die südwestdeutschen Staaten und Bayern (181 Titel, darunter viele Biographien Ludwigs I. und Ludwigs II.) und schließlich Österreich (122 Titel, besonders zu Joseph II.). Eine umfangreiche Sammlung von Ortsgeschichten und Chroniken deutscher Städte (442 Titel, darunter 25 aus dem 17. Jh, 61 aus dem 18. Jh, 113 aus der ersten Hälfte des 19. Jhs und 450 aus der zweiten Hälfte) runden den Bestand ab. Außerdem ist eine kleine Gruppe Militaria (ca. 150 Titel) vorhanden. Allgemeine Werke zur Kriegführung und Strategie (ca. 50 Titel) stehen neben deutscher Heeresgeschichte des ausgehenden 19. Jhs.

2.69 Die Abteilung Kulturgeschichte (1135 Titel, davon 16 aus dem 16. Jh, 35 aus dem 17. Jh, 70 aus dem 18. Jh, 997 Titel aus dem 19. Jh, fast ausschließlich in deutscher und französischer Sprache) enthält neben allgemeiner Kulturgeschichte und Kulturphilosophie sowie Reise- und Expeditionsberichten (106 Titel) Werke der Ur- und Frühgeschichte Europas (80 Titel). Den größten Raum (330 Titel) nimmt die Kulturgeschichte einzelner Länder ein, meist in Darstellungen des 19. Jhs. Vor allem die Literatur zu Frankreich, Rom, Griechenland und Island (letztere aus der Sammlung Erkes) ist zu nennen. Auch volkskundliche Arbeiten, Literatur zu den Germanen und Kulturgeschichten deutscher Städte und Regionen (zusammen 166 Titel), ebenso Trachten- und Kostümkunde (84 Titel) sowie spezielle Bereiche der Kulturgeschichte (101 Titel, auch zur Kulturgeschichte der Frau) sind vorhanden. Literatur zum Handel (vor allem Seehandel), zum Hexenglauben und zu Hexenprozessen, zur Magie und zum Aberglauben ist ebenso vertreten wie Literatur zum höfischen Leben und zu Duellen (zusammen 268 Titel).

2.70 Durch zahlreiche Nachlässe und Geschenke ist der Bestand an Literatur zu Kunst und Kunstgeschichte umfangreich (4961 Titel, davon 3316 deutschsprachige, 754 französische, 343 lateinische, 285 italienische und 140 englische). Er enthält in hohem Maße auch ältere Literatur (190 Titel aus dem 16. Jh, 157 aus dem 17. Jh; 133 aus der ersten Hälfte des 18. Jhs und 417 aus der zweiten Hälfte; 937 aus der ersten Hälfte des 19. Jhs und 3123 aus der zweiten Hälfte).

2.71 Neben allgemeinen Werken (41 Titel), Bibliographien, Adreßbüchern und Topographien (77 Titel), Führern durch Museen und Ausstellungen, insbesonders rheinischen und deutschen (ca. 315 Titel), finden sich kunsttheoretische Auseinandersetzungen (ca. 150 Titel), Gesamtdarstellungen, Handbücher und Künstlerlexika (90 Titel). Während die Kunst des alten Orients und Ägyptens (35 Titel) nur in geringem Umfang vertreten ist, verdient besonders die Kunst des klassischen Altertums (525 Titel) mit Schwerpunkt bei der Porträtplastik, Architekturornamentik und Architekturtheorie Erwähnung (die beiden letzteren Gruppen vor allem aus dem Hittorff-Nachlaß, s. auch u. 2.123-2.125). Bemerkenswert ist außerdem der Bestand zur Kunst des Mittelalters (311 Titel), ebenfalls mit einem Schwerpunkt bei der Architektur (auch Aufrißzeichnungen), sowie bei der Literatur zur Sakralkunst, besonders zur christlichen Symbolik. Außerdem findet sich Literatur zur Kunst einzelner Länder, Regionen und Städte, vor allem Deutschlands und Österreichs (109 Titel) sowie Italiens (58 Titel).

2.72 Eine weitere Großgruppe stellt die Literatur zur Architektur dar (581 Titel, die älteren fast durchweg aus der Gymnasialbibliothek, der Sammlung Wallraf und der Sammlung Hittorf). Hier findet sich Literatur zur sakralen Baukunst des Mittelalters ebenso wie zur Zivilbaukunst, zum Garten- und Landschaftsbau und zu Architekturdekorationen. Romantische Reiseführer und Auseinandersetzungen um den " deutschen Stil" schließen sich an. Im 19. Jh kommt denkmalpflegerische Literatur hinzu.

2.73 Daneben sind die Gruppen Plastik (einschließlich der Glyptik, Toreutik und der Reliefkunst) mit 179 Titeln und Malerei (597 Titel) bemerkenswert. Bei letzterer findet sich vor allem Literatur zur Geschichte und Theorie der Malerei (vor allem Tafelmalerei), zur Geschichte der zeichnenden Künste sowie Abhandlungen zur Perspektive, Künstlerbiographien (19. Jh) und Anleitungen zur Zeichenkunst.

2.74 Die Literatur zu Musik und Oper bildet mit 928 Titeln (neben wenigen älteren Titeln vor allem aus dem 18. und 19. Jh) einen weiteren Schwerpunkt: Die älteren Titel stammen vorwiegend aus der Sammlung Wallraf, die des 19. Jhs auch aus den Nachlässen Mevissens, Fastenraths und anderen. Dabei sind musikgeschichtliche Arbeiten, Harmonielehre und musikalische Formenlehre, Lehrbücher für einzelne Instrumente, Musikerbiographien ebenso vertreten wie Literatur zur Kirchenmusik. Texte und Noten (198 Titel), vor allem zur Kirchenmusik und Chorpolyphonie, schließen sich an. Bemerkenswert sind 73 lateinische und italienische Titel aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs (Jean de Castro, Orlando di Lasso).

2.75 Zu Poetik, Rhetorik, Stilistik und Ästhetik liegen ca. 200 Titel vor, davon fast die Hälfte aus dem 16. und 17. Jh. Daneben ist Literatur zum Theater (vor allem zum griechisch-römischen), zur Dramaturgie und Mimik sowie zur Geschichte einzelner Bühnen (zusammen 217 Titel) vorhanden. Außerdem findet sich Literatur zur Gymnastik, zum Turnunterricht und zum Tanz (151 Titel).

2.76 Die Abteilung Geographie umfaßt ca. 1800 Titel, überwiegend aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs und aus dem 19. Jh. Neben allgemeiner Literatur (Geschichte der Geographie, Gesamtdarstellungen, Lehr- und Handbücher) dominieren die Länder- und Reisebeschreibungen, Reiseführer deutscher Länder und Regionen sowie der übrigen europäischen Länder (zusammen ca. 1000 Titel). Daneben sind Reise- und Länderführer zu außereuropäischen Ländern wie Afrika (ca. 240 Titel), Kleinasien und Asien (ca. 230 Titel), Amerika (ca. 50 Titel), europäische Reiseberichte aus Übersee (60 Titel) sowie eine Gruppe Islandliteratur (ca. 200 Titel aus der Sammlung Erkes) vorhanden.

2.77 Die Pädagogik, infolge von Umstellungen aus der Gymnasialbibliothek recht umfangreich, umfaßt 1608 Titel (17 aus dem 16. Jh, 22 aus dem 17. Jh, 28 aus der ersten Hälfte des 18. Jhs und 107 aus der zweiten, 329 aus der ersten Hälfte des 19. Jhs und 1105 aus der zweiten). Es handelt sich fast ausschließlich um deutsche Literatur. Ein gutes Drittel (591 Titel) machen Ausgaben der pädagogischen Klassiker, Schul- und Prüfungsordnungen, Amtsdruckschriften und Verordnungen, pädagogische Enzyklopädien, populäre Erziehungsbücher und Ratgeber, Literatur zu Schulreformen und Bildungsinhalten sowie über die Schulkonferenz von 1890 aus. Daneben finden sich Geschichten einzelner Schulen oder mehrerer Schulen eines Ortes (136 Titel), darunter viele Programmschriften (s. auch u. 2.92), sowie Methodologie und Abhandlungen zur inhaltlichen Unterrichtsgestaltung (174 Titel), Literatur zu den einzelnen Schultypen (vor allem zur Volksschule), zur Konfessionsschule, zum Mädchenschulwesen und dem Erlaß von 1894, zu den Gymnasialreformen ebenso wie zur Überbürdungsfrage (zusammen 253 Titel). Eine Sammlung von Schulbüchern und Jugendschriften schließt sich an (470 Titel).

