FABIAN HANDBUCH: HANDBUCH DER HISTORISCHEN BUCHBESTÄNDE IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND EUROPA SUB Logo
 
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Vorwort zum Regionalteil

Es erfüllt uns mit Freude und Erleichterung, daß wir nach jahrelanger mühevoller Arbeit die Bände Baden-Württemberg und Saarland des Handbuches der historischen Buchbestände in Deutschland veröffentlichen können. Ein neues Handbuch dieser Art ist ein ebenso riskantes wie lohnenswertes Unternehmen. Über seinen Wert sich zu äußern, kann nicht Sache der Herausgeber und Bearbeiter sein. Am Ende müssen diejenigen ein kritisches Urteil fällen, die es als Nachschlagewerk benutzt haben.

Vor Beginn und am Anfang unserer Arbeiten herrschte weithin Skepsis. Ohne die Beteiligung der großen, an alten Bücherbeständen vor 1900 reichen Bibliotheken in dieser Leihregion hätten zwangsläufig die Beschreibungen der umfangreichsten Sammlungen fehlen müssen. Waren, so wurde beispielsweise gefragt, diese großen Sammlungen nicht längst hinreichend bekannt und die einzelnen Titel im Zentralkatalog in Stuttgart nachgewiesen? Gab es überhaupt ausreichende Vorarbeiten für eine Bestandsgeschichte der einzelnen Bibliothek? Würde die je nach Entstehungszeit des jeweiligen systematischen Katalogs gebräuchliche Wissenschaftsterminologie als Ausgangsbasis für die Bestandsbeschreibung den wechselnden und speziellen Fragestellungen des modernen Wissenschaftlers heute und morgen entsprechen können? Wie sollte ein Gesamtregister die terminologisch differierenden Beschreibungen hinreichend präzis erschließen? Wer sollte in den durch Massenbenutzung überforderten und unter personellen Engpässen leidenden großen Bibliotheken diese alten Sammlungen mit ihren hunderttausenden von Titeln aus allen Wissengebieten beschreiben? Gab es überhaupt noch Bibliothekare, die diese Altbestände ausreichend kannten? Hätte man die Mittel der Volkswagen-Stiftung nicht doch besser für die retrospektive Konversion der Katalogdaten in maschinenlesbarer Form verwenden sollen?

Diese und viele andere Fragen haben uns den Entschluß zur Mitarbeit nicht leicht werden lassen und dazu geführt, daß die Bibliotheken in dieser Leihregion zwar früher als die in Bayern, aber erst ein Jahr nach dem Arbeitsbeginn im Norden sich zur Mitwirkung bereit gefunden haben. Was wir jetzt trotz dieser Zweifel mit Hoffnung und Zuversicht vorlegen, ist die Beschreibung einer ganzen Bibliothekslandschaft in Einzeldarstellungen, eine Art Topographie der großen und kleineren Sammlungen der materiellen Grundlagen unserer Geistes- und Kulturgeschichte in dieser Region. Wir sind uns dabei bewußt, daß dieses Handbuch nicht immer alle Erwartungen erfüllen kann, die der einzelne Leser hat, wenn er es für Informationen zu einer speziellen Frage, über eine einzelne Bibliothek oder eine Sammlung in einer einzelnen Bibliothek konsultiert. Die Bestandsbeschreibungen dieser Bibliotheken müssen zwangsläufig je nach personeller Kapazität und nach Erschließungssituation am Ort (in günstigen Fällen systematische Aufstellung und systematischer Katalog) in Umfang und Qualität differieren.