2.78 Die Gruppe Philosophie enthält 3046 Titel (davon 245 aus dem 16. Jh, 425 aus dem 17. Jh, 818 aus dem 18. Jh und 1558 aus dem 19. Jh) in deutscher (1769), lateinischer (916) und französischer Sprache (275). Neben allgemeinen Abhandlungen, Sammelwerken und Darstellungen zur Geschichte der Philosophie (ca. 450 Titel) sind die Philosophie des Altertums (100 Titel, darunter zahlreiche ältere Ausgaben des Aristoteles) und des Mittelalters (ca. 180 Titel, darunter ca. 80 Schriften aus dem 17. Jh, vorwiegend Lehrbücher) eher schwach vertreten, Philosophie der frühen Neuzeit (ca. 460 Titel) sowie Logik und Erkenntnistheorie (ca. 300 Titel) dagegen stärker. Literatur zur Metaphysik (160 Titel), zu Physiognomie und " Psychophysik" (zusammen ca. 300 Titel), zur Natur- und Rechtsphilosophie (zusammen ca. 170 Titel), zur Geschichts- und Religionsphilosophie (zusammen ca. 240 Titel) und zur Ästhetik (160 Titel) schließt sich an. Hervorhebung verdient der Bestand zu Ethik und Moraltheologie (550 Titel). Die Religionsgeschichte (303 Titel, davon 290 aus dem 19. Jh, meist aus der zweiten Hälfte) enthält deutsche (244), französische (27), lateinische (18) und englische (11) Darstellungen der Religionsgeschichte, Literatur über jüdische (38), islamische (25), indogermanische (41) und altgriechische (ca. 100) sowie römische Religion (13).

2.79 Die theologische Literatur ist mit ca. 14.000 Titeln eine der größten Gruppen. Der Bestand stammt überwiegend aus dem 19. Jh, doch enthält er auch viele Titel des 17. oder 18. Jhs, bedingt durch Umstellungen aus der Gymnasialbibliothek. Neben allgemeiner Kirchengeschichte und Werken zu katholischer Dogmatik, Biographien und gedruckten Briefsammlungen (ca. 1225 Titel) finden sich Bibellexika und -konkordanzen, Wörterbücher zur Bibel und Abhandlungen zur Geschichte des Heiligen Landes (ca. 490 Titel), außerdem Bibelausgaben sowie die dazugehörige exegetische Literatur in großer Anzahl, daneben Einzelausgaben des Alten und Neuen Testaments und Exegese (ca. 1100 Titel). Kirchen- und Reformationsgeschichte, meist aus katholischer, aber auch aus lutherischer und calvinistischer Sicht (ca. 1800 Titel) schließen sich an, ebenso Literatur zu Gnosis, Mystik, zum Schwärmertum und zu Sekten, außerdem zur Inquisition und zum Jansenismus (zusammen 490 Titel).

2.80 Texte der Kirchenväter (ca. 1925 Titel) in Ausgaben des späten 19. Jhs (z. T. aus dem Nachlaß Mevissen) sind in großer Vollständigkeit vorhanden, ebenso Werke von Anton Joseph Binterim, gedruckte Konzilsberichte und -akten (ca. 315 Titel) und Lebensbeschreibungen bedeutender Päpste ( u. a. Leos XIII.). Neben allgemeiner Literatur zur Ordensgeschichte ist vor allem die Literatur zum Jesuitenorden hervorzuheben, wobei Polemiken und Apologien gleichermaßen vertreten sind. Eine Anzahl von Flugschriften zur Wiederzulassung des Ordens in Deutschland aus den neunziger Jahren verdient Erwähnung. Geschichten einzelner Klöster und Abteien schließen sich an. Heiligen- und Märtyrerviten (ca. 660 Bde), Schriften über Heiligenverehrung und Reliquienkult, Literatur über Gnadenorte (ca. 220 Titel) und (überwiegend) katholische Dogmatik (ca. Titel Bde) sowie ausländische Kirchengeschichte (ca. 240 Titel) runden den Bestand ab.

2.81 Reichhaltig ist die Literatur zur Kontroverstheologie (ca. 1050 Titel, darunter zahlreiche ältere zeitgenössische Ausgaben). Die Jesuitenautoren (auch die französischen und belgischen) überwiegen, doch finden sich ebenfalls lutherische Kontroverstheologen (z. B. Johann Georg Walde oder Johann Christian Blaschen). Dogmengeschichte, Moraltheologie und Ethik bilden mit ca. 600 Titeln zwar nur einen kleinen Bestand, doch findet sich hier auch einiges zur Symbolik, zur Augsburger Konfession und zur katholischen Ehelehre (19. Jh). Asketische Literatur und Erbauungsliteratur, Betrachtungen, Andachts- und Trostbücher für Kranke und Sterbende, Erzählungen zum Marienleben und zum Leben Jesu sowie Jugendgebetbücher des 16. bis 19. Jhs machen 490 Titel aus. Predigtlehre und Predigtsammlungen (ca. 280 Titel) sind daneben ebenso vertreten wie eine Gruppe von geistlichen Liedersammlungen und Gesangbüchern (19. Jh, ca. 80 Titel).

2.82 Die Praktische Theologie (ca. 500 Titel) enthält Predigtlehren und Predigtsammlungen, außerdem Katechismen, Lehr- und Wörterbücher sowie eine Gruppe Bibelkommentare, daneben ca. 200 liturgische Werke (Antiphonare, Breviarien, auch Mönchsbreviarien, Officien) und Literatur zur Beichte (auch aus dem 18. Jh). Die letzten Gruppen behandeln die Außenwirkung der Kirche, nämlich Mission und Missionsgeschichte (ca. 140 Titel) und das Verhältnis zwischen Kirche und Staat (ca. 210), vor allem " Ultramontanismus" und Kölner Kirchenstreit.

2.83 Allgemeine Literaturwissenschaft ist mit ca. 400 Titeln aus dem 16. bis 19. Jh vertreten. Die deutsche Literaturwissenschaft (ca. 1880 Titel) enthält zum größten Teil Werke zur Sprachtheorie, Poetik und Volkskunde, allgemeine Literatur- und Kulturgeschichten, etymologische Wörterbücher und Texteditionen mittelalterlicher Autoren in Ausgaben des 19. Jhs. Es folgt eine umfangreiche Wörterbuchsammlung (ca. 500 Titel), welche nahezu alle klassischen und modernen Sprachen (auch seltene afrikanische und asiatische) umfaßt. Die ausländische Literaturwissenschaft (ca. 1120 Titel) ist vor allem von der Literatur des angloamerkanischen Kulturbereiches geprägt ( s. u. 2.87). Daneben findet sich ein Bestand zu südslawischen, serbischen, illyrischen, altbulgarischen, krewinischen und litauischen Sprachen.

2.84 Die Entwicklung der germanischen Philologie ist ebenfalls umfangreich (988 Titel) dokumentiert. Es handelt sich meist um Grammatiken zum Gotischen und Althochdeutschen, um Wörterbücher (auch seltene, z. B. zum Rotwelsch oder zur Gaunersprache), namenkundliche Literatur zu Ortsnamen und Personennamen und etymologische Abhandlungen sowie allgemeine Literaturgeschichten. Die Literaturwissenschaft (in der Hauptsache Textausgaben) enthält 7670 Titel (davon 116 aus dem 16. Jh, 200 aus dem 17. Jh, 619 aus dem 18. Jh und 6735 aus dem 19. Jh) in deutscher (1859), lateinischer (1232), französischer (2525), englischer (1445), isländischer (301 Titel) und niederländischer (271) Sprache. Neben Titeln zur Mythologie (ca. 90) steht die Literatur ( u. a. die Epik) fast aller morgenländischer und sonstiger außereuropäischer Kulturen (ca. 460 Titel).

2.85 Die klassische Philologie (2300 Titel vom 16. bis 19. Jh) ist durch einen gut ausgebauten und umfassenden Bestand gekennzeichnet, der ein breites Spektrum an Autoren und Gattungen aufweist. Die klassisch griechische Literatur ist mit 980 Titeln vertreten, die lateinische mit 870. Hinzu treten neulateinische, vor allem humanistische Autoren (230 Titel; u. a. Erasmus, Petrarca, Pico della Mirandola, Camerarius). Eine kleine Sammlung von Editionen griechischer Papyri schließt sich an.

2.86 Die umfangreiche Gruppe französischsprachiger Literatur enthält alt- und mittelfranzösische Textausgaben (260 Titel), vor allem jedoch eine nahezu vollständige Sammlung der französischen Literatur seit dem 16. Jh (2250 Titel, größtenteils in Originalsprache). Provenzalische und katalanische Schriftsteller (280 Titel) sind ebenso vertreten wie eine umfangreiche Dramensammlung spanischer Autoren (ca. 2500 Titel, zu einem Gutteil aus dem Nachlaß Fastenraths) und portugiesischer Autoren (ca. 300 Titel). Die italienische Literatur ist ebenfalls nahezu vollständig vertreten (ca. 2500 Titel). Vor allem die Ausgaben von Dante und Petrarca in Originalsprache und Übersetzungen verdienen Hervorhebung. Der Bestand an rumänischer Literatur umfaßt nur ca. 70 Bde.

2.87 Die irische Literatur (170 Titel) ist vor allem durch Volkslieder, Legenden und Mythen repräsentiert. Der Bestand an englischer Literatur beläuft sich auf ca. 12.500 Titel, davon gut die Hälfte historischer Bestand. Das gesamte Spektrum von vorelisabethanischen Autoren bis zur schwarzen Romantik und zur Unterhaltungsliteratur des 19. Jhs ist vertreten und ebenso durch Klassikerausgaben wie durch Sammlungen von Vers- und Dramenliteratur repräsentiert. Hervorzuheben ist eine Sammlung von Folio-Ausgaben Shakespeares, die auch das First Folio (1623) einschließt. Die amerikanische Literatur ist vor allem durch bekannte und weniger bekannte Erzähler des 19. Jhs vertreten (Vorbesitzer waren oft F. Hoffmann, E. Richter, K. Höfchen). Außerdem finden sich noch nordische Sagen und Werke zur nordischen Mythologie (770 Titel), isländische Literatur (910 Titel, darunter viele Erstausgaben) sowie dänische Literatur (105 Titel, vor allem Dramatiker des 19. Jhs). Die Bibliothek besitzt außerdem die großen Mikrofilm-Publikationen zu englischsprachigen Druckwerken wie Early English Books (STC, Wing), The Eighteenth Century u. a.

2.88 Die " Deutsche Literatur bis zu Goethes Tod" (2980 Titel) enthält neben Mythologiensammlungen, Märchen und allgemeinen Schriften (200), Sprichwortsammlungen (89), Sammlungen und Anthologien sowie vereinzelten Musenalmanachen (60) vor allem Textausgaben und Anthologien (meist aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs) zum Althochdeutschen (80 Titel) und Mittelhochdeutschen (70), zur höfischen Epik (104), zur höfischen Lyrik, Spruchdichtung und Lehrdichtung des Mittelhochdeutschen (102), zum Spätmittelalter (70, davon 18 aus dem 16. Jh), zum Drama der Renaissance und des Humanismus (105), zum Barock (230, davon ca. 80 zeitgenössisch, weitere 60 aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs) sowie zur Aufklärung und zum Sturm und Drang (470, davon ein Viertel zeitgenössisch). Goethes Werke (300), die Sekundärliteratur dazu (230), Schillers Werke (120) und die dazugehörige Sekundärliteratur (100) machen einen weiteren Schwerpunkt aus.

2.89 Die Sammlung zur " Deutschen Literatur von der Romantik bis zur Gegenwart" (ca. 5000 Titel) repräsentiert einen alle literaturhistorisch wichtige Strömungen enthaltenden Bestand, der auch Unterhaltungs- und Modeautoren nicht ausschließt. Bei der Anlage der Sammlung war Vollständigkeit angestrebt. Eigens genannt seien die Autoren des Realismus, des Biedermeier, des Münchener Dichterkreises um Maximilian I. und des schwäbischen Dichterkreises.

2.90 Der Bestand an rechtswissenschaftlicher Literatur umfaßt ca. 1100 Titel. Neben allgemeinen Werken (ca. 160) sind gedruckte Stadtrechte (ca. 150) und einzelne Rechtsgebiete (z. B. Eisenbahnrecht, Schiffahrtsrecht, ca. 150), daneben Privat- und Strafrecht (120), Staatsrecht und Völkerrecht (ca. 170), Kirchenrecht (ca. 200) sowie isländisches Recht (ca. 60 Titel) vorhanden.

2.91 Zum Bestand der Naturwissenschaften gehören ca. 2000 Titel, vorwiegend aus dem 19. Jh. Die Abteilungen Allgemeines (500), Reine Mathematik (ca. 120) und Astrologie (ca. 230) enthalten auch eine nennenswerte Anzahl von Drucken des 16. bis 18. Jhs (vor allem aus der Sammlung Wallraf). Bei der Literatur des 19. Jhs überwiegen die Abteilungen Physik (ca. 380), Botanik (ca. 290), Zoologie (ca. 230) und Elektrochemie (ca. 220). Ca. 20 Titel behandeln die Naturgeschichte Islands.

2.92 Die Sammlung von ca. 20.000 Programmschriften, die aus den Bibliotheken der Kölner Gymnasien hervorgegangen ist, enthält Schulprogramme aus fast allen am Schriftentausch teilnehmenden Anstalten des Deutschen Reiches zwischen 1840 und 1915. Am stärksten vertreten sind neben Köln (ca. 2500 Stück) Berlin (ca. 1000), Wien (ca. 400), Breslau, Dresden und Magdeburg (je ca. 300).

Reinhard Feldmann

Rheinische Abteilung

2.93 Literatur über das Rheinland war schon in der Sammlung Wallraf vorhanden, die zu einem Teil den Grundstock der Kölner Stadtbibliothek im 19. Jh bildete. Es dauerte aber noch nahezu 60 Jahre, bis an die systematische Sammlung der Literatur über das Rheinland gedacht werden konnte. Erst seit 1878, nachdem mit Adolf Keysser ein Bibliothekar in die Verwaltung der bis 1880 mit dem Stadtarchiv verbundenen Stadtbibliothek getreten war, war man ständig bemüht, wenn auch mit bescheidenen Geldmitteln das Schrifttum über das Rheinland zu erwerben. Räumlich ist dies Gebiet definiert als preußische Rheinprovinz unter Einschluß von Eupen-Malmedy, Saarland und dem Rheinufer bis Mainz, weil die Literatur diesen Raum als " Rheinland" einbezieht.

2.94 Schon damals galt expressis verbis die Sorge der Beschaffung sogenannter " Kleinigkeiten", also nichtkonventioneller Materialien. Sie waren nach Keysser möglichst vollständig zu erwerben. Die Bemühungen, diese Bestände auch für das 19. Jh und früher zu ergänzen, haben bis heute nicht aufgehört. Die rasche Aufwärtsentwicklung der Rheinischen Abteilung im letzten Viertel des 19. Jhs zeigt der gedruckte Bestandskatalog, dessen ersten Band Franz Ritter nach dem Vorbild der Elsaß-Lothringischen Abteilung der Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg bearbeitet hat (1894). Der zweite Band folgte dann mit größerem Abstand 1907 durch Josef Gotzen, den langjährigen Betreuer der Rheinischen Abteilung. Von den 12 Gruppen sind damit aber nur die ersten 8 Gruppen erschlossen, die geplante Erschließung für die Bereiche Medizin, Praktische Theologie, Buch-, Bibliotheks- und Wissenschaftsgeschichte, Literatur und Schöne Künste erfolgte nicht in gedruckter Form (Übersicht im Bestandskatalog der rheinischen Abteilung I, 1894, S. XXII).

2.95 Der Bereich Allgemeines (Rh A) umfaßt das Archiv-, Buch- und Wissenschaftswesen des Rheinlandes. Neben dem Buchwesen (vor allem Literatur zu Kölner Druckern und Verlegern) sind die Universitäten gut vertreten. Hierzu gehören Veröffentlichungen von diesen Hochschulen und über sie (Köln, Trier, Duisburg, Mainz, Bonn), teilweise, so für Köln, bis ins 16. Jh zurückreichend, jedoch mit Schwerpunkt auf den folgenden Jhn (alter Dissertationenbestand). Zur Gruppe gehört auch ein sehr umfangreicher Bestand an Zeitschriften und Zeitungen, sowohl allgemeiner Art als auch zu einzelnen Fachgebieten. Vorhanden sind, angefangen mit den Relationes Michael Eytzingers (16. Jh), Kölner Zeitungen seit dem 17. Jh, wobei die Bestände des 17. und 18. Jhs teilweise sehr lückenhaft sind. Dagegen sind die Tageszeitungen Kölns im 19. Jh weitgehend vollständig vertreten. Neben den stadtkölnischen Ausgaben werden auch die Zeitungen der angrenzenden Kreise intensiver gesammelt, samt den Beiblättern. Erwähnenswert ist ein umfänglicher Bestand an Kölner Auktionskatalogen seit Ende des 18. Jhs, weiterhin Kalender. Eine Zeitungsausschnittsammlung wird seit über 100 Jahren gepflegt.