Der nicht sehr häufige Idealfall ist dort gegeben, wo letzte Kenner der Altbestände oder jüngere Bibliothekare und Wissenschaftler, die sich erstmals bereitwillig damit vertraut gemacht haben, dem Leser in einer detaillierten, evaluierenden Inhaltsbeschreibung ein verläßliches und zutreffendes Bild vom Umfang und von der Eigenart und Qualität der Bücherbestände eines speziellen Sachgebietes vermitteln. Gewiß werden aber auch quantitative Beschreibungen mit chronologischen und sprachlichen Angaben aussagekräftig genug sein können, um dem Wissenschaftler eine Entscheidungshilfe dafür zu geben, ob es sich für ihn lohnt, wegen einer speziellen Fragestellung in einer Bibliothek genauer zu recherieren. Wir sind daher zu der Auffassung gelangt, daß das Handbuch auch in der vorliegenden Form eine wichtige Aufgabe erfüllen kann.

Das Land Baden-Württemberg ist reich an wissenschaftlichen Bibliotheken. Allein in seinen im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört gebliebenen großen alten Sammlungen der drei Universitätsbibliotheken in Freiburg, Heidelberg und Tübingen sowie in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart finden sich nach einer im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgeführten Studie von Erdmute Lapp die umfangreichsten Bestände deutscher Nationalliteratur vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts. Neueste Untersuchungen und Erfahrungen von Wissenschaftlern mit dem Zentralkatalog in Stuttgart haben ergeben, daß auch die kleinen Bibliotheken in dieser Region reiche Bestände an süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Büchern besitzen, die in den Bücherverzeichnissen und Nationalbibliographien nicht angezeigt sind.

Daher war es nicht verwunderlich, daß wir während der Arbeiten an den fast 180 Handbucheinträgen bis zuletzt immer wieder überraschende Entdeckungen gemacht haben. Wir sind deshalb überzeugt, daß das Handbuch nicht nur dem einzelnen Wissenschaftler, sondern auch den Bibliothekaren selbst ein detaillierteres Bild der Altbestände in den Bibliotheken zu vermitteln vermag. Häufig kennen diese ihre alten Büchersammlungen nicht oder haben nur überlieferte und teilweise irreführende vage Vorstellungen davon. Sie zeigen sich jetzt durch die Entdeckung der bislang unbekannten Bestände ebenso überrascht wie durch die Korrektur an den überlieferten Meinungen von Umfang und Qualität der bekannten.

Wir erheben mit unseren Bänden nicht den Anspruch, Beschreibungen aller historisch bedeutsamen Büchersammlungen in Baden-Württemberg und dem Saarland zu bieten. Die Zahl der ermittelten Sammlungen, die potentiell in das Handbuch hätten aufgenommen werden können, war sehr viel größer als die Zahl der jetzt beschriebenen. Häufig existierten alte Sammlungen nicht mehr, nicht selten wurde, vor allem bei einzelnen Adelshäusern, die Aufnahme in das Handbuch nach längeren Verhandlungen entschieden abgelehnt. So ist es uns zum Beispiel nicht gelungen, für die Bearbeitung der größten alten Büchersammlung in Privatbesitz, die der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen (rund 132.000 Bände), die Zustimmung zu erhalten. Wir möchten auch nicht verschweigen, daß einzelne Handbucheinträge solcher oder ähnlicher Sammlungen eines Tages nur noch historischen Wert haben können, weil die beschriebenen Objekte verkauft oder versteigert worden sind.