2.96 Die die Landeskunde der Rheinlande samt Geographie, Geologie, Botanik, Zoologie und Gesundheitswesen umfassende Gruppe (Rh E) weist umfangreiches Schrifttum naturwissenschaftlicher Vereine auf. Zeitgenössische Spezialliteratur gibt es in größerem Umfang zu den Überschwemmungskatastrophen von 1784 und 1882. Überaus zahlreich sind die Landschaftsbeschreibungen, Ansichtswerke, Reiseberichte zum Rheinland insgesamt sowie zu einzelnen Regionen und Orten. Die ältesten stammen aus dem 15. Jh, das Schwergewicht liegt im 19. Jh. Beachtlich ist auch die Sammlung von Karten zu einzelnen Themen, Regionen und Orten.

2.97 Die zahlenmäßig umfangreichste Gruppe betrifft die Geschichte (Rh G) mit historischer Literatur zum Rheinland insgesamt sowie zu Teilgebieten und Orten für alle Zeiträume. Die ältesten gedruckten Materialien stammen noch aus dem 15. Jh. Besondere Schwerpunkte bilden der Kampf um die Reformation im Erzstift Köln (1542-1547), in dem erstmals im Rheinland die Publizistik in großem Umfang eingesetzt wurde, der jülich-klevische Erbfolgestreit (1609-1666), der Nuntiaturstreit von 1787 und die Franzosenzeit (1794-1814). Aus dem 19. Jh liegt umfangreiche Literatur über den Kölner Kirchenstreit von 1838 und den Hermesianismus vor. Bei der Ortsgeschichte ist die zeitgenössische Literatur zu Köln aus dem 16. bis 18. Jh bemerkenswert, darunter viel Schrifttum zur Verfassung der alten Reichsstadt.

2.98 Bei der Kunst (Rh K) ragt aus der umfangreichen Literatur zur Malerei, Architektur und Plastik ein großer Spezialbestand zum Kölner Dom hervor (seit dem 18. Jh). Nur teilweise erschlossen sind bisher die Auktionskataloge und die Materialien zu vorwiegend Kölner Musik- und Theateraufführungen. Bei der Kulturgeschichte gibt es umfangreiche Bestände, u. a. zum Schützenwesen, zu Sport- und Turnvereinen sowie sehr zahlreich zum Kölner Karneval (Liederhefte, Vorträge, Zeitungen, Programme usw.), weiterhin zum Vereinswesen, zur Freimaurerei und zum Hexenwesen.

2.99 Breit ist auch die Sammlung zur rheinischen Literatur (Rh L und Rh S) im engeren Sinne. Das rheinische Schuldrama des 16. und 17. Jhs ist mit zahlreichen Titeln vertreten. Aus dem 17. Jh liegen viele zeitgenössische Ausgaben von Friedrich von Spee, Jakob Masen und Wilhelm Nakatenus aus dem Jesuitenorden vor. Das 19. Jh ist dokumentiert durch die Werke der rheinischen Romantiker (Moritz Haupt, Friedrich Adolf Krummacher, Friedrich von Uechtritz) und Spätromantiker (Gustav Pfarrius, Johann Baptist Rousseau, Christian Samuel Schier, Karl Simrock, Smets u. a.). Daneben ist Literatur von und über Wolfgang Müller von Königswinter, den Bonner Maikäferbund, politische Schriftsteller (z. B. Ferdinand Freiligrath und Georg Weerth), die rheinischen Volksschriftsteller (Adolf Kolping, die Zuccalmaglios, Carl Oskar Jatho) sowie über den Wuppertaler Kreis vorhanden. Diese literaturwissenschaftliche Seite wird ergänzt durch Arbeiten zu Sprache und Dialekten im Rheinland. Beim Schulwesen (Rh P) ist auf die große Anzahl von Schulgeschichten, Schulfestschriften sowie eine stattliche Sammlung von Schulprogrammen hinzuweisen (s. o. 2.92).

2.100 Die Gruppe Recht (Rh R) enthält umfangreiche Bestände zur Rechtsgeschichte der Rheinlande sowohl insgesamt wie zu einzelnen Territorien (besonders Kurköln und Jülich-Berg) und einzelnen Orten. Literatur ist vorhanden zum Privatrecht (Baurecht, Erbrecht, Forst-, Jagd- und Fischereirecht, Landwirtschaftsrecht, Lehnrecht, Mietrecht), zum Handels- und Wechselrecht, Prozeßrecht, Strafrecht, Staats- und Verwaltungsrecht sowie zum Kirchenrecht. Im Bereich Verwaltung finden sich Sammlungen von Verordnungen, Handbücher, Adreßverzeichnisse, vereinzelt seit dem 16. Jh, häufiger seit dem 18. Jh, mit Schwergewicht seit der Französischen Revolution (allgemeine Verwaltung, Finanzverwaltung, Polizeiverwaltung). Ein größerer Bestand betrifft die Rheinzölle und Stapel (mit Streit- und Denkschriften). Zu der allgemeinen oder regionalgebundenen Literatur kommt solche zu einzelnen Orten mit dem Schwergewicht Köln, hier mit Verordnungen seit dem 16. Jh, vereinzelt seit der Inkunabelzeit (Münzordnungen). Eine größere Untergruppe enthält Literatur zu rheinländischen Räubern und Verbrechern.

2.101 Im Bereich des Kirchenwesens (Rh T) und der Kirchengeschichte ist eine größere Zahl von Gebet- und Liederbüchern gesammelt. Hinzu kommen Werke über die Kirche im Rheinland insgesamt und zu einzelnen Teilen (Bistümern, Dekanaten, Kirchenverbänden) und einzelnen Orten, darunter zahlreiche Abhandlungen über einzelne Pfarreien und Kirchen sowie eine größere Anzahl von Gebetbüchern und Andachtsbüchern ( u. a. Bruderschaftsbüchern) einzelner Kirchen im 18. und 19. Jh. Hierzu gehört auch die damals weit verbreitete Wallfahrtsliteratur.

2.102 Zum Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Rh V), einschließlich Wohlfahrtspflege und Fürsorge, sind Verordnungen vorhanden, die bis ins 17. Jh zurückreichen. Im 19. Jh dominieren Berichte der Wohlfahrtsstiftungen und der zahlreichen Vereine. Besondere Gruppen neben der allgemeinen Wohlfahrt betreffen die Armen, die Blinden und die Taubstummen, die Kinder, Waisen und geistig Behinderten sowie Jugendliche und Alkoholiker. Umfangreiche Literatur gibt es zu Genossenschaften und Versicherungen wie zu Arbeitervereinen und Gewerkschaften. Gut vertreten ist die Literatur zur Frauenfrage, die wohl zumeist von Mathilde von Mevissen gesammelt worden ist. Dieses Material wie auch das umfangreiche zur rheinischen Landwirtschaft (Denkschriften, Handbücher, Darstellungen zu einzelnen Gebieten, Zeitschriften von Vereinen) stammt meist aus der Zeit seit etwa 1875.

2.103 Die Literatur über die Wirtschaft bezieht sich zunächst auf das Bergbau- und Hüttenwesen, dann auf das Handwerk (einzelne Sparten mit Statuten und Zeitschriften), schließlich auf einzelne Firmen und gewerbliche Ausstellungen. Das Schrifttum über Banken und Börsen wie über den Handel reicht z. T. bis ins 18. Jh zurück. Beim Verkehrswesen muß neben der Schiffahrt (Jahresberichte, Denkschriften, Dienstanweisungen, Häfen) besonders auf die Eisenbahn hingewiesen werden (Denkschriften, Streckenbeschreibungen, Darstellungen zu Bahnhöfen), besonders auf die ursprünglichen selbständigen Eisenbahnlinien und auf die Klein- und Straßenbahnen. Schließlich ist eine umfängliche Sammlung von Adreßbüchern vorhanden.

Wolfgang Schmitz

Bibliothek der Handelshochschule

2.104 Nach der Angliederung der Rheinlande an Preußen (1814-1815) war in Köln die Universität nicht wiedererrichtet worden; statt dessen wurde (neben Berlin und Breslau) Bonn als Universität (wieder) begründet. Diese eher allgemeinpolitischen als hochschulpolitischen Motiven verpflichtete Entscheidung wurde von den Kölnern, die sich infolge der politischen Entwicklung (von einer freien Reichsstadt zu einer preußischen Provinzstadt abgesunken) ohnehin benachteiligt fühlten, nur widerwillig hingenommen. An Versuchen, doch noch eine Hochschule zu erhalten, hat es deswegen nicht gefehlt. Doch erst mit der Denkschrift Über die Gründung einer Handelshochschule in Köln von Gustav von Mevissen (1815-1899) im Jahre 1879, die primär die Interessen der ortsansässigen Kaufmannschaft im Auge hatte, wurde die Idee einer Hochschule entscheidend vorangebracht. Im Jahre 1901 zunächst als städtische Einrichtung gegründet (da der preußische Staat, wie auch später bei der Gründung der Universität, kein Interesse zeigte), wuchsen die Handelshochschule und deren Bibliothek infolge finanzkräftiger Förderung durch die Stadt Köln und durch namhafte Spenden rheinischer Firmen schnell an. Dies zeigte sich unter anderem auch an dem überdurchschnittlichen Vermehrungsetat der Bibliothek (bis 1909 10.000 M, ab 1910 14.000 M, 1914 16.000 M) sowie in den zahlreich eingehenden Bücherspenden (75 Prozent der von der Bibliothek zwischen 1901 und 1916 erworbenen Literatur bestand aus Geschenken). Ähnliches gilt für die 1912 gegründete Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung, eine rechtlich selbständige, organisatorisch (vor allem im Bibliotheksbereich) eng mit der Hochschule verflochtene Institution.

2.105 Ältere Literatur war in der Bibliothek durchaus vertreten, konnte aber nicht systematisch retrospektiv ergänzt werden. Man war auf Schenkungen oder auf den geschlossenen Ankauf von ganzen Sammlungen angewiesen. Über den Ankauf von Sammlungen, über größere Schenkungen, über die laufend gehaltenen Zeitschriften sowie über die jährliche Vermehrung (ca. 5000-6000 Bde) geben die jährlich erschienenen Berichte detailliert Auskunft.

2.106 Die wichigsten Schenkungen vor dem Ersten Weltkrieg waren folgende: 1903 Stiftung verschiedener Versicherungsgesellschaften, Sammlung aus der Bibliothek der Kölner Handelskammer (1200 Bde), Schenkung der Familie Mevissen, Handelskammerberichte aus der Bibliothek der Handelskammer zu Mülheim. (Außerdem gliederten die Stadtbibliothek wiederholt, die Gesellschaft für Erdkunde und die Kolonialgesellschaft ihre Bibliotheken oder Teile davon der Handelshochschule an.) 1905 Werke aus dem Nachlaß des Dompropstes Franz Karl Berlage, zahlreiche Fest- und Jubiläumsschriften der regionalen Industrieunternehmen. (Außerdem gliederten einige wissenschaftliche Vereine, so der Kölner Architekten- und Ingenieurverein mit Beständen zu Technik, Technologie und Gewerbewesen sowie der Kölner Bezirksverein deutscher Ingenieure, ihre Bibliotheken der Handelshochschule an.) 1906 Bibliothek des Oldenburgischen Statistischen Amtes (4300 Bde) sowie die Privatsammlung Hermann Balz mit amerikanischen und kanadischen Amtsdruckschriften. 1915 Ein Teil des Nachlasses des Tübinger Professors Gustav von Schönberg, vorwiegend nationalökonomisches Schrifttum aus der Mitte des 19. Jhs, als Schenkung der Handelskammer Elberfeld.

2.107 Einem Bericht vom Jahr 1905 zufolge sollte vor allem Literatur zu folgenden Gebieten angeschafft werden: Gewerbewesen, Gewerbepolitik, Handelspolitik, Geld-, Bank- und Börsenwesen, Versicherungswesen, Geographie, Kolonialwesen sowie Handels- und Wechselrecht. Ferner sollte sie als " volkswirtschaftliche Sammelstelle" nicht nur die im Buchhandel erscheinenden Schriften, sondern auch das Kleinschrifttum erfassen. Daß ihr dies gelungen ist, bestätigt Wilhelm Gülich: " Die Buchsammlung der Kölner Handelshochschule vermochte sich zu der größten wirtschaftswissenschaftlichen Fachbibliothek zu entwickeln und diese Stellung bis etwa 1920 zu erhalten" ( s. u. 5, Handelshochschule, Handwörterbuch der Sozialwissenschaften).

2.108 Die Aufstellung der Bestände erfolgte zunächst systematisch nach Großgruppen (A-U), innerhalb der Großgruppen teils nach Erwerbungsjahren, teils chronologisch, teils feinsystematisch. Die Allgemeinen Nachschlagewerke, Lexika, Wörterbücher, Enzyklopädien etc. wurden bei der Neuorganisation der Bibliothek nach 1934 auf andere Abteilungen verteilt. Die Gruppe Soziologie (B) enthält neben Propädeutika und Wissenschaftsgeschichte Literatur der wichtigsten Autoren ab Ende des 19. Jhs. Sprachführer und Wörterbücher, Sprachlehrbücher und vor allem Lehrbücher zur Handelskorrespondenz sind in der Gruppe (C) in geringem Umfang vorhanden.

2.109 Die Gruppe Geschichte (D) enthält vor allem zeitgenössische Geschichte, zeitgenössische Literatur zum Deutsch-Französischen Krieg, zur Flottenbaupolitik und Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkrieges, historisch-politische Landeskunden, Biographien und Lebensbilder. Die umfängliche Gruppe Geographie, Metereologie und Geologie enthält neben den gängigen Periodika (Ea) in weiteren Gruppen (Eb und Eh-Em) ältere Reisebeschreibungen ( u. a. Münsters Cosmographia oder Cluvers Introductio), vor allem aber die gängigen Werke des 18. und des beginnenden 19. Jhs. Den Reisebeschreibungen schließen sich Ethnographien, Expeditionsberichte und politisch-geographische Länderkunden des 19. Jhs an. Die Literatur über allgemeine Grundlagen der Geographie, Einführungen und Kartographie, physikalische Geographie, Klimatologie, Vulkanologie und Wirtschaftsgeographie (Ef und Eg) zeigt, daß praxisorientierten Werken der Vorzug gegeben wurde. Dies gilt auch für die übrigen geographischen Sachgruppen (En-Es), die sich auf Afrika (vor allem auf die deutschen Kolonien), Australien und Ozeanien, Amerika, die Polarforschung sowie allgemeine Karthographie und Geographie beziehen. Auch hier überwiegt Literatur für den Ausbildungszweck der Hochschule (Heranbildung von Kaufleuten).

2.110 Die Sachgruppe Deutsches Recht (F) enthält eine Reihe älterer Werke, vor allem Darstellungen zum römischen Recht und zum Codex Justinianus (Fc). Demgegenüber sind staatsrechtliche Abhandlungen und Werke zur Rechtsphilosophie des 19. und 20. Jhs reichlich vertreten, ebenso wie Gesellschaftsrecht, Handels-, Urheber-, Agrar- und Bergrecht, Straf- und Kirchenrecht (Fd-Fm). Es schließen sich Kolonial-, Arbeits- und Wirtschaftsrecht an (Fp-Fr), während ältere Literatur, soweit sie nicht den vorangegangenen Kategorien zugeordnet worden ist, gesondert verzeichnet wird (Fz). Es finden sich vor allem staatsrechtliche Abhandlungen (z. B. Samuel Pufendorf), Digesten- und Pandektenkommentare (z. B. Bartolus de Saxoferrato) und Sammelwerke. Die Gruppe Ausländisches Recht (G) enthält überwiegend neuere Literatur. Volkswirtschaftliche Periodika und Handelskammerberichte stehen am Anfang der Abteilung Volkswirtschaft. Neben allgemeiner Literatur, Theorien der Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte finden sich Untersuchungen und Primärliteratur zur Frauenfrage, zur Arbeiterbewegung und zur Sozialstruktur der Arbeiterschaft, wobei die frühesten Werke aus den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jhs stammen.

2.111 In den Abteilungen Versicherungswesen (J), Kolonialwesen (K) und Landbau (L) findet sich überwiegend erst Literatur ab dem ausgehenden 19. Jh. Die Gruppe Kolonialwesen enthält neben geographischer und ethnographischer Literatur vor allem Abhandlungen, die sich mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten in den Kolonien beschäftigen. Es überwiegt die Literatur zu den sich in deutschen Besitz befindlichen Kolonien. Literatur zur Finanzwissenschaft, zu Steuern, Zöllen, Abgaben, zum Bankwesen, zu Problemen des öffentlichen Finanzwesens und der Staatsanleihen (überwiegend neuere Literatur) befindet sich in den Gruppen M-O. Handelsgeschichte, Außenhandelspolitik, Handelsabkommen und -verträge, Literatur zum Zollverein, Auseinandersetzungen über Schutzzölle und Freihandel vorwiegend ab Mitte des 19. Jhs und Lehrbücher für den Kaufmannsberuf enthält die Gruppe Handel (P). Die kleine, aber wichtiges zeitgenössisches Material enthaltende Gruppe Propagandaschrifttum (Pol) aus dem Zweiten Weltkrieg (deutsches und alliiertes Schrifttum) und aus der Zeit des Kalten Krieges (Sammlung pro-sowjetischer und anti-sowjetischer Schriften) verdient Hervorhebung. Die Literatur zum Bank-, Börsen- und Münzwesen sowie zum Kreditwesen, zu Zinsen und zu Wechselkursfragen ist nur neueren Datums.