Daß dieses Handbuchprojekt in Baden-Württemberg und im Saarland zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden konnte, verdanken wir in erster Linie seinem Bearbeiter, Herrn Dr. Sühl-Strohmenger. Sein Verdienst ist es auch, daß die Zuversicht aller Beteiligten in Sinn und Erfolg dieses Unternehmens mit dem Fortgang der Arbeiten ständig wuchs. Er hat seine ganze Arbeitskraft diesem Projekt gewidmet - mit Sachkenntnis, Umsicht, Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft sowie mit großem Organisationstalent, am Anfang ausschließlich, später neben seinen umfangreichen und verantwortungsvollen Aufgaben als Fachreferent und als Leiter der Benutzungsabteilung II (Information). Er hat die in Frage kommenden Bibliotheken ermittelt, Verhandlungen mit hunderten von Ansprechpartnern geführt, deren Bedenken überwunden und sie zur Mitarbeit motiviert, die einzelnen Mitarbeiter innerhalb und außerhalb der Bibliotheken beraten und betreut, die vielfältigen Arbeiten organisiert, die einzelnen Handbuchtexte korrigiert und Einträge selbst geschrieben. Daß es bereits während des Projektes gelungen ist, mit Hilfe der Unterhaltsträger, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg wertvolle Sammlungen in kleineren Bibliotheken durch Neukatalogisierung und Nachweis im Zentralkatalog Baden-Württemberg oder im Datenpool des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes neu zu erschließen, darf als verdienstvoller Nebeneffekt unserer Arbeiten angesehen werden.

Dank und Anerkennung gelten darüber hinaus vor allem auch den Mitarbeitern in unserer Freiburger Regionalredaktion, insbesondere Frau Dr. Isolde Tröndle-Weintritt, die nicht nur Handbuchtexte selbständig verfaßt, sondern auch zahlreiche Texte anderer Mitarbeiter mit großer Sachkenntnis redaktionell überarbeitet hat, zuletzt ein Jahr lang in der Zentralredaktion in Münster.

Herrn Prof. Dr. Heinz Holeczek und Herrn Hermann Pank verdanken wir zahlreiche Handbucheinträge und Textkorrekturen, Herrn Heinz-Ernst Ohnemus als wissenschaftlicher Hilfskraft Unterstützung in vielfältiger Weise und die Eingabe einzelner Texte in das EDV-System. Ohne die freundliche Hilfe von Herrn Richard Hilgers in der Landeskundlichen Abteilung der Stadtbibliothek Saarbrücken hätte der Teil Saarland schwerlich bearbeitet werden können. Er ist auch Autor des betreffenden Abschnitts der folgenden Einleitung.

Ein Projekt dieser Art und dieses Umfangs kann nur mit dem Verständnis und der freundlichen Unterstützung zahlreicher Personen und staatlicher, kommunaler und kirchlicher Institutionen zu einem glücklichen Ende geführt werden. Zum Gelingen haben vor allem unsere Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken, in den Archiven und im Zentralkatalog Stuttgart beigetragen. Sie haben uns Hinweise auf Sammlungen gegeben, engagiert unsere Arbeiten unterstützt, Texte verfaßt, nicht selten weit über ihre dienstlichen Aufgaben und Pflichten hinaus und mit wachsendem Interesse für die eigenen Altbestände.

Finanzielle Hilfe wurde uns durch Herrn Dr. E.-L. Solte (Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg), durch die Kanzler einzelner Universitäten (wissenschaftliche Hilfskräfte) und durch die Arbeitsämter (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) zuteil. Dem Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg und dem Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg verdanken wir die Unterstützung im Bereich der kirchlich-katholischen Bibliotheken. Die Oberkirchenräte der Evangelischen Landeskirchen in Baden und in Württemberg haben uns im Bereich der kirchlich-evangelischen Bibliotheken (auch finanziell) unterstützt. Die Sammlungen in den Staats- und Kommunalarchiven sowie in den Gymnasien hätten wir ohne die Hilfe der zuständigen Stellen nicht beschreiben können. Ihnen allen gebührt unser Dank.

So bleibt zum Schluß die Hoffnung, daß diese Bände des Handbuches wohlwollend aufgenommen werden, auch wenn sie aus den genannten Gründen nicht immer alle Erwartungen erfüllen können und daß sie jedem, der für seine wissenschaftlichen Arbeiten auf die in dieser Region vorhandenen älteren materiellen Grundlagen unserer geistigen Überlieferung angewiesen ist, als hilfreiches Nachschlagewerk dienen.

Freiburg, Dezember 1993

Wolfgang Kehr


Quelle:Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner.
Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.