Reinhard Feldmann

2.112 Am Anfang der Unterabteilungen der Naturwissenschaften steht jeweils historisch bedeutsame Literatur, die wie in der Stadtbibliothek vereinzelt aus der Gymnasialbibliothek oder der Sammlung Wallraf stammt. Unter der Gruppe Allgemeine Naturwissenschaften stehen die wichtigsten Gesamtausgaben des 18. und 19. Jhs (Buffon, Pierre Louis Moreau de Maupertuis, Galilei etc.). Mathematik und Physik (Tb und Tf) sind mit zeitgenössischen Ausgaben von Jean-Henri Lambert, Leonhard Euler und Newton vertreten. Die Werke der Chemie aus dem 18. Jh stammen z. T. aus der Sammlung Wallraf. Eine aus dem ehemaligen Besitz des chemischen Instituts der Handelshochschule kommende Sammlung von ca. 60 Bdn zu Alchemie, Chemie und zum Bergbau aus dem 16. bis 19. Jh befindet sich heute in der Fachbibliothek Chemie der Universität. In den Gruppen Mineralogie (Tl), Botanik (To) und Zoologie (Tr) finden sich wenig umfangreiche Altbestände, vereinzelt jedoch Tafelwerke (Botanik und Zoologie) des 18. Jhs.

Gunter Quarg

Sondersammlungen und Sonderbestände

2.113 Hier werden die teils geschlossen aufgestellten, teils rekonstruierbaren Bibliotheken und Sammlungen der alten Stadtbibliothek bzw. der Universitäts- und Stadtbibliothek nach Erwerbungsjahr beschrieben. Bibliothek Hellen

2.114 Die Bibliothek des Notars Hellen († 1836) kam im Jahre 1836 in die Stadtbibliothek. Über den Stifter und die Entstehung seiner Bibliothek ist kaum etwas bekannt; ebensowenig ist bekannt, ob es sich bei den ca. 350 Werken (von denen heute noch etwa 250 vorhanden sind) um den ursprünglichen Gesamtbestand oder um eine Auswahl handelt. Kurz nach der Übergabe wurde von der Stadtbibliothek ein " Verzeichnis der von Hellen herkommenden Bücher" angefertigt. Die Gruppe Philologie (24 Titel) enthält vor allem Wörterbücher, die Gruppe Polymathia (ca. 65 Titel) u. a. eine Reihe Singspiele und Texte zu komischen Opern. Die Gruppe Historia (ca. 40 Titel) weist kaum relevante Literatur auf, während bei der " Philosophie" (ca. 30 Titel) neben allgemeinen Werken auch haus- und landwirtschaftliches Schrifttum, Werke zum Brauereiwesen und vor allem zur praktischen Ökonomie vertreten sind. Wenige theologische, aber auch wenige juristische Schriften, bei letzteren vor allem Handbücher und Kommentare, schließen sich an. Die medizinischen Werke (ca. 120 Titel), vorwiegend populäre Medizin und praktische Ratgeber, befinden sich heute in der Zentralbibliothek der Medizin. Die meisten Werke entstammen dem ausgehenden 18. und dem beginnenden 19. Jh, doch finden sich auch einige ältere Standardwerke. Sammlung von Imitatio-Christi-Ausgaben

2.115 Die umfangreiche Sammlung an Ausgaben von Thomas a Kempis' De Imitatione Christi geht in ihren Ursprüngen auf eine Privatsammlung zurück. Der bei Kempen geborene Kleriker Freiherr Ludwig von Büllingen (1771-1848) vermachte seine damals 415 Bde umfassende Sammlung in seinem Testament (vom 17. November 1838) dem Wallrafschen Museum " unter der Verbindlichkeit, dafür vierhundert Messen lesen zu lassen". Nach seinem Tode beschloß der Rat der Stadt Köln, das Vermächtnis anzunehmen. Die Bücher wurden der Stadtbibliothek überwiesen und geschlossen aufgestellt. Die Sammlung kam später in die neugebildete Universitäts- und Stadtbibliothek und wird durch regelmäßigen Kauf neuerer Ausgaben vermehrt. Antiquarische Angebote werden, soweit finanziell möglich, wahrgenommen. Angeschlossen ist eine Sammlung von Sekundärliteratur zur Autorschaft der Imitatio Christi. 1886 wurde von Emil Fromm ein gedruckter Bandkatalog vorgelegt ( s. u. 5), der weitergeführt wird.

2.116 Die Beschreibung des Bestandes erfolgt analog zum Frommschen Katalog, welcher ständig aktualisiert wird und somit auch die Nachkäufe bis in die jüngste Zeit (Stand 1987) umfaßt. Die Sammlung umfaßt heute insgesamt (ohne Doppelstücke) 740 Ausgaben. Davon sind 24 Inkunabeln; aus der ersten Hälfte des 16. Jhs stammen 15 Titel; aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs 28; aus der ersten Hälfte des 17. Jhs 63; aus der zweiten Hälfte des 17. Jhs 81; aus der ersten Hälfte des 18. Jhs 129; aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs 77; aus der ersten Hälfte des 19. Jhs 134; aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs 111 und aus dem 20. Jh 78.

2.117 Auf Latein liegen 228 Ausgaben vor, davon 18 Inkunabeln; 27 Ausgaben stammen aus dem 16. Jh, 24 aus dem 17. Jh, 73 aus dem 18. Jh, 52 aus dem 19. Jh. Auf Deutsch sind ebensoviele Übersetzungen wie Originalausgaben, insgesamt 228, davon 6 Inkunabeln; 9 Ausgaben stammen aus dem 16. Jh, 15 aus dem 17. Jh, 55 aus dem 18. Jh, 115 aus dem 19. Jh und 40 aus dem 20. Jh. Auf Französisch liegen insgesamt 126 Übersetzungen vor, davon 2 aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs, 26 aus dem 17. Jh, 53 aus dem 18. Jh, 23 aus dem 19. Jh und 10 aus dem 20. Jh. An anderssprachigen Ausgaben sind vorhanden (in alphabetischer Reihenfolge der Sprachen mit Erscheinungsjahren in Klammern): 2 polyglotte Ausgaben aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs, 2 arabische (erste Hälfte 18. Jh), 3 armenische (18. Jh), eine baskische (1825), 4 bösche (18. und 19. Jh), 2 chinesische (1860 und 1903), 3 dänische (19. Jh), 27 englische (überwiegend 19. und 20. Jh), eine finnische (1853), 5 griechische (davon 3 aus dem 17. Jh), eine grönländische (1824), eine hebräische (1837), eine illyrische (1825), eine irische (o. J.), 29 italienische (davon 11 aus dem 17. Jh, 7 aus dem 18. Jh), eine katalanische (1953), eine lettische (1881), 35 niederländische (16. Jh 3, 17. Jh 13, 18. Jh 7), 10 polnische (19. Jh), eine portugiesische (1819), 2 rätoromanische (1716 und 1949), 3 russische (zweite Hälfte des 19. Jhs), 6 schwedische (1729 und 19. Jh), 2 sorbische (erste Hälfte des 19. Jhs), 17 spanische (darunter je eine von 1551 und 1612) sowie 3 ungarische (19. Jh). Dazu kommen noch 2 lateinische Bearbeitungen und Auszüge (1726 und 1755) und 5 deutsche (1756 und 20. Jh). Sammlung Hoffmann

2.118 Die Sammlung des der altkatholischen Richtung angehörenden Fridolin Hoffmann (1828-1886) wurde im Jahre 1880 von der Stadtbibliothek Köln gegen Übernahme einer Pension vermacht. Der Privatgelehrte, der auch mit Veröffentlichungen zur Geschichte der Jesuiten, mit populärwissenschaftlichen Arbeiten zur römischen Alltagsgeschichte, als Übersetzer französischer Literatur und Historiograph der Inquisition hervorgetreten war, hatte nach einem abgebrochenen Theologiestudium als Redakteur bei verschiedenen Kölner und Aachener Zeitungen gearbeitet und eine ca. 1700 Titel umfassende Sammlung zusammengetragen, welche in die allgemeinen Bestände eingeordnet wurde. Es existiert ein handschriftliches, feinsystematisches Verzeichnis, welches anläßlich der Übergabe im Jahre 1881 angefertigt wurde. Sprachlich überwiegt das Deutsche, doch findet sich auch französische Literatur. Fast alle Titel sind zeitgenössisch (1850-1880).

2.119 Die Gruppen Allgemeines (50 Titel, darunter Literaturzeitschriften und Sammelwerke) und Philosophie (30 Titel, auch Ästhetik, Ethik und Pädagogik) enthalten nur wenig außergewöhnliche Literatur. Die Gruppe Literaturwissenschaft (360 Titel) enthält einige Werke der klassischen Philologie, vor allem jedoch Werke zur deutschen Sprache und Literatur sowie zur französischen Literatur in zeitgenössischen Ausgaben. Die Gruppe Theologie ist mit 180 Titeln nicht sehr groß und enthält vor allem Kirchengeschichte, aber auch Literatur zur Dogmatik, Reliquienverehrung, Geschichte der Päpste sowie zur Geschichte der geistlichen Orden (auch anti-jesuitische Schriften). Bei der Gruppe Geschichte (einschließlich Geographie und Reisebeschreibungen) überwiegen die Werke zur neuzeitlichen Geschichte, vor allem zur deutschen. Eine kleine Gruppe Biographien (ca. 50 Titel) schließt sich an. Die übrigen Gruppen, nämlich Rechtswissenschaft (50 Titel, vor allem Kirchenrecht und Abhandlungen über das Verhältnis von Staat und Kirche), Staatswissenschaft (25 Titel, vor allem zur sozialen Frage), Mathematik (50 Titel), Medizin (10 Titel) und Kunst (80 Titel, vor allem zur Malerei), enthalten weniger relevante Literatur.

2.120 Der zweite Teil der Sammlung besteht aus Sammelbänden, in denen Hoffmann verschiedenes Kleinschrifttum (insgesamt ca. 490 Titel) zusammengefaßt hatte. Hier finden sich interessante, oft schwer nachzuweisende Werke, vor allem Literatur über die katholische Kirche und zur Gründungsgeschichte der altkatholischen Kirche, weiterhin Werke über den Ultramontanstreit, über kirchliche Institutionen und ihre Vertreter, Werke über und vor allem gegen das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes und das Erste Vaticanum. Es schließen sich Reden und Aufsätze von Wilhelm Emmanuel von Ketteler und von weniger bekannten Zeitgenossen zur deutschen und französischen Geschichte an. Bibliothek Becker

2.121 Die Bibliothek des Oberbürgermeisters Hermann Becker (1820-1885; Amtszeit 1875-1885) gelangte bald nach seinem Tode in die Stadtbibliothek. Die Bücher wurden in den übrigen Bestand eingearbeitet. Lediglich einige schon vorhandene Werke und eine Anzahl Broschüren wurden separat aufgestellt. Ein eigener Katalog existiert nicht, so daß eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist. Auch über den ursprünglichen Umfang können nur Schätzungen angestellt werden. Es dürften etwa 8000 Bde gewesen sein. Außer einigen älteren Werken aus dem 17. und 18. Jh stammt der größte Teil aus dem 19. Jh. Neben allgemeiner Literaturgeschichte und Geschichte, vor allem der deutschen Staaten (meist in Handbüchern), finden sich staatsrechtliche Abhandlungen, Werke der Kameralistik und Rechtsgeschichte, juristische Kommentare und Kompendien und eine Reihe von Aufrufen und tagespolitischen Kampfschriften in Broschürenform. Reich vertreten war ursprünglich die Volkswirtschaft, doch sind gerade diese Werke in die übrigen Bestände teils der Stadtbibliothek, teils der Handelshochschule eingegliedert worden.

Bibliothek Weinkauff

2.122 Die Bibliothek des Gymnasiallehrers Franz Weinkauff (1823-1892) gelangte im Jahre 1886 in die Stadtbibliothek. Viele Werke wurden in den allgemeinen Bestand eingeordnet oder als Dubletten veräußert. Die heute noch vorhandenen 420 Titel (von ursprünglich ca. 1000) sind geschlossen und grob systematisch in 11 Sachgruppen aufgestellt. Vorwiegend dem 18. und 19. Jh angehörend, sind neben allgemeinen Darstellungen zur Geschichte und Sprache vor allem folgende Gattungen vertreten: Übersetzungsübungen, Sprachlehren, neulateinische Florilegien, Homiletik, Poetologie, Rhetorik, Scholastik und Logik. Der Bestand ist stark restaurierungsbedürftig.

Reinhard Feldmann

Bibliothek Hittorff

2.123 Zum Nachlaß des in Köln geborenen Architekten Jakob Ignaz Hittorff (1792-1867), der im Jahre 1898 als Vermächtnis seines Sohnes an die Stadt Köln ging, gehörte auch eine umfangreiche Büchersammlung. Nach einer erhaltenen alphabetischen Auflistung hat es sich um einen Bestand von etwa 2000 Bdn gehandelt, der nach Sachgebieten aufgeteilt wurde und somit als geschlossene Einheit nicht mehr existiert. Aus dem genannten Verzeichnis und weiteren Kennzeichen (Eintragung in den Bänden, Namensprägung auf dem Rücken u. ä.) läßt sich jedoch auch heute noch gut rekonstruieren, welchen Umfang und welche Bedeutung Hittorffs Sammlung hatte. Der Bestand befindet sich heute in der Universitäts- und Stadtbibliothek (Drucke), im Historischen Archiv der Stadt Köln (Archivalien) und im Wallraf-Richartz-Museum (Graphik und Zeichnungen). Einige Alben und Zeichnungen sind auch in der Universitäts- und Stadtbibliothek.

2.124 Als gewichtige Sachgruppe sind diejenigen Bücher hervorzuheben, die für die Theorie und Praxis seiner Arbeit als Architekt des klassizistischen bzw. historischen Zeitalters entscheidend waren: Beschreibungen und Tafelwerke zur Baugeschichte, zur Kunsttopographie und zur Archäologie. Hierbei spielte natürlich die antike Architektur in Italien und Griechenland eine besondere Rolle. Es geht jedoch auch um Fragen des Bauens in neuerer Zeit. Hittorffs eigene Publikationen, die sich beispielsweise mit der antiken und modernen Architektur Siziliens befassen, gehören in diesen Bereich. Grundstock seiner Ausbildung und seiner Kenntnisse als Baumeister war die Vertrautheit mit klassischen Vorbildern. So sind selbstverständlich zentral wichtige Werke wie die von Vitruv, Palladio und Sebastiano Serlio in seiner Bibliothek zu finden, ferner aufwendige Kupferstichpublikationen wie die richtungweisende Bestandsaufnahme der antiken Bauten in Rom von Antoine Desgodets. Reisebeschreibungen, teils mit reichem graphischen Illustrationsmaterial, schließen sich an. Hierbei ist wiederum Italien, speziell Sizilien, aber auch Griechenland besonders berücksichtigt. Die großen Bestandsaufnahmen der Zeit des frühen 19. Jhs runden dieses Bild ab: beispielsweise die Werke über die Baugeschichte Siziliens von Domenico Serradifalco und die Sammlung antiker Bauten in Frankreich von Charles Louis Clérisseau. In einigen illustrierten Werken finden sich Zeichnungen Hittorffs und anderer Architekten als Originalblätter wohl von Hittorff selbst eingefügt sowie Notizen und eingezeichnete Ergänzungen und Korrekturen, mit denen er seine eigene Ansicht über Baugeschichte und Baurekonstruktion beisteuerte. So kommt einigen Büchern der Rang von Originaldokumenten zu.

2.125 Der größte Teil der Hittorffschen Bibliothek besteht aus Werken, die sich direkt oder indirekt mit den Problemen seines Berufes befassen. Dieser Bestand ist eine reine " Fachbibliothek". Es finden sich Titel über architektonische Grundprobleme und Detailfragen, aktuelle Schriften, allgemeines kunstgeschichtliches Material und zahlreiche Titel von bedeutenden Kollegen wie Karl Friedrich Schinkel, Gottfried Semper, Eugène Viollet-le-Duc, Sulpiz Boisserée, Victor Baltard, Guillaume Abel Blouet. Vor allem auch Literatur, die sich mit Köln und dem Kölner Dom beschäftigt, hat Hittorff stets interessiert. Außerdem sammelte er Bücher über Geschichte, Kunst und Sagenwelt des Altertums ebenso wie Titel, die ihm über Nebenfragen seines Berufes Aufschluß gaben: u. a. technische Probleme, soziale Fragen, Statistik. Bei den Zeitschriften handelt es sich vor allem um Bauzeitschriften, Kunstblätter und archäologische Fachorgane, überwiegend aus Frankreich, Deutschland und Italien.

Uwe Westfehling

Sammlung Oidtman

2.126 Ernst von Oidtman (1854-1937) sammelte über 60 Jahre lang in vielen Archiven (öffentlichen, aber auch kirchlichen und privaten), Bibliotheken, Museen und Kirchen Material für seine genealogischen Forschungen, kopierte, exzerpierte oder photographierte die ihm wichtig erscheinenden Stammbücher, Urkunden, Verträge, Tabellen, Stammtafeln, Übersichten etc. Nach seinem Tode wurde das Material testamentarisch der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln vermacht und befindet sich heute in der Bibliothek. Der Informationswert ist in der Fachwelt nicht unumstritten, da Oidtman fast nie die von ihm benutzten Quellen angibt. Der Nachlaß besteht aus (1) 21 genealogischen Notizbüchern, (2) einer Büchersammlung, die Oidtman als Handbibliothek für seine genealogischen Forschungen benötigte (Literatur zur Geschichte, vor allem der Rheinlande, Genealogie, Heraldik, Ortsgeschichte), (3) 58 Urkunden (aus den Jahren 1381-1785) und (4) einer umfangreichen genealogischen Sammlung (überwiegend rheinischer Familien) in insgesamt 1333 Mappen, wobei der Umfang der Mappen ganz beträchtlich schwankt (mancl nur einzelne Blätter, meist jedoch umfangreiches Material zu einer Familie). Sammlung Mathilde von Mevissen

2.127 Aus dem Nachlaß der Mathilde von Mevissen (1848-1924) ist ein umfangreicher Bestand an Kleinschriften und Flugblättern der Frauenbewegung um 1900 vorhanden, in der sie aktiv war. Insbesondere sind Schul- und Hochschulausbildung (Verein Mädchengymnasium Köln usw.) und das Frauenwahlrecht berücksichtigt. Eingesprengt sind Teile der Korrespondenz, z. T. mit führenden Frauenrechtlerinnen der Zeit (Gertrud Bäumer, Alice Bensheimer, Helene Lange). Die Briefe wurden an das Historische Archiv der Stadt Köln abgegeben.

Gunter Quarg

Die Islandsammlung von Heinrich Erkes

2.128 Heinrich Erkes (*1864 in Elberfeld, † 1932 in Köln) war ursprünglich Importkaufmann für Schafwolle und tierische Roherzeugnisse. 1920 wurde er wissenschaftlicher Bibliothekar an der neugegründeten Universitätsbibliothek Köln. Dieser Vorgang, an dem u. a. Adenauer beteiligt war, führte zu einer heftigen Pressefehde (" Fall Erkes"). Als engagierter Sozialdemokrat gehörte Erkes jahrelang dem Rat der Stadt Köln und dem preußischen Landtag in Berlin an. Seit etwa 1900 beschäftigte er sich als Privatgelehrter intensiv mit Island und baute eine ca. 4500 Titel umfassende Sammlung dazu auf. Sie ging seit dem Eintritt von Erkes in den Bibliotheksdienst schrittweise in den Besitz der Bibliothek über. Die Sammlung umfaßt alle Sachgebiete. Besonders bemerkenswert sind die 232 Titel aus der Zeit vor 1800. Darunter befinden sich z. B. die erste isländische Bibel (1584), die " Jonsbok" (1578), die erste Gesamtausgabe der Saemundar-Edda (1787-1828). Aus späterer Zeit fehlt kaum ein wichtiger Titel. Die Sammlung ist nicht geschlossen aufgestellt. Erkes hat sie jedoch um 1930 in einem handschriftlichen, alphabetisch angelegten Katalog erfaßt (Kopie in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Original in der Nationalbibliothek Reykjavik). Im sachlich angelegten Islandkatalog der Universitätsbibliothek Kiel und der Stadt- und Universitätsbibliothek Köln von Olaf Klose (1931) sind die Bestände der Sammlung Erkes ergänzt durch den ursprünglichen Bestand der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln mit dem Kürzel "Kö" gekennzeichnet. Die Sammlung Erkes wird, wenn auch in stark eingeschränktem Umfang, fortgeführt.

Stefan Ertz

Sammlung Bäumker

2.129 Die Bibliothek des Musikwissenschaftlers Friedrich Wilhelm Bäumker (1842-1905) gelangte nach dessen Tod in die Kölner Stadtbibliothek. Bäumker, der nach einem Studium der Theologie und Philosophie und seiner Priesterweihe (1867) eine Pfarrstelle in Rurich mit der Möglichkeit zur freien Forschung bekam, widmete sich zeit seines Lebens der Kirchenmusik. Für sein Hauptwerk, die Abhandlung über das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen (Freiburg 1883-1900), brachte er eine umfängliche Literatursammlung zusammen. Sie umfaßt insgesamt 1700 Titel (davon aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs 15; aus der ersten Hälfte des 17. Jhs 30; aus der zweiten Hälfte des 17. Jhs 100; aus der ersten Hälfte des 18. Jhs 160; aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs 340; aus der ersten Hälfte des 19. Jhs 340; aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs 550; aus der ersten Hälfte des 20. Jhs 180, viele davon nach Bäumkers Tod, da die Sammlung auch heute noch weitergepflegt wird). Darunter finden sich fast ausschließlich deutschsprachige Titel, nur wenige lateinische und einzelne Werke in französischer und niederländischer Sprache.

2.130 Die Sammlung, die nach seinem Tode von der Stadtbibliothek aufgekauft wurde, " um sie vor der Zersplitterung zu bewahren" (Ratsbeschluß vom 20. Juli 1905), wurde geschlossen aufgestellt und enthält neben Büchern mit den Sprüchen und Psalmen Davids zahlreiche Gesangbücher für verschiedene Regionen Deutschlands (insbesondere Köln), weiterhin Andachtsbücher verschiedener Bruderschaften und verschiedener Gemeinden zu bestimmten Festtagen oder zu bestimmten Heiligen. Andachtsübungen, Andachtsordnungen und Gesangbücher sowie Gebetbücher für die Mission sind ebenso vertreten wie Pilgerbücher und Wallfahrtsliteratur, doch fehlen auch theoretische Werke, vor allem zum gregorianischen Choral, nicht in Bäumkers Sammlung. Ende des 18. Jhs wurden kombinierte Gesang- und Gebetbücher immer beliebter die Sammlung spiegelt diese Entwicklung ebenfalls wider. Im 19. Jh überwogen wieder reine Gesangbücher, außerdem Gesangbücher für Schule und Unterricht, Choralbücher, Melodienbücher zu Kirchenliedern, Orgelbegleitungen zu Melodien von Gesangbüchern und Mailieder (Marienverehrung). Druckort vieler Werke ist Köln, an Druckern ist vor allem Friessem (18. Jh) zu nennen. Neben der nachgelassenen Literatur ist ein Teil des handschriftlichen Nachlasses Bäumkers vorhanden. Nachlaß Küppers-Loosen

2.131 Die Sammlung von Georg Küppers-Loosen († 1910), die 1911 übereignet wurde, enthält insgesamt 1071 Titel. Der größte Teil stammt aus dem ausgehenden 19. und dem beginnenden 20. Jh. Neben allgemeiner Wissenschaftslehre, Philosophie (vor allem Nietzsche), Theologie (Jesuitenmission in Fernost u. ä.) und allgemeiner Literaturgeschichte (vor allem zum fernöstlichen Kulturbereich) finden sich in den nachgelassenen Schriften Vertreter der französischen Romantik und des Realismus (z. B. Dumas und Hugo) und Reiseberichte des französischen Romanciers Pierre Loti (z. B. Fantome d'Orient). Spanische und italienische Autoren sind in den gängigen zeitgenössischen Ausgaben vorhanden, bei den nordischen Sprachen fallen einige Ibsen-Ausgaben in deutschen Übersetzungen auf. Die Gruppe " Deutsche Schriftsteller" (ca. 2000 Titel) enthält vor allem Unterhaltungsliteratur des ausgehenden 19. Jhs (vor allem Hermann Sudermann, Carl von Perfall und Clara Viebig), ebenso humoristische Literatur ( u. a. Wilhelm Busch, Ernst Eckstein), außerdem Erotica und Sexualkunde (Magnus Hirschfeld). An historischen Werken sind neben politischen Tagesschriften, Tagebüchern und Erinnerungen noch Kolonialschrifttum und Reiseberichte ( u. a. südamerikanische Autoren in originalsprachlichen Ausgaben) erwähnenswert. Der Bestand ist gänzlich in die Sachgruppen der Stadtbibliothek eingeordnet worden, einige Titel sind auch in die städtischen Volksbüchereien gelangt.

Reinhard Feldmann


Quelle: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.